Juni 11, 2015
Kino: JURASSIC WORLD
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Dezember 20, 2011
Zuletzt gesehen: THE HELP
Januar 28, 2011
Kino: HEREAFTER
Nach "Invictus", seiner Kuschelversion des südafrikanischen Rugby-Sommertraums um Nelson Mandela, ist das Mystery-Drama "Hereafter" nun die zweite Zusammenarbeit des Regisseurs mit Matt Damon – und damit leider auch der zweite misslungene Eastwood-Film in Folge. Das liegt weniger an seinem Hauptdarsteller, der jetzt im so genannten Charakterfach angekommen und seinen Babyspeckrollen glücklicherweise entwachsen ist, als vielmehr an Eastwood, mit dem hier offenbar die Kitschkühe durchgegangen sind. Und an der unglücklich erzählten Geschichte, die ihre Rührseligkeiten rationiert auf gleich drei Handlungsstränge aufteilt.
Der erste handelt von einer französischen TV-Journalistin (Cécile De France), die nur knapp eine Flutkatastrophe überlebt und durch ihre Nahtoderfahrung von Visionen aus dem Jenseits heimgesucht wird. In einem weiteren Handlungssegment geht es um die Leidensgeschichte eines kleinen Jungen aus London, der sich nach dem tragischen Unfalltod seines Zwillingsbruders nichts sehnlicher wünscht, als noch einmal mit ihm in Kontakt zu treten. Der dritte Erzählstrang schließlich führt nach San Francisco und damit zur zentralen Figur des Films, dem Medium George (Matt Damon). Er besitzt die Fähigkeit, verstorbene Menschen sehen und mit ihnen sprechen zu können, versteht seine Gabe jedoch als Fluch, von dem es sich freizumachen gilt.
Was folgt ist das gedankliche Warten darauf, wann und wie die drei unabhängigen Teile der Geschichte sich kreuzen und zu einem großen Ganzen fügen werden. Abgesehen davon, dass die drei Figuren, die wohl nicht zufällig eine gute Kernfamilie abgeben würden, bis auf ihre besondere, aber unterschiedliche Beziehung zu Sterblichkeit und der Frage nach einem Leben nach dem Tod nicht unbedingt miteinander verbunden sind, trennen sie auch noch diverse Landesgrenzen voneinander. Wie Eastwood letztlich mit freundlicher Unterstützung von Vater Zufall die Handlungsstränge zusammenführt, setzt den generellen Albernheiten des Films die Krone auf.
"Hereafter" ist, ein wenig zugespitzt formuliert, die Eastwood-Ausgabe von "The Lovely Bones". Zwar ohne Prunk, ohne Fabulieren, ohne den letzten Schritt zum Mega-Trash, aber quasi die intellektuelle, heruntergefahrene Version der Jenseitssause von Peter Jackson. Eastwood hat natürlich andere Vorstellungen vom Glauben an das Übernatürliche, er beschränkt sich auf kurze verfremdete Einblicke ins Totenreich, erzählt die Geschichte nicht ausladend esoterisch, sondern dafür im Gegenteil in sich gekehrt, schwerfällig und gediegen bis zur formalen Schmerzgrenze, und benötigt eine halbe Ewigkeit, um seine parallel angeordneten Handlungsstränge in einen gefühligen Zusammenhang zu bringen.
Hätte ein anderer Regisseur als Eastwood einen so banalen Film über Glauben und Schicksal und Verlust und Trauer und Sehnsucht inszeniert, beispielsweise M. Night Shyamalan, trotzdem er solche Themen viel ausgestellter, bedeutungsschwangerer und natürlich phantastischer verhandeln würde, könnte man nach kollektiven Verrissen der Filmkritik wahrscheinlich die Uhr stellen. Aber Eastwood ist ein Label, und unter diesem Label kann man auch den größten Jahrmarktsquatsch halbwegs seriös verkaufen. Gegen den Mut des Regisseurs zum überlegten Kitsch ist grundsätzlich gar nichts einzuwenden, bei "Million Dollar Baby" hat das in einem moralischen, ethischen und auch religiösen Bezugssystem hervorragend funktioniert – doch hier, als schwermütiges Mystery-Drama, hat es den Anschein eines halbverdauten Genremahls. Von sich selbst gesättigt.
Vielleicht sollte Eastwood, der sich ja im stolzen Alter von 80 Jahren immer noch an logistisch komplizierte Großprojekte wagt, nahezu ununterbrochen arbeitet und die unterschiedlichsten Geschichten zu erzählen hat, doch stilistisch noch einmal ein wenig umorientieren. Seine ihm eigenen, aber allmählich redundanten Gestaltungsmittel – die typischen Halbschatten, die schwach ausgeleuchteten Sets, die minutiösen Pianoklimpereien, das betont Bedrückende eben – verkommen langsam unweigerlich zur Masche. Der Eastwood-typisch überlegt erscheinende, bedächtige Tonfall gerinnt zumindest im übernatürlichen Kontext dieses Films hier zum unfreiwillig Komischen.
Das große Trost spendende Drama, um das es in "Hereafter" eigentlich geht, wird mit vermeintlich subtilen Nuancen angestimmt, die sich nur als – kein Widerspruch – lautstark mit gedämpfter Stimme vorgetragene Allerweltsweisheiten erweisen. Und angesichts des zwiespältigen Fantasy-Einschlags, mit dem Eastwood die Heilsbringergeschichte über verknüpfte menschliche Schicksale erzählt, wirken dann auch vor allem die Verweise auf realpolitische Terrorakte wie den Londoner U-Bahnanschlag oder auf Naturkatastrophen wie den Tsunami in Thailand mehr oder weniger geschmacklos – insbesondere durch eine seltsam als Blockbuster-Spektakel inszenierte erste halbe Stunde, die in Relation zum Rest des Films mehr als befremdlich stimmt.
30% - erschienen bei: gamona
Juli 02, 2010
Kino: THE TWILIGHT SAGA - ECLIPSE
Ich hätte es damals nicht für möglich gehalten, dass die Teenie-Trash-Romanze "Twilight" – bis dato noch lediglich ein, ich sage mal: Jugendbuch-Phänomen – solch ein kommerzieller Erfolg werden würde. Nun muss man ja mittlerweile, neben den Adaptionen der "Harry Potter"-Romane, wohl vom größten und wahrscheinlich auch wichtigsten Kino-Franchise der letzten zehn Jahre sprechen. Das lässt sich als aufmerksamer Filmfreund nur noch schwer umgehen, auch wenn die Filme eigentlich, nun ja, etwas doof sind. Und konservativ und ein bisschen sehr langweilig. Aber immerhin sprechen wir von einer Serie, für die zum Teil hochinteressante Regisseure verpflichtet wurden, oder zumindest im Gespräch waren – zuletzt gar David Cronenberg, der den zentralen Vampirmensch-Konflikt der schönen Bella gewiss nicht nur als schmachtvolle Sehnsuchtsmetapher verhandelt hätte.
Mit dem bisher auf etwas abseitige Genrefilme wie den superguten "Hard Candy" oder den superschlechten "30 Days of Night" abonnierten Briten David Slade haben die Produzenten für den dritten "Twilight"-Film "Eclipse" aber auch eine alles andere als langweilige Regiewahl getroffen. Nach Catherine Hardwicke und Chris Weitz ("New Moon") bringt Slade ein deutlich markanteres visuelles Konzept in die Serie ein, das sich in modischen (aber eben immerhin:) Horrorbildern verortet. Neben den üblichen rührseligen Gefühlsbekundungen zwischen Bella und ihren monströsen Verehrern, Vampir-Romeo Edward und Sixpack-Werwolf Jacob, setzt der dritte Film zudem einige dramaturgische Actionakzente, die Slade mit spürbarer Genreaffinität möglichst ausspielt. Dafür, dass hier zum dritten Mal in Folge eigentlich nichts passiert, passiert dann doch so einiges: Kämpfe und so was, durchaus unterhaltsam.
Slade findet im Vergleich zu seinen Vorgängern ein ausgewogenes Verhältnis zwischen romantischem Sinnieren in Larifari-Dialogen und mehr oder weniger packenden Action- und Horrorszenen. Der dritte Film rückt, was seinen Look und die besseren visuellen Effekte betrifft, nunmehr tatsächlich in den Bereich des Blockbuster-Kinos vor, auch wenn das Budget von nicht einmal 70 Millionen US-Dollar immer noch bescheiden ausfällt in Relation zum erwartungsgemäß gigantischen Einspielergebnis. Aber: Das ist alles gut gemacht hier. Der Score von Howard Shore ist sogar großartig, geradezu episch, konkurriert im Film hingegen natürlich mit zahlreichen schwerfälligen Pop- und Indiesongs. Allerdings sind auch die wieder schön! Wenn Muse etwas von einer Neutron Star Collision singen, verkauft sich diese jugendliche Ménage à trois zumindest nicht unter Wert.
"Eclipse" gibt allmählich Anlass, "Twilight" heimlich mögen zu dürfen. Für junge Mädchen und sicher auch ein paar Jungs kurz vorm Coming Out ist diese Serie eine legitime Projektionsfläche für naive idealisierte Träumereien. "Twilight" konserviert klassische Prinzessinnenwünsche, für die es offenbar immer noch Bedarf gibt. Bella ist, getreu dieser Logik, so etwas wie das Pony von heute. Und natürlich scheint es bezeichnend, dass derlei Mädchenfantasien offenbar nur noch im Fantasy-Kontext ausgemacht werden dürfen, um einigermaßen integer zu bleiben. Das verrät wohl doch einiges über das ideologisch vermeintlich bedrohliche Potenzial dieser Filme, die ihrer konservativen Sehnsüchte zum Trotz wohl nichts weiter als harmlose Bebilderungen unschuldiger Pubertätswünsche sein können.
60% - erschienen bei den: 5 FILMFREUNDEN
Juni 02, 2009
Kino: TERMINATOR SALVATION
April 26, 2007
Kino: SPIDER-MAN 3
In Hollywood geht man selten ein Risiko ein. Erst recht nicht dann, wenn ein Film um die 260 Millionen US-Dollar ver- anschlagt, Werbekosten exklusive. Im letzten Kinojahr ent- täuschten an den Kassen eine Vielzahl kostspieliger Major- Produktionen, darunter insbesondere Bryan Singers DC- Comicverfilmung "Superman Returns". Eigentlich nicht seltsam möchte man meinen, liegt doch die Stärke des Films in gewisser Hinsicht bei den persönlichen Wurzeln des Regisseurs, der seinen Superhelden mit wenig Action und dafür umso mehr Gefühl wieder belebte. Warum aber wollte eine Mehrheit des Publikums nicht die postpubertäre Coming Of Age-Geschichte eines Clark Kent erzählt bekommen, wenn es doch aber ungleich mehr auch an den Adoleszenznöten des Studenten Peter Parker interessiert scheint? "Spider-Man" war in Form seiner Realfilmadaption des Marvel-Comics ein Risiko. Eines, das schon bei der direkten Fortsetzung zwei Jahre später hätte bereut werden können. Denn so elegant sich der Kämpfer für das Gute im rot-blauen Anzug auch durch die Häuserschluchten des gewaltigen New Yorks schwingt, so sehr er auch in der Luft umher wirbelt und Bösewichtern mit ausgeklügelten Choreographien den Garaus macht - Sam Raimi hat weniger die Geschichte eines strahlenden Superhelden, als die des ewigen Verlierers Peter Parker erzählt. Das hat man ihm mitunter übel genommen, zu wenig Donnerwetter und zu viel unverhohlener Liebeskitsch ließ so manchen Actionfreund verdutzt zurück, tat dem Erfolg beider Filme allerdings keinen Abbruch: Zusammen spielten sie allein im Rahmen der Kinoauswertung weltweit über 1,6 Milliarden US-Dollar ein.
Von daher relativiert sich die eingangs angeführte Risiko- freude des Studios zumindest soweit, als sich klingelnde Kassen und künstlerische Individualität nicht ausschließen müssen. Raimi bleibt seinem charakteristischen Duktus dementsprechend treu. "Spider-Man 3" ist ein spektakulär in Szene gesetztes Abenteuer, das selbst den kleinsten visuellen Effekt stets hinter seine Geschichte über Liebe, Freundschaft und - natürlich - das Erwachsenwerden positioniert. Doch obwohl sich der Film ganz auf seine in den beiden Vorgängern festgelegten Basics beruft und kaum neue Schritte nach vorn wagt, überflügelt Raimi diese ohne ein lediglich höher geschraubtes Maß an Action und Gefühl, sondern vielmehr weil er seinen perfekten Rhythmus findet: "Spider-Man 3" ist die Arbeit eines eingespielten, souve- ränen Teams und vereint seine Elemente noch mitreißender, witziger und einfühlsamer, noch amüsanter und bewegender als es den beiden ersten Verfilmungen gelang.
Und dieses Mal hat Peter Parker (besser denn je: Tobey Maguire) alle Hände voll zu tun. Zwar ist er endlich mit seiner großen Liebe Mary Jane Watson (Kirsten Dunst, gewohnt zuckersüß) liiert, doch der wachsende Zorn ihres gemein- sames Freundes Harry Osborn (brillant: James Franco) überschattet die Glückseligkeit. Dieser nämlich tritt in die Fußstapfen seines Vaters, dem grünen Kobold, und wünscht sich nichts sehnlicher als den Tod Peters und dessen Alter Ego Spider-Man. Doch damit nicht genug: New York wird nicht nur vom Sandman, dem bei einem physikalischen Experiment degenerierten Sträfling Flint Marko (Thomas Haden Church in einer überaus charismatischen Rolle), sondern auch seinem eigenen Superhelden bedroht - eine schwarze parasitäre Substanz aus dem Weltall hat Spider-Man befallen und bringt dessen dunkle verborgene Seiten zum Vorschein. Zumindest bis das Zeug schließlich auf den Photographen Eddie Brock (eher blass: Topher Grace) übergeht und damit die Geburtsstunde von Venom, einem der beliebtesten Spider-Man-Gegner, einleitet.
Bezog in den beiden zu vorigen Episoden jeweils nur ein Bösewicht Stellung und füllte das Potential der Handlung damit bereits weitgehend aus, so kämpft der Superheld nunmehr nicht nur gegen drei Gegner, sondern vor allem auch mit sich selbst. Bis auf wenige grobe Sprünge und drama- turgische Schnitzer (die hastige Kooperation zwischen Sandman und Venom bleibt motivations- und einfallslos) aber bündelt Raimi die einzelnen Aktionsstränge erstaunlich sicher und schließt nahezu alle Subplots stimmig und ohne in Oberflächlichkeiten zu verfallen ab. Trotz eines erhöhten Actionpegels und einer insgesamt rasanteren Inszenierung dominiert auch in "Spider-Man 3" der emotionale, ja manches Mal sogar wunderbar rührselige Ton. Und das ist das Geheimnis dieses Films: Raimi transportiert die Figuren ins Kinomedium abermals mit ungeheuerem Respekt und einer Vielschichtigkeit, wie sie keine Comicverfilmung mehr seit Tim Burtons unterschätztem "Batman Returns" aufweisen konnte.
Da sollte man dann auch bedenkenlos vergessen, dass Danny Elfman - der noch während der Postproduktion des Vor- gängers seine Koffer packte - durch Christopher Young ersetzt wurde. Denn wirklich begeisterungswürdig an diesem Film ist die aufrichtige Ehrlichkeit seines Regisseurs, der der Geschichte und ihren Figuren genau jene Tiefe verleiht, die so vielen anderen Comicadaptionen fehlt. Das garantiert nicht nur manch nachhaltigen Gänsehauteffekt, sondern lässt "Spider-Man 3" jederzeit glaubwürdig erscheinen. Und in einem Film, wo sich illustre Monster zwischen gigantischen Wolkenkratzern auf die Rübe hauen, ist das nicht unbedingt selbstverständlich.