Oktober 22, 2013
Zuletzt gesehen: THE MORNING AFTER (1986)
August 29, 2013
Kino: R.I.P.D. - REST IN PEACE DEPARTMENT
März 08, 2010
OSCARS 2010 - Everybody Loves A Winner
Und dennoch war die 82. Verleihung der Academy Awards kein allzu kurzweiliges Vergnügen, was wohl an der grauenhaften Moderation der beiden Hosts Steve Martin und Alec Baldwin gelegen haben dürfte (sollte diese Konstellation in irgendeiner Weise PR für ihren gemeinsamen Film “It’s complicated” betreiben?). So ungelenk, unkomisch und zahm wurden die Oscars wohl selten unterhalten.
Die wenigen Highlights besorgten dann andere. Ben Stiller zum Beispiel, der als Na’vi verkleidet noch den originellsten Beitrag zum eher unangenehmen, an diesem Abend aber offenbar sehr populären “Avatar”-Bashing abgab. Eine schöne Hommage an den verstorbenen Regisseur, Drehbuchautor und Produzenten John Hughes versammelte noch einmal die Stars des 80er-Jahre Coming-of-age-Kinos (darunter Molly Ringwold und Anthony Michael Hall). Und Jeff Bridges wurde in der “Crazy Heart”-Nominierungsrede von seinem einstigen Co-Star Michelle Pfeiffer anmoderiert, was sehr bewegend und wehmütig ausfiel und der Verleihung einen kurzen Augenblick wahrer Größe verlieh.
Größe, die dann zügig wieder von Sandra Bullocks tränendrüsiger Rede auf ein Normalmaß gestutzt wurde – ihre vor Political Correctness strotzende Laudatio gehörte zu den Tiefpunkten des Abends, ganz zu schweigen von den beschämenden und absolut unerklärlichen Standing Ovations für die einen Tag zuvor noch mit dem Razzie Award als schlechteste Schauspielerin ausgezeichnete “Blind Side”-Darstellerin (zum Film selbst in Kürze mehr – ich muss ihn erst noch verdauen). Auch eine völlig unmotivierte Montage diverser Horrorfilmausschnitte gehörte zu den Kuriositäten der Verleihung, zumal darin nur die üblichen amerikanischen Box-Office-Hits und Klassiker Erwähnung fanden, Meilensteine des Genres aus England oder Italien (Argento anyone?) aber völlig unberücksichtigt blieben. Richtig lustig wurde es aber, als eine wilde Tanzgruppe die nominierten Musikscores “interpretierte” – im Falle von Hans Zimmer und James Horner war das Kasperltheater ja noch angebracht, aber bei Marco Beltramis bedrückender “Hurt Locker”-Musik hatten die Choreographen verständlicherweise einige Darstellungsprobleme mit der Interpretation tänzelnder Bomben.
Eine überwiegend schlechte Show also. Aber: Mit guten Preisträgern. Und das ist natürlich wichtiger. Mit “The Hurt Locker” gewann endlich wieder ein Film, der auch wirklich gut ist und der die Aufmerksamkeit nur gebrauchen kann (beim Publikum fiel der Film trotz überwältigender Kritiken bekanntlich durch). Kathryn Bigelow erhielt als erste Regisseurin in der Geschichte der Academy Awards einen Oscar, was ihr nun hoffentlich die Anerkennung bringen wird, die sie schon mit ihren Genremeisterwerken “Near Dark” oder “Point Break” verdiente, und ihr Film über Bombenentschärfer im Irak trug mit sechs Auszeichnungen auch den verdienten Sieg des Abends davon.
März 04, 2010
Kino: CRAZY HEART
Man sieht Blake als abgehalfterten Countrysänger von Bar zu Bar torkeln, jede Nacht spielt er seine Hits aus vergangenen Tagen vor kleinem Publikum. Sein Stolz aus besseren Zeiten scheint ungebrochen, erst wenn er sich vor Hinterausgängen übergeben und anschließend erniedrigende Telefongespräche mit seinem Manager führen muss verdeutlichen sich Demut und Enttäuschung über ein Leben, das irgendwann in eine falsche Richtung ausgeschlagen ist. Dem Alkohol verfallen, lebt Blake ein Leben aus dem Koffer, zwischen Highway und Truckstop, zwischen kleinen Gigs und der Erinnerung an jene Zeit, in der er ausverkaufte Konzerte vor tausenden Zuschauern spielte.
Jeff Bridges ist Bad Blake. Er IST dieser süffige Sänger mit der abgeschabten Gitarre, der alternde Country-Star mit der rauen Schale und dem weichen Kern. Würde er mit dieser Rolle nicht den Oscar nach 40 eindrucksvollen Jahren im Filmgeschäft nun endlich sicher in der Tasche haben, man müsste ein weiteres Mal ernsthaft beklagen, warum einer der brillantesten, subtilsten, wandlungsfähigsten, charisma- tischsten, meistunterschätzten amerikanischen Schauspieler noch immer als so etwas wie ein Geheimtipp gehandelt wird. Bridges hat viele ikonische Figuren interpretiert oder ganz gewöhnliche zu Ikonen hochgespielt – Bad Blake nun ist mit Sicherheit eine von ihnen. Es ist sein Film, jede Minute, jede Einstellung. "Crazy Heart" ist ganz auf Bridges zugeschnitten. Aber, und das ist einer der wesentlichen Unterschiede zum durchaus vergleichbaren "The Wrestler", er spielt lediglich eine Rolle, er evoziert keine autobiographischen Verbindungen und stellt auch keine Nähe zu ihnen her. Es ist kein Comeback-Film und auch kein Aufmerksammachen auf einen der größten lebenden Schauspieler, es ist nur eine Rolle, die präzise, glaubhaft und authentisch erscheint.
"Crazy Heart" kann es sich mit seinem überragenden Hauptdarsteller deshalb leisten, ein konventionell erzählter, überschaubarer und mitunter durchaus Klischee beladener Film zu sein. Vielleicht muss er das sogar, um Raum für Bridges zu schaffen. Die Geschichte nämlich, nun ja, man hat sie schon einige Male erzählt bekommen, am Ähnlichsten noch in "Tender Mercies" mit Robert Duvall, der hier wohl nicht zufällig als Produzent und Nebendarsteller fungiert. Es ist das einfach gehaltene, gradlinige, klassische Konzept eines heruntergewirtschafteten Mannes, der sich durch die Kraft einer Frau wieder aufrappelt. Maggie Gyllenhaal spielt diese Frau, eine lokale Journalistin, die sich in den deutlich älteren Sänger verliebt. Der enorme Altersunterschied gehört ebenso wie die mitunter etwas sehr komprimierte Läuterung des Alkoholikers Blake zu den weniger plausibleren Elementen im Drehbuch des Regiedebütanten Scott Cooper, der ansonsten einen soliden Job macht und sich immerhin das Vertrauen eines erfahrenen Altstars wie Bridges zu erarbeiten wusste.
Es bleibt ein Film, der sein Herz am rechten Fleck, der wirklich so etwas wie eine Seele hat. Der mit Gyllenhaal und besonders Colin Farrell als ungleich erfolgreicherem Countrysänger auch in den Nebenrollen wunderbar besetzt ist. Und der mit herzzerreißenden Songs aus der Feder von Stephen Bruton und T-Bone Burnett eine leidenschaftliche Qualität besitzt. Das hier ist Musik, die in Verbindung mit den Bildern des Films nichts vorgibt, sondern wirklich zu wissen scheint, was ihre wehmütigen Texte und sanften Gitarrenklänge behaupten.
Der Beweis:
70% - erschienen bei den: 5 FILMFREUNDEN
Januar 19, 2010
Meine 7 Jeff-Bridges-Lieblingsrollen!
7. Tucker (Preston Tucker)
Gilt ja nur als semi-guter Coppola-Film, was aber gewiss nicht an Bridges liegt. Er ist unglaublich gut als idealistischer Autounternehmer, der einer ganzen Industrie den Kampf erklärt. Eine seiner präzisesten, aber auch spielfreudigsten Darstellungen.
6. How to Lose Friends and Alienate People (Clayton Harding)
Ich mochte den Film vermutlich nur wegen Bridges’ königlicher Darstellung eines auf allen nur erdenklichen Off-Spuren wandelnden Modechefredakteurs, gegen dessen Frisur selbst Javier Bardem abkackt. Und der Beweis: Auch in Nebenrollen glänzt der Mann und spielt alle an die Wand.
5. American Heart (Jack Kelson)
Ein schäbiger, wüster, vergessener Indie-Film anno 1992 mit Edward Furlong. Bridges gibt wieder einmal den süffigen Arsch (diesmal allerdings durchtrainiert!), schafft es jedoch mit begnadeter Leichtigkeit, die moralische Zerrissenheit eines sorglosen Vaters ergreifend und menschlich darzustellen. Der Film selbst ist ein sicher schwächelndes, aber effektives Sozialdrama, das – Überraschung! – ganz von Bridges lebt.
4. The Door in the Floor (Ted Cole)
Eine der sensibelsten, einfühlsamsten und meistunter- schätzten Rollen unter den vielen, vielen vielseitigen Typen, die Bridges gespielt hat (Zungenbrecher beabsichtigt). Die letzte Einstellung ist für sich genommen schon groß, aber sie wird nur wirklich gigantisch, weil Bridges sie spielt.
3. The Big Lebowski (The Dude)
Wie so oft in Bridges’ Arbeiten wäre der Film ohne ihn ein reines Nichts. Er ist nicht die halbe, er ist die ganze Miete. Die Coens haben eine originäre Figur geschrieben, Bridges hat sie zum Leben erweckt und unsterblich gemacht.
2. The Last Picture Show (Duane Jackson)
Die erste wirklich wichtige Rolle in Bridges’ Karriere. Ein unglaublicher Film, das sowieso, aber ein ebenso unglaublicher Jeff als debiler Kleinstadt-Teenie, der mit Fäusten besser umzugehen weiß als mit Worten. Seine erste von nur vier Oscarnominierungen – schon damals hätte er den Preis verdient gehabt.
1. Arlington Road (Michael Faraday)
Dies war der Film, bei dem sich Bridges mir erstmals wirklich eingebrannt hat. Eine unfassbar subtile schauspielerische Leistung. Der ganze Film wäre nichts ohne Bridges. Alle erdenklichen Wendungen in der Geschichte finden durch sein Spiel statt. Allein die ersten Minuten, in denen er völlig fassungslos einen verletzten Jungen in den Armen trägt, sind eine Meisterleistung an Ausdruck.
Eine Anekdote zum Schluss: In Übersetzungsprogrammen wird Jeff Bridges gewöhnlich Jeff Brücken genannt.
Januar 18, 2010
News: JEFF BRIDGES = GOTT
Die anderen Gewinner des gestrigen Golden-Globe-Abends schwanken dann von eher unbedeutend (Meryl Streep) über fragwürdig (James Cameron) bis zu schlicht lächerlich ("The Hangover"). Schön (und absolut vorhersehbar) war der Globe für John Lithgows außerordentlich ekelhafte und geoveracte Leistung in der tollen vierten Staffel von "Dexter".
November 27, 2008
Kino: HOW TO LOSE FRIENDS & ALIENATE PEOPLE
Nach der britischen Comedy-Serie "Spaced" und den Kino-Exportschlagern "Shaun of the Dead" und "Hot Fuzz", allesamt unter der Regie von Edgar Wright, sowie kleineren Nebenrollen in "Mission: Impossible III" und "The Good Night" ist Simon Pegg nun auch endgültig im US-Mainstream angekommen. Selbst dort, an der Seite etablierter Stars, versprüht er noch viel von seinem liebenswerten Charme, während er in "New York für Anfänger" ansonsten aber offenbar einen Gang zurückschrauben und sich nach "Run, Fatboy, Run" vielmehr erneut als romantischer Held beweisen muss.Der Film von "Curb Your Enthusiasm"-Regisseur Robert B. Weide produziert klassisches Rom-Com-Material mit verhaltenem satirischem Einschlag: Sehr komisch, etwas bissig und manchmal auch ein wenig obszön, erweist sich Weides Kinodebüt letztlich als zu brave und verhaltene Upper-Class-Komödie, die jedoch durch ein grandioses Casting besticht.
Der Originaltitel, "How to Lose Friends & Alienate People", umschreibt treffend die Folgen des beruflichen Imagewechsels von Sidney Young (Pegg), einem englischen erfolglosen Klatschreporter, den es nach einem überraschenden Job- angebot nach New York verschlägt. Young existiert wirklich, heißt mit Vornamen aber eigentlich Toby und hat seine großstädtischen Erfahrungen im gleichnamigen Erfolgsroman verarbeitet, auf dem "New York für Anfänger" schließlich basiert.
Bei seinem neuen Arbeitgeber, dem trendigen Sharps Magazine (eine filmische Umdichtung, Vorlage ist die Vanity Fair), bekommt Sidney zunächst allerdings nicht viel zu tun. Sein Chef Clayton Harding (Jeff Bridges) hält ihn an der kurzen Leine, der leitende Redakteur Lawrence Maddox (Danny Huston) behandelt ihn wie einen Fußabtreter, und die Sympathien seiner liebreizenden Kollegin Alison (Kirsten Dunst) hat Sidney unglücklicherweise schon am Abend vor Arbeits- beginn verspielt.
Die ersten zwei Drittel des Films schildern deshalb genüsslich das Scheitern des tollpatschigen Engländers, der von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt, sich auf Partys blamiert oder es sich mit Celebrities verscherzt, und Pegg ist bekanntlich genau der Richtige für derlei zottelige Albernheiten und Verlierer-Attitüden. Auf dessen physische Komik und Exaltiertheit folgt schließlich immer das unschuldige Lächeln eines kleinen Jungen - selbst nachdem er einen Hund unschön beseitigt hat, kann man ihm kaum böse sein. Das Image des britischen Knuddel-Komikers, es wird auch hier ausreichend bemüht.
Die Seitenhiebe gegen High Society- und Star-Gebären sitzen, verlieren aber schon durch ihre Fiktionalität einiges an Schlagkraft. Möglicherweise ist "New York für Anfänger" aber auch von vornherein nach gängigen Rom-Com-Regeln gestrickt, und man vermisst das letzte Quäntchen Böswilligkeit deshalb zu Unrecht: Immerhin arrangiert sich der Film von Beginn an mit der Luxusphilosophie der Mode- metropole, deren Manierismen selbst bei den vielen kruden Nebenfiguren (Megan Fox und Gillian Anderson z.B.) noch irgendwie sympathisch wirken.
Interessiert ist Weide letztlich ohnehin mehr an der verlässlich vorhersehbaren Romanze seiner beiden Hauptdarsteller. Zwischen dem liebenswürdigen Loser-Typen Pegg und der immer etwas neben der Spur mit verschlafenen Äuglein zwinkernden Dunst stimmt die Chemie, vor allem weil der Film ihnen einige hübsche Momente schenkt. Wenn sie sich zu den Klängen von Nino Rota ein morgendliches Tänzlein gönnen, nachdem sich Alison die ganze Nacht übergeben hat, ist das zwar banale Rom-Com-Poesie, aber Dank Pegg wirkt sie seltsam annehmenswert.
Rotas Musik bzw. Fellinis "La Dolce Vita", jenes Sittengemälde über Klatschpresse und Wohlstandsgesellschaft, das "New York für Anfänger" gleich mehrfach zitiert, verrät dann hinten raus vielleicht ein wenig die stille Ambition des Films, doch auch Satire und nicht nur Liebeskomödie sein zu wollen. Aber die Referenz ließe sich freilich auch als bescheidener Verweis auf eben diesen Klassiker deuten, der das ja sowieso viel besser könne. Hier, so scheint es, bei einem Promi- Schaulaufen wie diesem, würde das vielleicht auch nur einen scheinheiligen Eindruck erwecken.
Deshalb ist Weides erster Langspielfilm noch einmal ein Freifahrtsschein für Simon Peggs ulkige Albernheiten und sein Talent eben auch als Leader und Held einer Liebesgeschichte. Sogar Jeff Bridges, urkomisch als schmieriges Imitat des Ex-Chefs der Vanity Fair, Graydon Carter, hat nach eigenen Angaben nur unterschrieben, um einmal mit dem britischen Comedy-Star drehen zu dürfen. Das verrät zweifellos einiges über das Anliegen des Films - und ist auch völlig in Ordnung so.
"New York für Anfänger" ist eine garantiert nicht subversive, aber locker inszenierte Komödie über die Fashion- und Star-Kultur New Yorks und ihrer Presse, die einmal mehr ganz von ihrem Hauptdarsteller lebt. Weniger ein moderner "La Dolce Vita" als eher die Slacker-Version von "Der Teufel trägt Prada", verspricht der Film zielgenaue Situationskomik und harmlos-schöne Großstadtromantik. Nun darf sich Pegg aber auch gern wieder mit Edgar Wright zusammentun.
September 06, 2008
News: HOW TO LOSE FRIENDS... - Neue Poster
Juli 09, 2008
April 17, 2008
Kino: IRON MAN
"Well, just pass him there, why should we even care?", fragen Black Sabbath in ihrem Klassiker "Iron Man" und besingen mit schweren Gitarren den Mythos vom Mann aus Eisen: "Nobody wants him, he just stares at the world". Und wenn am Ende des ersten "Iron Man"-Kinofilms, den Marvel selbst finanziert hat, eben jener Ozzy Osbourne-Hit den Abspann einstimmt, stellt sich diese Frage erneut: Hätte man auf die Abenteuer des Multimilliardärs Tony Stark als Realaction-Version nun verzichten können, oder entlockt der in erster Linie als Schauspieler denn Regisseur umtriebige Jon Favreau dem Stoff tatsächlich ein wenig mehr als bewegte Comic-Strips, ein wenig mehr eben als das, womit man sich zuletzt bei den "Fantastic Four", der "Elektra" oder dem "Ghost Rider" begnügen musste. Doch, ja, "Iron Man" ist kein wirklich guter Film, stellenweise ist er sogar ziemlich übel, aber er hat schwer was. Und das ist ausnahmsweise kein ödes Wortspiel. Der größte Coup dürfte das Casting sein. Den Titelhelden mit Robert Downey Jr. zu besetzen, erweist sich in mehrfacher Hinsicht als Glücksfall. Ein immer wieder von seiner Drogensucht heimgesuchter Hollywoodstar spielt einen alkoholabhängigen und herzkranken Superhelden, das ist schon mal eine sichere Basis, dem nimmt man so was doch schließlich ab. Nun schneidet dieser erste Film den Komplex zwar nur an, in Hinblick auf weitere Kinoauswertungen wäre das jedoch ein reizvoller Aspekt der Geschichte. Downey Jr. gefällt als Tony Stark und dessen Alter Ego Iron Man aber auch deshalb grundsätzlich, weil er trotz einiger Überschneidungen mit der Figur eine so wunderbar unkommerzielle Wahl für die Rolle darstellt. Wie oft hatte man den Kerl schon abgeschrieben, und wie sehr hat man ihm alles, nur keine Hauptrolle in einem hoffentlich einträglichen Blockbuster dieses Schlages zugetraut. Entsprechend feinfühlig, zumindest im Rahmen eines mit Verkürzungen arbeitenden Comicfilms, nährt er sich dem geläuterten Helden. Überaus souverän trägt Downey Jr. das Spektakel auf seinen Schultern, sehr charismatisch gibt er die Figur, mit leicht zynischem Witz, betont komischen Sprüchen und lockerer Playboy-Attitüde.
Wenn die Besetzung des "Iron Man" also schon mal stimmt – und die ist ja doch ein wenig die halbe Miete –, dann können Jeff Bridges, Terrence Howard und Gwyneth Paltrow nur noch Bonbons für den süßen Nachgeschmack sein. Letztere hat zwar nicht wirklich viel zu tun und scheint meist der Anweisung zu folgen, möglichst so verträumt schläfrig wie Kirsten Dunst zu blinzeln, aber Howard gefällt trotz seiner doofen Rolle als Militär-Buddy. Und Bridges führt sich wie gewohnt blendend auf, der Mann kann einfach alles spielen, ob mit oder ohne Glatze, Vollbart oder Bierbauch, ob als freundlicher Nachbar von nebenan, ständig bekiffter Volltrottel oder nun Bösewicht Obadiah Stane, der sich als Iron Monger zum ersten Gegner des Helden hochspielt. Bridges scheint sich solche Rollen aus dem Ärmel zu schütteln, während ein Kevin Spacey die zumindest äußerlich ähnliche Figur Lex Luthor in "Superman Returns" mit verkrampftem Pokerface zum präsenzlosen Bösewicht von der Stange degradierte. Einzig etwas schade, dass man sich fürs Debüt aus dem großzügigen Fundus an Gegnern ausgerechnet jenen herauspickte, der dem Superhelden stark ähnelt und einem Charakterkopf wie Bridges nach der Transformation kaum die Möglichkeit zum Minenspiel offeriert (was schon Willem Dafoe im ersten "Spider-Man"-Film ein wenig zum Verhängnis wurde). Und es bleibt auch dabei: Auf etwaigen Zuwachs oder Cross-Over-Figuren wie Nick Fury (Samuel L. Jackson) muss man zumindest im ersten "Iron Man" noch verzichten.
Aber, lange Rede, kurzer Sinn: Ja, die Schauspieler, die sind hier wirklich ziemlich essentiell. Vor allem, da "Iron Man" mit Action eher geizt. Nur, Favreau ist ganz zweifellos ein besserer Regisseur als Nick Cassavetes, der den Film zunächst inszenieren sollte, aber so richtig brennt er nicht für den Stoff. Viel mag ihm nicht einfallen bei der Geburtsstunde des Helden, das ist doch alles recht streng nach Schema F gestrickt und folgt brav den Konventionen eines Superheldendebüts. Kurze Einführung des Arschlochs Stark, dann Gefangenschaft, Ausbruch und Besinnung – bis der Iron Man in vollendeter Montur durch die Lüfte fliegen darf, vergehen viele abgehakte Stationen und Leerläufe, die man mit Regieeinfällen trotz des schwächelnden Drehbuchs (immerhin aus der Feder der "Children of Men"-Autoren) hätte vermeiden oder zumindest aufpeppen können. Insbesondere der Mittelteil hängt ganz schön durch, vor allem da uns der Film alle Entwicklungsstufen seines Helden aufgedröselt vorspielt, was man mit fixer Montage gut und gerne um eine Viertelstunde hätte erleichtern können. Hier hält sich "Iron Man" auch ein wenig sehr auf mit seinem Subplot der liebäugelnden Turteltäubchen Pepper und Stark, was nicht recht in die Gänge kommen und durch die fehlende Chemie zwischen Paltrow und Downey Jr. ohnehin nicht so wirklich funktionieren will. Nebenbei: Dass der Film den Stoff modernisiert, ist sicherlich der einzig richtige Ansatz, die Ursprungsgeschichte aber nach Afghanistan zu verlagern (in der Vorlage ist es Vietnam), damit der Iron Man zwischenzeitlich noch einige Taliban-Milizen zermalmen darf, scheint indes nun nicht unbedingt die allercleverste Entscheidung.
Was das erste Abenteuer des Iron Man jedoch ganz dringend benötigt hätte, ist einen fähigen Komponisten, der ihm ein prägnantes Thema auf die Metallhaube schreibt. Der Score ist wahrlich eine Katastrophe in diesem Film, es gibt weder differenzierte Motive, noch überhaupt irgendeine erkennbare Anstrengung, Musik als Faktor, der über untergelegte Schrammelbeats hinausginge, zu begreifen. Zwei Stunden lang ertönt nur immer wieder das gleiche Getöse aus simplen Gitarrenriffs und schnellenden Drums – gänzlich verschenkt, denn der Soundtrack hätte schnell den Rest der Miete ausmachen können. Aber "Iron Man" darf sich diese Fehler irgendwie noch erlauben, er fühlt sich ohnehin nur wie ein Pilot an, der schon mal das Grundgerüst aufstellt. Es ist überdies auch ganz bestimmt eine Herausforderung, einem der verhältnismäßig weniger bekannten, oder zumindest nie bis zum Mainstream durchgedrungenen Marvel-Helden eine attraktive, erfolgreiche Kinoverpackung überzustülpen. Denn das Paradoxon eines Mannes, der seine Rüstungsmacht als neuer Gutmensch aufgibt, um jedoch mit noch martialischerer Gewalt jede eigene Ordnung zu verteidigen, kann auch dieser Film nicht überwinden. Aber mit jemandem wie Robert Downey Jr. ist diese Serie, so sollte sie eine werden, gut beraten, der Mann hat einfach schwer was an sich. Na ja, gut, doch ein Wortspiel.
60% - erschienen bei: Wicked-Vision
Januar 10, 2008
News: HOW TO LOSE FRIENDS... - Trailer

Eine Traumbesetzung. Zwei meiner absoluten Lieblingsschau- spieler in einem Film. Zu "How To Lose Friends & Alienate People" mit Simon Pegg und Jeff Bridges ist kürzlich der erste Trailer erschienen. Das wird köstlich.


