Juni 18, 2013
Kino: GAMBIT [DER MASTERPLAN]
Februar 02, 2012
Kino: TINKER TAILOR SOLDIER SPY
Februar 18, 2011
Berlinale 2011: THE KING'S SPEECH
Der gedeihende Lernerfolg wird, wenn sich nicht gerade die bewährte Schuss-Gegenschuss-Didaktik der Filmhochschule dazwischen drängt, in verlotterten Montagen erzählt, denn so formschön kann schweißtreibende Zeit nur im Kino vergänglich gemacht werden. Irgendwann schließlich wird ersichtlich, was der Film anfänglich wenig diffizil ohnehin schon Einstellung für Einstellung kolportierte: Des Königs Stimmbänder wurden einzig durch die unbarmherzigen Korsettschnüre britischer Adelsmeriten verengt – ein Glück also, dass Colin Firth seinen stotternden King George gleich zu Beginn als stocksteifen Tunichtgut exponieren muss, dem jede noble Geste einen Krampf ins Gesicht drückt.
Die vordringliche Inszenierung, die offenbar alle augen- scheinlichen Klischees eines altbackenen Kostümfilms zu umschiffen gedenkt, soll dabei wohl die betagte Haltung des Films verhängen. Doch die besonders hinsichtlich der Figuren ausgeprägten Indifferenzen in der als Personendrama angelegten Adelsschmonzette spiegeln sich letztlich vor allem im Casting wider, dem wunderbar pretiösen Spiel eines Geoffrey Rush steht hier die völlige Fehlbesetzung von Guy Pearce oder Timothy Spall gegenüber. Bei all der konventionellen Manieriertheit muss man dem Film Tom Hoopers Versuche zugute halten, die steifen Vorgaben des Kostümformatkinos wenigstens mit teils lakonischem Humor aufzulockern – in manchen Momenten zwischen Firth und Rush entwickelt der Film zeitweilig eine angenehm amüsante Eigendynamik, die seinen sonst allzu kontrollierten Überbau zumindest momentweise vergessen macht.
40% - erschienen bei den: 5 Filmfreunden
November 05, 2009
Kino: A CHRISTMAS CAROL
"Eine Weihnachtsgeschichte" beruft sich also wieder auf die klassische Erzählung – sie wurde nicht wie so oft zu einem Musical oder einer Komödie variiert. Im Zentrum steht, natürlich, der grantige Geizhals Scrooge, der vom Geist der vergangenen, gegenwärtigen und künftigen Weihnacht heimgesucht wird. Die wohl gesonnenen Gespenster reisen mit ihm zu Stationen seiner Kindheit und Jugend und eröffnen ihm schließlich den Blick auf sich und sein Umfeld, ehe sich Scrooge vom Menschenfeind zum gutherzigen Großväterchen besinnt.
Der durch die "Zurück in die Zukunft"-Trilogie mit Zeitreisen vertraute Regisseur Robert Zemeckis verarbeitet die Charles-Dickens-Geschichte zu einem weihnachtlichen Motion-Capture-Blockbuster, in dem er wie bereits bei seinem "Polarexpress" und "Beowulf" die Bewegungen der Darsteller in computergenerierte Animationen überträgt. Dieses Abbild der Realität soll paradoxerweise wiederum realistisch wirken, was erneut zu der Frage führt, warum Zemeckis so sehr auf diesen Umweg schwört, statt die Geschichte nicht gleich herkömmlich zu inszenieren und das Geld in entsprechende Spezialeffekte zu investieren.
Denn das Ergebnis der digitalen Bilder ist genauso ernüchternd wie in den beiden formalen Vorläufern: Die Bewegungen sind staksig und ungelenk, die Augen der Figuren wirken unnatürlich und befremdlich, und die Gesichter erinnern in ihrer Plastizität an Wachsfiguren. Statt zu stilisieren, zu verfremden und damit auf das eigentliche Animationshandwerk – die Erschaffung von Bilderwelten aus dem Nichts – zurückzugreifen, imitiert die Technik eine Realität, die sie doch nie erreichen kann.
Schade also, dass auch "Disneys Eine Weihnachtsgeschichte" in der Motion-Capture-Sackgasse landet, denn Zemeckis bringt den Stoff ansonsten überraschend sorgfältig und sogar dialoggetreu auf die große Leinwand. Erstaunlich dabei vor allem, dass er sich viel Zeit lässt für die über- und in ihrer moralischen Schlichtheit auch durchschaubare Geschichte, dass er die Geisterbesuche nur wenig effekthascherisch in Szene setzt und sich stattdessen mehr auf die vielseitige Leistung seines Hauptdarstellers konzentriert.
Nachdem schon so unterschiedliche Schauspieler wie Michael Caine, Patrick Stewart oder Bill Murray in die Rolle des miesepetrigen Scrooge geschlüpft sind, übernimmt nun Blödelgesicht Jim Carrey den Part – und den der drei Weihnachtsgeister gleich noch mit. Carrey erweist sich als Idealbesetzung: Dass sein Scrooge eine enorme Präsenz hat, ist dabei mehr seinem mimischen und gestischen Können, denn der eigentlich schauspielfeindlichen Motion-Capture-Technik zuzuschreiben. Carrey schafft es zumeist gegen die bizarr-befremdliche Animation anzuspielen.
Die digitalen Gesichtsakrobatiken des Komikers bleiben dann auch der einzige Schauwert des Films, der die Geschichte eher spröde visualisiert. Zemeckis hält sich mit allzu überdrehten Actioneinlagen zwar zurück, was durch den verhaltenen Einsatz schneller Bewegungen vor allem dem 3D-Erlebnis zugute kommt (für das der Film konzipiert wurde), setzt aber auch keine optischen Schwerpunkte. Lediglich die Titelsequenz spielt auf eindrückliche Art mit räumlichen Verhältnissen.
Freunde der Dickensschen Originalgeschichte dürften hingegen nicht nur von der inhaltlichen und sprachlichen Vorlagentreue begeistert sein, sondern auch mit Freude zur Kenntnis nehmen, dass Zemeckis sich für das Design des Films an den ursprünglichen Kupferstichen orientiert hat. Die drei Weihnachtsgeister schließlich wurden selten so exakt nach den Beschreibungen der Erzählung in Szene gesetzt. Umso enttäuschender, dass auch sie dank der sperrig-unschönen Motion-Capture-Bilder nie wirklich zum Leben erweckt werden – sondern so lieb- und seelenlos bleiben müssen wie alle Figuren.
40% - erschienen bei: gamona
Oktober 22, 2008
Kino: THE ACCIDENTAL HUSBAND
Man sollte immer Acht geben auf das, was man im Radio so von sich gibt: Dr. Emma Lloyd (Uma Thurman), erfolgreiche Beziehungsexpertin für Freunde des gepflegten Rundfunks, wird bald mit ganz praktischen Konsequenzen für ihre sonst eher theoretischen Sex-, Ehe- und Lebenstipps konfrontiert. Denn weil sie einer Anruferin dazu rät, ihre Hochzeit kurz vor der Trauung platzen zu lassen, bekommt sie es mit deren frustriertem Ehemann Patrick (Jeffrey Dean Morgan, inoffizieller Doppelgänger von Javier Bardem) zu tun. Und der spinnt gegen die populärtherapeutische Radiomoderatorin einen nicht ganz uneigennützigen Racheplan: Über einen PC-Crack hackt er sich in New Yorks Bürgerregister und erklärt sich und Emma kurzerhand zu Mann und Frau. Das stiftet bei der sonst so pfiffigen Karrierefrau nicht nur einige Verwirrung, als sie mit ihrem Verlobten Richard (Colin Firth) ihrerseits die Hochzeitsvorbereitungen angeht, sondern verursacht auch ein ordentliches Gefühlschaos, als sie ihren "Accidental Husband" schließlich persönlich kennen lernt. Was sich als romantische Komödie ja von vornherein in ein Isolierfeld platziert, das jede Kritik mit Verweis auf das, natürlich weibliche, Zielpublikum und eines der Natur des Genres oder, vielmehr noch, der Natur der Konvention immanenten Happy Ends wie selbstverständlich abgewiesen gehört, ist wohl nur schwerlich mit Mitteln der Logik und des gesunden Verstands anzugehen. Zu sehr scheinen die Gesetze und Vorgaben wirksam: Da wird erst geirrt, verwirrt und verbalisiert, dann gestichelt, geliebt und geheiratet. Und, so wie hier, gar noch geschwängert. Am Ende. Damit die selten dämliche und absurde Geschichte zumindest noch jene moralische Integrität zurückgewinnt, die das Rom-Com-Genre in ihrem zutiefst biederen Kern vorschreibt – so fernab jedweder Überwindung von Rollen- und Gesellschaftsklischees und contra der Tradition vergnüglich-subversiver Screwball Comedies von, ja leider, vorgestern.
Kein Problem, dass der Ausgang der Geschichte jederzeit vorhersehbar ist, schließlich ist er ja auch vorherbestimmt durch das Regelwerk des Genres, er ist das, was festgeschrieben steht, worauf hingearbeitet werden muss. Die Überraschungsmomente innerhalb einer allgemeinen Über- raschungslosigkeit müssen sich also zumeist dem Prinzip fügen, nicht das Ziel, sondern den Weg zum Ziel unterhaltsam zu gestalten. So weit, so gut. Kein Problem auch, wenn die romantische Komödie sich dabei viel Schmuck leistet, um Frau und Mann zueinander zu führen. Sei es mit exaltierter Komik und bemühten Zufällen, mit einem Überreiz an Kitsch, ausgedehnten Wendungen und nachdrücklich betonten Rollenzuweisungen, oder eben auch einfach mithilfe eines Plots, in dem eine geerdete Erfolgsjournalistin einem treudoofen Provinzfeuermann auf den Leim geht, sich Hals über Kopf in ihn verliebt und deshalb schließlich ihren Ehemann in spe verlässt.
Ein großes Problem aber ist es, wenn der Film die gute Uma dafür wie eine saublöde Schlampe behandelt, sie erst als selbstbewusste Selfmade-Powerfrau ein– und bald vorführt, ehe sie wie ein dusseliges Mädchen ständig mit ihrem Kopf gegen Tischkanten knallen muss, um schließlich vom einem egoistischen und schwer gestörten Macho zur unterwürfigen Braut umerzogen zu werden. Die taffe Radiomoderatorin purzelt also artig von Anfang bis Ende die Emanzipationsleiter zurück, um anderen Frauen On Air zuletzt ganz bestimmt nicht mehr raten zu können, ihre Männer zu verlassen. Wenn der schrecklich unwitzige und bemerkenswert langweilige "The Accidental Husband" dann die Hochzeit zwischen einem domestizierten blonden Dummchen und einem selbstsüchtigen Vorstadttrottel, der natürlich ganz grundlos einen Denkzettel von seiner vorherigen Frau bekommen hat, als Happy End verkaufen will, während der liebe Colin Firth sang- und klanglos abserviert wird – es wird eigentlich nur noch von der ekelhaften Misogynie überlagert, die Regisseur Griffin Dunne da so ungeniert zur Schau stellt. Nicht einmal Single-Frauen mit einer Überdosis Starbuck’s-Kaffee intus werden das unterhaltsam finden können.
5%
Juli 15, 2008
Kino: MAMMA MIA!
Wenn Meryl Streep schon nach wenigen Minuten auf der Bildfläche erscheint, wenn sie da so tanzt, trällert und euphorisch hin und her springt, dann sollte man schon mit Sicherheit wissen, in welchen Film man hier eigentlich hineingeraten ist. Ob man wirklich bereit ist für zwei Stunden voller frivoler, exaltierter, hysterischer Kitschfantastereien, für die "Sex and the City"-Kinofilm kürzlich bestenfalls ein Teaser mit Fußnotenwert bedeuten kann:Basierend auf dem Bühnenerfolgsmusical wird in "Mamma Mia!" mithilfe zahlreicher bekannter ABBA-Songs die Geschichte der 20jährigen Sophie (Amanda Seyfried) erzählt, die mit ihrer Mutter Donna (die aufgebrachte Streep) seit den 70er-Jahren auf einer kleinen griechischen Insel lebt, wo sie gemeinsam eine Taverne betreiben. Anlässlich ihrer Hochzeit hat Sophie den dringlichen Wunsch, endlich auch ihren unbekannten Vater kennen zu lernen. Im Tagebuch ihrer Mutter erfährt sie jedoch, dass dafür gleich drei potentielle Männer in Frage kommen, was sie dazu verleitet, jene alten Freunde ihrer Mutter heimlich zur Feier zu laden – diese hatten zwar alle einmal eine Beziehung mit Donna, seitdem aber keinen Kontakt mehr zu ihr. Als Sam (Pierce Brosnan), Harry (Colin Firth) und Bill (Stellan Skarsgård) schließlich auf der Insel eintreffen, drohen die ohnehin schon turbulenten Hochzeitsvorbereitungen endgültig zum Desaster zu verkommen.
Ebenso absurd wie dieses Geschichtchen ist eigentlich alles in "Mamma Mia!". Der willkürliche Handlungsort garantiert schöne Settings, die nichtigen Probleme der Figuren sichern jenen dynamisch aufgebrachten Tonfall, den die ABBA-Songs auch dringend benötigen, und überhaupt ist all die Bonbon-Konstruktion vor allem dazu dienlich, dem Film ein ansprechend poliertes Parkett für seine Songs bieten zu können. Ganz so eben, wie ein Jukebox-Musical zu sein hat.
Und die Rechnung geht problemlos auf. Phyllida Lloyds Bühnenadaption ist ein großer Spaß, ein bemerkenswert heiteres, buntes und schrilles Vergnügen, das ungehemmt in flauschigen Bilderreigen schwelgt. Da jagt ein ABBA-Hit den nächsten, folgt eine Urlaubskulisse auf die andere – und all der Charme, all die positive Energie dieses Films wirken tatsächlich schwer ansteckend. So ungewohnt es erscheinen mag, Pierce Brosnan oder Colin Firth fröhlich vor sich her singend im Close-Up zu bestaunen, so mutig ist dieses Stelldichein der Hollywoodkollegen auch, die hier mit ekstatischer Spielfreude gegen ihr Image antanzen. Womöglich ist "Mamma Mia!" dabei mit seiner ausgiebigen Ausstattungswut, seinem erschöpfenden Gute-Laune-Tenor und ebenso grotesker wie amüsanter Bilder singender Matrosen und steppender Strandboys die teuerste Verfilmung gebündelter Homo-Fantasien, die es jemals ins Haupt- programm der Multiplexkinos schaffen wird – schon deshalb also ist das irgendwie ein Pflichtfilm.