Juli 10, 2007

Kino: TRANSFORMERS

Um es gleich vorweg zu nehmen: Was die Spezialeffekte betrifft, bedient "Transformers" keinesfalls den State of the Art, sondern setzt ganz grundsätzlich einen neuen Standard. Die Einbindung Computer generierter Effekte in ein realistisches Actionszenario gelingt nunmehr gänzlich ohne sichtbare Übergänge und erscheint in ihren Möglichkeiten vielleicht erstmals wirklich unbegrenzt, was dem Film zumindest schon einmal den langzeitigen Vermerk in der Filmgeschichte wird sichern können. Damit hat Michael Bay seine kokette Ambition, hier mit donnerndem Nachdruck gewiss eine neue Meßlatte aufstellen zu wollen, erfolgreich über die Runden gebracht. Und auch das Prädikat "größte Zerstörungsorgie in der Geschichte des Kinos" ist seiner eben größten Zerstörungsorgie in der Geschichte des Kinos ganz bestimmt sicher – immerhin gibt es hier kein architektonisches Konstrukt, das im Verlauf der Filmhandlung nicht in Schutt und Asche gelegt wird.

Der Zuschauer bleibt indes nur desolater Beobachter dieses spektakulären Krawalls: Da hauen sich große Spielzeuge ganze zwei Stunden lang die Köpfe ein, während die menschlichen Sidekicks hilflos dazwischen herumwirbeln. Als Zuschauer ist man in das Geschehen dabei dramaturgisch zu keiner Zeit involviert. Die Transformers, Maschinen also, die ihre Gestalt an Flugzeuge, Hubschrauber oder Autos anpassen können, hauen hier so ziemlich auf alles, was sich bewegt. Die schnittigen Autos, knapp bekleideten Skihäschen und wuchtigen Rockeinlagen bringen das Testosteron noch zusätzlich in Wallung, sodass diese Fleisch bzw. Metall gewordene Großen-Jungen-Fantasie den durchschnittlichen Michael Bay-Zuschauer mehr als zufrieden stellen, wenn nicht gar ekstatisch verwöhnen dürfte. Dass manch anderer derweil mit einigen großen Fragezeichen über dem Kopf im Kinosessel verweilt und sich ja nicht einmal zu fragen gedenkt, ob er nun entweder einen wichtigen Schneidepunkt auf dem langen Weg zum Erwachsenwerden verpasst oder nur einfach nicht begriffen hat, warum sich denn dort oben auf der Leinwand nun eigentlich solch hässliche Roboter die Rübe einschlagen, ja das schließt ein derartiges Vergnügen dann wohl mit ein.

Um es also auf den Punkt zu bringen: "Transformers" ist die Kinoadaption einer 80er-Jahre-Spielzeugreihe aus dem Hause Hasbro, und das allein ist schon so skurril, dass man unterhalb dieser extrem lauten und unfassbar chaotischen Wutorgie nicht ernsthaft Spuren eines gewissen Nährwertes vermuten dürfte. Nun bedeutet der Film jedoch die erste Zusammenarbeit zwischen Bay und seinem Freund Steven Spielberg, der zwar in einer gänzlich anderen Liga inszeniert, sich allerdings auch gern einmal hinter dem romantischen Dreamworks-Logo versteckt, um als Produzent ordentlich auf den Putz hauen zu dürfen. Bay macht hier für Spielberg sozusagen die Drecksarbeit, was an und für sich ja eine durchaus gerechte Aufteilung darstellte, würde der Strippenzieher aus dem Hintergrund seinem zappeligen Junggesellen doch wenigstens mal für zwei Minuten förmliches Benehmen andressieren: Es vergeht ja wahrlich nicht eine Minute, in der Bay die Kamera mal stillhalten kann, in der er ohne seine schrecklich originellen 180°-Schwenks hausieren geht oder ganz einfach einmal darum bemüht scheint, eine Szene zumindest halbwegs vernünftig aufzubauen.

Der Spielberg-Touch der ersten Hälfte ist freilich nett, und wenn die Transformers durch die kleinen Suburbia-Gärten stampfen oder humane Verhaltensweisen annehmen (gemeint sind die ‚guten’ Autobots, die ‚bösen’ heißen ‚Decepticons’), dann fühlt sich das schon durchaus komisch an, da hier typisch-platte Bay-Dialoge auf ein pseudo-warmherziges Spielberg-Ambiente stoßen. Überhaupt sind die kindgerechten Gags selten doof und widersprechen der möchtegernrobusten Action in jeder Hinsicht: Der hippelige Shia LaBeouf (für den Spielberg leider ebenfalls verantwortlich ist) soll als Konsensmännekicken für den nötigen Witz sorgen, bleibt aber ebenso eine absolute Flachzange wie die dezent gebräunte Megan Fox, die als Tittenimport äquivalent zu den geölten Maschinen manch unbefriedigte Männerträume erfüllen dürfte. Für den unfreiwilligsten Witz sorgt da bestenfalls Jon Voight: Gaukelt Bay zunächst noch vor, er würde auf patriotisches Gedönse erstmals verzichten, indem er vom US-Präsidenten nichts weiter als dessen rote Socken ins Bild rückt, lässt er den geschniegelten Voight als Assistent des Verteidi- gungsministers zur Knarre greifen, was letztlich auf das selbe hinausläuft: "Losing is not an option with these guys". Doch was will man eigentlich schon verlangen, wenn man geboten bekommt, wonach das Zielpublikum (bis 12 Jahre) ohnehin lechzt: "Transformers" ist eben nichts weiter als so richtig gaga.


30%

Kommentare:

  1. hmm, also wie erwartet.

    ab wieviel jahre ist der film denn freigegeben?

    AntwortenLöschen
  2. Ich bin ja durchaus auch ein Freund anspruchsvoller Kinokost, jedenfalls seh ich mich so - aber für solche Bombast-Action kann man auch mal eine Ausnahme machen. Da braucht man keine intellektuellen Dialoge, geschweige eine vernünftige Story. Transformers ist für mich, wie Blockbuster wie Harry Potter 5 oder Fluch der Karibik 3 gerne sein wollten - glänzend unterhaltend.
    Mal eine persönliche Frage: Da du ja in letzter Zeit desöfteren neuere Kinofilme ( Ich schau seit etwa Anfang des Jahres regelmäßig hier vorbei) regelrecht verreißt, würd mich mal interessieren, ob es auch "Blockbuster" neuerer Generationen für dich gibt, die du nicht mit unter 70% abspeißt. *g*

    AntwortenLöschen
  3. @Mephisto:

    Afaik ab 12, in den USA PG-13.

    @sT1nR:

    Ich brauche diese Ausnahmen gar nicht machen, ich bin generell durchaus ein Freund von Action- und Blockbustergedöns, jedoch braucht imo auch die tollste Trickserei und wuchtigste Action einne gewissen Grundgehalt, etwas, auf dem sie fußen kann. Sonst tritt eben wie bei TRANSFORMERS schnell eine gewisse Beliebigkeit ein, da Bay hier nichts anbietet, an dem sich der Zuschauer festhalten kann. Zumal das ganze Konzept nicht so recht funktioniert, da Bay/Spielberg wirklich keine günstige Kombi sind. Ich habe mich dann innerlich auch irgendwann ausgeklingt, weil mir der Krach zu viel wurde. ;) (aber ich bin halt auch wahrlich kein Bay-Fan!)

    Zu deiner Frage: Erst letzte Woche habe ich HP5 wohlwollend mit 70% besprochen, der zählt doch zu Blockbustern, oder? Ebenso Spidey 3, der gehört sogar zu meinen absoluten Lieblingsfilmen des Jahres.

    Aber ich muss schon zugeben, in diesem Jahr schaut es wie auch schon 2006 imo ziemlich düster aus, was das Blockbuster-Kino betrifft. Da hatte 2005 mit WAR OF THE WORLDS, CHARLIE AND THE CHOCOLATE FACTORY und vor allem EPISODE III qualitativ wesentlich mehr zu bieten.

    AntwortenLöschen
  4. und natürlich noch batman begins 2005 ;)

    ab 12...wer soll den denn noch gucken? die transformers sind ja nunmal gerade bei kinder beliebt und ausgerechnet die dürfen nicht rein.
    das hat aber jemand nicht gut durchdacht.

    AntwortenLöschen
  5. Na von dem war ich ja sehr enttäuscht. ;)

    Aber das ist ohnehin so ein Widerspruch: Das Thema ist was für kleine Jungs, denen das ganze aber sicher etwas zu brachial sein dürfte. Ansonsten spart der Film mit richtiger Härte jedoch gänzlich. Die jüngeren Zuschauer hatten da gestern auch ihren Spaß, also geht das wohl doch.

    AntwortenLöschen
  6. Oha, ich persönlich empfand Krieg der Welten als mittelschwere Katastrophe und größte Enttäuschung 05.Der Film mag zwar gut anfangen, aber danach gibt es meiner Meinung nach viel zu viel Leerlauf. Dakota Fanning hatte mich eher wenig gestört, vielmehr hingegen den Filmbruder, der mal lieber mal Krieg spielt, anstatt be ider Familie zu bleiben. *g* Den Film könnte man zuweilen auch als Komödie durchgehen lassen...

    Bist du eigentlich bei OFDB auch Mr. Vincen Vega? Dann kann ich mir ja noch ein paar Kritiken von dir zu Gemüte führen.

    AntwortenLöschen
  7. Ja die Kritik an WotW ist mir schon des Öfteren zu Ohren gekommen, aber ich kann sie nicht gänzlich teilen, wenn zumindest nachvollziehen. Für mich war das einer der besten Sci-Fi-Filme der neueren Zeit und allein der erste Tripod-Angriff zählt imo schon zu den herausragenden Film-Sequenzen der letzten Jahre.

    Bist du eigentlich bei OFDB auch Mr. Vincen Vega?

    Höchstpersönlich.

    Wo hast du TRANSFOMERS denn schon gesehen btw.?

    AntwortenLöschen
  8. Für mich schon jetzt der Film des Jahres, Rajko - sorry! ;-) Aber was mich noch interessieren würde: wie verhält es sich denn mit dem Militarismus? Feiert Bay wirklich Militär und Co. so ab, wie es an mancher Stelle heißt? Ich will Jets, tapfere Soldaten, USA über alles etc. pp... :D

    AntwortenLöschen
  9. Hält sich im Vergleich zu den anderen Bay-Vehikeln im Rahmen, war mir aber immer noch way too much.

    AntwortenLöschen
  10. "Es vergeht ja wahrlich keine Minute, in der Bay die Kamera nicht stillhalten kann."

    Kann es sein, dass du da mit der doppelten Verneinung durcheinander gekommen bist? Oder hat Bay wirklich auf seine Handkamera verzichtet und dem Film auch mal ruhige Fahrten gegönnt?

    AntwortenLöschen
  11. War of the Worlds war wirklich einer der miesesten Filme der letzten Jahre. Wie man daran irgendwas gut finden konnte, frag ich mich ja schon ;-)

    AntwortenLöschen
  12. Ich mochte WOTW auch nicht :P

    AntwortenLöschen
  13. Wirklich lesenswerte Rezension. Schön geschrieben.

    Mal sehen, wie Transformers bei mir punkten wird. Ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen.

    AntwortenLöschen
  14. Habe deine Kritik erst jetzt gelesen und kann das alles nur so halb nachvollziehen. Den Spruch von Jon Voight beispielsweise fand ich klasse und bin eigentlich auch der festen Überzeugung, dass der eher ein kleiner Seitenhieb als eine Betonung der tollen amerikanischen Armee sein sollte. Und Shia LaBoeuf fand ich sogar gänzlich großartig: Seine Rolle mag dumm und teenie-haft sein, aber man nimmt sie ihm ab, man schaut ihm gerne zu, ich habe lange einem Jungstar nicht mehr so gerne Erfolg gewünscht wie eben ihm.

    Die spielberg'sche Hälfte des Films hat mich unglaublich amüsiert, ich fand das auch alles nicht platt, sondern habe den Film als sehr gut strukturiert und aufgebaut empfunden. Platt war das schon irgendwie, ja. Aber eben nicht ärgerlich platt.

    Dass Bay in der zweiten Hälfte dann loslegt und aufgrund der Inszenierung jegliche Übersicht verloren geht, ja, das stimmt schon. Aber der Schauwert ist da, meine Kinnlade wischte den Boden und überhaupt kann ich nach Sichtung des Films nur sagen, dass ich ihm erstaunlich wenig Bay angemerkt habe.

    Liege daher locker bei 90%.
    Ausführlicheres in meiner Kritik.

    AntwortenLöschen