Den Spaß an vermeintlich schlechten Filmen oder ungesundem Essen bezeichnen viele als Guilty Pleasure. Vergnügen mit Schuldgefühlen? Der Begriff ist problematisch, aber aufschlussreich.
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August 24, 2018
Juni 09, 2016
Heimkino: BLOW OUT
John Travolta war nie besser als in Brian De Palmas meisterlichem Psychothriller "Blow Out", der auch ein definitives Statement zum Kino selbst ist. Erstmals erscheint der Film jetzt auf Blu-ray in Deutschland.
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Dezember 05, 2013
Kino: CARRIE (2013)
Hurra, hurra, die Schule brennt: Drei Mal schon wurde sie für Film und Fernsehen aufbereitet, die Geschichte des unterdrückten Mädchens und ihrer entfesselten telekinetischen Kräfte zum Abschlussball. Und drei Mal schon bekam dabei niemand so recht den großartigen Roman von Stephen King zu fassen. Fast pflichtschuldig also versprach die nunmehr vierte "Carrie"-Adaption, nicht Brian De Palmas erste Version, sondern selbstverständlich das Buch neu zu verfilmen. [...]
April 29, 2013
Kino: PASSION
Mit Brian De Palma ist nicht mehr viel los. Aus Hollywood hat er sich längst verabschiedet, sein letzter Film, das Kriegsdrama "Redacted", blieb 2007 weitgehend unbeachtet. Jetzt hat De Palma wieder einen Thriller gedreht, an Originalschauplätzen in Berlin. Die deutsch-französische Koproduktion "Passion" knüpft an die schmuddelig-eleganten Pulp-Melodramen seiner Hochphase an, nur echt mit schwarzen Handschuhen, funkelnden Messern und seidenen Strapsen. [...]
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November 24, 2010
Zuletzt gesehen: THE HOUSE ON SORORITY ROW
Mit einigen Thrilleranleihen versehener, aber sonst recht exemplarischer B-Horror aus der Blütezeit des Slasherfilms, der in Deutschland seltsamerweise bisher nie veröffentlicht wurde. Den genreüblichen Zutaten fügt Regisseur Mark Rosman, besonders visuell unverkennbar ein Protegé Brian De Palmas, wenig hinzu: Die unheilvolle Exposition aus der Vergangenheit, promiske Teenager, die auf den Tod warten, und ein sleaziger Plot, dem es hin und wieder an Gross-Out-Momenten fehlt. "House on Sorority Row" funktioniert aber wie viele seiner Vertreter als atmosphärisches Zeitkolorit in schicken Bildern, und nicht zuletzt die erstaunlicherweise sinfonische Musik von Richard Band trübt über die gelegentlich arg ungelenke Inszenierung hinweg. Autor Kevin Williamson hat den Film offenbar genau geschaut und die Idee trügerischer Schuld im jugendlichen Sündenpfuhl clever für sein Drehbuch zum unterschätzten "I Know What You Did Last Summer" konkretisiert.60%
September 11, 2010
September 01, 2010
Zuletzt gesehen: THE BONFIRE OF VANITIES (1990)
Fast jeder namhafte Regisseur verzeichnet ihn in seinem Oeuvre, den einen großen Ausrutscher, den Publikums- und Kritikerflop, den großen Scheiterfilm. "The Bonfire of Vanities" ist Brian De Palmas Katastrophenzeugnis, sein "Popeye", "Cutthroat Island" oder – na ja, nicht ganz – "Heaven’s Gate", seine persönliche Niederlage jedenfalls. Der Film wurde weltweit verrissen, weil er die gefeierte Vorlage von Tom Wolfe in den Sand gesetzt habe, erwies sich als kolossales Verlustgeschäft für Warner und inspirierte letztlich gar ein eigenes Buch über die kontroverse Produktionsgeschichte, in dem der Film als Musterbeispiel eines Hollywoodfiaskos ausgewiesen wird. Aber Scheitern ist immer spannend. Ein Film wie dieser, der alles sein will, aber nichts ist, interessiert mich immer noch mehr als die meisten erfolgreich gelackten Brachenerzeugnisse. "The Bonfire of Vanities" ist ein Manifest aus Indifferenz und Ideen, die in die falsche Richtung laufen. Der Film ist konsequent undurchdacht und ganz offensichtlich der kompromittierte, seichte, harmlose Überrest seiner vermutlich zynischen und bitterbösen Vorlage. Er vereint einen Haufen unerträglicher Figuren, und die wenigen nicht unerträglichen sind zumindest unerträglich fehlbesetzt. In seiner ganzen Blöße ist das dennoch ein faszinierender Film voll ungenutzter Möglichkeiten und mit einigen unglaublich skurrilen Aussetzern auf der Humorskala. Ein gescheiterter De Palma, sehenswerter als manch gescheiter.
60%
60%
Zuletzt gesehen: HOME MOVIES (1980)
Hysterische Low-Budget-Komödie über eine dysfunktionale Familie, die sich offenbar satirisch meint in der Überspitzung diverser all american values. Die Geschichte wird, ich vermute mal zur besseren Verdaulichkeit des Unsinns, in die Rahmenhandlung eines Dozenten und seines Filmkurses verlegt, die den Familienteil von "Home Movies" wie eben ein Home Movie erscheinen lässt. Brian De Palma hat den Film mit Studenten zum Abschluss seines kurzzeitigen Lehrstuhls gedreht, was nahe legt, dass das Framing auf ebendiesem Filmkurs basiert. Zwar begegnet man hier einigen von De Palmas Stammschauspielern, ansonsten aber finden sich in dieser lautstarken und enorm anstrengenden Comedy bestenfalls Bruchstücke seines Stils wieder. Der Film hat zugegeben hin und wieder einen gewissen schrillen Charme, überwiegend aber ist das ein höchst uninteressanter und öder Studentenulk, der in De Palmas Oeuvre zurecht bestenfalls eine Fußnote einnimmt.
30%
30%
August 31, 2010
Zuletzt gesehen: SCARFACE (1983)
Aufstieg und Fall eines kubanischen Flüchtlings in Miami, der sich die unbegrenzten (Karriere)Freiheiten der USA zu eigen macht und vom buchstäblichen Tellerwäscher zum Gangstermillionär hocharbeitet. Brian De Palma hat hier das Drehbuch von Hollywoods seinerzeit größter Koksnase Oliver Stone verfilmt, der "Scarface" als Satire auf den American Dream und das aufsteigende Yuppietum anzulegen schien. In einem Meer aus Vulgarismen, Drogen und Gewalt installiert sich Tony Montana sein eigenes Luftschloss in einer unsichtbaren Parallelgesellschaft: "The World Is Yours".
Eine Gegenstimme verleiht der Film Michelle Pfeiffer, die als Sprachrohr des Publikums die Selbstüberschätzung und Absurdität der von Al Pacino nahezu unerträglich gespielten Titelfigur kommentiert, irgendwann aber auch einfach sang- und klanglos aus der Handlung verschwindet (an Frauen ist Stone sowieso noch weniger interessiert als De Palma). Seltsam, dass "Scarface" in jenen Zirkeln zum unangefochtenen Klassiker mutierte, deren Abgrund er so übersteuert zu skizzieren scheint. Das mag daran liegen, dass der Film – trotzdem er keine Zweifel an der Verachtung seiner Figuren und deren Handlungen lässt – die eigene Coolness und Ästhetik genüsslich auskostet. Tony Montana ist zwar wahnsinnig, aber es ist ein Wahnsinn, der einem doch ein "genial" abzugewinnen versucht. Der Film ist fasziniert von dieser Figur, und am Ende eines Ballerfinales (balla balla) ist er auch versucht sie zu heroisieren. Da verwundert es nicht, dass man "Scarface" geschätzte fünf Millionen Hip-Hop-Musikvideos zu verdanken hat, in denen sich die Prollkultur mit Goldkettchen und Fuffies im Club selbst feiert. Ohne "Scarface" gäbe es wohl keine Gangsterrapper, kein Grand Theft Auto und kein Tony-Montana-Poster in meiner Stammpizzabude. Ich möchte vorsichtig gestehen: Ein absolut verzichtbares Erbe.
40%
Eine Gegenstimme verleiht der Film Michelle Pfeiffer, die als Sprachrohr des Publikums die Selbstüberschätzung und Absurdität der von Al Pacino nahezu unerträglich gespielten Titelfigur kommentiert, irgendwann aber auch einfach sang- und klanglos aus der Handlung verschwindet (an Frauen ist Stone sowieso noch weniger interessiert als De Palma). Seltsam, dass "Scarface" in jenen Zirkeln zum unangefochtenen Klassiker mutierte, deren Abgrund er so übersteuert zu skizzieren scheint. Das mag daran liegen, dass der Film – trotzdem er keine Zweifel an der Verachtung seiner Figuren und deren Handlungen lässt – die eigene Coolness und Ästhetik genüsslich auskostet. Tony Montana ist zwar wahnsinnig, aber es ist ein Wahnsinn, der einem doch ein "genial" abzugewinnen versucht. Der Film ist fasziniert von dieser Figur, und am Ende eines Ballerfinales (balla balla) ist er auch versucht sie zu heroisieren. Da verwundert es nicht, dass man "Scarface" geschätzte fünf Millionen Hip-Hop-Musikvideos zu verdanken hat, in denen sich die Prollkultur mit Goldkettchen und Fuffies im Club selbst feiert. Ohne "Scarface" gäbe es wohl keine Gangsterrapper, kein Grand Theft Auto und kein Tony-Montana-Poster in meiner Stammpizzabude. Ich möchte vorsichtig gestehen: Ein absolut verzichtbares Erbe.
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August 26, 2010
Zuletzt gesehen: MISSION TO MARS (2000)
Wenn es drei Schauspieler gibt, mit denen ich auf keinen Fall zwei Stunden auf dem Mars verbringen wollen würde, wären es vermutlich Gary Sinise, Tim Robbins und Don Cheadle. Nun ja, wenn man als blinder Passagier auf Brian De Palmas "Mission to Mars" dabei sein möchte, lässt sich das wohl nicht vermeiden. Die Reise dorthin soll’s aber nicht trüben, zudem die drei, wie sich schnell zeigt, durch verschiedene Ebenen voneinander getrennt werden – und der Film (nicht nur räumliche) Distanz als eines der Kernthemen entwickelt. Nach und nach wird deutlich, dass die elegische Dramaturgie von "Mission to Mars", würde das Drehbuch nicht immer wieder störende Spannungsmomente einfordern, einen meditativen Grundton anzustimmen versucht, der – genretypisch – existenzialistische Fragen nach Sterblich- und Endlichkeit in den Mittelpunkt rückt. De Palmas ohnehin stets losgelöste Kamera erhält dabei im Weltraumkontext noch einmal eine ganz andere Bedeutung und findet beeindruckende Bilder für die Vermittlung schwereloser Räume (und Figuren), die man so wahrscheinlich noch nicht gesehen hat.
Doch alles Schöne kulminiert im Unschönen. Auf dem Mars angekommen wird’s besonders extraterrestrisch. Am Ende braucht es ein bisschen heitere Schöpfungsgeschichte, ein wenig Sinnieren über menschliche Ur- und Vorsprünge und eine trotzdem wie immer – geschlechtlich und ethnisch – klare Rollenverteilung. Der sich humanistisch wähnende, hochpeinliche Schlussakt samt Händchenhalten mit einem CGI-Alien besitzt dann leider auch nicht die unbekümmerte Naivität eines Steven Spielberg, dessen "Close Encounters" hier ebenso zitiert wird wie der (scheinbar) unumgängliche Kubrick. Schade eigentlich, dass dieser anfänglich noch recht faszinierende Science-Fiction-Trip sein Ende in esoterischem Erlöserkitsch Marke Darren Aronofsky finden muss.
30%
Doch alles Schöne kulminiert im Unschönen. Auf dem Mars angekommen wird’s besonders extraterrestrisch. Am Ende braucht es ein bisschen heitere Schöpfungsgeschichte, ein wenig Sinnieren über menschliche Ur- und Vorsprünge und eine trotzdem wie immer – geschlechtlich und ethnisch – klare Rollenverteilung. Der sich humanistisch wähnende, hochpeinliche Schlussakt samt Händchenhalten mit einem CGI-Alien besitzt dann leider auch nicht die unbekümmerte Naivität eines Steven Spielberg, dessen "Close Encounters" hier ebenso zitiert wird wie der (scheinbar) unumgängliche Kubrick. Schade eigentlich, dass dieser anfänglich noch recht faszinierende Science-Fiction-Trip sein Ende in esoterischem Erlöserkitsch Marke Darren Aronofsky finden muss.
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August 24, 2010
Zuletzt gesehen: CARRIE (1976)
Seit ich als Kind Stephen Kings "Carrie" las, habe ich mich immer wieder an Brian De Palmas Kinoadaption des Stoffes gewandt, in der Hoffnung, der Film würde mich ähnlich fesseln und verstören wie Kings kluger Debütroman über die entfesselten Kräfte eines jungen repressiven Mädchens. Doch ich werde einfach nicht warm mit De Palmas Manierismen, die kaum etwas vom behutsam erarbeiteten, subtilen und sorgfältigen Psychohorror der Vorlage auf die Leinwand übertragen können. Der Film findet zu keinem homogenen Tonfall, an deplatziert komische reiht er wenig wirkungsvoll erschreckende Momente. Die starken Figuren des Buches sind im Film gut bis sehr gut besetzt, aber es fehlt De Palma an charakterlichem Fokus (vielleicht, weil er mehr damit beschäftigt ist die Kamera scharf zu stellen). Der visuelle Einfallsreichtum ist sicherlich beachtlich, und die üblichen handwerklichen Kniffe des Regisseurs sind bemüht, das in der Vorlage geradezu apokalyptische, quasi unverfilmbare Finale in zermürbende Bilder zu übersetzen. Dennoch bleibt "Carrie", zumindest für mich, nur eine schale Interpretation des psychologisch feinfühligen, brillant die Ängste junger Heranwachsender thematisierenden Romans. Und es hätte bei der Umsetzung eines derart femininen und theoretisch eine Fülle an Gender-Diskursen anstoßenden Stoffes doch einen Regisseur gebraucht, der – ohne mir den langen Kritikerbart vom vermeintlich misogynen De Palma anheften zu wollen – etwas mehr von Frauen versteht, als nur Duschszenen in Slow-Motion zu filmen.
50%
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Travolta
August 23, 2010
Zuletzt gesehen: CASUALTIES OF WAR (1989)
Brian De Palma, der Bildermacher, der visuelle Erzähler, der Kameraflüsterer, ist nun nicht unbedingt jemand, der Filme aus dem Kopf heraus inszeniert, ein Diskursanstifter schon gar nicht. Mit "Casualties of War" hat er einen Kriegsfilm gedreht, auf der Höhe des US-Kinos über Vietnam. Durchaus vorstellbar, dass ein (mutmaßlich) ideologisch weitgehend unbefangener Ästhet wie De Palma sich Zugang zu jenem komplizierten Genre verschafft, das seit jeher den bekannten Widerspruch in sich trägt, Krieg bedienen und Krieg verurteilen zu müssen. Doch seine Verliebtheit in Stil und Formschönheit bricht dem Film schon nach wenigen Minuten das Genick, wenn er Marty McFly in einen unterirdischen Tunnel stürzen lässt und aus der Frage, ob er von einem herannahenden Vietnamesen erstochen oder doch noch in letzter Sekunde vom Sarge hochgezogen wird, mittels Montage einen klassischen Suspense-Moment zu kreieren versucht. Solche geschmacklosen Momente durchziehen den gesamten Film, sogar vor einer nur auf äußere Spannung ausgerichteten Giallo-Hommage schreckt De Palma nicht zurück. Krieg als Kintopp - statt Politik gibt’s den Film-Film der Woche.
Am Schlimmsten aber: Die (überaus reißerische) Geschichte von Vergewaltigung und Mord könnte in jedem x-beliebigen Krieg spielen, genau genommen müsste sie überhaupt nicht einmal im Krieg verortet sein, sondern könnte sich überall zu jeder Zeit zutragen. Der Film hat nichts Relevantes über Krieg, geschweige denn den Vietnamkrieg, zu erzählen (außer Allgemeinplätze: Krieg gebärt Monster, ist unmenschlich, ist böse…), er ist weder Kommentar noch Diskussion, ist unspezifisch und austauschbar. Und wie er im letzten Drittel zu erkennen gibt, ist "Casualties of War" nicht einmal ein Kriegsfilm, sondern nur wieder verwertbares Thrillerkino, dessen Manipulationstechniken – wie etwa die Befriedigung des Wunsches nach Gerechtigkeit – vor realem Hintergrund umso ärgerlicher sind.
20%
Am Schlimmsten aber: Die (überaus reißerische) Geschichte von Vergewaltigung und Mord könnte in jedem x-beliebigen Krieg spielen, genau genommen müsste sie überhaupt nicht einmal im Krieg verortet sein, sondern könnte sich überall zu jeder Zeit zutragen. Der Film hat nichts Relevantes über Krieg, geschweige denn den Vietnamkrieg, zu erzählen (außer Allgemeinplätze: Krieg gebärt Monster, ist unmenschlich, ist böse…), er ist weder Kommentar noch Diskussion, ist unspezifisch und austauschbar. Und wie er im letzten Drittel zu erkennen gibt, ist "Casualties of War" nicht einmal ein Kriegsfilm, sondern nur wieder verwertbares Thrillerkino, dessen Manipulationstechniken – wie etwa die Befriedigung des Wunsches nach Gerechtigkeit – vor realem Hintergrund umso ärgerlicher sind.
20%
August 22, 2010
Zuletzt gesehen: BLOW OUT (1981)
Brian De Palma adaptiert Michelangelo Antonionis Frage nach einer objektiven Realität, indem er den zufälligen Zeugen eines Unfalls, John Travolta als Tontechniker schäbiger B-Filme, den tückischen Mordfall eines Gouverneurs rekonstruieren lässt - ganz auf die Mittel seines Handwerks angewiesen. Travoltas Figur ist folglich bemüht, die Wahrnehmung mithilfe zusammengesetzter Bilder und getrennter Tonspuren nachträglich so zu entzerren, dass der eigene Blick und die tatsächlichen Geschehnisse sich decken mögen. Die filmische Suche nach der Wahrheit gerinnt allmählich zur filmischen Wahrheit, die sich bei De Palma – man denke an sein berühmtestes Zitat ("The camera lies all the time; lies 24 times/second") – eigentlich nur als Lüge erweisen kann. Nicht so hier. Gegen die Versuche einer Vertuschungspolitik der Machtträger gelingt es Travolta, die Mordbeweise auf Film zu bannen. "Blow Out" beharrt dabei zeitweise etwas zu sehr auf die detaillierten Elemente eines kriminalistischen Psychothrillers, statt sich ganz seiner filmreflexiven Qualitäten zu ergeben – jedoch nur bis zum bitteren Schluss, der Travolta zwingt, die gefundene (aber mittlerweile nutzlose) Wahrheit auf eine pervertierte Art ins Banale zu verfremden. Film bleibt also doch nur wieder Lüge für De Palma, und selten hat er es so packend und clever zu vermitteln gewusst. Großartig.
80%
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Zuletzt gesehen: DRESSED TO KILL (1980)
Elegant inszenierter Schmuddel-Thriller mit Strapsengarantie, der sich mit deutlichen Giallo-Bezügen im Wesentlichen als Hommage an Hitchcocks "Psycho" lesen lässt. Angie Dickinson ist vorzüglich als Janet Leigh, und Michael Caine gibt einen amüsanten Norman Bates. An die virtuose erste halbe Stunde kann Brian De Palma später nicht mehr anknüpfen, dafür verspricht er einige besonders ordinäre Höhepunkte, die im Kontext seiner nicht unähnlichen Folgearbeiten "Blow Out" und "Body Double" jedoch in gewisser Hinsicht sinnstiftend wirken (exemplarisch dafür die in allen drei Filmen durchexerzierten Duschszenen). Allerdings bleibt mir De Palmas Verständnis von Sex – in keinem Film so deutlich wie diesem – ein einziges Rätsel. Obwohl es um nahezu nichts anderes geht, hat dieser Film nicht den Hauch von Erotik. Sex ist hier stets auf irgendeine Art negativ konnotiert: Er ist Bedrohung, Waffe, Lockmittel, Ehebruch, Anleitung zum Mord. Er ist divant und irgendwie verächtlich, Spaß an Sex hat in De Palmas Filmen zumindest niemand, am Ehesten noch sorgt er für Geschlechtskrankheiten (ist hier tatsächlich der Fall). Wenig verwunderlich demnach, dass der Regisseur seine damalige Frau Nancy Allen gleich zwei Mal in Folge als Nutte besetzt hat. Als thematisches Konzept mag das in "Dressed to Kill" sogar seinen Sinn haben, das Bild vom verwerflichen Sex, aber De Palmas Filme erscheinen mir leider alle irgendwie so verstellt vulgär. Warum nicht mal sorgenfrei vögeln?
60%
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August 21, 2010
Zuletzt gesehen: THE FURY (1978)
Über lange Zeit hinweg scheint es, als laufen hier zwei Filme parallel: Ein politischer Verschwörungsthriller, ganz im Geiste der aufgeladenen 70er Jahre, und ein parapsychologisches Jugenddrama über Telekinese mit Horrorelementen, das nicht von ungefähr an "Carrie" erinnert. Erst nach und nach enthüllt Brian De Palma die Verbindungen der zunächst offenbar gegensätzlichen Erzählstränge, was dem visuell weitgehend zurückhaltenden und handlungslastigen Film besonders in der Mitte nicht immer gut bekommt. De Palmas Vorliebe für Perspektivwechsel und Verschiebungen der Wahrnehmungsebenen findet durch das telepathische Element einen überdeutlichen Ausdruck, der sich in sämtlichen Beziehungen der Filmfiguren spiegelt. Leider aber überlässt er dem Zuschauer wieder nur ungern die Denkarbeit und kehrt selbst noch die letzten Anflüge von Sub- oder Metatext nach außen. Diese Vorgehensweise findet eine graphische Entsprechung in der denkwürdigen und berühmten Schlussszene, die weniger ihres blutigen Effektes oder ihrer Radikalität wegen, als durch die Besetzung mit John Cassavetes, dem Urgestein des US-Independentfilms, einen interessanten und bleibenden Eindruck hinterlässt.
50%
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Zuletzt gesehen: WISE GUYS (1986)
Brian De Palma fühlt sich in vielen Genres wohl, mit wechselhaftem Erfolg hat er sich neben Thrillern oder Kriegsfilmen auch immer wieder im Komödienfach versucht. Selbst das verbindet ihn noch mit seinem großen Vorbild Hitchcock, und vielleicht wäre De Palma mit seinen unterschiedlichen Stoffen, aber unverwechselbarem Stil im klassischen Studiosystem Hollywoods besser aufgehoben gewesen, um als Regisseur auch unbestritten zur oberen Kanonriege der Autorenfilmer zu zählen.?! "Wise Guys", der hierzulande unter den saudämlichen Titeln "Zwei Superpflaumen in der Unterwelt" und "Zwei ausgeschlafene Jungs" firmiert, ist eine formelhaft amüsante Mafiakomödie, bei der De Palma seine technischen Sperenzien zugunsten eines straighten Comedyplots spürbar herunterschraubt und die Show ganz den Blödeleien seiner Hauptdarsteller überlässt. Danny DeVito beweist erneut sein Talent als hervorragender Komiker mit exzellentem Timing, während der ein oder andere Drehbuchgag komplett in die Hose geht. Irgendwie ist das aber ein sehr sympathischer Film, ein bisschen doof, ein bisschen drüber, und ganz schön anarchisch.
60%
60%
August 20, 2010
Zuletzt gesehen: SNAKE EYES (1998)
Am Anfang lässt Brian De Palma erst einmal minutenlang lang die Kamera kreisen, was sicher kompliziert gedreht und hübsch anzusehen, aber irgendwie auch nicht enden wollend und redundant und ein bisschen hysterisch ist. Eine Viertelstunde und den ersten ersehnten sichtbaren Schnitt später entfacht der Film dann einen Overacting-Zirkus ohnegleichen – Schauspielführung ist de Palmas Sache nicht. Interessant zumindest, wie sich der Thriller um ein Attentat in einer Boxarena filmisch nach und nach konstituiert: In "Rashômon"-Manier mit Rückblenden und verschiedenen Blickrichtungen, die beispielsweise in ein und derselben Einstellung von der subjektiven Perspektive einer Figur zu der subjektiven Perspektive der auktorialen Kamera wechseln, die damit zum eigentlichen Hauptdarsteller des Films wird. Entsprechend technisch ist "Snake Eyes" mit seinen vielen Plansequenzen kalkuliert und entsprechend leb- und leidenschaftslos erscheint seine Geschichte, die durch ein unschönes (dem Regisseur wohl aufgezwungenes) Ende auch noch völlig entwürdigt wird.
30%
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Zuletzt gesehen: PHANTOM OF THE PARADISE (1974)
Er verkauft dem Teufel seine Seele, wie einst auch der Gelehrte Heinrich Faust dem diabolischen Mephisto verfiel, spukt fortan in den Gemäuern eines großen Theaters herum, ganz so wie auch das Phantom es in der Oper tat, und er ist Teil eines schaurigen Grusical-Ambientes, das nicht selten an die "Rocky Horror Picture Show" erinnert: Winslow (William Finley) ist die tragische Gestalt, die ihre Songs an den Teufel in Menschengestalt, einem schmierigen Musikproduzenten (Paul Williams), verliert. Dieser plant im neu eröffneten Paradise-Theater eine große Rockoper, in der auch Winslows geheime Liebe Phoenix (unsicher, aber dennoch bezaubernd: Jessica Harper aus "Suspiria") auftreten soll.
Brian De Palmas Frühwerk ist ein ganz und gar unschuldiges Konglomerat aus der schönen Musik von Paul Williams und überladenen Showeffekten. In grotesken Kostümen und Sets entfacht der Regisseur ein theatralisch virtuoses Feuerwerk aus schrillen Stimmen, schiefen Gesten und zahlreichen Versatzstücken der Popgeschichte. Die gleichfalls leichtfüßige und naive Kampfansage an das korrupte System der Plattenlabels, -Chefs und Medienkonzerne, die den einzelnen Schaffenden als künstlerisches Individuum auszumerzen versuchen, wird mit einer erstaunlichen Sensibilität formuliert, die "Phantom of the Paradise" zu einem für De Palmas Verhältnisse ungewöhnlich sentimentalem Erlebnis macht. Zudem verkleidet der Regisseur seine geliebten Hitchcock-Referenzen hier noch in ironische Zitate, wenn er beispielsweise in einer an "Psycho" angelehnten Duschszene Messer gegen Saugglocke eintauscht. Die mitunter extrem ungelenke und hysterische Inszenierung und manch arg am Ziel vorbei geschossener Einfall trüben den Gesamteindruck jedoch merklich.
60%
Brian De Palmas Frühwerk ist ein ganz und gar unschuldiges Konglomerat aus der schönen Musik von Paul Williams und überladenen Showeffekten. In grotesken Kostümen und Sets entfacht der Regisseur ein theatralisch virtuoses Feuerwerk aus schrillen Stimmen, schiefen Gesten und zahlreichen Versatzstücken der Popgeschichte. Die gleichfalls leichtfüßige und naive Kampfansage an das korrupte System der Plattenlabels, -Chefs und Medienkonzerne, die den einzelnen Schaffenden als künstlerisches Individuum auszumerzen versuchen, wird mit einer erstaunlichen Sensibilität formuliert, die "Phantom of the Paradise" zu einem für De Palmas Verhältnisse ungewöhnlich sentimentalem Erlebnis macht. Zudem verkleidet der Regisseur seine geliebten Hitchcock-Referenzen hier noch in ironische Zitate, wenn er beispielsweise in einer an "Psycho" angelehnten Duschszene Messer gegen Saugglocke eintauscht.
60%
August 17, 2010
Zuletzt gesehen: MISSION IMPOSSIBLE (1996)
Kinoadaption der Erfolgsserie um eine Gruppe Geheimagenten, die das originelle Teamkonzept der Vorlage auf ein konventionelles Ein-Mann-Starvehikel herunter bricht, in dem sich Tom Cruise vergeblich als alternativer James Bond zu etablieren versucht. Cruise, hier auf dem Höhepunkt seines Erfolges, fährt als Produzent (mit Partnerin Paula Wagner) und Hauptdarsteller seinen bewährten Kurs: Keine Co-Stars auf Augenhöhe, keine wichtigen Szenen ohne ihn, keine allzu eigensinnigen Regisseure am Werk. Dementsprechend eignet sich der rein handlungsgetriebene Film für Regisseur Brian De Palma kaum zur Spielwiese der Verfremdung, und an Subversion ist er ja sowieso nie interessiert. Ein paar Subjektiven, eine CGI-Kamerafahrt ins Fenster eines Zuges, ein paar lose De-Palma-Motive um Schein und Sein, ansonsten rein schematisches Produzentenkino, das bis auf den großartigen Einbruch ins CIA-Hauptquartier keine nennenswerten Höhepunkte hinterlässt und sich rückblickend gar als etwas popeliger Blockbuster entpuppt. Herausragend einzig Danny Elfmans seinerzeit unkonventioneller Action-Score, der zum zigfach kopierten Prototypen wurde.
50%
50%
August 16, 2010
Zuletzt gesehen: BODY DOUBLE (1984)
Ein erfolgloser Schauspieler gerät als Zeuge eines Mordes in die Rolle seines Lebens und überwindet gleichermaßen Liebes- und Lebenskrise. Als Hollywoodthriller im doppelten Sinne mit Anleihen beim Exploitation- und Schmuddelkino inszeniert, erweist sich "Body Double" als einer der veritableren Filme von Brian De Palma. Im offenkundigen Sleaze-Kontext fühlen sich nicht nur die profanen Hitchcock-Bezüge des Regisseurs gut aufgehoben, sondern auch dessen Strapsen-, Titten- und Stripfetische, die er hier als selbstreflexiv deutbare und in sanften Anflügen von Einfallsreichtum auch Erzähltechniken spiegelnde Komödie über das Filmbusiness verhandelt. Dem Film fehlen jedoch inszenatorische Raffinesse und intellektueller Wille, um das Potenzial des Dopplungskonzepts deutlicher ausschöpfen zu können. Und Craig Wasson ist eine lebende Schlaftablette.
50%
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