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März 22, 2013

Zuletzt gesehen: THE DEVILS [DIE TEUFEL] (1971)

Noch immer ist er gleichermaßen faszinierend wie er auch wehmütig stimmt, der enorme inszenatorische Aufwand, mit dem Ken Russell sein rüdes zeitgeschichtliches Kirchen- und Sittengemälde in die An(n)alen der Filmgeschichte stieß. Von derart gigantischer Studiovertriebssystem-Exploitation, auf einem so hohen gestalterischen Niveau, bedingungslos grob und doch nicht unklug in seiner Radikalität, geradezu getrieben künstlerisch und ausufernd bitter, kann das Kino heute nur noch träumen. Die schlicht nicht zu bändigende orgiastische Wut der Russellschen Bilder hysterischer Penetration, sich Bahn brechender sexueller Kräfte und aberwitziger ritueller Tyrannei hat nichts von ihrer subversiven Schlagkraft eingebüßt: Nach wie vor ist jede reguläre Veröffentlichung der zentralen Rape-of-Jesus-Sequenz beraubt, noch immer ist dieser größte Zelluloid gewordene Anschlag auf die ästhetischen Grundpfeiler des Christentums dem Warner Bros. Entertainment ein Stein des Anstoßes. Als Manifest der Hemmungslosigkeit, durchaus auch plump in der Wahl der Mittel, und aber gleichfalls nachhaltig eindrucksvolle Popart-Orgie, die kirchliche Insignien konsequent auf ihre funktionalen Symbolismen von Unterdrückung, Folter und Unmenschlichkeit herunter bricht, ist "The Devils" auch über 40 Jahre nach seiner Veröffentlichung ein absonderliches, fassungslos-irres Vergnügen. 


70%

August 17, 2010

Zuletzt gesehen: MISSION IMPOSSIBLE (1996)

Kinoadaption der Erfolgsserie um eine Gruppe Geheimagenten, die das originelle Teamkonzept der Vorlage auf ein konventionelles Ein-Mann-Starvehikel herunter bricht, in dem sich Tom Cruise vergeblich als alternativer James Bond zu etablieren versucht. Cruise, hier auf dem Höhepunkt seines Erfolges, fährt als Produzent (mit Partnerin Paula Wagner) und Hauptdarsteller seinen bewährten Kurs: Keine Co-Stars auf Augenhöhe, keine wichtigen Szenen ohne ihn, keine allzu eigensinnigen Regisseure am Werk. Dementsprechend eignet sich der rein handlungsgetriebene Film für Regisseur Brian De Palma kaum zur Spielwiese der Verfremdung, und an Subversion ist er ja sowieso nie interessiert. Ein paar Subjektiven, eine CGI-Kamerafahrt ins Fenster eines Zuges, ein paar lose De-Palma-Motive um Schein und Sein, ansonsten rein schematisches Produzentenkino, das bis auf den großartigen Einbruch ins CIA-Hauptquartier keine nennenswerten Höhepunkte hinterlässt und sich rückblickend gar als etwas popeliger Blockbuster entpuppt. Herausragend einzig Danny Elfmans seinerzeit unkonventioneller Action-Score, der zum zigfach kopierten Prototypen wurde.


50%