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Juli 18, 2018

Wie Hollywood seine Filmstars tötete

Auch wenn Superhelden- und Sternenkriegsfilme das Gegenteil suggerieren - wirkliche Stars gibt es im US-Kino fast keine mehr. Nicht Schauspieler versprechen heute Erfolg an der Kasse, sondern etablierte Marken. Der Rest kämpft geschickt ums Überleben.

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September 06, 2017

Ohne Tom Cruise wäre Hollywood verloren

"Die Mumie" war der größte Flop seiner Karriere, doch abschreiben sollte man Tom Cruise deshalb nicht. Als Meister der Selbstvermarktung kämpft er um die Überreste des Starsystems und ein letztes bisschen Hollywood-Glanz. Notfalls unter Lebensgefahr.

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September 21, 2016

Kunst vs. Künstler

Über die Schwierigkeiten eines Trennungsgebots. Und was Filme von Tom Cruise mit Tom Cruise zu tun haben.

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Mai 28, 2014

Tom Cruise – eine Liebeserklärung mit Seitenschlag

Hinsichtlich der Einspielergebnisse seiner Filme erlitt Tom Cruise beim Publikum erheblichen Vertrauensverlust. Das jedoch lindert nicht die ungebrochene Faszination dieses beispiellosen Hollywoodphänomens. Eine Liebeserklärung mit Seitenschlag. 

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April 10, 2013

A Neverending Story - Tom Cruise & Scientology

Ein neuer Film mit Tom Cruise heißt immer auch eine neue Werbetour für Scientology. Dass es zwischen Film- und Sektenstar nicht zu unterscheiden gilt, demonstriert er selbst am Deutlichsten. Wenn nämlich Blockbuster-Unterhaltung dem Sektenwohl dient. 

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August 17, 2010

Zuletzt gesehen: MISSION IMPOSSIBLE (1996)

Kinoadaption der Erfolgsserie um eine Gruppe Geheimagenten, die das originelle Teamkonzept der Vorlage auf ein konventionelles Ein-Mann-Starvehikel herunter bricht, in dem sich Tom Cruise vergeblich als alternativer James Bond zu etablieren versucht. Cruise, hier auf dem Höhepunkt seines Erfolges, fährt als Produzent (mit Partnerin Paula Wagner) und Hauptdarsteller seinen bewährten Kurs: Keine Co-Stars auf Augenhöhe, keine wichtigen Szenen ohne ihn, keine allzu eigensinnigen Regisseure am Werk. Dementsprechend eignet sich der rein handlungsgetriebene Film für Regisseur Brian De Palma kaum zur Spielwiese der Verfremdung, und an Subversion ist er ja sowieso nie interessiert. Ein paar Subjektiven, eine CGI-Kamerafahrt ins Fenster eines Zuges, ein paar lose De-Palma-Motive um Schein und Sein, ansonsten rein schematisches Produzentenkino, das bis auf den großartigen Einbruch ins CIA-Hauptquartier keine nennenswerten Höhepunkte hinterlässt und sich rückblickend gar als etwas popeliger Blockbuster entpuppt. Herausragend einzig Danny Elfmans seinerzeit unkonventioneller Action-Score, der zum zigfach kopierten Prototypen wurde.


50%

Juli 20, 2010

Kino: KNIGHT AND DAY

Seit seiner Hüpfattacke auf dem Studiosofa von Oprah Winfrey und dem geplatzten Deal mit Paramount ist der einstige Hollywood-Superstar und Hitgarant Tom Cruise um eine Imagekorrektur bemüht. Doch weder mehr oder weniger ambitionierte Produktionen wie das Kriegsdrama "Lions for Lambs", noch der Geschichtsthriller "Valkyrie" konnten den Ruf des Vorzeige-Scientologen als Kassenmagneten wiederherstellen. Nun scheint Cruise mit der High-Profile-Actionkomödie "Knight and Day" seine Karriere auf sicherem Old-School-Terrain retten zu wollen. Operation: Moneymaker.

Die Zeichen stehen auf Retro: Ein ungleiches Liebespaar im Feuergefecht, das haarsträubende Abenteuer mit schlag- fertigen Dialogen kommentiert. Verbale Geschlechterklischees und irrsinnige Verfolgungsjagden gehen schließlich schon seit den Anfängen des Genres eine glückliche Verbindung ein. In der Tradition von "Charade" oder "North by Northwest" verknüpften diese Filme immer wieder klassische Caper- und Screwball-Motive mit Action- und Abenteuerelementen. Unter der Regie des souveränen, aber stilistisch unauffälligen James Mangold geht "Knight and Day" dabei ganz auf 90er-Kurs: Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie auch schon "Bird on a Wire" oder "True Lies" mochten.

Worum es hierbei eigentlich geht, wer genau wen oder was verfolgt und wer am Ende wann oder wo glücklich sein wird – geschenkt. Das Strickmuster hat sich nie verändert, es ist höchstens hier und da noch ein wenig blöder geworden. Cruise spielt den smarten Geheimagenten Roy Miller, Cameron Diaz das naive Blondchen June Havens. Er befindet sich auf einer gefährlichen Mission, sie auf der Reise zur Hochzeit ihrer Schwester. Und dann kreuzen sich ihre Wege und werden sich fortan auch nicht mehr trennen: Weil Miller eine geheime Superbatterie (…) besitzt, verfolgen ihn FBI und CIA mit allen Mitteln. Und das garantiert eine mal amüsante, mal romantische Tour der Force mit halsbrecherischen Actioneinlagen.

Die kleine, enorm leistungsfähige Batterie, die die Handlung an- und vorantreibt, ist natürlich nichts weiter als der klassische MacGuffin – sie hat keine wirkliche Bedeutung und könnte auch durch eine Packung Taschentücher oder einen 5-Dollar-Schein ersetzt werden. Ähnlich schematisch und funktional ist die Liebesgeschichte konstruiert, die der Film allerdings nie glaubwürdig entwickeln kann. Es bleibt rätselhaft, was genau Cruise von Diaz wirklich möchte und umgekehrt, beide behindern sich permanent und könnten an zahlreichen Stellen problemlos getrennte Wege gehen. Das (mehrfach umgeschriebene) Drehbuch tut sich schwer, ihre Beziehung innerhalb der rasanten Handlung halbwegs plausibel erscheinen zu lassen.

Das ist bei derartigen Actionkomödien noch mit dem Verweis auf Genretraditionen erklärbar, aber wenn "Knight and Day" die Stringenz seines actionorientierten Plots letztlich durch einige unschön geschummelte Auslassungen herzustellen versucht, verschenkt er auch sein Potenzial. Wie Cruise als Agentenheld nämlich die unmöglichsten Situationen meistert, kann man sich oftmals nur zusammenreimen: Indem er seiner hysterisch kreischenden Weggefährtin ständig Drogen verabreicht (zugegeben: irgendwie unkonventionell) und der Film dankbar ihre Perspektive einnimmt, sieht der Zuschauer am Ende einer spektakulären Szene meistens nur schwarz. Ehe dann die nächste Aufblende in der nächsten schönen Location folgt.

Da macht es sich der Film natürlich etwas einfach und erweist sich konzeptionell als unsauber und pragmatisch in der letztlich lediglich Action- und Comedy-Momente vorbereitenden Handlungsstruktur. Diese aber machen durchaus eine Menge Spaß. Erstaunlich rotznäsig und zeitweise sogar ruppig werden hier Gegner im Minutentakt ausgeschaltet, Karambolagen detailfreudig in Szene gesetzt und gefährliche Stunts geradezu zelebriert. Trotz des unvermeidlichen CGI-Einsatzes scheinen die Actionszenen dabei möglichst an Originalschauplätzen gedreht zu sein und wirken gesetzter als in vergleichbaren Genrefilmen der letzten Jahre.

"Knight and Day" ist dank seiner Albernheiten und saftigen Actioneinlagen deshalb auch stets unterhaltsam und kurzweilig, aber er knüpft bestenfalls oberflächlich an seine Genrevorbilder an. Ihm fehlen originelle Ideen, schöne Regieeinfälle und eine halbwegs schlüssige Geschichte. Und die "Vanilla Sky"-Kombination Cruise/Diaz ist denkbar ungeeignet, um einen solch langbärtigen Filmstoff frisch aufzupolieren. Die beiden sind nicht nur sichtbar in die Jahre gekommen, ihnen fehlt auch der Charme und wirklicher Star-Appeal, um aus derart klischeehaften Rollen noch etwas herauszuholen. Cruise ist kein glaubwürdiger Womanizer und er ist schon gar nicht Cary Grant. Und die Diaz, die sollte vielleicht mal ihren Agenten wechseln.


50% - erschienen bei: gamona

Januar 22, 2009

Kino: VALKYRIE

Man wird ja nun wahrscheinlich niemals erfahren, wie "Valkyrie" denn eigentlich ausgesehen hätte, wenn die gesamten Produktions- und Distributionsbedingungen nicht von Anfang ein derart reges, öffentliches, mediales Interesse auf sich gezogen hätten. Und der Film dadurch nicht mit allerlei Bedeutung aufgeladen worden wäre: Drehverbot im Bendlerblock, Scientology-Diskurs, verletzte Statisten. Fast zwei Jahre nun, nachdem die erste Klappe fiel, einen Courage-Bambi und mindestens fünf freiwillige Cruise- Lobgesänge von Florian Henckel von Donnersmarck später kann der fertige Stauffenberg-Film natürlich keine seiner Erwartungen erfüllen – es ist weder das vermutete peinliche Trash-Debakel, noch ein sehenswerter Geschichtsfilm. Oder überhaupt so etwas wie ein Film. Eher noch erinnert es irgendwie an eine Faschingssause, für die sich Cruise mal in ein hübsches Grafenkostüm schmeißen durfte.

Dass Bryan Singer hier nur als ausführender Handwerker angeheuert wurde, durfte wohl zu Recht vermutet werden. Immerhin war "Valkyrie" von Anfang an als Prestigeproduktion vorbelastet, es musste der Film werden, der Cruises neu erworbenes Studio United Artists wieder in die Gewinnzone manövriert, nachdem der hübsch ambitionierte und ebenso hübsch harmlose "Lions for Lambs" gewaltig floppte. Insofern durfte man davon ausgehen, dass der Film die Versprechen einer One-Man-Show einlösen würde, nachdem gar gemunkelt wurde, dass die Produktion für die Cruise-Sekte so etwas wie ein dämonischer Plan sei, in Zuge dessen der Hollywoodstar Kraft seiner Scientology-Fähigkeiten die Deutschen vor dem Untergang errettet. Aber nun ja, erstens war das dem Grafen ja ohnehin nicht vergönnt, und zweitens hat die Über-Präsenz des Hauptdarstellers und der Produktion das ganze Projekt erst einmal für ein Jahr ins Abseits befördert.

Was sich da jetzt zu Deutsch "Operation Walküre - Das Stauffenberg-Attentat" nennt, ist – wie man es sehen möchte – nun der Torso dessen, oder das bestmögliche Ergebnis, oder vielleicht auch Plan B. Dass Singers Film in seiner jetzigen Form zweifellos erst im Schneideraum zu einer Form gefunden hat, merkt man zumindest in jeder Szene: Die ständigen Parallelmontagen wirken in ihrer Aufdringlichkeit und Redun- danz dabei wie die verzweifelte Bemühung, der bekannten Geschichte so etwas wie Suspense zu implementieren. Überhaupt ist "Valkyrie" lediglich ein Thriller, ein braver Krimi, durch den Singer ein laues Lüftchen Spannung zu blasen versucht. Es geht über zwei Stunden um nichts außer der Vorbereitung eines Attentats – und wie dieses erwartungs- gemäß scheitert. "Rififi" im Nationalsozialismus, sozusagen.

Aber selbst für ein bisschen Genre-Verschwörungstaktik im historischen Gewand hat es nicht mehr gereicht. Der Film ist ja viel zu flach und unraffiniert erzählt, viel zu spannungslos inszeniert, als dass man ihn zumindest als Heist-Thriller annehmen könnte. Lediglich die Musik ist darum bemüht, dem Ganzen etwas Schwung zu verleihen, aber sie bleibt ein oberflächlicher Gefühlserzeuger, vermutlich weil Komponist und Cutter John Ottman schon genug damit beschäftigt war, die Ego-Show zu einer Ensemble-Parade hinzueditieren.

Und damit ist es ja auch nicht getan, sich vielleicht zu begnügen mit einem vielleicht guten Thriller. Denn das verschenkte Potential wird dadurch auch nicht wiederhergestellt: Wen interessiert schon Geschichts- verfälschung (außer Guido Knopp), wenn der Film gar nichts zur Fälschung anbietet – seine Figuren haben keine Eigenschaften, keine Motivationen, keine Ziele. Es gibt schlicht keinen politischen Kontext in dieser Geschichte, man weiß nicht einmal, warum da jetzt soundso viele Männer an einem soundso geheimen Plan tüfteln, und was die Erfüllung desselbigen für eine Bedeutung haben würde. Mal ein wenig anzudeuten, wer dieser Stauffenberg eigentlich ist, dieser ideologische Nazi-Beförderer, der fest entschlossen den Führer zu stürzen bereit ist – das hätte schon mal eine gute Vorraussetzung für einen … ähm … soliden Thriller ergeben können.


35% - erschienen bei den: FÜNF FILMFREUNDEN

November 03, 2007

Kino: LIONS FOR LAMBS

Mit "United 93" und "World Trade Center" haben sowohl Paul Greengrass, als auch Oliver Stone bereits kurze Zeit nach den New York-Anschlägen vom 11. September 2001 überaus zwiespältige Filme über den gegenwärtigen Terrorismus inszeniert. Das Thema hat sich für Hollywood jedoch keinesfalls erledigt, erst jetzt rollt die Welle mit politisch motivierten, betont kritischen Produktionen von den Auswirkungen des Septemberterrorismus über den Zuschauer herein. Nach Peter Berg ("The Kingdom") werden in Kürze auch Paul Haggis ("In the Valley of Elah"), Gavin Hood ("Rendition") und Brian De Palma ("Redacted") ihre Auseinandersetzung mit dem ‚Krieg gegen den Terror’ vorstellen. Bezeichnend ist neben der verhältnismäßig kurzen Zeit, die seit der US-Intervention im Jahre 2003 und der ersten Gruppe von kriegsthematischen Filmen verging, auch der Umstand, dass all diese Produktionen in erster Linie in den USA entstehen oder mit amerikanischen Geldern finanziert werden – das eigene Trauma wird somit vor den Augen der Öffentlichkeit verarbeitet.

Glücklicherweise gerät Robert Refords "Lions for Lambs" nie in die Versuchung, die komplexen Zusammenhänge einer Dramaturgie der Unterhaltung unterzuordnen. Der fast nur auf Dialoge konzentrierte Film bemüht sich nicht um den Spagat zwischen Entertainment mit Gewissen und brisanter Kriegsbeschauung, deren Gegenwartsbezüge meist doch nur dem bequemen Kinospektakel dienlich sind. Anstatt seine Handlung in Kriegsherde zu verlagern, sucht Redford vielmehr die Krisengebiete des Alltags auf, um Fragen zu stellen. Fragen nicht nach Recht und Unrecht, gut oder böse, richtig oder falsch, sondern Fragen an die Träger der Verantwortung. Und diese sind in "Lions for Lambs" nicht Verteidigungs-, Außen oder Innenminister, nicht Befehlshaber oder Militärs, sondern vor allem die Jugend. Sein Film ist gegliedert in drei Parallelstränge, und lediglich einer davon umfasst einen nächtlichen Militäreinsatz in der afghanischen Wüste. Die anderen beiden finden am Schreibtisch statt: Eine Universitätssprechstunde zwischen Professor (Robert Redford) und Student (Andrew Garfield). Und ein Interview zwischen Journalistin (Meryl Streep) und republikanischem Senator (Tom Cruise). Alle drei Stränge werden unabhängig voneinander erzählt, sind thematisch jedoch alle miteinander verbunden.

Redfords Figur ist als Sprachrohr des Films zu verstehen. Er als Professor, als jemand, der jungen Menschen etwas auf den Weg geben kann, der Talente heranwachsen sieht, der seine Schüler motivieren möchte, verweist auf eine Generation, der gegenwärtige Konflikte ebenso egal sind wie die Erhaltung politischer und gesellschaftlicher Werte. "Lions for Lambs" ist ein ziemlich deutliches – und bisweilen auch naives – Plädoyer für mehr Partizipation. Es geht bei aller Aktualität letztlich um das recht alte Thema einer zunehmend lethargischeren Jugend, die weder großes Interesse am politischen Geschehen zeigt, noch darum bemüht ist, die Grundsäulen der Demokratie zu stärken, tatsächlich sogar weitgehend kaum ein Bewusstsein für diese Prozesse besitzt. Der Film bebildert diese Intention ganz banal, aber wirkungsvoll mit Studenten, die sich lieber die neuesten Boulevardnachrichten über Prominente ansehen, als sich aktiv mit den Geschehnissen ihres Landes auseinanderzusetzen. Diese Anklage trifft einen erstaunlich wahren Kern, vor allem, da der Film bei an und für sich gebildeten jungen Menschen ansetzt – Studenten nämlich, jener Gruppierung, die aus irgendeinem Grund noch immer für wildes Aufbegehren steht. Doch auch wenn die Geschichte es rechtfertigt: Selbst in akademischen Kreisen steht ein jeder nur noch sich selbst am nächsten, das totale Desinteresse überschattet alles. Angeregte Debatten überdauern keinen Seminarblock – und schon gar nicht ändern sie etwas an der allgemeinen Inaktivität. Wer geht heute noch auf die Straße, wenn er seinem Unmut Gehör verschaffen will?

"Lions for Lambs" verfolgt hier eine nachvollziehbare Intention. Redford ist als Regisseur und Professorfigur ein glaubwürdiger Wachrüttler, immerhin hat er sich als Initiator des Sundance Filmfestivals auch privat dem Nachwuchs verschrieben. Er inszeniert den Film ohne unnötige Effekte, sehr zurückhaltend im Ton, und vor allem auf die Schauspieler konzentriert. Hier seien besonders die lebendigen Rededuelle zwischen Streep und Cruise genannt, vor allem da letzterer nach einer offensichtlichen Kurskorrektur wieder Co-Stars zu dulden scheint, sich also mit einer Nebenrolle begnügt, die ihm das ermöglicht, was er ohnehin am Besten kann: Das Arschloch spielen. Die Kurzweiligkeit und innere Dynamik des Films erleichtern zudem den Gedankentransport – als Statement, das auch gehört werden möchte, macht "Lions for Lambs" eine überzeugende Figur. Interessanterweise geht er über sein allgemeines Plädoyer, in der heutigen Generation ein Bewusstsein der Teilhabe zu schaffen, nicht hinaus – der Film bleibt bewusst unkonkret darin, wie genau sich das Interesse am politischen und damit immer auch gesellschaftlichen Prozess äußert. Indem er von zwei Soldaten erzählt, die bei einer geheimen Strategie (in deren Kern es darum geht, nach den Misserfolgen im Irak "wenigstens" einen Sieg in Afghanistan erringen zu können) verletzt werden und sich schließlich den Talibanmitgliedern ausgesetzt sehen, zeigt Redford sogar, dass nicht gleich jede Überführung von theoretischem Bewusstsein in praktische Beteiligung richtig sein muss: Beide Soldaten nämlich waren Schüler seiner Figur, bevor sie dem Ratschlag ihres Dozenten, für bestimmte Ideale aktiv einzutreten, mit einem Kriegseinsatz nachkamen, was wiederum auch nicht im Interesse des Professors war.

Dass sich "Lions for Lambs" darüber hinaus etwas zu viel vornimmt, ist angesichts seiner glaubwürdigen moralischen Ambition verzeihlich. Ganz gelingt Redford der Rundumschlag tatsächlich nicht, bezieht er in seinen diskursiven Appell doch auch Fragen nach der Verantwortung der Medien mit ein. Zwar funktioniert Streeps Figur im Kontext einer größeren Auseinandersetzung mit der Verantwortung nicht derer, die – so heißt es im Film – den Brand legen, sondern ihn schließlich löschen müssen, ganz konkret also neben Jugendlichen als die Hoffnungs- und Entscheidungsträger von morgen auch Journalisten, die sich instrumentalisieren lassen. Der Konflikt, den Streep hier austrägt, inwieweit sie als Profitierende eines Exklusivinterviews mit dem Präsidentschaftskandidaten eigentlich Opfer von Propaganda würde, lenkt allerdings ein wenig ab vom eigentlichen Mittelpunkt des Films – gleich wenn das nur für das enorme Potential von "Lions for Lambs" spricht. Vermutlich wird darüber hinaus nicht nur der dezent lehrerhafte Vortragscharakter des Films kritischen Zuschauern zu schaffen machen, sondern auch seine fragliche These, dass es nicht um die eigentlichen verantwortlichen Machträger gehen sollte, sondern all jene, die ihre Verantwortung im Kleinen nicht wahrnehmen – womit den Kriegsführern eine latente Passivität zugeschrieben und Teile der Schuld einem Kollektiv übertragen werden. Das jedoch wäre schon viel weiter gedacht, als es der Film womöglich selbst möchte – genau wie damit wiederum bereits sein eigentliches Anliegen greifen würde.


50%