Weltweit häufen sich aufgebrachte Stimmen, denen zufolge bei der Tonmischung von "Interstellar" etwas schief gelaufen sein müsse. Nun meldete sich Regisseur Christopher Nolan zu Wort – mit einer Erklärung, die es nur bedauerlicherweise noch brauchte.
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November 19, 2014
August 01, 2012
Mai 19, 2011
Kino: PIRATES OF THE CARIBBEAN 4
Aus der vielleicht irgendwann einmal halbwegs reizvollen Idee, eine Disneyland-Attraktion zum digitalen Piratenfilm mit milden Fantasy- und Horroreinlagen aufzublasen, ist längst ein süffiger Familien-Franchise mutiert. Alle Versuche, aberwitzige Abenteuer auf See als epische Bombasttrilogie mit losem "Star Wars"-Mittelteil aufzuziehen, verlaufen sich in "Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides" nunmehr im verkrampften Vorhaben, Jack Sparrow nach Entledigung bisheriger Nebenfiguren endgültig die One-Man-Show überlassen und ihn als tapsigen Seemann zur Piratenversion eines Indiana Jones hochstilisieren zu können.
Ein grotesk überbezahlter Johnny Depp schultert den Film in gewohnt exaltiert tuntigen Posen und ungekonnter Komik im Over-Acting-Überbietungsduell mit Geoffrey Rush, der als Captain Barbossa noch einmal mehr aufdreht als in den Vorgängern. Neuzugang Penélope Cruz wiederum gibt ganz die geheimnisvolle Exotin – in der Tradition eines der langbärtigsten (vormals rassistischsten) Hollywoodklischees sind ihr größter Vorzug fremdartige Unnahbarkeit und eine große Klappe. Der Rest ist Schweigen.
Dem dramaturgischen Kauderwelsch der bisherigen "Pirates"- Episoden hält dieser vierte Film eine verhältnismäßig gradlinige Geschichte vor, die um die Suche verschiedener Parteien nach einem magischen Jungbrunnen kreist. Der Regiewechsel verleiht der Serie allerdings keine neuen Impulse. Ob sich nun ein facettenloser Gore Verbinski oder ein mit leicht missglückten Musicals erprobter Rob Marshall an den strikten Auflagen Jerry Bruckheimers orientiert, ist letztlich unentscheidend – "Pirates of the Caribbean" ist zielstrebiges Produzentenkino in Reinkultur, Knöpfe drücken kann jeder.
Trotz einer etwas überschaubareren Handlungskonstruktion bleiben die teils parallel gezogenen Plotstränge episodisch und zerfahren wie eh und je. Von Schauplatz A wird munter zu Situation B gehopst (Schauplätzchensituatiönchen), und am Ende wird sowieso alles wieder auf Null, also Neutrilogie, gesetzt. Umso unverständlicher, dass auch der vierte Teil erneut nahezu zweieinhalb Stunden veranschlagt, um seine popelige Schrumpfmodellausgabe eines großen Abenteuerfilms zu basteln.
Restliche Unerträglichkeiten garantiert abermals Hans Zimmer, der die bekannten Themen seines Joint-Venture-Zöglings Klaus Badelt weiterhin unverändert über jede noch so kleine Regung donnert und mit dieser Gebrauchsmusik ein neues Kapitel im persönlichen Manifest der Vordinglichkeit aufschlägt. Die Penetranz seines "Pirates"-Getöses hat mich jedenfalls zum ersten Mal in vielen Jahren Kinogängerei dazu veranlasst, meine Ohren mit kleinen, aus Taschentuch geformten, Kügelchen zu schonen, was eigentlich einer Praxis spießiger Konzertgänger entspricht, hier aber zum Wohle meiner Sinnesorgane unablässig war. Lautstarke Soundeffekte, die beharrliche Aufdringlichkeit mit epischer Größe verwechseln, verleihen der akustisch gefährlichen Zimmer-Primitivität zusätzliche (Ir)Relevanz.
"Pirates of the Caribbean 4" ist eigentlich nichts weiter als maximale Anstrengung. Der Film ist so frei von Spaß, Innovation und Handwerk, dass man weinen möchte ob der ungenutzten Fähigkeiten, dem ja nur allzu sehr gebeutelten Piratenfilm neues Leben einzuhauchen. Selbst noch Blockbuster-Freunde werden Dank geschrumpften Budgets um jedes Spektakel gebracht, weil Action durch endlose Quasseleien und aufregende Spezialeffekte durch nichts weiter als eine Handvoll jugendfrei zugeknöpfter CGI- Meerjungfrauen ersetzt wurden.
Schauwerte gibt es auch keine, die wenigen Momente mit touristischem Karibikflair werden ausgiebig von einem Aschenbecher-3D der besonders unansehnlichen Sorte sabotiert. Unterm Strich ist dieser Film glanz- und niveaulose Sommerunterhaltung, die vor gedankenlosen Zügellosigkeiten nur so strotzt. Nervpotenzial: 10/10 mögliche Flaschen- schiffchen.
20% - erschienen bei den: 5 Filmfreunden
Ein grotesk überbezahlter Johnny Depp schultert den Film in gewohnt exaltiert tuntigen Posen und ungekonnter Komik im Over-Acting-Überbietungsduell mit Geoffrey Rush, der als Captain Barbossa noch einmal mehr aufdreht als in den Vorgängern. Neuzugang Penélope Cruz wiederum gibt ganz die geheimnisvolle Exotin – in der Tradition eines der langbärtigsten (vormals rassistischsten) Hollywoodklischees sind ihr größter Vorzug fremdartige Unnahbarkeit und eine große Klappe. Der Rest ist Schweigen.
Dem dramaturgischen Kauderwelsch der bisherigen "Pirates"- Episoden hält dieser vierte Film eine verhältnismäßig gradlinige Geschichte vor, die um die Suche verschiedener Parteien nach einem magischen Jungbrunnen kreist. Der Regiewechsel verleiht der Serie allerdings keine neuen Impulse. Ob sich nun ein facettenloser Gore Verbinski oder ein mit leicht missglückten Musicals erprobter Rob Marshall an den strikten Auflagen Jerry Bruckheimers orientiert, ist letztlich unentscheidend – "Pirates of the Caribbean" ist zielstrebiges Produzentenkino in Reinkultur, Knöpfe drücken kann jeder.
Trotz einer etwas überschaubareren Handlungskonstruktion bleiben die teils parallel gezogenen Plotstränge episodisch und zerfahren wie eh und je. Von Schauplatz A wird munter zu Situation B gehopst (Schauplätzchensituatiönchen), und am Ende wird sowieso alles wieder auf Null, also Neutrilogie, gesetzt. Umso unverständlicher, dass auch der vierte Teil erneut nahezu zweieinhalb Stunden veranschlagt, um seine popelige Schrumpfmodellausgabe eines großen Abenteuerfilms zu basteln.
Restliche Unerträglichkeiten garantiert abermals Hans Zimmer, der die bekannten Themen seines Joint-Venture-Zöglings Klaus Badelt weiterhin unverändert über jede noch so kleine Regung donnert und mit dieser Gebrauchsmusik ein neues Kapitel im persönlichen Manifest der Vordinglichkeit aufschlägt. Die Penetranz seines "Pirates"-Getöses hat mich jedenfalls zum ersten Mal in vielen Jahren Kinogängerei dazu veranlasst, meine Ohren mit kleinen, aus Taschentuch geformten, Kügelchen zu schonen, was eigentlich einer Praxis spießiger Konzertgänger entspricht, hier aber zum Wohle meiner Sinnesorgane unablässig war. Lautstarke Soundeffekte, die beharrliche Aufdringlichkeit mit epischer Größe verwechseln, verleihen der akustisch gefährlichen Zimmer-Primitivität zusätzliche (Ir)Relevanz.
"Pirates of the Caribbean 4" ist eigentlich nichts weiter als maximale Anstrengung. Der Film ist so frei von Spaß, Innovation und Handwerk, dass man weinen möchte ob der ungenutzten Fähigkeiten, dem ja nur allzu sehr gebeutelten Piratenfilm neues Leben einzuhauchen. Selbst noch Blockbuster-Freunde werden Dank geschrumpften Budgets um jedes Spektakel gebracht, weil Action durch endlose Quasseleien und aufregende Spezialeffekte durch nichts weiter als eine Handvoll jugendfrei zugeknöpfter CGI- Meerjungfrauen ersetzt wurden.
Schauwerte gibt es auch keine, die wenigen Momente mit touristischem Karibikflair werden ausgiebig von einem Aschenbecher-3D der besonders unansehnlichen Sorte sabotiert. Unterm Strich ist dieser Film glanz- und niveaulose Sommerunterhaltung, die vor gedankenlosen Zügellosigkeiten nur so strotzt. Nervpotenzial: 10/10 mögliche Flaschen- schiffchen.
20% - erschienen bei den: 5 Filmfreunden
November 15, 2010
Zuletzt gesehen: INCEPTION
Die ersten Minuten: Bräsige Dröhnmucke von Hansi Hinterzimmer, dann spielende Kinder in Zeitlupe, dann ein am Meer gestrandeter Leonardo DiCaprio mit Schlaf in den Augen. Ob’s hier wohl um etwas total faszinierend Merkwürdiges gehen mag? Zum Beispiel Traum- und damit Identitätsfragen? Wow! Christopher Nolan, Meister des Subtilen. Philosophie wird mit Dauergeballer angereichert, Träume werden auf die denkbar fantasieloseste Art ausbuchstabiert und sind sowieso nur Zerstörung statt Kreation, vor Tiefgründigkeit flüchtet sich "Inception" mit schwergewichtiger Planlos-Action, Knalleffekten und nichts sagender Geschwätzigkeit. Und das Unterbewusstsein ist ein Fahrstuhl – doofer geht’s nimmer. Eine einzige Chose und in seiner sklavischen Erzählverliebtheit eigentlich überhaupt keiner Rede wert. Das Bemerkenswerte aber an diesem künstlich verschachtelten und unnötig aufgeblasenen Film, der letztlich nur eine uralte Fragestellung zweieinhalb Stunden lang zu Tode verschnörkelt, ist seine Fähigkeit, eine bildgewaltige Architektur aus reinem Nichts zu erschaffen und mit ihr ein Popcorn mampfendes Massenpublikum so zu begeistern, dass selbst noch der hinterletzte Vollhorst den Abspann in dem Glauben runterrasseln sieht, etwas außergewöhnlich Komplexes und Unbegreifliches gesehen zu haben. Das hat auch bei mir zumindest soweit funktioniert, als ich mich wider besseres Wissen nicht gelangweilt habe (Inception?), obwohl dieser Film bestenfalls die gestutzte gedankliche Schmalspurversion von David Cronenbergs "eXistenZ" ist. Inhaltloses Posing, reine Hülle, Kino fürs Ego. Bäh.
30%


30%



Januar 30, 2010
Kino: SHERLOCK HOLMES
In Filmen von Guy Ritchie geh es meist ums Wesentliche. Um markige Typen, kernige Männerallüren und heftige Fausthiebe, um skurrile Marotten, absurde Situationen und schrullige Zufälle. Das Ritchie-Kino ist ein Jungs-Kino, das von männlichen Irrtümern und deren Vereinbahrung (oder bestenfalls Versöhnung) mit Geschlechterklischees träumt, das Naivlinge zu Männern reifen und intellektuellen Ballast weit hinter sich lässt.
Wie schön also, dass der Ex-Stecher von Madonna sich nun mit großem Budget an Arthur Conan Doyles legendärer Figur Sherlock Holmes zu schaffen macht, der es als meistverfilmte literarische Persönlichkeit nur noch an einer Blockbuster-Testosteronvariation mangelte – Dank dieser neuerlichen Verwurstung des hochbegabten Meisterdetektivs ist das Holmes-Œuvre aber gewiss um einige verzichtbare Banalitäten reicher.
In "Sherlock Holmes" geht es, worum es in allen Ritchie-Filmen geht: Um lustige Späße mit lustigen Kerlen. Dieses Mal in einem vergangenen Jahrhundert, aber immer noch in England und immer noch mit viel unverständlichem Gebrabbel. Der Film pflegt, selbstverständlich und erwartungsgemäß und auch leider, mit der eigentlichen Holmes-Figur nur noch eine Namensverwandtschaft, die eigentlichen Wesenszüge des analytischen Ermittlersnobs, der, wenn ihm die Kultiviertheit zu Kopfe zu steigen droht, gern zur Geige greift, werden massenkompatibel und drastisch reduziert. Auf, natürlich, ordentlich Gekloppe (Ritchie ist ein verlässlicher Regisseur), und dem Nachstehlen einer schönen Frau (die ihm in der Vorlage nicht einmal ein müdes Lächeln entlockt hätte). Holmes, der Womanizer.
Ausgerechnet der nun hat sich zurückgezogen in sein stilles Kämmerlein, ist aufgedunsen und süffig, nicht mehr bereit seinen ermittlerischen Dienst zu leisten. Dr. John Watson gelingt es schließlich seinen treuen Kumpanen zu reaktivieren, damit dem tot geglaubten Magier Lord Blackwood endgültig das Handwerk gelegt werden kann. Dabei lässt Holmes dann meist die Fäuste sprechen, sein – trotz Dauerverwahrlosung!? – mächtig durchtrainierter Körper hat mehr Wirkung als jeglicher Spürsinn:
So interpretiert Ritchie den erhabenen Analytikergeist seiner Holmes-Figur in erster Linie als physische Slow-Motion-Taktik, bei der im Voraus berechnet wird, wo und wann dem Gegner nun welche Weichteile zertrümmert werden. Das ist nicht nur meilenweit entfernt von Doyle, das ist nicht einmal mehr dasselbe Universum. Ritchie hat aus Holmes, das ist legitim, einen Comichelden gezimmert, und, das ist weniger legitim, einen postmodern-abgedroschen coolen noch dazu.
Mal angenommen also, "Sherlock Holmes" habe mit Sherlock Holmes nichts zu tun, so bliebe vielleicht zumindest ein sehenswerter Blockbuster über. Zugegeben, zwei bis drei hübsche Actioneinlagen bekommt Ritchie in seiner hohle Geschichte integriert, von einer gewissen Oberfläche aus betrachtet machen auch die launigen Buddy-Elemente was her – freilich ohne den Hauch von Mut, hierin etwas Homoerotisches vermuten zu wollen.
Doch spätestens beim großen Green-Screen-Finale verpufft der Unterhaltungswert dieser verschenkten Popcornadaption glorreich zum pseudofolkloristischen Gedudel Hans Zimmers, während die Ankündigung eines bekannten Holmes-Gegenspielers schon fleißig mit einer Fortsetzung droht.
40% - erschienen bei den: 5 FILMFREUNDEN
Wie schön also, dass der Ex-Stecher von Madonna sich nun mit großem Budget an Arthur Conan Doyles legendärer Figur Sherlock Holmes zu schaffen macht, der es als meistverfilmte literarische Persönlichkeit nur noch an einer Blockbuster-Testosteronvariation mangelte – Dank dieser neuerlichen Verwurstung des hochbegabten Meisterdetektivs ist das Holmes-Œuvre aber gewiss um einige verzichtbare Banalitäten reicher.
In "Sherlock Holmes" geht es, worum es in allen Ritchie-Filmen geht: Um lustige Späße mit lustigen Kerlen. Dieses Mal in einem vergangenen Jahrhundert, aber immer noch in England und immer noch mit viel unverständlichem Gebrabbel. Der Film pflegt, selbstverständlich und erwartungsgemäß und auch leider, mit der eigentlichen Holmes-Figur nur noch eine Namensverwandtschaft, die eigentlichen Wesenszüge des analytischen Ermittlersnobs, der, wenn ihm die Kultiviertheit zu Kopfe zu steigen droht, gern zur Geige greift, werden massenkompatibel und drastisch reduziert. Auf, natürlich, ordentlich Gekloppe (Ritchie ist ein verlässlicher Regisseur), und dem Nachstehlen einer schönen Frau (die ihm in der Vorlage nicht einmal ein müdes Lächeln entlockt hätte). Holmes, der Womanizer.
Ausgerechnet der nun hat sich zurückgezogen in sein stilles Kämmerlein, ist aufgedunsen und süffig, nicht mehr bereit seinen ermittlerischen Dienst zu leisten. Dr. John Watson gelingt es schließlich seinen treuen Kumpanen zu reaktivieren, damit dem tot geglaubten Magier Lord Blackwood endgültig das Handwerk gelegt werden kann. Dabei lässt Holmes dann meist die Fäuste sprechen, sein – trotz Dauerverwahrlosung!? – mächtig durchtrainierter Körper hat mehr Wirkung als jeglicher Spürsinn:
So interpretiert Ritchie den erhabenen Analytikergeist seiner Holmes-Figur in erster Linie als physische Slow-Motion-Taktik, bei der im Voraus berechnet wird, wo und wann dem Gegner nun welche Weichteile zertrümmert werden. Das ist nicht nur meilenweit entfernt von Doyle, das ist nicht einmal mehr dasselbe Universum. Ritchie hat aus Holmes, das ist legitim, einen Comichelden gezimmert, und, das ist weniger legitim, einen postmodern-abgedroschen coolen noch dazu.
Mal angenommen also, "Sherlock Holmes" habe mit Sherlock Holmes nichts zu tun, so bliebe vielleicht zumindest ein sehenswerter Blockbuster über. Zugegeben, zwei bis drei hübsche Actioneinlagen bekommt Ritchie in seiner hohle Geschichte integriert, von einer gewissen Oberfläche aus betrachtet machen auch die launigen Buddy-Elemente was her – freilich ohne den Hauch von Mut, hierin etwas Homoerotisches vermuten zu wollen.
Doch spätestens beim großen Green-Screen-Finale verpufft der Unterhaltungswert dieser verschenkten Popcornadaption glorreich zum pseudofolkloristischen Gedudel Hans Zimmers, während die Ankündigung eines bekannten Holmes-Gegenspielers schon fleißig mit einer Fortsetzung droht.
40% - erschienen bei den: 5 FILMFREUNDEN
Juli 30, 2008
Kino: THE DARK KNIGHT
Der Joker lädt zu einem "sozialen Experiment": Zwei Schiffe auf der Flucht vor Gotham City, der Stadt, über die das Unheil hereingebrochen ist. Das Unheil explodierender Gebäude und Straßenschlachten, öffentlicher Anschläge und Übergriffe, Terrordrohungen und kollektiver Angst. Zwei Schiffe, auf dem einen Zivilisten, Durchschnittsbürger, Normalverdiener, Steuerzahler, die gewöhnlichen Einwohner Gothams. Auf dem anderen Schwerverbrecher, Knackis, jene, gegen die Harvey Dent, Lt. James Gordon und der dunkle Rächer einen verzweifelten Kampf führen, jene also, "die bereits eine Chance gehabt haben", wie ein Mann zu sich und seinem Gewissen sagt. Beide Schiffe nun werden um Mitternacht in die Luft gehen, weil der Joker Bomben auf ihnen platziert hat. Es sei denn, vorher erklärt sich eine der beiden Gruppen bereit, das jeweils andere Schiff per Zündschlüssel explodieren zu lassen. Wer in der Lage ist, andere Leben zu opfern, darf das eigene behalten.Während die Minuten verstreichen, wächst der Druck gegen die Vernunft, gegen Ordnung und gegen Menschlichkeit. Auf dem Schiff der "rechtschaffenen" Bürger Gothams wird schließlich abgestimmt, die Auszählung der Zettel ergibt eine unmoralische Mehrheit, doch niemand ist letztlich in der Lage, die Bombe hohgehen zu lassen. Die Gefangenen bekommen kein Abstimmungsrecht zugesprochen, sie diskutieren still und überlegen vor den Augen des bewaffneten Personals. Dann tritt ein Häftling hervor, er entreißt dem Polizisten den Zündschlüssel und wirft ihn über Bord. Die Entscheidung ist auch hier gefällt – zwei Bewährungsproben für die Demokratie, die sich zu einer Notlösung reduzieren lassen musste.
Dieser Teil des zweiten Batman-Films von Christopher Nolan findet als Parallelmontage im großen Finale von "The Dark Knight" statt, hat eher McGuffin-Charakter und erscheint auf Spannung und Dehnung konzipiert. Und es ist dennoch der Moment, in dem der Film sein Potential ganz ausschöpft, in dem er seine Schwerpunkte, Analogien und metaphorischen Verweise zu einer Problemstellung subsumiert: Wie die Macht des Terrors die Macht des Staates unterläuft. Ein schwerer Unterbau von Gegenwartsbezügen, dem alle Action und alle Unterhaltung nichts anhaben kann.
Blickt man zurück auf Tim Burtons Interpretation des Stoffes, also auf "Batman Returns", der Fortsetzung des erfolg- reichen, aber unkontrolliert inszenierten ersten Films um den düsteren Flattermann, so verhält sich "The Dark Knight" wie ein unabdingliches Ergänzungsstück: Burton schaute seinen Monstern – und zu denen zählte er auch Batman – tief ins Innere, er dichtete sie zu tragischen Gestalten der Nacht um, gefangen in menschlichen Masken, verloren in einer materialisierten Gesellschaft, auf der Suche nach Identität. Die enorme Hingabe zu seinen Figuren ließ Burton zwar immer mehr von der Vorlage abrücken, dennoch darf "Batman Returns" als die vielschichtigste Comicverfilmung bezeichnet werden. Was bei Burton hingegen eine untergeordnete Rolle spielte, gleichwohl es zu den festen Bestandteilen der Erzählung und Ausgestaltung gehörte, war die Erschaffung eines Gotham Citys als moderne Großstadtwelt, die an die Grenzen ihrer Staatsprinzipien gerät.
Ein Komplex also, der in Nolans Vorgänger "Batman Begins" bereits thematisiert, zugunsten einer arg angestrengten Charaktervertiefung des Titelhelden jedoch hinten angestellt wurde, bildet nun die vorrangige Auseinandersetzung im Film. Ausgehend bereits vom Kinoplakat, das den dunklen Ritter vor einem Wolkenkratzer mit brennendem Fledermausmuster zeigt, wirkt "The Dark Knight" wie eine an konkreten Bezugspunkten kaum stärker zu überhöhende Reaktion des Mainstreamkinos auf die Schreckensbilder von 9/11 und ihrer Auswirkungen auf das politische und gesellschaftliche Tagesgeschehen. Die Symbolik einerseits, ihre verführerische Macht und ihre Ausdrucksstärke, greift der Film mehrmals auf, reproduziert und erweitert sie, wie er gleichzeitig eine Geschichte erzählt, in der es um genau jene Herausforderungen geht, derer sich das Gesetz durch willkürlichen Terror ausgesetzt sieht: Ein Joker, der Banken ausraubt, Straßen in Flammen legt und über das Fernsehen Drohungen verbreitet, der Krankenhäuser in die Luft jagt und Senatoren korrumpiert – und nicht an Geld interessiert ist, sondern aus tiefstem Hass und perverser Freude, einer Ideologie des absoluten Chaos heraus handelt. Nolans Film, die entsprechende Analyse der Angst.
"The Dark Knight" spannt ein komplexes moralisches Netz, in dem Gut und Böse keine Rolle mehr zu spielen scheinen. Und hat es inmitten der Neuen Unübersichtlichkeit immer noch mit einem Helden zu tun, der keiner ist. Batman erscheint nur noch als extrem widersprüchliche Figur, die unbeholfen für ein Recht eintritt, das jede Grundlage verloren hat: Im Verhörzimmer verweist ihn der Joker auf die gemeinsame Verwandtschaft – einer der wesentlichen Burton-Einflüsse – und die Sinnlosigkeit seines Kampfes, für den er keine Anerkennung bekommen und der ebenso nie zum moralischen Erfolg werden kann. Denn Batman, das ist immer noch ein Rächer, ein Einzelkämpfer, der nach eigenen Regeln und Werten außerhalb des Gesetzes agiert. Und weil die Justiz wiederum, in deren Vertretung er mit Harvey Dent inoffiziell kooperiert, genauso auf ihn angewiesen ist wie auch die Polizeigewalt durch – nun befördert – Commissioner Gordon, ergibt sich daraus die prekäre Frage, mit wie viel Unrecht sich das vermeintliche Recht eigentlich zu verhandeln bereit erklärt: Gesetzesbrecher, die zu Helden verklärt werden (Harvey Dents Mutation zu Two-Face, die gleichzeitig ein Synonym für die Bankrotterklärung der Rechtsstaatlichkeit ist, wird verschwiegen), und Gesetzeshüter, die erkennen müssen, längst die eigentlichen Ziele aus den Augen verloren zu haben. Wenn Batman sich im Finale zum Kampf gegen den Joker der Datenschutz- und damit Freiheitsrechte jener Bürger bedient, die er eigentlich schützen soll, dann hat das gewiss nicht die kathartische Wirkung eines unterhaltsamen Comicfilms.
60%
Labels:
Batman,
Caine,
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Eckhart,
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Newton Howard,
Nolan,
Oldman,
Zimmer
Juli 24, 2008
Zuletzt gesehen: BATMAN BEGINS
Als Quasi-Vorbereitung auf den neuen Film zum dritten Mal gesehen. Und Freunde werden wir wohl nicht mehr. Mag zweifellos die genaueste Batman-Verfilmung sein und dem Miller-Comic näher kommen als jede bisherige Stoffadaption, scheitert aber genau an seiner Versessenheit, die Figur so tief wie nur möglich ausloten zu wollen (was ihr nie gelingt, von der doppelbödigen und komplexen Burton-Bearbeitung um Identität und soziale Milieus ist der möchtegern-tiefe "Batman Begins" jedenfalls meilenweit entfernt). Nach dem Burton- Batman und dem Schumacher-Batman ist das jetzt leider nur ein Miller-Batman, bei dem man Nolans Signatur mit der Lupe suchen muss. Und so schön der Hintergrund des dunklen Ritters samt blauer Blume und Samuraiesoterik auch ausgeschöpft wird – interessant ist Bruce Waynes Weltbummlerei und Knastgeraufe deshalb noch lange nicht, zumal der durchweg angestrengt wirkende Christian Bale der Figur weder Nuancen, noch jene wunderbar unterkühlte Ironie verleihen kann, die Michael Keaton einst aufbot. Die Bösewichter – das stärkste Element bei Batman – wirken konturenlos (Liam Neeson) oder gleich völlig verschenkt (Cillian Murphy), und werden meist auch unmotiviert in die Handlung gedrückt. Die Musik ist ein Verbrechen, Hans Zimmers 3-Akkorde-Synthesizer-Geigen-Immitation hat dieser Film einfach nicht verdient (man denke nur an Danny Elfmans brillante Partitur für "Batman Returns"), und einige Darsteller, vor allem Katie Holmes, stehen da wie bestellt und nicht abgeholt (hallo, Type-Casting). Und zu guter letzt möchte man noch über die grausigen Dialoge den Kopf schütteln, die mindestens so kitschig wie pathetisch sind und flacher nicht sein könnten ("Why do we fall, sir? So that we can learn to pick ourselves up.").Was bleibt, ist eine ungemein dynamische Kamera, die den spannungsarmen Film mehr veredelt, als er es verdient hätte, einige sehr gut inszenierte Momente und eben das große Schlussversprechen, den Joker mit ins Spiel zu bringen. We’ll see.
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