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Januar 14, 2016

TV: FARGO - SEASON 2

Neue Figuren, neue Erzählung: Die zweite Staffel der Anthologieserie "Fargo" atmet zwar noch immer den Geist des gleichnamigen Coen-Films von 1996, verweist inhaltlich jedoch deutlich weniger konkret auf ihn. Anstelle entscheidender Plotverschränkungen treten hier Anknüpfungspunkte, die lediglich eine atmosphärische Nähe zum Vorbild suchen. Mehr noch als im ersten Jahr geht Showrunner Noah Hawley dabei souveräne, wenngleich nach wie vor von blutrotem Schnee gesäumte Wege. An der teils nun reichlich absurden Stoßrichtung der Serie dürfte sich entscheiden, wer "Fargo" weiterhin die Treue hält. [...]

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August 22, 2013

Kino: UPSIDE DOWN

Jim Sturgess verliebt sich Hals über Kopf in Kirsten Dunst, und das ist hier wörtlich zu nehmen. Der eine spielte zuletzt in "Cloud Atlas", die andere in "Melancholia" – beide Filme kommen nun gewissermaßen zusammen: "Alles ist verbunden" in der Planetengeschichte "Upside Down", die metaphorisch spiegelverkehrt von einer unmöglichen Liebe erzählt. Romeo und Julia als Science-Fiction-Rührstück aus dem Computer. [...]

Oktober 03, 2011

Zuletzt gesehen: MELANCHOLIA

Majestätisch setzt Lars von Trier ("I'm a Nazi.") in den ersten Minuten des Films gemäldehafte Bilder zu musikalischem Pomp (Wagner) in Szene, die wie formschöne Photoshop-Stills daherkommen, und nicht halb so eindrucksvoll wirken, wie sie es vermutlich gern würden. Was folgt, ist eine an der eigenen "Dogma"-Ästhetik geschulte, mit blümeranten Stilisierungen verfeinerte und an Thomas Vinterbergs "Festen" erinnernde Familienkrisengeschichte in wirrem Kameragezuppel und reduzierten Lichtquellen, gebrochenen Blickachsen und ständig wechselnden Brennweiten. Während der zweiten Hälfte dann trüben subtile Spezialeffekte und beeindruckende, dem Titel gerecht werdende, Bilder opulenter Melancholie den (ohnehin mit Vorsicht zu genießenden) Eindruck formaler Strenge, derweilen sich die Figuren immer mehr in einen abgründigen Strudel aus Lethargie, Tristesse und Lebensmüdigkeit bewegen – "Melancholia" ist, ähnlich wie "Antichrist", ein weiterer Schritt von Triers hin zu noch mehr Stil des Stils wegen. Diesmal habe ihn keine Depression inspiriert und angetrieben, ließ der Filmemacher mehrfach verkünden, und deshalb sei dies auch ein weniger schwermütiger, sondern eher ein schöner Film. Man soll ja keinem Menschen etwas Schlechtes wünschen, aber je besser es Herrn von Trier zu gehen scheint, desto profaner sehen seine Filme aus. "Melancholia" hat mich jedenfalls weitgehend unberührt zurückgelassen.


40%

September 01, 2010

Zuletzt gesehen: THE BONFIRE OF VANITIES (1990)

Fast jeder namhafte Regisseur verzeichnet ihn in seinem Oeuvre, den einen großen Ausrutscher, den Publikums- und Kritikerflop, den großen Scheiterfilm. "The Bonfire of Vanities" ist Brian De Palmas Katastrophenzeugnis, sein "Popeye", "Cutthroat Island" oder – na ja, nicht ganz – "Heaven’s Gate", seine persönliche Niederlage jedenfalls. Der Film wurde weltweit verrissen, weil er die gefeierte Vorlage von Tom Wolfe in den Sand gesetzt habe, erwies sich als kolossales Verlustgeschäft für Warner und inspirierte letztlich gar ein eigenes Buch über die kontroverse Produktionsgeschichte, in dem der Film als Musterbeispiel eines Hollywoodfiaskos ausgewiesen wird. Aber Scheitern ist immer spannend. Ein Film wie dieser, der alles sein will, aber nichts ist, interessiert mich immer noch mehr als die meisten erfolgreich gelackten Brachenerzeugnisse. "The Bonfire of Vanities" ist ein Manifest aus Indifferenz und Ideen, die in die falsche Richtung laufen. Der Film ist konsequent undurchdacht und ganz offensichtlich der kompromittierte, seichte, harmlose Überrest seiner vermutlich zynischen und bitterbösen Vorlage. Er vereint einen Haufen unerträglicher Figuren, und die wenigen nicht unerträglichen sind zumindest unerträglich fehlbesetzt. In seiner ganzen Blöße ist das dennoch ein faszinierender Film voll ungenutzter Möglichkeiten und mit einigen unglaublich skurrilen Aussetzern auf der Humorskala. Ein gescheiterter De Palma, sehenswerter als manch gescheiter.


60%

November 27, 2008

Kino: HOW TO LOSE FRIENDS & ALIENATE PEOPLE

Nach der britischen Comedy-Serie "Spaced" und den Kino-Exportschlagern "Shaun of the Dead" und "Hot Fuzz", allesamt unter der Regie von Edgar Wright, sowie kleineren Nebenrollen in "Mission: Impossible III" und "The Good Night" ist Simon Pegg nun auch endgültig im US-Mainstream angekommen. Selbst dort, an der Seite etablierter Stars, versprüht er noch viel von seinem liebenswerten Charme, während er in "New York für Anfänger" ansonsten aber offenbar einen Gang zurückschrauben und sich nach "Run, Fatboy, Run" vielmehr erneut als romantischer Held beweisen muss.

Der Film von "Curb Your Enthusiasm"-Regisseur Robert B. Weide produziert klassisches Rom-Com-Material mit verhaltenem satirischem Einschlag: Sehr komisch, etwas bissig und manchmal auch ein wenig obszön, erweist sich Weides Kinodebüt letztlich als zu brave und verhaltene Upper-Class-Komödie, die jedoch durch ein grandioses Casting besticht.

Der Originaltitel, "How to Lose Friends & Alienate People", umschreibt treffend die Folgen des beruflichen Imagewechsels von Sidney Young (Pegg), einem englischen erfolglosen Klatschreporter, den es nach einem überraschenden Job- angebot nach New York verschlägt. Young existiert wirklich, heißt mit Vornamen aber eigentlich Toby und hat seine großstädtischen Erfahrungen im gleichnamigen Erfolgsroman verarbeitet, auf dem "New York für Anfänger" schließlich basiert.

Bei seinem neuen Arbeitgeber, dem trendigen Sharps Magazine (eine filmische Umdichtung, Vorlage ist die Vanity Fair), bekommt Sidney zunächst allerdings nicht viel zu tun. Sein Chef Clayton Harding (Jeff Bridges) hält ihn an der kurzen Leine, der leitende Redakteur Lawrence Maddox (Danny Huston) behandelt ihn wie einen Fußabtreter, und die Sympathien seiner liebreizenden Kollegin Alison (Kirsten Dunst) hat Sidney unglücklicherweise schon am Abend vor Arbeits- beginn verspielt.

Die ersten zwei Drittel des Films schildern deshalb genüsslich das Scheitern des tollpatschigen Engländers, der von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt, sich auf Partys blamiert oder es sich mit Celebrities verscherzt, und Pegg ist bekanntlich genau der Richtige für derlei zottelige Albernheiten und Verlierer-Attitüden. Auf dessen physische Komik und Exaltiertheit folgt schließlich immer das unschuldige Lächeln eines kleinen Jungen - selbst nachdem er einen Hund unschön beseitigt hat, kann man ihm kaum böse sein. Das Image des britischen Knuddel-Komikers, es wird auch hier ausreichend bemüht.

Die Seitenhiebe gegen High Society- und Star-Gebären sitzen, verlieren aber schon durch ihre Fiktionalität einiges an Schlagkraft. Möglicherweise ist "New York für Anfänger" aber auch von vornherein nach gängigen Rom-Com-Regeln gestrickt, und man vermisst das letzte Quäntchen Böswilligkeit deshalb zu Unrecht: Immerhin arrangiert sich der Film von Beginn an mit der Luxusphilosophie der Mode- metropole, deren Manierismen selbst bei den vielen kruden Nebenfiguren (Megan Fox und Gillian Anderson z.B.) noch irgendwie sympathisch wirken.

Interessiert ist Weide letztlich ohnehin mehr an der verlässlich vorhersehbaren Romanze seiner beiden Hauptdarsteller. Zwischen dem liebenswürdigen Loser-Typen Pegg und der immer etwas neben der Spur mit verschlafenen Äuglein zwinkernden Dunst stimmt die Chemie, vor allem weil der Film ihnen einige hübsche Momente schenkt. Wenn sie sich zu den Klängen von Nino Rota ein morgendliches Tänzlein gönnen, nachdem sich Alison die ganze Nacht übergeben hat, ist das zwar banale Rom-Com-Poesie, aber Dank Pegg wirkt sie seltsam annehmenswert.

Rotas Musik bzw. Fellinis "La Dolce Vita", jenes Sittengemälde über Klatschpresse und Wohlstandsgesellschaft, das "New York für Anfänger" gleich mehrfach zitiert, verrät dann hinten raus vielleicht ein wenig die stille Ambition des Films, doch auch Satire und nicht nur Liebeskomödie sein zu wollen. Aber die Referenz ließe sich freilich auch als bescheidener Verweis auf eben diesen Klassiker deuten, der das ja sowieso viel besser könne. Hier, so scheint es, bei einem Promi- Schaulaufen wie diesem, würde das vielleicht auch nur einen scheinheiligen Eindruck erwecken.

Deshalb ist Weides erster Langspielfilm noch einmal ein Freifahrtsschein für Simon Peggs ulkige Albernheiten und sein Talent eben auch als Leader und Held einer Liebesgeschichte. Sogar Jeff Bridges, urkomisch als schmieriges Imitat des Ex-Chefs der Vanity Fair, Graydon Carter, hat nach eigenen Angaben nur unterschrieben, um einmal mit dem britischen Comedy-Star drehen zu dürfen. Das verrät zweifellos einiges über das Anliegen des Films - und ist auch völlig in Ordnung so.

"New York für Anfänger" ist eine garantiert nicht subversive, aber locker inszenierte Komödie über die Fashion- und Star-Kultur New Yorks und ihrer Presse, die einmal mehr ganz von ihrem Hauptdarsteller lebt. Weniger ein moderner "La Dolce Vita" als eher die Slacker-Version von "Der Teufel trägt Prada", verspricht der Film zielgenaue Situationskomik und harmlos-schöne Großstadtromantik. Nun darf sich Pegg aber auch gern wieder mit Edgar Wright zusammentun.


65% - erschienen bei: gamona

September 06, 2008

News: HOW TO LOSE FRIENDS... - Neue Poster


Ach ja, der deutsche Titel (siehe hier) wurde noch einmal bearbeitet: "How To Lose Friends and Alienate People" heißt deshalb jetzt - "New York für Anfänger" ...

Juli 09, 2008

News: HOW TO LOSE FRIENDS... - Neues Poster

Einer der Filme, auf die ich mich am meisten freue (diese Besetzung!). Deutscher Kinostart: 13.11.08. - und nun bitte einmal noch kollektives an-den-Kopf-fassen: Der deutsche Titel lautet: "Die Partycrasher oder wie ich sie alle nervte".

Januar 10, 2008

News: HOW TO LOSE FRIENDS... - Trailer

Eine Traumbesetzung. Zwei meiner absoluten Lieblingsschau- spieler in einem Film. Zu "How To Lose Friends & Alienate People" mit Simon Pegg und Jeff Bridges ist kürzlich der erste Trailer erschienen. Das wird köstlich.

---> Trailer <---

April 26, 2007

Kino: SPIDER-MAN 3

In Hollywood geht man selten ein Risiko ein. Erst recht nicht dann, wenn ein Film um die 260 Millionen US-Dollar ver- anschlagt, Werbekosten exklusive. Im letzten Kinojahr ent- täuschten an den Kassen eine Vielzahl kostspieliger Major- Produktionen, darunter insbesondere Bryan Singers DC- Comicverfilmung "Superman Returns". Eigentlich nicht seltsam möchte man meinen, liegt doch die Stärke des Films in gewisser Hinsicht bei den persönlichen Wurzeln des Regisseurs, der seinen Superhelden mit wenig Action und dafür umso mehr Gefühl wieder belebte. Warum aber wollte eine Mehrheit des Publikums nicht die postpubertäre Coming Of Age-Geschichte eines Clark Kent erzählt bekommen, wenn es doch aber ungleich mehr auch an den Adoleszenznöten des Studenten Peter Parker interessiert scheint?

"Spider-Man" war in Form seiner Realfilmadaption des Marvel-Comics ein Risiko. Eines, das schon bei der direkten Fortsetzung zwei Jahre später hätte bereut werden können. Denn so elegant sich der Kämpfer für das Gute im rot-blauen Anzug auch durch die Häuserschluchten des gewaltigen New Yorks schwingt, so sehr er auch in der Luft umher wirbelt und Bösewichtern mit ausgeklügelten Choreographien den Garaus macht - Sam Raimi hat weniger die Geschichte eines strahlenden Superhelden, als die des ewigen Verlierers Peter Parker erzählt. Das hat man ihm mitunter übel genommen, zu wenig Donnerwetter und zu viel unverhohlener Liebeskitsch ließ so manchen Actionfreund verdutzt zurück, tat dem Erfolg beider Filme allerdings keinen Abbruch: Zusammen spielten sie allein im Rahmen der Kinoauswertung weltweit über 1,6 Milliarden US-Dollar ein.

Von daher relativiert sich die eingangs angeführte Risiko- freude des Studios zumindest soweit, als sich klingelnde Kassen und künstlerische Individualität nicht ausschließen müssen. Raimi bleibt seinem charakteristischen Duktus dementsprechend treu. "Spider-Man 3" ist ein spektakulär in Szene gesetztes Abenteuer, das selbst den kleinsten visuellen Effekt stets hinter seine Geschichte über Liebe, Freundschaft und - natürlich - das Erwachsenwerden positioniert. Doch obwohl sich der Film ganz auf seine in den beiden Vorgängern festgelegten Basics beruft und kaum neue Schritte nach vorn wagt, überflügelt Raimi diese ohne ein lediglich höher geschraubtes Maß an Action und Gefühl, sondern vielmehr weil er seinen perfekten Rhythmus findet: "Spider-Man 3" ist die Arbeit eines eingespielten, souve- ränen Teams und vereint seine Elemente noch mitreißender, witziger und einfühlsamer, noch amüsanter und bewegender als es den beiden ersten Verfilmungen gelang.

Und dieses Mal hat Peter Parker (besser denn je: Tobey Maguire) alle Hände voll zu tun. Zwar ist er endlich mit seiner großen Liebe Mary Jane Watson (Kirsten Dunst, gewohnt zuckersüß) liiert, doch der wachsende Zorn ihres gemein- sames Freundes Harry Osborn (brillant: James Franco) überschattet die Glückseligkeit. Dieser nämlich tritt in die Fußstapfen seines Vaters, dem grünen Kobold, und wünscht sich nichts sehnlicher als den Tod Peters und dessen Alter Ego Spider-Man. Doch damit nicht genug: New York wird nicht nur vom Sandman, dem bei einem physikalischen Experiment degenerierten Sträfling Flint Marko (Thomas Haden Church in einer überaus charismatischen Rolle), sondern auch seinem eigenen Superhelden bedroht - eine schwarze parasitäre Substanz aus dem Weltall hat Spider-Man befallen und bringt dessen dunkle verborgene Seiten zum Vorschein. Zumindest bis das Zeug schließlich auf den Photographen Eddie Brock (eher blass: Topher Grace) übergeht und damit die Geburtsstunde von Venom, einem der beliebtesten Spider-Man-Gegner, einleitet.

Bezog in den beiden zu vorigen Episoden jeweils nur ein Bösewicht Stellung und füllte das Potential der Handlung damit bereits weitgehend aus, so kämpft der Superheld nunmehr nicht nur gegen drei Gegner, sondern vor allem auch mit sich selbst. Bis auf wenige grobe Sprünge und drama- turgische Schnitzer (die hastige Kooperation zwischen Sandman und Venom bleibt motivations- und einfallslos) aber bündelt Raimi die einzelnen Aktionsstränge erstaunlich sicher und schließt nahezu alle Subplots stimmig und ohne in Oberflächlichkeiten zu verfallen ab. Trotz eines erhöhten Actionpegels und einer insgesamt rasanteren Inszenierung dominiert auch in "Spider-Man 3" der emotionale, ja manches Mal sogar wunderbar rührselige Ton. Und das ist das Geheimnis dieses Films: Raimi transportiert die Figuren ins Kinomedium abermals mit ungeheuerem Respekt und einer Vielschichtigkeit, wie sie keine Comicverfilmung mehr seit Tim Burtons unterschätztem "Batman Returns" aufweisen konnte.

Da sollte man dann auch bedenkenlos vergessen, dass Danny Elfman - der noch während der Postproduktion des Vor- gängers seine Koffer packte - durch Christopher Young ersetzt wurde. Denn wirklich begeisterungswürdig an diesem Film ist die aufrichtige Ehrlichkeit seines Regisseurs, der der Geschichte und ihren Figuren genau jene Tiefe verleiht, die so vielen anderen Comicadaptionen fehlt. Das garantiert nicht nur manch nachhaltigen Gänsehauteffekt, sondern lässt "Spider-Man 3" jederzeit glaubwürdig erscheinen. Und in einem Film, wo sich illustre Monster zwischen gigantischen Wolkenkratzern auf die Rübe hauen, ist das nicht unbedingt selbstverständlich.


80% - erschienen bei: DAS MANIFEST