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Mai 08, 2015

DVD: 23 PACES TO BAKER STREET [aka. 23 Schritte zum Abgrund] (1956)

Der US-amerikanische Bühnenautor Phillip Hannon (Van Johnson) hat sich nach einer Erblindung in London niedergelassen und Kontakte zu früheren Weggefährten abgebrochen. Als Hannons Ex-Verlobte Jean (Vera Miles) unangekündigt vor der Tür seines Apartments steht, findet sie einen vergrämten Mann vor, der ihr und dem fürsorglichen Butler Bob (Cecil Parker) nur noch mit zynischen Sprüchen zu begegnen weiß. Hannon schreibt bzw. diktiert nach wie vor erfolgreiche Theaterstücke (über ein Tonbandgerät, das später vom einfachen Arbeitsmittel zum Wahrheit und gezielt Verwirrung stiftenden Schlüsselobjekt wird), eine aktive Teilnahme am Leben jedoch versagt er sich konsequent. [...]

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März 02, 2010

Kino: ALICE IN WONDERLAND

Tm Burton und Alice im Wunderland, das gehört eigentlich zusammen. Ein prädestinierter Stoff für den Regisseur, dessen Filme seit jeher auch als Beschwörungen klassischer Märchengeschichten funktionierten. Da scheint es nahe liegend, dass Burton eine neue Kinoversion des Lewis-Carroll-Klassikers inszeniert hat, begann er seine Kariere doch als Zeichner bei Disney, deren Alice-Trickfilm von 1951 noch immer als beliebteste Adaption der Vorlage gilt. Grund genug für das Erfolgsstudio, sich selbst zu übertreffen und den einstigen Schützling zurück ins Boot zu hieven. Burtons Interpretation kombiniert eindrucksvoll Real- und Animationsfilm als bildgewaltiges Kino: durchaus mit Verstand, aber ohne Herz.

Nachdem er bei Disney eigenen Angaben zufolge keine "niedlichen Füchse" mehr sehen und seine beiden Kurzfilme Vincent und Frankenweenie lange Zeit nicht veröffentlichen konnte, wandte sich Burton Mitte der 1980er Jahre vom Animationsmajor ab. Alice im Wunderland nun ist der erste große Spielfilm, den er direkt für Disney in Szene setzt. Man darf davon ausgehen, dass Burton hierbei künstlerische Freiheiten zugestanden wurden, gilt er doch trotz seiner zum Teil radikalen Mainstream-Brüche als einer der einträglichsten Filmemacher Hollywoods. Nach der leidvollen Batman-Erfahrung gelang es Burton zudem, seine Autorenhandschrift auch im Blockbuster-Sektor auszubauen und sich als einer der wenigen souveränen Hollywoodregisseure zu etablieren.

Umso unverständlicher erscheint es deshalb, dass sich seine Alice-Version überraschend stark am Disney-Film orientiert bzw. diesen zumindest oft herbei zitiert, und darüber hinaus eine überaus gradlinige, übersichtliche Geschichte erzählt. Burton, der oft für seine dramaturgische Nachlässigkeit kritisiert wurde (obgleich er an erzählerischer Stringenz auch nie interessiert war, wie er schließlich in seinem persönlichsten Film Big Fish deutlich machte), adaptiert ausgerechnet jenen Stoff, der sich als Freifahrtsschein für abtrünnige Fantasien und wirres Fabulieren anbietet, mit sicherer Hand zu einem straighten Märchen-Blockbuster ohne Umwege.

Das ist nicht zwangsläufig schlecht. Doch liegen die Stärken des Films ausschließlich im handwerklichen Umgang mit der Vorlage. Als eine Mischform aus Carrolls 1865 erschienenem Buch "Alice im Wunderland" und dessen Fortsetzung "Alice hinter den Spiegeln" findet Burton einen interessanten Erzählansatz: Er lässt die nunmehr erwachsene Alice (Mia Wasikowska) ins Wunderland zurückkehren, in dem sie all die bekannten Tiere und Märchengestalten bereits zu erwarten scheinen. Die junge Frau kann sich allerdings nicht erinnern, jemals dort gewesen zu sein - und weiß demnach herzlich wenig mit der Teeparty des schrillen Mad Hatters (Johnny Depp) oder den Machenschaften der Red Queen (Helena Bonham-Carter) anzufangen.

Indem der Film die Geschichte also streng genommen am deutlich bekannteren Original entlang, aber aus der Perspektive des Sequels heraus entwickelt, bedient er sich der Elemente beider Bücher. Tim Burton hat vieles aus dem Original gestrichen – das Croquet-Spiel, die Gerichtsverhandlung oder das Meer aus Tränen – und stattdessen Platz für Figuren und Erzählstränge der Fortsetzung geschaffen. Die große Schachpartie hat er ebenso integriert wie den Jabberwocky-Kampf oder die Zwillinge Tweedledee und Tweedledum. Burtons Alice im Wunderland ist demnach der Film zum gesamten Alice-Mythos Carrolls mit einem eigenständigen dramaturgischen Konzept.

So clever er dabei auch gestrickt ist und so sauber und zielorientiert er sich an dieser Idee abarbeitet – Raum für Abweichungen lässt die klare Erzählstruktur nicht zu. Das gesamte (insbesondere frühe) Burton-Œuvre ist bestimmt von der Verweigerung und dem Verzicht auf Konventionen, narrative Geschlossenheit oder konsequente Handlungsführung. Seine Filme, von Pee-wee’s irre Abenteuer bis Charlie und die Schokoladenfabrik, folgten stets einer eher intuitiven oder auch träumerischen Erzähllogik, ausgehend von einer emotionalen Nähe Burtons zu seinen schrägen oder missverstandenen Figuren.

Dass ausgerechnet Alice im Wunderland mit seinen absonderlichen Entwürfen und den schrillen Figuren Burton zu einer erstaunlich braven, berechenbaren Literaturadaption inspiriert, die sich ästhetisch zudem an die Disney-Version anlehnt, wirkt allzu verwunderlich. Es scheint, als wolle es Burton bei aller Sorgfalt, die beiden Bücher zum Leben zu erwecken, nie gelingen, sich zum emotionalen Kern der Geschichte vorzuarbeiten. Der Film trägt zwar seine Handschrift, aber er vermittelt nie restlos das Gefühl einer eigenständigen Vision. 

erschienen bei gamona

Juni 22, 2009

News: ALICE IN WONDERLAND - First Look

Und hier in High-Res. Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll. Das übertrifft meine Erwartungen...

April 01, 2009

Kino: RACHEL GETTING MARRIED

Familienfest und andere Schwierigkeiten. Die Hochzeit von Rachel (Rosemarie DeWitt) steht an. Im Elternhaus und großen familiären Kreis möchte sie ihrem fürsorglichen schwarzen Freund das Ja-Wort geben. Dazu reist auch ihre Schwester Kym (Anne Hathaway) an, für ein Wochenende darf sie die Entzugsklinik verlassen, um die Festlichkeiten nicht zu verpassen – und ein wenig für die Schwierigkeiten zu sorgen. Kym ist der Fremdkörper an diesem Wochenende: Der Ex-Junkie, der ein großes schwarzes Loch in die Geschichte der Familie riss. Vor vielen Jahren hat sie unter Drogeneinfluss ihren kleinen Bruder in den Tod gefahren. Die Wunden der Vergangenheit drohen bei der Zusammenkunft erneut aufzureißen, nicht zuletzt weil Kym ihrem Gefühl, unerwünscht zu sein, bei jeder Gelegenheit großzügig Ausdruck verleiht.

Der Titel des Films suggeriert, die Handlung würde sich um Kyms Schwester Rachel drehen, doch die Perspektive dieses Familiendramas ist stets die der heimgekehrten Tochter, die über die harmonischen Multikulti-Feierlichkeiten wie ein Orkan hereinbricht: Die enorme innere (An)Spannung in "Rachel Getting Married" generiert Regisseur Jonathan Demme, der nach seinen Oscarhits "The Silence of the Lambs" und "Philadelphia" vor allem Dokumentarfilme inszenierte, mithilfe einer ständig bewegten digitalen Handkamera, die den Film ästhetisch im Heimvideo-Bereich zu verorten sucht. Doch nicht nur der gefakte Authentizitätslook, der den an und für sich klassisch aufbereiteten Stoff eines Familienmelodrams in unmittelbare Nähe rückt, verleiht Demmes Film eine fiebrige Intensität. Mehr noch vermittelt der Umgang mit Anne Hathaways zentraler Figur in Beziehung zum Familienensemble ein beklemmendes Gefühl.

Schließlich droht durch Kyms Besuch der familiäre Status Quo, auf den besonders bei Familienfesten Verlass sein muss, ins Wanken zu geraten, weil auch die Erinnerungen an eine gescheiterte Erziehung und das Unglück der Vergangenheit aufkeimen. Ein Unglück, das der Film von Anfang an immer wieder andeutet und umkreist, ehe er den elliptischen Dunstkreis lüftet. Stück für Stück reißen die alten Wunden auf, hagelt es Vorwürfe und Schuldzuweisungen, fließen Tränen, Blut und irgendwann auch wieder reinigendes Wasser, wenn sich Kym in einem bewegenden Moment unter der Dusche von ihrer Schwester wäschen lässt – das Nacktmachen Hathaways ist hier einmal mehr beliebtes dramaturgisches Werkzeug, um die Seele der Figur freilegen und schauspielerisch alles aufbieten zu können. Wirklich groß ist die bislang viel zu oft auf holzschnittartige Konfektions- ware mäßiger Hollywood-Comedies festgesetzte Hathaway aber auch angezogen: Mit rotzigem, tieftraurigen Blick und zotteligen Strähnchen spielt die ihre bislang komplexeste, beste Rolle.

Weniger komplex hingegen sind die eigentlichen Familien- probleme, die auf Rachels Hochzeit nach und nach ins gegenwärtige Bewusstsein vorrücken. Was das große Drama lange ankündigt, entlädt sich schließlich in recht banalen und brav verhandelten Schicksalsereignissen, deren verstörenden Charakter die als vermeintlich intim ausgestellte Kamera lieber nicht in den Fokus rücken mag. Gegen Thomas Vinterbergs verstörendes "Festen" oder selbst "A Wedding" von Robert Altman, dem sich Demme im Abspann zu Dank verpflichtet fühlt, wirken die Familienprobleme in "Rachel Getting Married" ziemlich normal und rechtfertigen den enorm nieder- schlagenden Tonfall des Films mitsamt seiner forcierten Konflikte letztlich zu keiner Zeit. Und noch weniger den Versuch, dem Geschehen stets einen friedvollen Charakter verleihen zu wollen, wenn die Hochzeit zur großen ethnischen Kuschelparade mit beschwingter Hawaiimusik gerinnen soll. Weniger dramatische Aufladung und ein Mehr an belassener Normalität hätten dieser Hochzeit zumindest ganz gut gestanden.


50% - erschienen bei den: FÜNF FILMFREUNDEN

Oktober 14, 2008

News: Neues zum ALICE IN WONDERLAND-Cast

Ist natürlich nicht wirklich eine Überraschung, aber im neuen Tim Burton-Film, dem Real- und Motion Capture-Gemisch "Alice in Wonderland", wird auch seine Gefährtin Helena Bonham Carter eine Rolle übernehmen. Sie spielt offenbar die Red Queen, die Schwester der White Queen, für welche Anne Hathaway verpflichtet wurde. Derzeit werden noch die Live Action-Shots gefilmt, ehe es dann für sicher längere Zeit ins Studio geht.

August 26, 2006