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Oktober 24, 2019

Marvel vs. Marty - Eine notwendige Debatte

Mit seiner Kritik an Marvel-Filmen hat Martin Scorsese viel Staub aufgewirbelt. Doch nicht die Statements des Regisseurs sind abgehoben, sondern ihre Reaktionen.

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Juli 18, 2018

Wie Hollywood seine Filmstars tötete

Auch wenn Superhelden- und Sternenkriegsfilme das Gegenteil suggerieren - wirkliche Stars gibt es im US-Kino fast keine mehr. Nicht Schauspieler versprechen heute Erfolg an der Kasse, sondern etablierte Marken. Der Rest kämpft geschickt ums Überleben.

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April 25, 2018

Marvel-Stars zwischen Ausverkauf und Wohltätigkeit

Haben sich MCU-Stars wie Robert Downey Jr. verkauft? Diesen angeblichen Vorwurf ihrer Kollegen weist Zoe Saldana als elitär zurück und fordert mehr Respekt für Superhelden-Darsteller - mit einem Klagelied aus dem Elfenbeinturm von Marvel.

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Juni 24, 2017

7 Schauspieler, die ihre Karriere beenden können

Aus unbekannten Gründen verabschiedet sich Daniel Day-Lewis vom Kino. In Hollywood sind freiwillig beendete Karrieren ein Phänomen, das deutlich mehr gute als schlechte Schauspieler betrifft. Darum gibt es hier lieb gemeinte Änderungsvorschläge.

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Mai 06, 2015

Robert Downey Jr. und die Kehrseite des Erfolges

Robert Downey Jr. möchte keine unbequemen Interviews geben. Er will mit Kritik an Comicverfilmungen nicht sachlich umgehen. Und Independentfilme mag er auch keine drehen. Höchste Zeit, mal zu sagen: Robert Downey Jr., du nervst grad ein bisschen. 

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Mai 01, 2013

Marvel, Iron Man & die Trilogie der Enttäuschung

Auch der dritte Iron Man kann nicht die Versprechungen einhalten, die der solide erste Film machte. Mit Tony Stark begann der Höhenflug des Marvel Cinematic Universe, aber einen überragenden Einsatz des Helden behält sich das Studio weiterhin vor. 

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November 04, 2010

Kino: DUE DATE

Der Komödie im amerikanischen Mainstream-Kino geht es schlecht. Sie boomt seit Jahren, sie ist rentabel, sie hat den Dreh raus. Und produziert fleißig einen Rohrkrepierer nach dem anderen. Trotz hartnäckiger Versuche, in den Filmen so unterschiedlicher Regisseure wie Judd Apatow, Adam McKay oder Billy-Wilder-Fan Jason Reitman neue Hoffnungsschimmer für das Genre zu installieren, krankt die überwiegende Mehrheit der US-Comedies am strukturell gleichen Problem: Schlechtigkeit, Tendenz steigend. Der potentielle Publikumsliebling "Due Date", ins Deutsche aus unerfindlichen Gründen zu "Stichtag" übersetzt, ermöglicht eine Annäherung: 15 Fragen zum momentanen Zustand der US-Komödie, die dieser Film indirekt beantwortet.


1. Was ist "Stichtag"?

"Stichtag" ist der neue Film der "Hangover"-Produzenten und des "Hangover"-Regisseurs Todd Phillips mit dem "Hangover"- Star Zach Gali…fianakis nach dem "Hangover"-Erfolgsrezept: Männer on the Road, Frauen in the kitchen.

2. Was ist "Hangover"?

"Hangover" ist die erfolgreichste Komödie des vergangenen Jahres. Sie spielte weltweit rund 470 Millionen US-Dollar ein und wird in Kürze fortgesetzt. Im Wesentlichen geht es in dem Film um die Folgen eines haarsträubenden Junggesellenabschieds. Die Geschichte mit den vier Männern, dem Baby, den Tigern, Tucken und Titten wurde zum Publikums- und Kritikerliebling.

3. Wer ist Todd Phillips?

Todd Phillips ist ein Regisseur, Produzent und Drehbuchautor, der seine Karriere mit zotigen Komödien wie "Road Trip" und "Old School" zum Laufen brachte. Seine früheren Filme trugen Züge der rabiaten Humorästhetik der Farrelly-Brüder, mit "Hangover" und nun "Stichtag" scheint seine mildere Midlife-Phase begonnen zu haben.

4. Wer ist Zach Gali…fianakis?

Zach Galifianakis ist ein Stand-Up-Komiker mit relativ unaussprechlichem Nachnamen. Er hat ein paar unbedeutende Nebenrollen in Film und Fernsehen gespielt, bis er mit der tatsächlich recht komischen Fake-Interview-Serie "Between Two Ferns with Zach Galifianakis" und schließlich "Hangover" größere Bekanntschaft und Beliebtheit erlangte. Jetzt, da er ein Shooting-Star zu sein scheint, taucht er in jeder dritten Kinokomödie auf, zuletzt in "Dinner für Spinner".

5. Wer spielt in "Stichtag" außerdem mit?

In "Stichtag" spielen außerdem Robert Downey Jr., Michelle Monaghan, Juliette Lewis und Jamie Foxx mit.

6. Juliette Lewis?

Ja. Sie spielt eine Minirolle als kiffende Mutter namens Heidi (…). Nach ihrer Erfolgslaufbahn in den 90er Jahren (mit Oscar-Nominierung) und Beitritt zu Scientology (mit Weirdo-Faktor) arbeitet sie nun zum dritten Mal mit Regisseur Todd Phillips zusammen. Sonst spielt und singt sie in einer Punkband mit treuer Fangemeinde.

7. Worum geht es in "Stichtag"?

In "Stichtag" geht es um den schnöseligen Kontrollfreak Peter Highman (Downey Jr.), der dringend den Flieger nach Hause zu seiner Frau (Monaghan) bekommen muss, um nicht die Geburt seines Kindes zu verpassen. Am Flughafen macht er Bekanntschaft mit dem Nachwuchsschauspieler Ethan Tremblay (Galifianakis), der ihm fortan nur Pech bescheren wird. Schließlich müssen die beiden aufgrund verschiedener Umstände mit dem Auto quer durch die USA reisen, um rechtzeitig bei Peters Frau zu sein, und erleben dabei einige verrückte Abenteuer.

8. Und worum geht’s eigentlich?

Eigentlich geht’s um die mittleren Jahre ergrauter Männer, Selbstfindung, Freundschaft und Frauen, die zuhause auf der Couch sitzen und ihre Männer vermissen. Also in etwa um das gleiche wie in "Hangover".

9. Was soll daran lustig sein?

Lustig sein sollen die Erlebnisse des ungleichen Paars, zum Beispiel ein ungewollter Autocrash oder eine Verhaftung durch die mexikanische Grenzpolizei. Einmal verkloppt Peter den kleinen Sohn von Heidi, was ebenfalls lustig gemeint sein könnte. Die größten Lacher dürfte eine Szene kassieren wollen, in der Zach Galifianakis sich im Auto parallel zu seinem Hund selbst befriedigt.

10. Ist das denn lustig?

Nein, das ist nicht lustig. Das ist nur der typische Klemmi-Humor typischer US-Komödien von heute, in denen konservierte Geschlechterbilder mit vordergründigen Sexwitzchen kaschiert werden sollen. Andere Comedy-Regisseure mit ebenso ausgeprägtem Mutter- oder Analkomplex, wie Kevin Smith etwa, versuchen ihr reaktionäres Verständnis von Humor wiederum mit endlosen Nerd-Dialogen zu kompensieren.

11. Woran macht sich diese Haltung fest?

Diese Haltung durchzieht sämtliche US-Komödien des Mainstreams und Indie-Mainstreams. "Hangover" und "Stichtag" verstehen eine gute Frau als Kinder gebärende Hausfrau und Mutter, eine schlechte als Wesen mit eigenständiger Sexualität oder Promiskuität, also Nutte bzw. Schlampe.

12. Beispielsweise?

In "Stichtag" werden mindestens eine Handvoll Gags aus dem Umstand generiert, dass Robert Downey Jr. seine Frau verdächtigt, ihn mit seinem besten Freund (Foxx) betrogen zu haben. Höhepunkt dieser zur totalen Dystopie aufgeblasenen Vorstellung ist ein finaler Witz des Films, bei dem Peter im Kreissaal zunächst ein schwarzes Baby erblickt. Die neue Prüderie der US-Comedies hinter einer lediglich behauptet anrüchigen Gesinnung erreicht also allmählich ihren traurigen Tiefpunkt.

13. Ist der Film denn wenigstens okay gemacht?

Der Film ist nicht okay gemacht. Er ist, einmal jegliche Ideologie außer Acht gelassen, ein Film ohne Handwerk. "Stichtag" folgt der inoffiziellen Agenda heutiger US-Komödien: Hauptsache Star-Komiker, der Rest ergibt sich von allein. Drehbücher im Sinne zu ende erdachter Geschichten mit gezielten Pointen oder klugen Wendungen spielen keine Rolle, so lange man irgendeine Fernsehnase hat (zumeist aus Saturday Night Live), der man Gags vorsetzt oder sie einfach vor der Kamera improvisieren lässt. Zach Galifianakis ist so ein Fall. Hat man ihn, hat man den Film – so ungefähr lautet das Konzept. Ob er sich dabei mit seinem Schnarchhumor letztlich nur als komatöse Version von Jack Black erweist, scheint egal zu sein.

14. Könnte ein guter Regisseur da überhaupt etwas retten?

Vermutlich ja. Leider ist Todd Phillips kein solcher. Sein Gespür für Tempo gleicht dem einer Schildkröte, sein Timing hat was von einem epileptischen Anfall in Zeitlupe. "Schluss mit gemütlich" steht auf dem deutschen Poster zu "Stichtag", was eine glatte Lüge ist. Der Film ist so gemütlich wie ein Sesselfurzer – und so witzig. Am deutlichsten entlarvt sich Phillips’ Nichtskönnerei, wenn er auf besonders verzweifelte Regieeinfälle zurückgreift: So schneidet er nach einem Gag immer mal wieder auf die Reaktion des Hundes, damit auch jeder kapiert, dass etwas Lustiges vor sich geht.

15. Und sonst so?

Sonst so ist "Stichtag" einfach kein guter Film, geschweige eine gute Komödie. Er ist sicher besser als "Hot Tub Time Machine", aber auch deutlich schlechter als "Hangover". Was gewiss kein Qualitätskriterium ist. Gegen die müden mainstreamigen US-Komödien der letzten Jahre mit ihrer Klemmi-Moral, ewigen Selbstfindungssoße und Proll-Attitüde muss endlich mal ein Kraut wachsen, sonst wird das nichts mehr mit der Ehrenrettung des Genres.


15% - erschienen bei: gamona

Mai 06, 2010

Zuletzt gesehen: IRON MAN 2

Direkte Fortsetzung der überraschend erfolgreichen Comicadaption von 2008, die durch ihren Pilotfilmcharakter noch viel Luft nach oben ließ. Leider nutzt das Sequel nichts vom übrig gebliebenen Potenzial des Vorgängers, sondern vertieft nur dessen Schwachstellen. Nach einem wunderbaren Einstieg, der selbstredend den überraschenden Twist des ersten Films aufgreift, verliert sich "Iron Man 2" in zahlreichen ungeordneten Handlungssträngen und Figuren, die Jon Favreau leider nie in den Griff bekommen möchte. Er versäumt es, die zuvor angedeutete und vorbereitete (Liebes-) Beziehung zwischen Tony Stark und Pepper Potts auszuarbeiten, originelle und eigenständige Bösewichter zu entwickeln und der Geschichte – entsprechend den Gesetzen des Comic-Sequels – einen epischen Atem zu verleihen. Mit zunehmender Spielzeit verliert der Film endgültig sein Zentrum und verkommt zur lahmen Wiederholungstat, ehe sich im Finale erneut Stahl und Stahl zu einem öden und teilnahmslosen Actionfest verabreden – Mickey Rourke als Bösewicht bleibt hier mindestens so unterfordert wie Jeff Bridges im Vorgänger.


45%

Januar 30, 2010

Kino: SHERLOCK HOLMES

In Filmen von Guy Ritchie geh es meist ums Wesentliche. Um markige Typen, kernige Männerallüren und heftige Fausthiebe, um skurrile Marotten, absurde Situationen und schrullige Zufälle. Das Ritchie-Kino ist ein Jungs-Kino, das von männlichen Irrtümern und deren Vereinbahrung (oder bestenfalls Versöhnung) mit Geschlechterklischees träumt, das Naivlinge zu Männern reifen und intellektuellen Ballast weit hinter sich lässt.

Wie schön also, dass der Ex-Stecher von Madonna sich nun mit großem Budget an Arthur Conan Doyles legendärer Figur Sherlock Holmes zu schaffen macht, der es als meistverfilmte literarische Persönlichkeit nur noch an einer Blockbuster-Testosteronvariation mangelte – Dank dieser neuerlichen Verwurstung des hochbegabten Meisterdetektivs ist das Holmes-Œuvre aber gewiss um einige verzichtbare Banalitäten reicher.

In "Sherlock Holmes" geht es, worum es in allen Ritchie-Filmen geht: Um lustige Späße mit lustigen Kerlen. Dieses Mal in einem vergangenen Jahrhundert, aber immer noch in England und immer noch mit viel unverständlichem Gebrabbel. Der Film pflegt, selbstverständlich und erwartungsgemäß und auch leider, mit der eigentlichen Holmes-Figur nur noch eine Namensverwandtschaft, die eigentlichen Wesenszüge des analytischen Ermittlersnobs, der, wenn ihm die Kultiviertheit zu Kopfe zu steigen droht, gern zur Geige greift, werden massenkompatibel und drastisch reduziert. Auf, natürlich, ordentlich Gekloppe (Ritchie ist ein verlässlicher Regisseur), und dem Nachstehlen einer schönen Frau (die ihm in der Vorlage nicht einmal ein müdes Lächeln entlockt hätte). Holmes, der Womanizer.

Ausgerechnet der nun hat sich zurückgezogen in sein stilles Kämmerlein, ist aufgedunsen und süffig, nicht mehr bereit seinen ermittlerischen Dienst zu leisten. Dr. John Watson gelingt es schließlich seinen treuen Kumpanen zu reaktivieren, damit dem tot geglaubten Magier Lord Blackwood endgültig das Handwerk gelegt werden kann. Dabei lässt Holmes dann meist die Fäuste sprechen, sein – trotz Dauerverwahrlosung!? – mächtig durchtrainierter Körper hat mehr Wirkung als jeglicher Spürsinn:

So interpretiert Ritchie den erhabenen Analytikergeist seiner Holmes-Figur in erster Linie als physische Slow-Motion-Taktik, bei der im Voraus berechnet wird, wo und wann dem Gegner nun welche Weichteile zertrümmert werden. Das ist nicht nur meilenweit entfernt von Doyle, das ist nicht einmal mehr dasselbe Universum. Ritchie hat aus Holmes, das ist legitim, einen Comichelden gezimmert, und, das ist weniger legitim, einen postmodern-abgedroschen coolen noch dazu.

Mal angenommen also, "Sherlock Holmes" habe mit Sherlock Holmes nichts zu tun, so bliebe vielleicht zumindest ein sehenswerter Blockbuster über. Zugegeben, zwei bis drei hübsche Actioneinlagen bekommt Ritchie in seiner hohle Geschichte integriert, von einer gewissen Oberfläche aus betrachtet machen auch die launigen Buddy-Elemente was her – freilich ohne den Hauch von Mut, hierin etwas Homoerotisches vermuten zu wollen.

Doch spätestens beim großen Green-Screen-Finale verpufft der Unterhaltungswert dieser verschenkten Popcornadaption glorreich zum pseudofolkloristischen Gedudel Hans Zimmers, während die Ankündigung eines bekannten Holmes-Gegenspielers schon fleißig mit einer Fortsetzung droht.


40% - erschienen bei den: 5 FILMFREUNDEN

September 09, 2008

Zuletzt gesehen: WEIRD SCIENCE

John Hughes zelebriert den Einbruch des Phantastischen in ein idealisiertes Kleinstadt-Setup: Das heitere Fantasy- Geschehen schwelgt in eigener Nostalgie, scheint sich beständig selbst zu kommentieren und schreckt nicht vor überraschenden, absurden und oft auch albernen Einfällen zurück. "Weird Science" ist eine pubertäre Frankenstein- Variante, eine mitunter zweifellos eigenwillige, aber wunder- same Große-Jungen-Fantasie, in der auch jene Teenie- Klischees bedient und verarbeitet werden, die Hughes in seinen vorherigen Filmen bewusst umpolte. Und der Titelsong von Oingo Boingo ist herrlich strange.


65%

April 17, 2008

Kino: IRON MAN

"Well, just pass him there, why should we even care?", fragen Black Sabbath in ihrem Klassiker "Iron Man" und besingen mit schweren Gitarren den Mythos vom Mann aus Eisen: "Nobody wants him, he just stares at the world". Und wenn am Ende des ersten "Iron Man"-Kinofilms, den Marvel selbst finanziert hat, eben jener Ozzy Osbourne-Hit den Abspann einstimmt, stellt sich diese Frage erneut: Hätte man auf die Abenteuer des Multimilliardärs Tony Stark als Realaction-Version nun verzichten können, oder entlockt der in erster Linie als Schauspieler denn Regisseur umtriebige Jon Favreau dem Stoff tatsächlich ein wenig mehr als bewegte Comic-Strips, ein wenig mehr eben als das, womit man sich zuletzt bei den "Fantastic Four", der "Elektra" oder dem "Ghost Rider" begnügen musste. Doch, ja, "Iron Man" ist kein wirklich guter Film, stellenweise ist er sogar ziemlich übel, aber er hat schwer was. Und das ist ausnahmsweise kein ödes Wortspiel.

Der größte Coup dürfte das Casting sein. Den Titelhelden mit Robert Downey Jr. zu besetzen, erweist sich in mehrfacher Hinsicht als Glücksfall. Ein immer wieder von seiner Drogensucht heimgesuchter Hollywoodstar spielt einen alkoholabhängigen und herzkranken Superhelden, das ist schon mal eine sichere Basis, dem nimmt man so was doch schließlich ab. Nun schneidet dieser erste Film den Komplex zwar nur an, in Hinblick auf weitere Kinoauswertungen wäre das jedoch ein reizvoller Aspekt der Geschichte. Downey Jr. gefällt als Tony Stark und dessen Alter Ego Iron Man aber auch deshalb grundsätzlich, weil er trotz einiger Überschneidungen mit der Figur eine so wunderbar unkommerzielle Wahl für die Rolle darstellt. Wie oft hatte man den Kerl schon abgeschrieben, und wie sehr hat man ihm alles, nur keine Hauptrolle in einem hoffentlich einträglichen Blockbuster dieses Schlages zugetraut. Entsprechend feinfühlig, zumindest im Rahmen eines mit Verkürzungen arbeitenden Comicfilms, nährt er sich dem geläuterten Helden. Überaus souverän trägt Downey Jr. das Spektakel auf seinen Schultern, sehr charismatisch gibt er die Figur, mit leicht zynischem Witz, betont komischen Sprüchen und lockerer Playboy-Attitüde.

Wenn die Besetzung des "Iron Man" also schon mal stimmt – und die ist ja doch ein wenig die halbe Miete –, dann können Jeff Bridges, Terrence Howard und Gwyneth Paltrow nur noch Bonbons für den süßen Nachgeschmack sein. Letztere hat zwar nicht wirklich viel zu tun und scheint meist der Anweisung zu folgen, möglichst so verträumt schläfrig wie Kirsten Dunst zu blinzeln, aber Howard gefällt trotz seiner doofen Rolle als Militär-Buddy. Und Bridges führt sich wie gewohnt blendend auf, der Mann kann einfach alles spielen, ob mit oder ohne Glatze, Vollbart oder Bierbauch, ob als freundlicher Nachbar von nebenan, ständig bekiffter Volltrottel oder nun Bösewicht Obadiah Stane, der sich als Iron Monger zum ersten Gegner des Helden hochspielt. Bridges scheint sich solche Rollen aus dem Ärmel zu schütteln, während ein Kevin Spacey die zumindest äußerlich ähnliche Figur Lex Luthor in "Superman Returns" mit verkrampftem Pokerface zum präsenzlosen Bösewicht von der Stange degradierte. Einzig etwas schade, dass man sich fürs Debüt aus dem großzügigen Fundus an Gegnern ausgerechnet jenen herauspickte, der dem Superhelden stark ähnelt und einem Charakterkopf wie Bridges nach der Transformation kaum die Möglichkeit zum Minenspiel offeriert (was schon Willem Dafoe im ersten "Spider-Man"-Film ein wenig zum Verhängnis wurde). Und es bleibt auch dabei: Auf etwaigen Zuwachs oder Cross-Over-Figuren wie Nick Fury (Samuel L. Jackson) muss man zumindest im ersten "Iron Man" noch verzichten.

Aber, lange Rede, kurzer Sinn: Ja, die Schauspieler, die sind hier wirklich ziemlich essentiell. Vor allem, da "Iron Man" mit Action eher geizt. Nur, Favreau ist ganz zweifellos ein besserer Regisseur als Nick Cassavetes, der den Film zunächst inszenieren sollte, aber so richtig brennt er nicht für den Stoff. Viel mag ihm nicht einfallen bei der Geburtsstunde des Helden, das ist doch alles recht streng nach Schema F gestrickt und folgt brav den Konventionen eines Superheldendebüts. Kurze Einführung des Arschlochs Stark, dann Gefangenschaft, Ausbruch und Besinnung – bis der Iron Man in vollendeter Montur durch die Lüfte fliegen darf, vergehen viele abgehakte Stationen und Leerläufe, die man mit Regieeinfällen trotz des schwächelnden Drehbuchs (immerhin aus der Feder der "Children of Men"-Autoren) hätte vermeiden oder zumindest aufpeppen können. Insbesondere der Mittelteil hängt ganz schön durch, vor allem da uns der Film alle Entwicklungsstufen seines Helden aufgedröselt vorspielt, was man mit fixer Montage gut und gerne um eine Viertelstunde hätte erleichtern können. Hier hält sich "Iron Man" auch ein wenig sehr auf mit seinem Subplot der liebäugelnden Turteltäubchen Pepper und Stark, was nicht recht in die Gänge kommen und durch die fehlende Chemie zwischen Paltrow und Downey Jr. ohnehin nicht so wirklich funktionieren will. Nebenbei: Dass der Film den Stoff modernisiert, ist sicherlich der einzig richtige Ansatz, die Ursprungsgeschichte aber nach Afghanistan zu verlagern (in der Vorlage ist es Vietnam), damit der Iron Man zwischenzeitlich noch einige Taliban-Milizen zermalmen darf, scheint indes nun nicht unbedingt die allercleverste Entscheidung.

Was das erste Abenteuer des Iron Man jedoch ganz dringend benötigt hätte, ist einen fähigen Komponisten, der ihm ein prägnantes Thema auf die Metallhaube schreibt. Der Score ist wahrlich eine Katastrophe in diesem Film, es gibt weder differenzierte Motive, noch überhaupt irgendeine erkennbare Anstrengung, Musik als Faktor, der über untergelegte Schrammelbeats hinausginge, zu begreifen. Zwei Stunden lang ertönt nur immer wieder das gleiche Getöse aus simplen Gitarrenriffs und schnellenden Drums – gänzlich verschenkt, denn der Soundtrack hätte schnell den Rest der Miete ausmachen können. Aber "Iron Man" darf sich diese Fehler irgendwie noch erlauben, er fühlt sich ohnehin nur wie ein Pilot an, der schon mal das Grundgerüst aufstellt. Es ist überdies auch ganz bestimmt eine Herausforderung, einem der verhältnismäßig weniger bekannten, oder zumindest nie bis zum Mainstream durchgedrungenen Marvel-Helden eine attraktive, erfolgreiche Kinoverpackung überzustülpen. Denn das Paradoxon eines Mannes, der seine Rüstungsmacht als neuer Gutmensch aufgibt, um jedoch mit noch martialischerer Gewalt jede eigene Ordnung zu verteidigen, kann auch dieser Film nicht überwinden. Aber mit jemandem wie Robert Downey Jr. ist diese Serie, so sollte sie eine werden, gut beraten, der Mann hat einfach schwer was an sich. Na ja, gut, doch ein Wortspiel.


60% - erschienen bei: Wicked-Vision