Juli 24, 2009

Kino: THE HANGOVER

Bevor er den heiligen Bund der Ehe schließt, wird der smarte Noch-Junggeselle Doug von seinen drei besten Freunden auf einen Kurztrip nach Las Vegas eingeladen, um in geselliger Männerrunde ein, zwei, drei Kästen Bier leeren und, man kennt das ja irgendwie, den letzten Abend in ‚Freiheit’ entsprechend auskosten zu können. Dass seine drei Buddies, der eitle Lehrer Phil, der etwas stockige Zahndoktor Stu und der nerdige Tollpatsch Alan, am nächsten Morgen mit einem kräftigen Kater erwachen, war dabei sicherlich noch abzusehen – nicht jedoch, dass der Bräutigam in spe plötzlich verschwunden, das Hotelzimmer komplett auf den Kopf gestellt und die Erinnerungen an die Vornacht quasi ausgelöscht sind. Und dabei gilt nicht nur zu klären, wie der Tiger ins Badezimmer kam oder wem das schreiende Baby im Schrank gehört…

Die dem Zuschauer vorenthaltene, folgenschwere Nacht gilt es nun gemeinsam mit den liebenswert gemeinten Protagonisten zu rekonstruieren. Stück für Stück versuchen die auch äußerlich gezeichneten Jungs nachzuvollziehen, warum der Concierge ihnen plötzlich ein Polizeiauto vorfährt, sie von Gangstern verfolgt werden oder Mike Tyson höchstpersönlich einen mächtigen Groll gegen sie hegt. Das detektivische Aufspüren der Hinweise folgt dabei einem simplen elliptischen Prinzip – dem Gesetz der Lücke, die gefüllt werden will, und den absurden und irrwitzigen Zufällen, aus der eine Komödie ihre sicheren Gags generieren kann. Ein alter Hut, ein geschenkter Gaul, ein wahrer Drehbuchklassiker sozusagen.

Dem Regisseur einiger erfolgreicher Comedies, Todd Phillips, möchte dennoch wenig einfallen beim Ausmalen der leeren Felder. Und so bemüht "The Hangover" stets die offensichtlichsten Zusätze seiner an und für sich hübschen Idee: Kein Regieeinfall, der sich nicht drei Ecken zuvor ankündigt, kein Witz, der sich nicht auf verbrauchte Dosenbierklischees verlässt. Dass dem Film zusätzlich jeglicher Drive, Schwung, Pepp fehlt, er überhaupt eine Geschichte über abstruse Irrtümer mit ermüdender Gemächlichkeit erzählt, mag sich sogar noch als Konzept verstehen – so doch das Genre seit Judd Apatow neuerdings immer eins, zwei Gänge zurückfährt. Den bedauerlichen Mangel an tiefsinnigem Witz und Selbstironie dieser Retortenveranstaltung entschuldigt das aber nicht.

Es irritiert jedoch nicht im Geringsten, dass diese betont altmodische Komödie in ihrem 90’s-Appeal an Filme wie "Honeymoon in Vegas", "Arizona Junior" oder "Very Bad Things" erinnert und sich damit an den Kinokassen als Überraschungserfolg behaupten konnte: Es ist eine sichere Bank, die Geschichte mit den vier Männern, dem Baby, den Tigern, Tucken und Titten. Phillips knüpft in dieser Selbstfindungsschnulze immerhin an seinen eigenen "Road Trip" an – beschrieb dieser noch einen romantischen Rückblick auf die ungehemmten Vorzüge der Adoleszenz, befinden sich die vier männlichen Hangover-Helden schon inmitten einer bürgerlichen Normgesellschaft. Hier wie dort sinniert Phillips gleichermaßen über die Attraktivität des Ausbruchs und der anschließenden Rückkehr ins Gefüge. Der überschaubare Eskapismus der Handlung empfiehlt also auch den Film als willkommene Realitätsflucht für ein Pärchen- und Jungs- publikum, das mit ausreichend Bier und Popcorn seinen nächsten Kulthit gekürt hat.


30% - erschienen bei den: FÜNF FILMFREUNDEN

Kommentare:

  1. Um es kurz zu machen: Kann ich absolut nicht nachvollziehen. :)

    AntwortenLöschen
  2. Dachte ich mir drüben bei dir auch grad. :P

    AntwortenLöschen
  3. Mußt du denn der Multiplex-Bourgeoisie immer wieder ihre völlig verrückten Sommerkultfilmträume zerplatzen lassen? Mann, Mann, Mann, Rajko. Und ich dachte schon du wärst zu zahm geworden.

    AntwortenLöschen
  4. Eines ist doch sicher: eins zu eins ist jetzt vorbei. :)

    AntwortenLöschen
  5. Großes Kino ist HANGOVER weiß Gott nicht, nicht einmal eine große Komödie - da ist BRÜNO dieser Tage klar vorzuziehen. Aber wer auf das x-mal durchgekaute Szenario steht, wird hier reell bedient. Mir hat HANGOVER jedenfalls besser gefallen als die meisten anderen Sauftour-Filme.

    AntwortenLöschen
  6. Das will ich doch hoffen.^^

    AntwortenLöschen
  7. Hauptsache gegen den Strom schwimmen...

    AntwortenLöschen
  8. Mache ich nur für die Klickzahlen.

    AntwortenLöschen
  9. Rajko wie er leibt und lebt. Und *ich* muss mir von meiner Freundin anhören, ich sei doch viel zu kritisch, pah! ;)

    AntwortenLöschen
  10. Mr. Hankey26/7/09 00:18

    Schon während des Filme guckens dachte ich mir, dass ist mal wieder absolut nichts für "Ich hasse eh nahezu alle (Macho)-Männerfilme, die nicht rosa sind"-Rajko! ;-)

    Ich denke jeder wirkliche Mann (boahh, wie machohaft ;)), wird diesen Film einfach nur gut finden. Denn so viele pointinierte und auf den Punkt exakt treffende Gags, trotz aller Rüdität, gab es im Kino schon lange nicht mehr. Nur dass er mir ab und an ein wenig zu chaotisch ist und vielleicht nicht ganz seinen Hype verdient. Aber sonst kann man nur sagen: Männer, ab ins Kino! :-)

    AntwortenLöschen
  11. Hoffentlich sterben die Männer bald aus.

    AntwortenLöschen
  12. Ich hab mich schon seit langem nicht mehr so gut amüsiert wie in The Hangover, und dass, obwohl ich amerikanische Proll-Komödien in der Regel ziemlich furchtbar finde. Hangover besteht eben nicht nur aus "verbrauchten Dosenbierklischees", sondern inszeniert aus den üblichen Stereotypen (Jungesellenabschied, Las Vegas, etc.) eine erstaunlich frische und temporeiche Komödie. Dass hier allerdings nicht gerade eine Merchant/Ivory Literaturverfilmung auf einem wartet, sollte schon klar sein.

    AntwortenLöschen
  13. Vielleicht ist es ja mal einen neuen Gedanken wert, dass ein Regisseur wie Peckinpah selbst Homosexuelle in seinem Bekanntenkreis hatte und zunächst am Abwägen war, ob er seinen Billy the Kid in PAT GARRET JAGT BILLY THE KID nicht auch als latent Homosexuellen zeichnen könnte, so wie Wurlitzer es auch in seinem Drehbuch anlegte. Dass er dann in BRING MIR DEN KOPF VON ALFREDO GARCIA ein schwules Killerpaar zeichnet, hatte nichts mit Ressentiments zu tun. Entsprechend gefühlvoll, so weit das in diesem Film und seiner Konzeption möglich war, ist ihr Umgang miteinander. Als einer der Killer dann erschossen wird, stürzt sein Geliebter zu ihm und schreit den Tränen nahe seinen Namen. Als er ihn rächen will, wird auch er erschossen. Zunächst nur angeschossen und darauf macht er eine Pirouette und lässt dann plötzlich von seinen Mordgedanken ab und geht, ständig den Namen seines Geliebten flüsternd, auf diesen zu, um mit ihm zu sterben. Peckinpah fängt dies auch mit einer dreier Parallelmontage ein, wie er es nur für Figuren gemacht hat, die ihm lieb waren. So konnte er Homosexualität in seinem Männersystem abbilden, ohne sich selbst untreu zu werden und mit dem Verweis darauf - Peckinpah war ja äußerst reflektierend und "ein Intellektueller" ;) - dass wahre Liebe - die Frauen im Film werden von Männern misshandelt oder getötet - in einer monströs-kapitalistischen Gesellschaft nur noch zwischen Homosexuellen möglich ist.

    AntwortenLöschen
  14. Irgendwie ist mir der Zusammenhang jetzt nicht ganz klar!?

    AntwortenLöschen
  15. Ich bezog mich auf Mr. Hankeys letzte Aussage und weil ich das Gefühl hatte, es würde eine Art Gegenüberstellung - "knallharte (Macho-)Männerfilme" auf der einen und "Rosa-Tutu-Filme" auf der anderen Seite - stattfinden. Darauf fiel mir das Peckinpah-Beispiel ein, um zu verdeutlichen, dass sich thematische Aspekte vom einen im anderen wiederfinden lassen können. Schlicht, dass die Dinge schon etwas miteinander verwobener sein können als man auf den ersten Blick so denkt.

    AntwortenLöschen
  16. Ach so, ja, in der Tat. Da tut sich Hankey aber schwer mit seinem Schubladen-Denken. :)

    AntwortenLöschen
  17. Mr. Hankey29/7/09 15:30

    Nein, tut er nicht! Aber bei diesem Film ist es schon angebracht, dass spiegelt sich in den Meinungen ja mehr als deutlich wieder... ;-)

    AntwortenLöschen
  18. Ich werd mir den wohl mal irgendwann auf DVD angucken... den Trailer fand ich witzig, glaub aber nicht dass da sonst noch viel kommt.

    Trotzdem freue ich mich mal wieder über eine altmodische Komödie...

    AntwortenLöschen