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März 12, 2015

Kino: CINDERELLA

Nachdem der ironische Märchenmischmasch "Into the Woods" das beliebte Aschenputtel kürzlich noch leicht dusselig durch finstere Wälder irren ließ, kehrt die Figur nun wieder zu ihren Ursprüngen zurück. Bei dieser werkgetreuen Disney-Adaption des Stoffes darf "Cinderella" so gütig und selbstlos auftreten wie in der hauseigenen Animationsvorlage von 1950 – und sich gegen alle Widerstände ihrer Stiefmütter in einen edelmütigen Prinzen verlieben. [...]

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Februar 24, 2014

Kino: JACK RYAN - SHADOW RECRUIT

Erstaunlich, dass es nach dem kommerziellen Erfolg von "Der Anschlag" ganze 12 Jahre gedauert hat, bevor mit "Jack Ryan: Shadow Recruit" erst jetzt ein weiterer Film um Tom Clancys berühmten CIA-Agenten in die Kinos kommt. Wie mittlerweile allzu üblich wurde der Stoff für die nunmehr fünfte Kinoadaption dabei gleich noch mal auf Null gesetzt: Eine Origin-Story, die den Ursprungsmythos des US-Helden fernab der Romanvorlagen neu entwirft. [...]

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April 28, 2011

Kino: THOR

Stop! Hammertime! Nach "The Incredible Hulk" und "Iron Man" nehmen die Marvel Studios das nächste Gründungsmitglied ihrer "Avengers" unter die eigenen Produktionsfittiche und bringen die Abenteuer des Donnergottes Thor als 150 Millionen Dollar teures 3D-Spektakel in die Kinos. Mit der Verpflichtung des britischen "Hamlet"-Regisseurs Kenneth Branagh traf der Konzern eine unkonventionelle Wahl für die Leinwandadaption seines Comicsuperhelden. Entgegen berechtigten Vorabzweifeln aber ist "Thor" eine vergnügliche und kunterbunte Melange aus Action, Romanze und Familientragödie zwischen Ernst und Unernst. Marvel meets Shakespeare

In Asgard ist die Hölle los. Das prunkvolle Reich der Götter leidet unter dem Übermut seines Königssohns Thor (voller Charisma: Chris Hemsworth), dessen Ehre und Tapferkeit ihn nicht davon abhält, längst befriedete Dispute im Universum der Götter neu zu entfachen. Nach einem unerlaubten Ausflug mit folgenschweren Konsequenzen verbannt Vater Odin (Anthony Hopkins) den Störenfried schließlich auf die Erde. Dort soll er unter Menschen lernen, seine Überheblichkeit zu zügeln und sich stattdessen ganz auf die edelmütigen Tugenden der Götter zu berufen, sehr zur Freude seines von Komplexen geplagten Bruders Loki (Tom Hiddleston).

Im irdischen Exil wider Willen stößt Thor bei seiner Ankunft auf die junge Wissenschaftlerin Jane Foster (Natalie Portman, die vor ihrem Schwangerschaftsurlaub noch schnell circa 500 Filme gedreht hat). Die keusche Forscherin ist schnell bereit, dem durchtrainierten Donnergott bei der Suche nach seinem Hammer behilflich zu sein, allerdings muss sie ihn gleichfalls vor dem neugierigen Militär schützen, das Thors Ankunft auf Erden ebenfalls zur Kenntnis genommen hat. Währenddessen spitzt sich der Konflikt im Göttereich weiter zu, als Loki die Krone des kranken Königs Odin an sich reißt.

Zu Beginn noch irritiert die "Thor"-Verfilmung mit ihrem allzu ausgespielten Pathos, wenn der Titelheld als Muster-Arier mit blonder Haarpracht und strahlend blauen Augen das große Heldenepos ausruft. Die aufmarschierenden Götter Asgards setzt Branagh in "Triumph des Willens"-Manier in Szene, was ein weiteres Mal erstaunen lässt, wie selbstverständlich sich virile Posen von majestätischen Herrschern im US-Blockbuster eingerichtet haben – von "Star Wars" über Zack Snyder bis hin zum knuddeligen Marvel-Eventfilm. Der Germanenkult der nordischen Sagenwelt scheint wohl einfach zu prädestiniert dafür, ihn ästhetisch ins entsprechende Licht zu rücken.

Dennoch macht "Thor" sehr schnell sehr viel Spaß, und es ist kein schuldiges Vergnügen. Wenn der törichte Held auf Mutter Erde aufschlägt, um von der liebreizenden Natalie Portman gezähmt zu werden, schwindet der anfänglich martialische Tonfall. Branaghs Gespür für Komik verleiht dem schwergewichtigen Göttergetöse eine ausreichende Prise Selbstironie, lässt "Thor" aber auch nicht zum einfachen Gaga-Spektakel verkommen. Der Film hält durchweg die Waage zwischen Ernsthaftigkeit und Augenzwinkern, wodurch er sich einen gewissen Charme bewahrt und seine Geschichte weder allzu verbissen noch – anders als es die Trailer vermuten ließen – sonderlich trashig erzählt.

Überraschenderweise gelingt es Branagh, der Dank filmischer Katastrophen wie "Frankenstein" (1994) durchaus geeignet war, "Thor" als Camp-Burleske aufzuziehen, seiner quietsch- fidelen Kinoadaption des Donnergottes eine milde Tiefe zu verleihen. Im Comickontext wird die Vorliebe des Regisseurs für operettenhaften Trash auf eine seltsame Art kanalisiert: Die Shakespearesche Familiengeschichte um Habgier, Neid, Missgunst und Wahnsinn harmoniert bestens mit der halsbrecherischen Action und den fantasievollen CGI-Panoramen. "Thor" hat Herz und sogar ein wenig Verstand, und es ist endlich mal wieder ein US-Blockbuster, den man sich nicht erst schönsaufen muss.


60% - erschienen bei: gamona

April 16, 2009

Kino: THE BOAT THAT ROCKED

Lediglich zwei Stunden Popmusik in der Woche mag die BBC ihren Hörern im Jahre 1966 zumuten – und das ausgerechnet in England, wo der Rock’n’Roll mit stilprägenden Bands doch derweil seine innovativste Phase durchläuft. Da die staatlichen Sender das rockwillige Publikum also im Stich ließen, suchte sich die zeitgenössische Musik ihre eigenen Wege und Wellen: Radio Rock, der größte Piratensender des Landes, schickte all die Kinks, Turtles und Stones von hoher See aus in die Transistorradios der Nation – und entwickelte sich rasch zur meistgehörten Radiostation der Insel.

Natürlich erwies sich der Rockkanal bei den entsprechenden Behörden als Dorn im Auge. Gesetzlich waren private Sendeanstalten verboten, doch die Piraten sendeten die neuesten Platten der Pop- und Rockbewegung nicht vom Festland, sondern einem gigantischen Dampfer vor der Nordseeküste aus. Gegen die Lücke einer rechtsfreien Zone will deshalb niemand so sehr vorgehen wie der zuständige Minister (als irritierende Hitler-Karikatur: Kenneth Branagh), der mit allen Mitteln verhindern möchte, dass die seetaugliche DJ-Crew weiterhin teure Kanäle blockiert.

Der Film nutzt diese auf Tatsachen basierende Idee (reales Vorbild war Radio Caroline) für eine ansonsten wenig akkurate, romantische und selbstredend unbekümmert verklärende Rückschau auf das Lotterleben der Radio- moderatoren, ihre weiblichen Groupies und das allgemeine unbeschwerte Lebensgefühl von freier Liebe und ganz viel noch freierer Rockmusik. Im Mittelpunkt steht dabei der 18-jährige Carl (Tom Sturridge), den seine Mutter in die Hände des Onkels (Bill Nighy), dem urigen Boss des Senders, und damit direkt auf das Schiff der Träume entlässt – neben allerlei Abenteuern soll der schüchterne Junge dort auch die erste große Liebe finden.

Richard Curtis, der Briten liebster Regisseur für heitere Nostalgie und romantische Komödien, hat nach "Tatsächlich Liebe" erneut mit großem Ensemble einen wirkungsvollen Feel-Good-Stoff auf die Leinwand gezaubert. Fast keine Szene, in der nicht irgendein Rocksong das richtige Gefühl vermitteln soll, nahezu keine Figur, die nicht nur Überbringer diverser Drehbuchgags sein darf, und überdies eine Geschichte im Mittelpunkt, die eigentlich keine ist, sondern nur für viele Einzelepisoden um den gemeinsamen Nenner genügt: Rock. So wie er leibt und lebt.

"Radio Rock Revolution" ist sorgenfreie Unterhaltung mit sympathischem Musikappell und bestens aufgelegtem Cast, allen voran Nick Frost, der auch ohne Simon Pegg als wunderbar kauziger Komödiant mit gutem Timing besteht, und Philip Seymour Hoffman als bierbäuchigem Radiohost. Der Film versprüht in seinen besten Momenten viel gefakten nostalgischen Charme und rührige Botschaften für ein Miteinander im besten Rocksinne: "Father and Son" stimmt Cat Stevens an, wenn eben Vater und Sohn im großen Finale die besonders ans Herz gewachsenen Platten im sinkenden Schiff zu retten versuchen.

Der Film unternimmt jedoch keinerlei Versuche, etwas Tatsächliches über seine Musik zu erzählen, über ihre Bedeutung oder den gesellschaftlichen Wandel etwa, sondern imitiert auf eine zwar ulkige, aber eigentlich ungemein oberflächliche Art die üblichen Zeitgeistklischees. Das Rockphänomen wird hier letztlich auf Posing, hübsche Mädchen und Männerbündel herunter gebrochen, um eine austauschbare Story mit dem nötigen Soundtrackschmiss aufzupeppen. In dieser Hinsicht ist „Radio Rock Revolution“ kein Vergleich etwa zum ebenso beseelten wie klugen "Almost Famous – Fast berühmt".

Richtiggehend öde wird die Musikkomödie, wenn Curtis seinen Radiopiraten partout kein Ende gönnen möchte. An gefühlten 20 Stellen ist die ohnehin recht dünnflächige Geschichte spürbar fertig erzählt, der vermittelte Spaß ausreichend erschöpft und überhaupt der soundsovielte schwungvolle Rocksong über die soundsovielte Montage gelegt. Aber dennoch folgt auf jede Abblende noch ein Nachschlag hier und ein weiterer Gimmick dort, bis aus einem amüsanten 90Minüter schließlich eine über zweistündige zähe Nummernrevue entsteht, die einem letztlich eigentlich so gar nichts zu sagen hat.

"Radio Rock Revolution" gefällt als launige und sympathische Ode an die Klischees der Rockbewegung, lädt dabei stets zum Mitschunkeln ein und vereint ein liebenswertes Ensemble. Unterm Strich hat der Film allerdings weder etwas zu erzählen, noch vermittelt er dem Zuschauer das angepriesene Lebensgefühl in einer Weise, die wirklich ansteckend wäre. Und dramaturgisch geht das "Boat That Rocked" – so der Originaltitel – schließlich schon nach etwas mehr als der Hälfte sang- und klanglos unter.


50% - erschienen bei: gamona

Januar 22, 2009

Kino: VALKYRIE

Man wird ja nun wahrscheinlich niemals erfahren, wie "Valkyrie" denn eigentlich ausgesehen hätte, wenn die gesamten Produktions- und Distributionsbedingungen nicht von Anfang ein derart reges, öffentliches, mediales Interesse auf sich gezogen hätten. Und der Film dadurch nicht mit allerlei Bedeutung aufgeladen worden wäre: Drehverbot im Bendlerblock, Scientology-Diskurs, verletzte Statisten. Fast zwei Jahre nun, nachdem die erste Klappe fiel, einen Courage-Bambi und mindestens fünf freiwillige Cruise- Lobgesänge von Florian Henckel von Donnersmarck später kann der fertige Stauffenberg-Film natürlich keine seiner Erwartungen erfüllen – es ist weder das vermutete peinliche Trash-Debakel, noch ein sehenswerter Geschichtsfilm. Oder überhaupt so etwas wie ein Film. Eher noch erinnert es irgendwie an eine Faschingssause, für die sich Cruise mal in ein hübsches Grafenkostüm schmeißen durfte.

Dass Bryan Singer hier nur als ausführender Handwerker angeheuert wurde, durfte wohl zu Recht vermutet werden. Immerhin war "Valkyrie" von Anfang an als Prestigeproduktion vorbelastet, es musste der Film werden, der Cruises neu erworbenes Studio United Artists wieder in die Gewinnzone manövriert, nachdem der hübsch ambitionierte und ebenso hübsch harmlose "Lions for Lambs" gewaltig floppte. Insofern durfte man davon ausgehen, dass der Film die Versprechen einer One-Man-Show einlösen würde, nachdem gar gemunkelt wurde, dass die Produktion für die Cruise-Sekte so etwas wie ein dämonischer Plan sei, in Zuge dessen der Hollywoodstar Kraft seiner Scientology-Fähigkeiten die Deutschen vor dem Untergang errettet. Aber nun ja, erstens war das dem Grafen ja ohnehin nicht vergönnt, und zweitens hat die Über-Präsenz des Hauptdarstellers und der Produktion das ganze Projekt erst einmal für ein Jahr ins Abseits befördert.

Was sich da jetzt zu Deutsch "Operation Walküre - Das Stauffenberg-Attentat" nennt, ist – wie man es sehen möchte – nun der Torso dessen, oder das bestmögliche Ergebnis, oder vielleicht auch Plan B. Dass Singers Film in seiner jetzigen Form zweifellos erst im Schneideraum zu einer Form gefunden hat, merkt man zumindest in jeder Szene: Die ständigen Parallelmontagen wirken in ihrer Aufdringlichkeit und Redun- danz dabei wie die verzweifelte Bemühung, der bekannten Geschichte so etwas wie Suspense zu implementieren. Überhaupt ist "Valkyrie" lediglich ein Thriller, ein braver Krimi, durch den Singer ein laues Lüftchen Spannung zu blasen versucht. Es geht über zwei Stunden um nichts außer der Vorbereitung eines Attentats – und wie dieses erwartungs- gemäß scheitert. "Rififi" im Nationalsozialismus, sozusagen.

Aber selbst für ein bisschen Genre-Verschwörungstaktik im historischen Gewand hat es nicht mehr gereicht. Der Film ist ja viel zu flach und unraffiniert erzählt, viel zu spannungslos inszeniert, als dass man ihn zumindest als Heist-Thriller annehmen könnte. Lediglich die Musik ist darum bemüht, dem Ganzen etwas Schwung zu verleihen, aber sie bleibt ein oberflächlicher Gefühlserzeuger, vermutlich weil Komponist und Cutter John Ottman schon genug damit beschäftigt war, die Ego-Show zu einer Ensemble-Parade hinzueditieren.

Und damit ist es ja auch nicht getan, sich vielleicht zu begnügen mit einem vielleicht guten Thriller. Denn das verschenkte Potential wird dadurch auch nicht wiederhergestellt: Wen interessiert schon Geschichts- verfälschung (außer Guido Knopp), wenn der Film gar nichts zur Fälschung anbietet – seine Figuren haben keine Eigenschaften, keine Motivationen, keine Ziele. Es gibt schlicht keinen politischen Kontext in dieser Geschichte, man weiß nicht einmal, warum da jetzt soundso viele Männer an einem soundso geheimen Plan tüfteln, und was die Erfüllung desselbigen für eine Bedeutung haben würde. Mal ein wenig anzudeuten, wer dieser Stauffenberg eigentlich ist, dieser ideologische Nazi-Beförderer, der fest entschlossen den Führer zu stürzen bereit ist – das hätte schon mal eine gute Vorraussetzung für einen … ähm … soliden Thriller ergeben können.


35% - erschienen bei den: FÜNF FILMFREUNDEN