Februar 18, 2016
Kino: HAIL, CAESAR!
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Dezember 11, 2012
Kino: GREAT EXPECTATIONS (2012)
Oktober 29, 2012
Kino: SKYFALL
Oktober 19, 2010
Zuletzt gesehen: CLASH OF THE TITANS
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August 15, 2009
Kino: THE HURT LOCKER
In der Post-Bush-Ära, eingeleitet sogleich mit einem verkündeten Rückzug amerikanischer Truppen aus dem Irak, werden die Geschichten im Konfliktherd munter weitererzählt, selbst wenn man dazu in der Zeit um einige Jährchen zurückgehen muss, wie in Kathryn Bigelows erster Langfilmregiearbeit seit sieben Jahren. Mit unmittelbarer Handkamera rückt sie einem auf Bombenentschärfung spezialisierten Sondereinsatzteam im irakischen Kriegsgebiet auf die Pelle: Gemeinsam mit ihnen lässt sie den Zuschauer durchs Zielfernrohr blicken, sich hinter Mauern verstecken oder minutenlang Zünder deaktivieren, während ihr Objektiv hautnah jedes Hitzeflimmern, jede Schweißperle und jedes Staubkorn ins Visier nimmt. Die Geschichte ist eine Abfolge von Aufträgen: Deeskalation und Detonation im Alltag einer Soldatentruppe, die die Tage rückwärts zählt – bis zum ersehnten Nullpunkt, an dem sie wieder nach Hause dürfen.
So vermittelt "The Hurt Locker" in erster Linie Stimmungsbilder, während die Erzählstruktur einem episodischen Erfahrungsbericht gleicht, der nüchtern und fast dokumentarisch den lebensgefährlichen Alltag der Soldaten wiedergibt. Aus dieser nervenaufreibenden Lebensgefahr leiten einige von ihnen, insbesondere die zentrale Figur im Mittelpunkt des Geschehens, Bombenspezialist Sergeant William James, hingegen einen Nervenkitzel ab, der sie mit offensichtlich überlebenswichtigem Adrenalin versorgt. Der Krieg sei eine Droge, heißt es ganz zu Beginn des Films – William James ist ihr verfallen. In einem gigantischen, an alte Science-Fiction-Märchen erinnernden Schutzanzug nähert er sich seinen "Babys": In einer Szene nimmt er wider Befehlslage ein ganzes Auto auseinander, zerrupft und verbiegt und demoliert alles, um den Zünder der Bombe ausfindig zu machen – das Erfolgserlebnis als Selbstbefriedigung, deren Kontext oder politischer Bezug, eigentlicher Auftrag oder Sicherheitsmaßnahmen in weite Ferne gerückt sind.
Folgerichtig konzentriert sich Bigelow auf die Erlebnis- und Wahrnehmungsebene ihrer Figuren, ohne zu konkretisieren, Stellung zu beziehen oder ideologische Sichtweisen in ihren Blick zu mischen. Gerade durch diesen inszenatorischen Verzicht ist ihr mit "The Hurt Locker" natürlich dennoch ein enorm politischer Film geglückt: So widersprüchlich und irrational die Aktionen ihrer Soldaten dem Zuschauer erscheinen müssen, so eindrucksvoll verortet der Film sie in einem komplexen Gewebe aus körperlichen Grenzerfahrungen und seelischen Narben. Wenn Sergeant James zurück in der Heimat gelähmt vor einem riesigen Regal Cornflakes im Supermarkt steht, dann ist zwar alles im Überfluss vorhanden – gegen die quälenden Wunden jedoch hilft nur die Droge, die Rückkehr ins Kriegsgebiet. 365 Tage bis zum Abzug, die Zeit läuft wieder rückwärts.
80% - erschienen bei den: 5 Filmfreunden
Februar 26, 2009
Kino: THE READER
In diesem Film stecken viele Geschichten: Es ist ein Coming-of-Age-Stoff ebenso wie ein Außenseiterdrama, eine ungewöhnliche Lovestory mindestens so sehr wie ein fak- tischer Gerichtsthriller, und im Besonderen ist "Der Vorleser" heikles Geschichtsmaterial, das Fragen nach Verantwortung und Schuld, Opfer- und Täterrollen verhandelt. Zunächst in den 50er Jahren, später in der Gegenwart verortet, untersucht der Film den zeitgemäßen Generationskonflikt – an einem brisanten Beispiel: Es geht um die Aufarbeitung der Naziverbrechen.Doch erst einmal erzählt "Der Vorleser" eine reine Liebesgeschichte: Der an Gelbsucht erkrankte 15jährige Michael Berg (David Kross) erleidet auf dem Nachhauseweg von der Schule eine Panikattacke und muss sich übergeben. Eine schroffe Frau (Kate Winslet) kommt dem Jungen zu Hilfe und nimmt ihn mit zu sich in die Wohnung. Es ist der Beginn einer intimen Beziehung. Nach anfänglicher Scheu sehen sich der Schüler und die so viel ältere Schaffnerin jeden Tag. Er liest ihr dann aus Büchern vor, und anschließend schlafen sie miteinander.
Plötzlich steht eines Nachmittags die Wohnung der Frau leer, Michaels heimliche Geliebte ist verschwunden, weggezogen, geflüchtet. Acht Jahre und einen – im Vergleich zur Vorlage weniger radikalen – zeitlichen Schnitt später besucht Michael, nunmehr Jurastudent, eine Gerichtsverhandlung. Auf den Anklagebänken sitzen damalige KZ-Aufseherinnen eines ehemaligen Außenlagers von Auschwitz. Es ist das erste Mal, dass der junge Mann jene Frau wieder sieht, in die er sich als 15jähriger verliebte.
Hanna Schmitz, so ihr Name, ist in diesem Prozess die Hauptangeklagte, sie wird für ihre Kriegsverbrechen zu einer lebenslangen Haft verurteilt. Doch niemand außer Michael kennt ihr unausgesprochenes Geheimnis: Hanna ist Analpha- betin. Über Jahre hinweg liest er auf Tonbändern aus Büchern vor, die er ihr ins Gefängnis schickt. Bis er, nun schon im reiferen Alter und gespielt von Ralph Fiennes, eines Tages eine Briefantwort erhält.
Seit Bernhard Schlinks Schullektürchen "Der Vorleser" 1997 in den USA erschien, wurde immer wieder über eine Hollywood- Verfilmung des Stoffes spekuliert. Die kürzlich verstorbenen Regisseure und Produzenten Anthony Minghella und Sydney Pollack arbeiteten bereits viele Jahre an der Kinoadaption des in 39 Sprachen übersetzten Erfolgsromans, der als erstes deutsches Buch die Beststellerliste der New York Times und hierzulande bald auch die Schullehrpläne anführte.
Mit dem britischen Film- und Theaterregisseur Stephen Daldry ("The Hours") holten sich die Weinstein-Brüder schließlich einen ihrer liebsten Oscargaranten ins Boot, für die Hauptrolle wurde zunächst Nicole Kidman engagiert, die die Arbeit aufgrund ihrer Schwangerschaft jedoch an Kate Winslet übergab. Mit deutschem Akzent – oder eher dem Versuch eines solchen – spielt sie sich mit wehleidiger Miene und später unter Tonnen von Alters-Make-up verdeckt durch den in Berlin und Umland gedrehten Film bis zum unverdienten Oscar.
Daldry lockert die strenge dreigliedrige Struktur der Vorlage auf und findet für den Ich-Erzähler des Buches filmisch Ersatz, indem er Ralph Fiennes, also den erwachsenen Michael, in eine Rahmenhandlung verpflanzt. Das war es dann aber auch schon an Eigenanteil, in der Beschreibung der Liebesbeziehung zwischen Hanna und dem jungen Michael klebt der Film fest an Schlinks Roman: Die schlichten kurzen Umschreibungen des Buches werden mit dramaturgischen Hauruckmethoden in verkürzt anmutende Szenenabfolgen übersetzt, denen jede Hinführung und Sensibilität fehlt.
Besonders in der ersten Hälfte wirkt "Der Vorleser" durch die ungebrochene Bebilderung des Stoffes unfreiwillig komisch, auch in den Sexszenen mit Winslet und Kross. In Unkenntnis der Vorlage müssen einem die Erzählstruktur merkwürdig künstlich und die unterkühlten Figuren leblos und unmotiviert erscheinen. Das Drehbuch ist nicht gewillt, sich der Geschichte eigenständig anzunähern, sie filmisch zu interpretieren und von ihrer festen literarischen Form abzulösen. So erscheint der Film paradoxerweise wie vorgelesen – ob sich dahinter vielleicht ein ausgeklügeltes Konzept verbirgt?
Auf der diesjährigen Berlinale sprach Regisseur Daldry davon, dass "Der Vorleser" ein kontroverser Stoff sei, weil er nicht den Holocaust, sondern die Nachkriegszeit in Deutschland und den Umgang mit den Naziverbrechen thematisiere. Oder anders ausgedrückt: Eine banale Liebesgeschichte erzählt, die er mit Suspense auf Kosten der in die sichere Passivität verdrängen Holocaustthematik unterfüttert. Deshalb ver- wundert es, dass sich das, was schon bei Schlinks zum Aufklärungsroman aufgebauschter Trivialliteratur unerträglich verlogen erschien, in der Kinoadaption sogar noch verstärkt.
Winslet spielt die KZ-Aufseherin als ein Häufchen Elend: So geduckt und so zerbrechlich, so mitleidig und Verständnis erregend, wie man sich die höchst problematische Figur im kühl und distanziert verfassten Roman niemals zu erträumen gewagt hätte. Dass die Scham des Analphabetismus somit stets gegen die Schuld des Tötens zu argumentieren versucht, ist wohl gewiss kein Versehen, sondern die einfache Fahrlässigkeit eines höchst fragwürdigen Stoffes. "Der Vorleser" ist, als Buch wie als Film, kein Appell für einen differenzierten Umgang mit Naziverbrechern, es ist mehr eine unangenehme Reinwaschung, eine Geschichte fürs gute Gewissen.
Dazu kleistert der Score und rascheln die Seiten der Vorlage, wird sich in schicker Ausstattungsästhetik und geschmacklos stilisierten KZ-Bildern erfolglos um eine wirkliche Auseinander- setzung mit der Schuldfrage gedrückt. Und dass sich der Film dabei keineswegs um Subtilität schert, sondern alles unentwegt erklärt, ausformuliert und bis zum Letzten bebildert, macht ihn letztlich auch zu einer großen Enttäuschung für jene, die Daldrys bisherige Regiearbeiten für ihre einfühlsame Filmsprache und emotionale Behutsamkeit schätzten.
November 26, 2008
November 02, 2008
News: THE READER: DER VORLESER - Trailer
Mai 14, 2008
Kino: IN BRUGES
Urlaub im belgischen Brügge kann für den Kunst- und Geschichtsfreund das Paradies auf Erden sein, das historische Örtchen voller mittelalterlichem Charme begrüßt seine Besucher immerhin mit dem opulenten Antlitz zahlreicher Kirchen, Museen und Marktplätze. Für Ray und Ken indes muss Brügge der Vorort der Hölle sein, in den die beiden irischen Profikiller strafversetzt wurden, nachdem sie einen Auftrag gehörig vermasselt haben. Zumindest hat Ray das, der etwas unerfahrene, gewissensgeplagte von beiden, der mit sich und seinem Leben nicht recht klarkommt und dafür prompt die Quittung im harten Geschäft der Londoner Unterwelt erhält: Sein Freund Ken soll ihn ermorden, so der Befehl vom Chef. Während die beiden ihre triste Zeit in Brügge verbringen, fechten sie gleichzeitig einen stillen Kampf um Berufsehre und Freundschaft aus. Martin McDonagh macht vieles richtig und nur sehr wenig falsch in seinem Langfilmdebüt, eine überschaubare Gangstergroteske mit herbem Witz, nicht selten zynisch, sehr abgeklärt, lässig, aber ohne aufdringlich zu sein, und liebenswerten Figuren. Letzteres ist freilich eine Grundsatzentscheidung, die bei McDonagh zugunsten des Genremanifests ausfällt, das selbst die bösesten Buben zum Vertreter jedweder Sympathien erklärt: Die beiden Killer soll man schon durchaus dufte finden, was auch gar nicht besonders schwer fällt, denn während der eine damit zu kämpfen hat, ein Kind erschossen zu haben (und wie man lernt darf man alles, aber DAS darf man nicht in diesem Business), kümmert sich der andere fast väterlich um ihn, während er unter dem Druck des gemeinsamen Bosses mit sich ringt, den Freund und Kollegen auftragsgemäß ins Jenseits zu befördern.
"In Bruges" ["Brügge sehen... und sterben?"] erzählt mit sehr englischer Lässigkeit eine Verlierergeschichte, die Gangster- filmklischees meist umgeht und gebrochene, uneitle Killer in die Kulturprovinz befördert, wo sie fast schon meditativ das eigene Dasein reflektieren. McDonagh setzt seinen Spielort Brügge glücklicherweise als eigenständigen Charakter in Szene, der die komischen Dialoge der beiden Hauptdarsteller mitkommentiert, mal als bedrohlicher Raum, mal als bildschönes Städtchen oder meist stinklangweilige Kulisse, die diese Figuren führt und lenkt. "In Bruges" ist somit nicht nur ein Film über zwei desillusionierte Auftragskiller, sondern auch über einen traditionsreichen Ort, der immer wieder stark in das Geschehen eingebunden ist, Verfolgungsjagden und blutige Schießereien inklusive.
Wenn der Film trotz seines ohnehin pointierten Drehbuchs immer wieder die üblichen Zuspitzungen sucht, ganze Figuren und Nebenstränge bastelt, nur um sie in einem Witz aufzulösen, stößt auch McDonagh an die Auflagen, die der Gangsterfilm wohl jedem jungen Regisseur zu stellen scheint. Dabei hat "In Bruges" manch irrwitzigen Zufall in der Handlung, manch nur des kurzen Jokes wegen eingestreuten Einfall wie den als Running Gag platzierten eifersüchtigen Ex-Freund von Rays Brügge-Bekanntschaft oder einem kleinwüchsigen Schauspieler, über den der Film nie müde wird zu witzeln, gar nicht nötig. Vor allem, da es McDonagh überaus galant gelingt, einen ernsthaften Gangsterfilm auf die Beine zu stellen, der ohne ostenative Penetranz auch als Parodie funktioniert. Colin Farrell war vielleicht noch sie so gut wie hier, erschafft und belebt er doch facettenreich eine ganz und gar schrullige Figur, bei der ihm mehr einfällt als das sonstige Runzeln seiner wuscheligen Augenbrauen. Wenn er sich zuletzt ein erbittertes Duell mit Ralph Fiennes in einer sehr augenzwinkernden Rolle liefert, inszeniert McDonagh das nicht nur stilvoll und poetisch, sondern auch mit bewusst selbstreflexivem Witz: Dann wird "In Bruges" schließlich auf seinem eigenen Schauplatz – einem Filmset – sein Ende finden.
Juli 06, 2007
Kino: HARRY POTTER AND THE ORDER OF THE PHOENIX
Am Anfang nichts Neues: Der Zauberlehrling Harry Potter wird von seinem schmierigen Cousin Dudley schikaniert, den Dursleys benachteiligt und von unerklärlichen Visionen heimgesucht. Und doch ist alles anders in diesem Sommer. Die Rückkehr nach Hogwarts naht, dort scheint allerdings niemand Harry mit offenen Armen empfangen zu wollen. Die einen glauben nach wie vor nicht an eine Rückkehr des dunklen Lord Voldemort, die anderen wissen längst um dessen Wiederauferstehung und versuchen dennoch, den unsicheren Harry zu denunzieren. Der muss sich zudem noch in einer Anhörung des Zauberministeriums verantworten, da er in Gegenwart seines Muggel-Cousins zwei Dementoren per Zauberspruch den Garaus gemacht hat. Als wäre das nicht schon genug für den armen Magier, entwickelt sich die neue Lehrerin Dolores Umbridge zum diktatorischen Monstrum, das keine Möglichkeit auslässt, Harry und seinen Freunden das Leben schwer zu machen.Das nur für die wenigen, die nicht ohnehin schon wissen, worum es im fünften Film der Serie gehen wird. Zumal ein Großteil des Publikums weniger mit der Aufgabe beschäftigt sein dürfte, herauszufinden, was in "Harry Potter and the Order of the Phoenix" passiert, als vielmehr damit, was im Gegensatz zur Buchvorlage eben nicht passiert. Diese ist den Vorgängern in ihrem Umfang weit überlegen, während die dazugehörige Verfilmung ausgerechnet wesentlich kürzer als die anderen Episoden ausfällt. Und selbstredend: Nicht nur auf ein weiteres Quidditch-Turnier müssen die Potter-Fans verzichten, auch sonst strafft der Film die Vorlage nach Belieben. Das allerdings erscheint lediglich auf den ersten Blick widersprüchlich. Denn Rowlings Tendenz zu ausschweifenden Dehnungen in der Handlung und wenig zurückhaltenden Detailbeschreibungen im fünften Potter-Band haben ihm den Ruf des bislang schwächsten und langatmigsten Buches eingebracht – was einer filmisch verdichteten Zusammenfassung des Stoffes nur zugute kommen kann.
Tatsächlich wirkt der vom englischen Fernsehregisseur David Yates inszenierte neue Film runder und geschlossener als seine beiden Vorgänger, die neben dramaturgischen Straffungen vor allem damit zu kämpfen hatten, einen eigenen Ton zu entwickeln. Während Alfonso Cuarón im dritten Potter einen ungemein düsteren, plastischen Kontrapunkt zu den verspielten Playhouse-Bildern der ersten beiden Filme setzte, hatte dessen Nachfolger Mike Newell sichtlich Probleme damit, einen visuellen Mittelweg zu finden – "Harry Potter and the Goblet of Fire" war entweder zu bunt, um der dramatischen und wegweisenden Handlung entsprechen zu können, oder aber zu düster, wenn es darum ging, den naiven Optimismus der kindlichen Helden zu bewahren. Da hat es Yates etwas leichter, er sucht sich von allem ein wenig zusammen, mischt es kräftig durcheinander und trifft damit exakt jenen Ton, auf den man bislang vergeblich wartete: Der neue Potter ist in seiner Stimmung mal sentimental, gutmütig und liebenswert, mal ernsthaft, kompromisslos und sogar verbittert.
Da drängen sich erstmals nicht die koketten Effekte in den Vordergrund, droht jede Szene im süßlichen Score zu ersticken oder wird krampfhaft versucht, jedes gruselige Element mit einem pubertierenden Witz Ron Weasleys auszugleichen. Ohne dennoch gänzlich auf kindgerechten Humor verzichten zu müssen, schafft es der Film besser als sein Vorgänger, die inneren Konflikte seines Titelhelden abzubilden. Zwar mag die Vorlage Harrys Einsamkeit und Isolierung noch wesentlich ausgewalzter dargestellt haben, doch welch Hürden er überwinden und welch Kämpfe er mit sich selbst ausfechten muss, das vermittelt auch die Verfilmung recht eindrucksvoll. Zumal nicht nur Daniel Radcliffe als Schauspieler sichtlich gereift ist: Das gesamte Ensemble harmoniert im fünften Film spürbar besser, nicht zuletzt durch die Neuzugänge Imelda Staunton und – wenngleich sie auch ein wenig zu kurz kommt – Helena Bonham Carter. Höhepunkt ist dabei zweifellos die Okklumentikszene, in der Alan Rickman abermals zwischen den Facetten eines schmierigen Intriganten und charmanten Helfers chargieren und die Schwächen seiner Figur offen legen darf.
"Harry Potter and the Order of the Phoenix" also ist überraschend ansehnliches Fantasykino, das eine clever gestrickte Geschichte ohne visuelle Mätzchen erzählt. Hier versammelt sich alles, was im britischen Kino und Theater Rang und Namen hat, um die Abenteuer des populärsten Zauberers der Gegenwartsliteratur in ein ernsthaftes Leinwandspektakel zu verwandeln. Eben nicht nur für die ganze Familie.
