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Oktober 15, 2019

Zum 20-jährigen Jubiläum von Fight Club

Vor 20 Jahren kam Fight Club in die Kinos. Zunächst ein kommerzieller Flop, hat sich der Film von David Fincher schnell zum aufdringlichen Klassiker gemausert.

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März 12, 2015

Kino: CINDERELLA

Nachdem der ironische Märchenmischmasch "Into the Woods" das beliebte Aschenputtel kürzlich noch leicht dusselig durch finstere Wälder irren ließ, kehrt die Figur nun wieder zu ihren Ursprüngen zurück. Bei dieser werkgetreuen Disney-Adaption des Stoffes darf "Cinderella" so gütig und selbstlos auftreten wie in der hauseigenen Animationsvorlage von 1950 – und sich gegen alle Widerstände ihrer Stiefmütter in einen edelmütigen Prinzen verlieben. [...]

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Dezember 11, 2012

Kino: GREAT EXPECTATIONS (2012)

Den 150. Geburtstag des englischen Klassikers "Große Erwartungen" verpasst diese neue Kinoadaption knapp, dafür hält sie sich so genau an den Roman von Charles Dickens wie sonst nur die berühmte David-Lean-Version. Regisseur Mike Newell widmet sich nach einigen Blockbuster-Ausflügen wieder dem Kern seines Schaffens als solider Verwalter von Literaturverfilmungen und vereint einen britischen Allstar-Cast, um den großen Dickensschen Bildungsroman einmal mehr neu aufleben zu lassen. [...]

Mai 08, 2012

Kino: DARK SHADOWS

Blutsauger & andere Katastrophen: In der Gothic-Seifenoper "Dark Shadows" vermengten sich alltägliche Konflikte und Horrormythen zu einer melodramatisch überhöhten Spukhaus- farce. Mehr als 1200 Episoden lang fesselte die ABC-Serie Ende der 60er Jahre ein Millionenpublikum in den USA, hierzulande jedoch ist sie bis heute fast niemandem ein Begriff. Jetzt bringt Tim Burton die Geschichte des 200 Jahre alten Vampirs Barnabas Collins noch einmal auf die Leinwand. [...]

Februar 18, 2011

Berlinale 2011: TOAST

Filme, die gern lieb gehabt werden wollen. "Toast" erzählt die "wahre" Geschichte von Nigel Slater, der als Kind (Oscar Kennedy) im Großbritannien der 60er Jahre das Kochen für sich entdeckte und später (Freddie Highmore) zu einem der beliebtesten Köche des Landes avancierte. Der Film zeigt Nigel als jungen Außenseiter mit besonderer Mutterliebe und entsprechend problematischem Verhältnis zum Vater (Ken Stott), welcher nach dem Tod seiner Ehefrau noch einmal heiratet (Helena Bonham Carter) und seinem Sohn damit das Leben zur Hölle macht. Zuflucht findet Nigel deshalb besonders im Kuchenbacken, Fischbraten und Pasteten- formen, aber auch der Liebe zu Männern. Jetzt müsste man eigentlich noch schreiben, dass der schüchterne Junge sich irgendwann aus den konservativen bürgerlichen Fesseln befreit und nach London aufbricht, so wie es im Programmheft steht, aber das enthält einem der Film im Grunde vor. Er ist zu Ende, wenn die Geschichte überhaupt erst in Fahrt kommt. The teenage years of Nigel Slater – und weiter?
"Toast" ist eine britische Fernsehproduktion, die sogar schon in der BBC lief, es aber aufgrund ihrer Thematik und wohl auch mangels Alternativen irgendwie noch zur Berlinale-Sektion "Kulinarisches Kino" geschafft hat. Damit ist im Wesentlichen bereits alles gesagt. Die Geschichte ist zwar ganz schön und niedlich, wird aber von einer abwechselnd klebrigen und recht ideenlosen Inszenierung begleitet, die sich vor allem auf hübsch zubereitetes Essen konzentriert und gegen die auch die solide Besetzung kaum anspielen kann. Sämtliche Liebeswürdigkeiten der Geschichte werden leider mindestens drei Lagen zu dick aufgetragen, dazu Piano hier und Piano da, und ein Voice-Over darf auch nicht fehlen. Die tränendrüsige Baukastendramaturgie hätte "Toast" sicherlich nicht gebraucht. Und wer hat eigentlich irgendwann mal beschlossen, dass Kindheit und Jugend in gediegenen Qualitätsfilmen (oder Biopics) immer als pastellfarbene Feel-Good-Nostalgie verkauft werden müssen? In Erinnerung bleiben daher einzig die wunderbare Titelsequenz und das neu entdeckte Jungtalent Oscar Kennedy.

40% - erschienen bei den: 5 Filmfreunden

Berlinale 2011: THE KING'S SPEECH

Nach breiten Zuschauervorlieben gefertigtes Oscarmaterial der besonders gediegenen Sorte, das in bauernschlauer James-Ivory-Tradition mit einnehmendem Pathos und ausgespieltem Sentiment einiges an Sympathie auf sich zu vereinigen sucht. In "The King’s Speech" geht es zunächst einmal um die Thronfolge von King George V. und den Amtsantritt seines jüngsten Sohnes nach dessen Tod, aber der Film erzählt statt vom Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, den politischen Umbrüchen im Königshaus oder anderer relevanter Dinge lieber eine Geschichte davon, wie es George VI. gelang, eine relativ stotterfreie Rede zu halten. Das folgt in erster Linie einer typischen Lehrer-Schüler-Dramaturgie, hier einmal zwischen sanftmütigem Logopäden und König in spe.

Der gedeihende Lernerfolg wird, wenn sich nicht gerade die bewährte Schuss-Gegenschuss-Didaktik der Filmhochschule dazwischen drängt, in verlotterten Montagen erzählt, denn so formschön kann schweißtreibende Zeit nur im Kino vergänglich gemacht werden. Irgendwann schließlich wird ersichtlich, was der Film anfänglich wenig diffizil ohnehin schon Einstellung für Einstellung kolportierte: Des Königs Stimmbänder wurden einzig durch die unbarmherzigen Korsettschnüre britischer Adelsmeriten verengt – ein Glück also, dass Colin Firth seinen stotternden King George gleich zu Beginn als stocksteifen Tunichtgut exponieren muss, dem jede noble Geste einen Krampf ins Gesicht drückt.

Die vordringliche Inszenierung, die offenbar alle augen- scheinlichen Klischees eines altbackenen Kostümfilms zu umschiffen gedenkt, soll dabei wohl die betagte Haltung des Films verhängen. Doch die besonders hinsichtlich der Figuren ausgeprägten Indifferenzen in der als Personendrama angelegten Adelsschmonzette spiegeln sich letztlich vor allem im Casting wider, dem wunderbar pretiösen Spiel eines Geoffrey Rush steht hier die völlige Fehlbesetzung von Guy Pearce oder Timothy Spall gegenüber. Bei all der konventionellen Manieriertheit muss man dem Film Tom Hoopers Versuche zugute halten, die steifen Vorgaben des Kostümformatkinos wenigstens mit teils lakonischem Humor aufzulockern – in manchen Momenten zwischen Firth und Rush entwickelt der Film zeitweilig eine angenehm amüsante Eigendynamik, die seinen sonst allzu kontrollierten Überbau zumindest momentweise vergessen macht.


40% - erschienen bei den: 5 Filmfreunden

Oktober 12, 2010

Zuletzt gesehen: THE X-FILES - I WANT TO BELIEVE

Rundum unnötiger Nachschlag zum größten Serienphänomen der 90er Jahre, der die beiden beliebten TV-Agenten Mulder und Scully noch einmal zu einem Fall zusammenbringt, nachdem sie nunmehr bereits ihren Dienst quittiert haben. Dieser Fall dreht sich um eine verschwundene FBI-Agentin, die den beiden Ex-Ermittlern – nach allem, was sie gesehen und erlebt haben! – herzlich egal sein könnte und in keinem Verhältnis zu dem steht, was die beiden einst zur Suche nach der ‚Wahrheit’ motivierte. Der popelige und stinklangweilige Plot samt schwachbrüstiger Nebenhandlung ist noch verschmerzbar, würde der zweite Kinofilm die Mythologie der Serie nicht mit Füßen treten, indem er die spektakulären Ereignisse aus neun Staffeln Fernsehserie quasi auf nebensächliche Erinnerungsrelikte herunterstutzt. Die einst Millionen von Fans beschäftigende Knisterromantik zwischen Mulder und Scully ist einer sporadischen Liebesbeziehung inklusive fader Beischlafwitzchen gewichen, über weite Strecken haben sie sogar kaum gemeinsame Szenen. Abgesehen von eins, zwei gut gemeinten Momenten wäre diese auf Billigniveau nachgereichte Franchise-Beleidigung nicht einmal als solide Doppelfolge akzeptabel, und so ist der Film – wie auch eigentlich schon die letzten Staffeln der Serie – lediglich Beleg eines abgefahrenen Akte-X-Zugs, der leider selbst Hardlinern den Abschied von den liebenswertesten FBI-Agenten aller Zeiten nicht allzu schwer gestalten dürfte.


30%

März 02, 2010

Kino: ALICE IN WONDERLAND

Tm Burton und Alice im Wunderland, das gehört eigentlich zusammen. Ein prädestinierter Stoff für den Regisseur, dessen Filme seit jeher auch als Beschwörungen klassischer Märchengeschichten funktionierten. Da scheint es nahe liegend, dass Burton eine neue Kinoversion des Lewis-Carroll-Klassikers inszeniert hat, begann er seine Kariere doch als Zeichner bei Disney, deren Alice-Trickfilm von 1951 noch immer als beliebteste Adaption der Vorlage gilt. Grund genug für das Erfolgsstudio, sich selbst zu übertreffen und den einstigen Schützling zurück ins Boot zu hieven. Burtons Interpretation kombiniert eindrucksvoll Real- und Animationsfilm als bildgewaltiges Kino: durchaus mit Verstand, aber ohne Herz.

Nachdem er bei Disney eigenen Angaben zufolge keine "niedlichen Füchse" mehr sehen und seine beiden Kurzfilme Vincent und Frankenweenie lange Zeit nicht veröffentlichen konnte, wandte sich Burton Mitte der 1980er Jahre vom Animationsmajor ab. Alice im Wunderland nun ist der erste große Spielfilm, den er direkt für Disney in Szene setzt. Man darf davon ausgehen, dass Burton hierbei künstlerische Freiheiten zugestanden wurden, gilt er doch trotz seiner zum Teil radikalen Mainstream-Brüche als einer der einträglichsten Filmemacher Hollywoods. Nach der leidvollen Batman-Erfahrung gelang es Burton zudem, seine Autorenhandschrift auch im Blockbuster-Sektor auszubauen und sich als einer der wenigen souveränen Hollywoodregisseure zu etablieren.

Umso unverständlicher erscheint es deshalb, dass sich seine Alice-Version überraschend stark am Disney-Film orientiert bzw. diesen zumindest oft herbei zitiert, und darüber hinaus eine überaus gradlinige, übersichtliche Geschichte erzählt. Burton, der oft für seine dramaturgische Nachlässigkeit kritisiert wurde (obgleich er an erzählerischer Stringenz auch nie interessiert war, wie er schließlich in seinem persönlichsten Film Big Fish deutlich machte), adaptiert ausgerechnet jenen Stoff, der sich als Freifahrtsschein für abtrünnige Fantasien und wirres Fabulieren anbietet, mit sicherer Hand zu einem straighten Märchen-Blockbuster ohne Umwege.

Das ist nicht zwangsläufig schlecht. Doch liegen die Stärken des Films ausschließlich im handwerklichen Umgang mit der Vorlage. Als eine Mischform aus Carrolls 1865 erschienenem Buch "Alice im Wunderland" und dessen Fortsetzung "Alice hinter den Spiegeln" findet Burton einen interessanten Erzählansatz: Er lässt die nunmehr erwachsene Alice (Mia Wasikowska) ins Wunderland zurückkehren, in dem sie all die bekannten Tiere und Märchengestalten bereits zu erwarten scheinen. Die junge Frau kann sich allerdings nicht erinnern, jemals dort gewesen zu sein - und weiß demnach herzlich wenig mit der Teeparty des schrillen Mad Hatters (Johnny Depp) oder den Machenschaften der Red Queen (Helena Bonham-Carter) anzufangen.

Indem der Film die Geschichte also streng genommen am deutlich bekannteren Original entlang, aber aus der Perspektive des Sequels heraus entwickelt, bedient er sich der Elemente beider Bücher. Tim Burton hat vieles aus dem Original gestrichen – das Croquet-Spiel, die Gerichtsverhandlung oder das Meer aus Tränen – und stattdessen Platz für Figuren und Erzählstränge der Fortsetzung geschaffen. Die große Schachpartie hat er ebenso integriert wie den Jabberwocky-Kampf oder die Zwillinge Tweedledee und Tweedledum. Burtons Alice im Wunderland ist demnach der Film zum gesamten Alice-Mythos Carrolls mit einem eigenständigen dramaturgischen Konzept.

So clever er dabei auch gestrickt ist und so sauber und zielorientiert er sich an dieser Idee abarbeitet – Raum für Abweichungen lässt die klare Erzählstruktur nicht zu. Das gesamte (insbesondere frühe) Burton-Œuvre ist bestimmt von der Verweigerung und dem Verzicht auf Konventionen, narrative Geschlossenheit oder konsequente Handlungsführung. Seine Filme, von Pee-wee’s irre Abenteuer bis Charlie und die Schokoladenfabrik, folgten stets einer eher intuitiven oder auch träumerischen Erzähllogik, ausgehend von einer emotionalen Nähe Burtons zu seinen schrägen oder missverstandenen Figuren.

Dass ausgerechnet Alice im Wunderland mit seinen absonderlichen Entwürfen und den schrillen Figuren Burton zu einer erstaunlich braven, berechenbaren Literaturadaption inspiriert, die sich ästhetisch zudem an die Disney-Version anlehnt, wirkt allzu verwunderlich. Es scheint, als wolle es Burton bei aller Sorgfalt, die beiden Bücher zum Leben zu erwecken, nie gelingen, sich zum emotionalen Kern der Geschichte vorzuarbeiten. Der Film trägt zwar seine Handschrift, aber er vermittelt nie restlos das Gefühl einer eigenständigen Vision. 

erschienen bei gamona

Juli 07, 2009

News: ALICE IN WONDERLAND - Neue Bilder

In der Vanity Fair sind drei neue (Tier-)Motive erschienen. Ich denke in Kürze ist mit dem Teaser zu rechnen.

Juni 22, 2009

News: ALICE IN WONDERLAND - First Look

Und hier in High-Res. Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll. Das übertrifft meine Erwartungen...

Juni 02, 2009

Kino: TERMINATOR SALVATION

Nachdem der dritte Film von Jonathan Mostow die lange Zeit so heilige Terminator-Kuh vor einigen Jahren schamlos leer gemolken und damit offiziell den Weg für einen kompletten Franchise-Ausverkauf, u.a. in Form einer selten blödsinnigen und schlecht produzierten Fernsehserie, geebnet hat, ist der Stoff nun endgültig freigegeben für die totale Verwurstung durch Studio und Produzenten. Mit Werbe- und Musikclipfilmer McG sitzt für den vierten "Terminator" deshalb jetzt auch folgerichtig ein Mann an den Hebeln, der den einst so faszinierenden Kinomythos ganz erfolgreich zu Grabe trägt.
 
Vermutlich hätte James Cameron sein Baby nie aus der Hand geben dürfen, oder vielleicht auch er der Versuchung widerstehen sollen, das stilprägende Original zur großen Saga auszudehnen. Andererseits ist "Terminator 2" nicht nur eine beispielhafte Demonstration dessen, wie man ein Sequel gemäß des Prinzips der Wiederholung – und letztlich sind Fortsetzungen per se Wiederkäuer – in jeder Hinsicht maximiert, also als noch größeres Spektakel inszeniert. Sondern auch ein bemerkenswertes Positivbeispiel für die Strategie der Postmoderne: Die Umkehrung, der ironische Bruch, der nicht mehr böswillige Arnie.

Das war zu Beginn der 90er. Heute, möchte man meinen, gibt es keine solch bewussten Beispiele mehr. Das ist kein Klagelied über die Innovationsleere des Kinos, es ist die einfache Feststellung, dass sich im Mainstream und insbesondere im Genrefilm ein ultimativer Stillstand abgezeichnet hat. Das, was da seit Jahren Kasse macht, ist nichts anderes als die Wiederholung des ewig gleichen. Wenn man sich "Terminator: Die Erlösung" anschaut, wundert es einen vermutlich schon gar nicht mehr, dass man diesen Film eigentlich bereits kennt.

Es ist eine einzige große Wiederverwertung von bereits Bekanntem, ein Pool aus Referenzen, Zitaten und Bezügen, nicht nur auf den eigenen Filmmythos (was ja legitim ist), also die Idee Camerons, sondern auch auf "Mad Max", auf "Transformers" oder vielleicht auch die Power Rangers. Die Auswahl ist willkürlich, weil der Film zu keiner Sekunde originär wirkt. Selbst wenn McG, der "3 Engel für Charlie"-Regisseur, diese Geschichte ganz frei von jedweden Vorbildern auf uns Zuschauer losgelassen wissen möchte, so erinnert doch alles an schon Dagewesenes: Bewusst oder unbewusst, konkret oder unbenannt – es ist der Fluch einer unsäglichen Entwicklung, die sich aus Reboots, Remakes, Reimaginations, Relaunches und anderen Synonymen für den großen Ideenverlust speist.

Folgerichtig erschließt dieser neue "Terminator" keinerlei neuen Raum, bedeutet keinen Neuanfang der Serie und ist überhaupt in jeder Beziehung nicht neu. Er spinnt auch Camerons Geschichte nicht weiter, sondern spinnt ganz generell ein wenig. McG bebildert jene postnukleare Zukunft, von der Kyle Reese alias Michael Biehn schon im 1984er-Original mit großem Schrecken berichtet – und die uns Cameron in einigen Zeitsprüngen auch zu vermitteln versuchte. Ein erwachsener John Connor (Christian Bale) kämpft hier also noch immer gegen Skynet, noch immer gegen die Maschinen, und irgendwie auch gegen die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zugleich.

Die innere Logik, die Cameron bereits mit seiner eigenen Fortsetzung überwunden hatte, wird in diesem vierten Film nicht ad absurdum, sondern in ungeahnte Grenzbereiche geführt. Es stellen sich dabei illustre Fragen nach dem "Was wäre wenn"-Prinzip, etwa: Was wäre, wenn Kyle Reese (Anton Yelchin), bekanntlich John Connors Vater, im Laufe der Handlung ums Leben käme – würde sich sein Sohn dann auf der Stelle in Luft auflösen, weil er nie gezeugt worden wäre?

Es spielt natürlich keine Rolle, dass sich der Film mit den genretypischen Zeitparadoxien herumschlagen muss, es wäre nur schön gewesen, wenn er dabei noch etwas zu erzählen gehabt hätte. Stattdessen reiht sich Actioneinlage an Actioneinlage, geht immer, wenn wieder einmal drei (der zugegeben stets bemerkenswert blöden) Dialogsätze abgehakt wurden, das große Rambazamba los. Unter dem lauten Getöse verschwindet dann der ganze Rest, was zumindest im Falle des schnarchigen Ensembles keinen Verlust bedeutet – allen voran Schlaftablette Christian Bale, dessen verbale Set-Ausraster einem nun immerhin nachvollziehbar erscheinen.

Der "Dark Knight"-Star ist in gewisser Hinsicht auch das eigentliche Problem des Films: Das ursprüngliche Script sah für John Connor nur eine Nebenrolle am Schluss vor. Als Bale zu dem Projekt stieß, stellte er aber mal wieder alles ein wenig auf den Kopf: Gedacht war, dass er die Rolle Sam Worthingtons übernehmen würde, stattdessen wollte Bale um jeden Preis Connor spielen und ließ das Drehbuch so lange umschreiben, bis seine Figur genügend zu tun haben und die Geschichte keinen wirklichen Sinn mehr ergeben würde. Diese eitle Praxis übermütiger Schauspieler steht zum Beispiel auch bei Edward Norton auf der Tagesordnung: Und fast immer endet das in einer künstlerischen Katastrophe.

"Terminator: Die Erlösung" stand von Anfang an unter keinem guten Stern: Ein Regisseur, der drei Viertel des Films mit permanenten Nah- und Großaufnahmen herunterinszeniert. Ein Hauptdarsteller, der sich lieber in Angelegenheiten jenseits seines Kompetenzbereiches einmischt, statt seine bedauerlichen Egoprobleme in den Griff zu bekommen. Und ein Franchise, der schon im Vorgänger nur noch als Joke über sich selbst taugte. Es ist ein Trauerspiel frei von jeder Tiefsinnigkeit, das nur noch auf die niedrigen Ansprüche eines zahlungswilligen Popcorn-Publikums hoffen darf.


20% - erschienen bei: gamona

Oktober 14, 2008

News: Neues zum ALICE IN WONDERLAND-Cast

Ist natürlich nicht wirklich eine Überraschung, aber im neuen Tim Burton-Film, dem Real- und Motion Capture-Gemisch "Alice in Wonderland", wird auch seine Gefährtin Helena Bonham Carter eine Rolle übernehmen. Sie spielt offenbar die Red Queen, die Schwester der White Queen, für welche Anne Hathaway verpflichtet wurde. Derzeit werden noch die Live Action-Shots gefilmt, ehe es dann für sicher längere Zeit ins Studio geht.

Januar 26, 2008

Kino: SWEENEY TODD...

...The Demon Barber of Fleet Street

Der Barbier ist keine neue Figur im Oeuvre von Tim Burton: Bereits in
"Edward Scissorhands" ließ der Regisseur Johnny Depp frisieren, rasieren und anderweitige Schnippelarbeit verrichten. Sweeney Todd fügt sich hier nahtlos ein in die Reihe tragischer Antihelden, missverstandener Gestalten und rastloser Einzelgänger, mit denen Burton seit jeher den traditionellen Universal-Horrorfilm beschwört. Dass der Mann fürs Morbide geradezu auserkoren ist, um Stephen Sondheims düsteres, schwarzromantisches Musical für die große Kinoleinwand zu übersetzen, schien auch dem Komponisten klar: Nach einigen Fernsehverfilmungen, die sich des Stoffes nie adäquat annahmen, war es Sondheim selbst, der seinen Bühnenhit nach fast 30 Jahren angemessen adaptiert wissen wollte und der Verpflichtung Burtons ohne Bedenken zustimmte. Dafür genügt bereits der Blick auf dessen bisheriges Werk – sowohl der stets düstere Ton, als auch der irgendwo zwischen Hammer-Films und Gotik-Ambiente, zwischen Grand-Guignol und klassischem Monster-Horror festgemachte visuelle Stil Burtons ist geradezu prädestiniert für den schmierig-kargen, tristen Straßenlook Londons im mittleren 19. Jahrhundert.

Einst führten hier der junge Benjamin Barker (Johnny Depp) und seine Frau Lucy (Laura Michelle Kelly) ein friedliches Familienleben. Doch der korrupte Richter Turpin (Alan Rickman) hat ein Auge auf die schöne Frau des Barbiers geworfen und bringt Barker mithilfe seines Handlangers Bamford (Timothy Spall) unschuldig ins Gefängnis, um Lucy und deren kleine Tochter Johanna zu missbrauchen. Das geschah vor 15 Jahren. Nun kehrt Barker zurück nach London – als Sweeney Todd schwört er Rache für die einstige Ungerechtigkeit an ihm und seiner Familie. Gemeinsam mit der Bäckerin Mrs. Lovett (Helena Bonham Carter), die ihm vom Selbstmord seiner geliebten Lucy berichtet, schmiedet er einen teuflischen Plan: Jeder, der um eine Glattrasur bittet, wird fortan zu Fleischpastete verarbeitet.

Wer die Figur Sweeney Todd wirklich war, weiß niemand genau. In England ist die Geschichte eine Art Gegenstück zum Jack the Ripper-Mythos, eine urbane Legende, der mal wahre Wurzeln, mal reine Fantasie unterstellt werden. Als Film- und Theaterstoff vielmals aufbereitet und erweitert, war es schließlich Sondheim, der "Sweeney Todd" 1979 zu einem bluttriefenden, aber auch schwarzhumorigem Bühnenmusical verarbeitete, das heute zu den meistgeschätzten und komplexesten Werken der Musikgeschichte zählt. Selbst gestandenen Sängern und ausgebildeten Musikern bereitet die Partitur Probleme, die dissonante, im Tempo immer wieder unerwartet variierende Musik auf der einen; überbrausende, unglaublich verdichtete und schwer vorzutragende Texte auf der anderen Seite – Sondheims Komposition gilt als heilige Kuh, an die sich bislang zurecht noch kein Regisseur in vollem Umfang gewagt hat.

Umso erstaunlicher, dass Burton den Film (abgesehen von wenigen Ausnahmen in Nebenrollen) mit unprofessionellen Sängern besetzt hat. Weder Depp, noch Bonham Carter oder Rickman verfügen über ausreichend Erfahrung in Gesang und Musicalperformance, doch gerade dieser filmische Ansatz scheint der einzig mögliche: Dies ist eine Kinointerpretation des Stoffes, kein verfilmtes Broadway-Stück. Es ist ein Experiment, ein Versuch, nicht geschulte Schauspieler singen zu lassen. Und obwohl insbesondere Bonham Carter trotz des verlangsamten Tempos hörbar Probleme mit ihren Parts hat, funktioniert dieses Konzept: Denn "Sweeney Todd" ist gesungenes Schauspiel und kein gespielter Dauergesang, was dem zweistündigen und fast durchgängig gesungenen Film jene bühnenhafte Theatralik nimmt, die ein derart operettenhafter Stoff als Filmversion schnell annehmen kann. Dies ist kein Kompromiss, sondern eine künstlerische Entscheidung, die den Film auch einem Publikum näher bringen dürfte, das Musicals ablehnend gegenübersteht. Ein wenig schade zwar, dass das übernatürliche Element bei Burton deshalb nun gar keine Rolle mehr spielt – der Geisterchor der Vorlage, eine ans Publikum gerichtete, im filmischen Kontext hingegen nur schwer umsetzbare Instanz, fehlt gänzlich –, würde jedoch genau diesem eher gesetztem Konzept zu stark widersprechen.

Stilistisch einem Meisterwerk gleich, hat Burton dem Bild jede Farbe genommen. Die ausgewaschene, graue Optik, in der das altertümliche, viktorianische London inszeniert ist, bildet die perfekte Grundlage für ein unheimliches Sittengemälde, das nahezu alle Motive des Regisseurs aufgreift. Der despotische Richter Turpin wird bei Burton zu einer Art Max Shrek ("Batman Returns") des Mittelalters, während dessen quasi-inzestuöses Verhältnis zur vereinnahmten Barker- Tochter einem ähnlich bizarren Familienverständnis entspricht, wie es auch die rachsüchtigen und um Geschlechtergrenzen rangierenden Konflikte in "Sleepy Hollow" zum Ausdruck bringen. Dass Depps Kostümierung mehrmals an seine Rolle in "Edward Scissorhands" erinnert, ist ebenso offensichtlich wie dessen Inszenierung als innerlich zerrissener, selbst zerstörerischer Außenseiter, der Prototypfigur eines jeden Tim Burton-Films.

Barbier Sweeney Todd erweitert die Konstanz an Charakteren im Burton-Werk jedoch um einige Noten. Er ist wesentlich ambivalenter gestaltet als die bisherigen Abtrünnigen in Burtons Filmen und entspricht weniger der Verkörperung eines Identifikationsangebotes, als vielmehr einem maniac on the loose, der seines fragwürdigen Rachefeldzuges wegen auch keine sentimentale, melancholisch verklärte Darstellung erfährt (für ein wunderbares "La Strada"-Zitat ist sich Fellini-Freund Burton aber dennoch nicht zu schade). Todd ist so sehr von seinem blinden Racheplan erfüllt, dass er darüber sogar den Grund für die Vergeltung zu vergessen scheint: An seiner befreiten Tochter scheint er schließlich gar kein Interesse mehr zu haben. Dem Film fehlt deshalb auch ein wenig die emotionale Hingabe, seinem Antihelden gehört nicht uneingeschränkt jede Sympathie, wie er zumindest keine eindeutige Ode an die Außenseiter stimmt. Das wiederum ist ebenfalls angesichts der tragischen, aber auch unaufhaltsam dem bitteren Ende entgegenblickenden Geschichte die richtige Entscheidung.

In "Sweeney Todd" geht es doch schließlich vor allem um unerfüllte Liebe. Um die Liebe zwischen Todd und seiner Frau ("And my Lucy lies in ashes, and I'll never see my girl again"), zwischen dem jungen Anthony (Jamie Campbell Bower) und der von Turpin aufgezogenen und eingesperrten Barker-Tochter Johanna (Jayne Wisener), und auch um die seltsame Liebe der Mrs. Lovett zum wahnsinnigen Todd. Burton kontrastiert jede Romantik mit expressionistischen Settings, frei in alle Richtungen spritzendem Kunstblut und ebenso zynischen (die Erarbeitung eines Speiseplans im großartigen Song "Little Priest") wie sarkastischen Regieeinfällen (die Nummer "By the Sea", in der es um ein Leben jenseits des tristen Molochs geht, wird als kunterbunte Farce inszeniert). Welch Gespür der Mann grundsätzlich für Musicals besitzt, war bislang zwar mehrfach zu erahnen – man denke an die Busby Berkeley-Anleihen in "Charlie and the Chocolate Factory" –, doch handwerklich ist "Sweeney Todd" nicht nur eine Weiterentwicklung Burtons, sondern auch eine nahezu perfekte Übertragung des Stoffes ins filmische Medium. Bei den rhythmischen, wohl bedacht und überaus ideenreich mit Bewegungen, Soundeffekten und vor allem einem ungemein raffinierten Schnitt in Szene gesetzten Gesangseinlagen sind Bild und Ton wirklich einmal eins, eine funktionale Einheit, bei der beinahe jede Nuance stimmt. Das ist in letzter Konsequenz nicht weniger als reinstes, purstes Kino – oder womöglich sogar die absolute Form von Kino überhaupt.


95% - gekürzte Fassung erschienen in: Deadline #08/08

Juli 06, 2007

Kino: HARRY POTTER AND THE ORDER OF THE PHOENIX

Am Anfang nichts Neues: Der Zauberlehrling Harry Potter wird von seinem schmierigen Cousin Dudley schikaniert, den Dursleys benachteiligt und von unerklärlichen Visionen heimgesucht. Und doch ist alles anders in diesem Sommer. Die Rückkehr nach Hogwarts naht, dort scheint allerdings niemand Harry mit offenen Armen empfangen zu wollen. Die einen glauben nach wie vor nicht an eine Rückkehr des dunklen Lord Voldemort, die anderen wissen längst um dessen Wiederauferstehung und versuchen dennoch, den unsicheren Harry zu denunzieren. Der muss sich zudem noch in einer Anhörung des Zauberministeriums verantworten, da er in Gegenwart seines Muggel-Cousins zwei Dementoren per Zauberspruch den Garaus gemacht hat. Als wäre das nicht schon genug für den armen Magier, entwickelt sich die neue Lehrerin Dolores Umbridge zum diktatorischen Monstrum, das keine Möglichkeit auslässt, Harry und seinen Freunden das Leben schwer zu machen.

Das nur für die wenigen, die nicht ohnehin schon wissen, worum es im fünften Film der Serie gehen wird. Zumal ein Großteil des Publikums weniger mit der Aufgabe beschäftigt sein dürfte, herauszufinden, was in "Harry Potter and the Order of the Phoenix" passiert, als vielmehr damit, was im Gegensatz zur Buchvorlage eben nicht passiert. Diese ist den Vorgängern in ihrem Umfang weit überlegen, während die dazugehörige Verfilmung ausgerechnet wesentlich kürzer als die anderen Episoden ausfällt. Und selbstredend: Nicht nur auf ein weiteres Quidditch-Turnier müssen die Potter-Fans verzichten, auch sonst strafft der Film die Vorlage nach Belieben. Das allerdings erscheint lediglich auf den ersten Blick widersprüchlich. Denn Rowlings Tendenz zu ausschweifenden Dehnungen in der Handlung und wenig zurückhaltenden Detailbeschreibungen im fünften Potter-Band haben ihm den Ruf des bislang schwächsten und langatmigsten Buches eingebracht – was einer filmisch verdichteten Zusammenfassung des Stoffes nur zugute kommen kann.

Tatsächlich wirkt der vom englischen Fernsehregisseur David Yates inszenierte neue Film runder und geschlossener als seine beiden Vorgänger, die neben dramaturgischen Straffungen vor allem damit zu kämpfen hatten, einen eigenen Ton zu entwickeln. Während Alfonso Cuarón im dritten Potter einen ungemein düsteren, plastischen Kontrapunkt zu den verspielten Playhouse-Bildern der ersten beiden Filme setzte, hatte dessen Nachfolger Mike Newell sichtlich Probleme damit, einen visuellen Mittelweg zu finden – "Harry Potter and the Goblet of Fire" war entweder zu bunt, um der dramatischen und wegweisenden Handlung entsprechen zu können, oder aber zu düster, wenn es darum ging, den naiven Optimismus der kindlichen Helden zu bewahren. Da hat es Yates etwas leichter, er sucht sich von allem ein wenig zusammen, mischt es kräftig durcheinander und trifft damit exakt jenen Ton, auf den man bislang vergeblich wartete: Der neue Potter ist in seiner Stimmung mal sentimental, gutmütig und liebenswert, mal ernsthaft, kompromisslos und sogar verbittert.

Da drängen sich erstmals nicht die koketten Effekte in den Vordergrund, droht jede Szene im süßlichen Score zu ersticken oder wird krampfhaft versucht, jedes gruselige Element mit einem pubertierenden Witz Ron Weasleys auszugleichen. Ohne dennoch gänzlich auf kindgerechten Humor verzichten zu müssen, schafft es der Film besser als sein Vorgänger, die inneren Konflikte seines Titelhelden abzubilden. Zwar mag die Vorlage Harrys Einsamkeit und Isolierung noch wesentlich ausgewalzter dargestellt haben, doch welch Hürden er überwinden und welch Kämpfe er mit sich selbst ausfechten muss, das vermittelt auch die Verfilmung recht eindrucksvoll. Zumal nicht nur Daniel Radcliffe als Schauspieler sichtlich gereift ist: Das gesamte Ensemble harmoniert im fünften Film spürbar besser, nicht zuletzt durch die Neuzugänge Imelda Staunton und – wenngleich sie auch ein wenig zu kurz kommt – Helena Bonham Carter. Höhepunkt ist dabei zweifellos die Okklumentikszene, in der Alan Rickman abermals zwischen den Facetten eines schmierigen Intriganten und charmanten Helfers chargieren und die Schwächen seiner Figur offen legen darf.

"Harry Potter and the Order of the Phoenix" also ist überraschend ansehnliches Fantasykino, das eine clever gestrickte Geschichte ohne visuelle Mätzchen erzählt. Hier versammelt sich alles, was im britischen Kino und Theater Rang und Namen hat, um die Abenteuer des populärsten Zauberers der Gegenwartsliteratur in ein ernsthaftes Leinwandspektakel zu verwandeln. Eben nicht nur für die ganze Familie.


70% - erschienen bei: DAS MANIFEST