Posts mit dem Label Kevin Smith werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Kevin Smith werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Juli 30, 2015

Filmemacher / Filmkritik

Filmemacher reagieren nicht öffentlich auf Filmkritik, das ist eine Art Gewohnheitsrecht: Man äußert sich weder über schmeichelhafte Ehrerbietung noch über kränkende Schmähschriften – möglicherweise auch deshalb, weil das eine automatisch zur Bestätigung des anderen führen könnte. Gegenüber der Filmkritik scheinen die Selbstverteidigungsmechanismen der Filmschaffenden ausgehebelt. Jeder Filmemacher aber hat vermutlich eine Idee von Filmkritik; an kaum einem dürfte spurlos vorübergehen, was über seinen Film gesagt und geschrieben wird. Und doch hat man sich in diesem zumindest theoretisch hochkommunikativen Spannungsfeld auf Filmkritik als Einbahnstraße geeinigt: Für gewöhnlich bleibt ihr Loben und Giften insoweit frei von Einspruch, als Filmemacher das Diskussionsangebot Filmkritik ausschlagen. Zwei unterschiedlich kreative Beschäftigungen, untrennbar verbunden und zugleich seltsam getrennt.

Zum Glück gibt es Dietrich Brüggemann...

weiterlesen

November 04, 2010

Kino: DUE DATE

Der Komödie im amerikanischen Mainstream-Kino geht es schlecht. Sie boomt seit Jahren, sie ist rentabel, sie hat den Dreh raus. Und produziert fleißig einen Rohrkrepierer nach dem anderen. Trotz hartnäckiger Versuche, in den Filmen so unterschiedlicher Regisseure wie Judd Apatow, Adam McKay oder Billy-Wilder-Fan Jason Reitman neue Hoffnungsschimmer für das Genre zu installieren, krankt die überwiegende Mehrheit der US-Comedies am strukturell gleichen Problem: Schlechtigkeit, Tendenz steigend. Der potentielle Publikumsliebling "Due Date", ins Deutsche aus unerfindlichen Gründen zu "Stichtag" übersetzt, ermöglicht eine Annäherung: 15 Fragen zum momentanen Zustand der US-Komödie, die dieser Film indirekt beantwortet.


1. Was ist "Stichtag"?

"Stichtag" ist der neue Film der "Hangover"-Produzenten und des "Hangover"-Regisseurs Todd Phillips mit dem "Hangover"- Star Zach Gali…fianakis nach dem "Hangover"-Erfolgsrezept: Männer on the Road, Frauen in the kitchen.

2. Was ist "Hangover"?

"Hangover" ist die erfolgreichste Komödie des vergangenen Jahres. Sie spielte weltweit rund 470 Millionen US-Dollar ein und wird in Kürze fortgesetzt. Im Wesentlichen geht es in dem Film um die Folgen eines haarsträubenden Junggesellenabschieds. Die Geschichte mit den vier Männern, dem Baby, den Tigern, Tucken und Titten wurde zum Publikums- und Kritikerliebling.

3. Wer ist Todd Phillips?

Todd Phillips ist ein Regisseur, Produzent und Drehbuchautor, der seine Karriere mit zotigen Komödien wie "Road Trip" und "Old School" zum Laufen brachte. Seine früheren Filme trugen Züge der rabiaten Humorästhetik der Farrelly-Brüder, mit "Hangover" und nun "Stichtag" scheint seine mildere Midlife-Phase begonnen zu haben.

4. Wer ist Zach Gali…fianakis?

Zach Galifianakis ist ein Stand-Up-Komiker mit relativ unaussprechlichem Nachnamen. Er hat ein paar unbedeutende Nebenrollen in Film und Fernsehen gespielt, bis er mit der tatsächlich recht komischen Fake-Interview-Serie "Between Two Ferns with Zach Galifianakis" und schließlich "Hangover" größere Bekanntschaft und Beliebtheit erlangte. Jetzt, da er ein Shooting-Star zu sein scheint, taucht er in jeder dritten Kinokomödie auf, zuletzt in "Dinner für Spinner".

5. Wer spielt in "Stichtag" außerdem mit?

In "Stichtag" spielen außerdem Robert Downey Jr., Michelle Monaghan, Juliette Lewis und Jamie Foxx mit.

6. Juliette Lewis?

Ja. Sie spielt eine Minirolle als kiffende Mutter namens Heidi (…). Nach ihrer Erfolgslaufbahn in den 90er Jahren (mit Oscar-Nominierung) und Beitritt zu Scientology (mit Weirdo-Faktor) arbeitet sie nun zum dritten Mal mit Regisseur Todd Phillips zusammen. Sonst spielt und singt sie in einer Punkband mit treuer Fangemeinde.

7. Worum geht es in "Stichtag"?

In "Stichtag" geht es um den schnöseligen Kontrollfreak Peter Highman (Downey Jr.), der dringend den Flieger nach Hause zu seiner Frau (Monaghan) bekommen muss, um nicht die Geburt seines Kindes zu verpassen. Am Flughafen macht er Bekanntschaft mit dem Nachwuchsschauspieler Ethan Tremblay (Galifianakis), der ihm fortan nur Pech bescheren wird. Schließlich müssen die beiden aufgrund verschiedener Umstände mit dem Auto quer durch die USA reisen, um rechtzeitig bei Peters Frau zu sein, und erleben dabei einige verrückte Abenteuer.

8. Und worum geht’s eigentlich?

Eigentlich geht’s um die mittleren Jahre ergrauter Männer, Selbstfindung, Freundschaft und Frauen, die zuhause auf der Couch sitzen und ihre Männer vermissen. Also in etwa um das gleiche wie in "Hangover".

9. Was soll daran lustig sein?

Lustig sein sollen die Erlebnisse des ungleichen Paars, zum Beispiel ein ungewollter Autocrash oder eine Verhaftung durch die mexikanische Grenzpolizei. Einmal verkloppt Peter den kleinen Sohn von Heidi, was ebenfalls lustig gemeint sein könnte. Die größten Lacher dürfte eine Szene kassieren wollen, in der Zach Galifianakis sich im Auto parallel zu seinem Hund selbst befriedigt.

10. Ist das denn lustig?

Nein, das ist nicht lustig. Das ist nur der typische Klemmi-Humor typischer US-Komödien von heute, in denen konservierte Geschlechterbilder mit vordergründigen Sexwitzchen kaschiert werden sollen. Andere Comedy-Regisseure mit ebenso ausgeprägtem Mutter- oder Analkomplex, wie Kevin Smith etwa, versuchen ihr reaktionäres Verständnis von Humor wiederum mit endlosen Nerd-Dialogen zu kompensieren.

11. Woran macht sich diese Haltung fest?

Diese Haltung durchzieht sämtliche US-Komödien des Mainstreams und Indie-Mainstreams. "Hangover" und "Stichtag" verstehen eine gute Frau als Kinder gebärende Hausfrau und Mutter, eine schlechte als Wesen mit eigenständiger Sexualität oder Promiskuität, also Nutte bzw. Schlampe.

12. Beispielsweise?

In "Stichtag" werden mindestens eine Handvoll Gags aus dem Umstand generiert, dass Robert Downey Jr. seine Frau verdächtigt, ihn mit seinem besten Freund (Foxx) betrogen zu haben. Höhepunkt dieser zur totalen Dystopie aufgeblasenen Vorstellung ist ein finaler Witz des Films, bei dem Peter im Kreissaal zunächst ein schwarzes Baby erblickt. Die neue Prüderie der US-Comedies hinter einer lediglich behauptet anrüchigen Gesinnung erreicht also allmählich ihren traurigen Tiefpunkt.

13. Ist der Film denn wenigstens okay gemacht?

Der Film ist nicht okay gemacht. Er ist, einmal jegliche Ideologie außer Acht gelassen, ein Film ohne Handwerk. "Stichtag" folgt der inoffiziellen Agenda heutiger US-Komödien: Hauptsache Star-Komiker, der Rest ergibt sich von allein. Drehbücher im Sinne zu ende erdachter Geschichten mit gezielten Pointen oder klugen Wendungen spielen keine Rolle, so lange man irgendeine Fernsehnase hat (zumeist aus Saturday Night Live), der man Gags vorsetzt oder sie einfach vor der Kamera improvisieren lässt. Zach Galifianakis ist so ein Fall. Hat man ihn, hat man den Film – so ungefähr lautet das Konzept. Ob er sich dabei mit seinem Schnarchhumor letztlich nur als komatöse Version von Jack Black erweist, scheint egal zu sein.

14. Könnte ein guter Regisseur da überhaupt etwas retten?

Vermutlich ja. Leider ist Todd Phillips kein solcher. Sein Gespür für Tempo gleicht dem einer Schildkröte, sein Timing hat was von einem epileptischen Anfall in Zeitlupe. "Schluss mit gemütlich" steht auf dem deutschen Poster zu "Stichtag", was eine glatte Lüge ist. Der Film ist so gemütlich wie ein Sesselfurzer – und so witzig. Am deutlichsten entlarvt sich Phillips’ Nichtskönnerei, wenn er auf besonders verzweifelte Regieeinfälle zurückgreift: So schneidet er nach einem Gag immer mal wieder auf die Reaktion des Hundes, damit auch jeder kapiert, dass etwas Lustiges vor sich geht.

15. Und sonst so?

Sonst so ist "Stichtag" einfach kein guter Film, geschweige eine gute Komödie. Er ist sicher besser als "Hot Tub Time Machine", aber auch deutlich schlechter als "Hangover". Was gewiss kein Qualitätskriterium ist. Gegen die müden mainstreamigen US-Komödien der letzten Jahre mit ihrer Klemmi-Moral, ewigen Selbstfindungssoße und Proll-Attitüde muss endlich mal ein Kraut wachsen, sonst wird das nichts mehr mit der Ehrenrettung des Genres.


15% - erschienen bei: gamona

November 08, 2008

Halt doch bitte endlich die Klappe, Trottel!

Nee, dieser "Kleinkrieg" war mir neu. Nicht, dass ich Kevin Smith und seine dümmlichen Filme nicht ohnehin unendlich nervig finden würde (was auch nur die halbe Wahrheit ist, eigentlich interessieren sie mich nicht die Bohne), aber das hier – ein Auszug aus seiner angeblich unterhaltsamen Abendkonversation vor Publikum – gibt meiner Verachtung noch die nötige Zuckerglasur.

Das Problem ist gar nicht die Polemik gegen Tim Burton selbst – ich liebe Polemik, und wenn sie gut ist, gern auch gegen meinen Lieblingsregisseur – aber Smith richtet sich nicht gegen Burtons kreativen Output (was sich vermutlich auch schwierig gestalten würde, vor allem von jemandem, der in seinen eigenen Filmen nicht einmal eine vernünftige Einstellung hinbekommt), sondern denunziert ihn, wird persönlich, beleidigend und versucht Lacher zu ernten, wenn er den "Freak" Burton auch schön freakig nachzuahmen versucht (noch erbärmlicher sind nur Smiths Seitenhiebe gegen Prince). Der Grund dafür: Angeblich habe Burton sich für sein Ende von "Planet of the Apes" bei einem Smith-Comic bedient (kann ich nicht nachprüfen, but who cares, der Film ist doch eh scheiße), eigentlicher Hintergrund der Geschichte ist aber eher, dass Smiths Divenego nachhaltig beschädigt wurde, weil Burton einst dessen "Superman"-Script ablehnte und ein neues hat verfassen lassen (vielleicht weil es mies war?...). Das Projekt wurde jedenfalls nie in dieser Konstellation realisiert, aber Smith scheint noch heute an seinem Trauma zu knabbern. Ganz schön verzweifelt und peinlich, das. Dagegen hatte selbst Uwe Bolls konstruierter Clash mit Michael Bay Stil…

Juni 24, 2007

Kino: DIE HARD 4.0

Länger gab es nichts zu hören vom muffigen Cop McClane, der sich als Filmheld und künftiger Stereotyp des modernen Actionkinos in "Die Hard" gegen eine Bande deutscher Terroristen behaupten musste – im Alleingang, barfuss und immer mit einem markigen One-Liner auf den Lippen. Unzählige Plagiate und eine offizielle Fortsetzung später schlüpfte Bruce Willis 1995 noch einmal in jene Rolle, die ihm sieben Jahre zuvor zu internationalem Ruhm verhalf. Trotzdem ihm dabei der Regisseur des Originals, John McTiernan, beistand, krankte "Die Hard with a Vengeance" am Umstand, die eigentlichen Qualitäten der Serie fast gänzlich zu ignorieren und stattdessen auf herkömmliche Buddyfilm-Muster zu setzen (bezeichnen- derweise war das ursprünglich mit "Simon Says" betitelte Drehbuch für "Lethal Weapon 4" vorgesehen). Das lief einerseits dem Prinzip der beiden Vorgänger zuwider, in denen McClane als mürrischer und dennoch optimistisch Selbstgespräche führender Anti-Held Terroristen auf sich allein gestellt begegnete, und lenkte außerdem den Fokus zu stark auf die vielfältigen Handlungsorte denn seine eigentliche Hauptfigur.

Ganz ähnlich verhält es sich auch mit dieser nunmehr dritten und etwas unverhofft daherkommenden Fortsetzung, die in Anlehnung an ihren sich mit virtuellem Terrorismus auseinandersetzenden Inhalt originell mit "Die Hard 4.0" betitelt wurde. Zumindest ist Willis nicht der einzige, der am Retro-Hype einstiger Actionikonen mitwerkelt; Stallone und sein Alter Ego Rocky haben es vorgemacht, während auch Rambo und Indiana Jones schon auf ihren vierten Einsatz warten. Was aber nun die künstlerische Notwendigkeit eines weiteren McClane-Abenteuers legitimiert, bleibt ein wenig rätselhaft, denn so altmodisch und leider auch konventionell wie er daherkommt, drängt sich unweigerlich die Frage auf, warum man dafür jetzt 12 lange Jahre hat warten müssen. Oder anders: Wenn Rocky Balboa es sich noch einmal beweisen, abschließen und all dem ein Ende setzen wollte, welch grundsätzliche Intention veranlasst dann John McClane noch einmal dazu, sich mit ungezogenen Bubis herumschlagen zu müssen, die nun auch noch via Internet ihr Unwesen treiben – was dem eher ‚analogen’ Faustsprecher erst recht nicht in den Kram passt?

Ein wenig durchzieht dieser Gedanke den kompletten Film, der irgendwo da weitermacht, wo sein direkter Vorgänger aufgehört hat. Das schließt mit ein, dass auch Len Wiseman ("Underworld") bzw. die Autoren offenbar nicht mehr gänzlich auf die Zugkraft des (nicht abgehalfterten, aber eben doch etwas welkeren) Willis zu vertrauen scheinen und ihm – ähnlich wie im Falle Samuel L. Jackson – einen Partner zur Seite stellen. Das garantiert zwar peppige Dialoge, den (scheinbar) nötigen Humor und eine gewisse Eigendynamik und innere Spannung in eher auf die Handlung orientierten Szenen, doch insbesondere da es sich in diesem Fall um einen Teenager handelt und man mit dieser Entscheidung viel zu offensichtlich nach der jungen Zielgruppe schielt – etwas, das auf das großartige 1988-Original keineswegs zutraf –, stört der Verlust des gänzlich unsouveränen, unberechenbaren und allein agierenden McClanes ähnlich wie auch schon im dritten Film der Reihe doch erheblich. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass hier erstmals und mitunter störend auf jugendfreie Gewalt und saubere Sprache gesetzt wird.

Allein schon deshalb erreicht auch "Die Hard 4.0" wie bereits die anderen Sequels bei weitem nicht die Originalität, Gewagtheit und Konsequenz seines Originals. Und das obwohl oder gerade weil er mit einigen der spektakulärsten und phänomenal in Szene gesetzten (CGI-)Action- und Stuntsequenzen seit langem aufwarten kann. Denn einer der wesentlichen Gründe, warum "Die Hard" heute den Ruf eines Klassikers genießt oder zumindest zu einem Prototyp des Genres heranwuchs, war der Umgang mit Action. Da können im neuen Film noch so viele Autos in der Luft herumwirbeln oder gar Düsenjets gegen Trucks antreten – im Vergleich zum einst explodierenden Dachkomplex des Hochhauses im ersten Teil ist die Halbwertszeit dieser Szenen eher gering, einfach weil ihre dramaturgische Einbindung viel zu ungeschickt und sinnlos erscheint. Das ist zwar mittlerweile ein grundsätzliches Problem im Actionfilm (und Mitschuld daran trägt insbesondere Michael Bay), doch die Maßstäbe müssen diesbezüglich zumindest noch im Falle von "Die Hard" hoch angesetzt werden, immerhin hat McTiernan seinerzeit bewiesen, wie eine stringente, in sich logische Erzählebene mit spektakulärer Action kombiniert werden kann, ohne dem Selbstzweck zu verfallen.
Letztlich enttäuscht sogar das visuelle Konzept: Fühlte es sich bereits im Vorgänger ein wenig komisch an, die weihnachtlichen Schneesets gegen frühjährliche New York-Bilder eintauschen zu müssen, so gefällt der zwischen kühlen Blau- und abendsonnigen Gelb-Filtern wechselnde Look nur bedingt, kann streckenweise allerdings durch die spielerische und äußerst bewegliche Kameraarbeit wettgemacht werden. Dass Wiseman hier ohnehin keinen grundsätzlich schlechten Job macht, sollte klar gestellt werden. "Die Hard 4.0" ist an seiner Oberfläche spannend, straff inszeniert und auch recht launig, aber das reicht eben nicht aus. Wo McClane draufsteht, sollte auch McClane drin sein – andernfalls hätte man das ganze angesichts Willis’ eifriger Eigenvariationen in den Jahren zwischen und nach "Die Hard" auch gleich mit "Mercury Rising Part II" oder "Another Hostage" betiteln können.


50%