März 15, 2014
TV: TRUE DETECTIVE - SEASON 1
weiterlesen
Juni 05, 2011
Kino: SOURCE CODE
Ein weiterer Science-Fiction-Gebrauchsfilm von Bowie-Sohnemann Duncan Jones, der abermals ein klassisches Sujet des Genres nutzt, um Fragen nach dem Wert menschlichen Lebens, wissenschaftlicher Ethik und moralischer Verantwortung zu stellen. Diese Fragen spielen, wie bereits in "Moon", keine allzu ausgeprägte oder gar diskursfähige Rolle, weil "Source Code" zugunsten straffer Handlung und reißerischer Spannung ausreichend mit einem Drehbuch voll von Zeitschleifen und Emotionen und Liebesgeschichte vergnügt ist. Erneut erinnert dies an viele schon da gewesene Filme, etwa an "12:01", "Deja Vu" oder "Inception", wobei Jones seine ausweglose Paradoxieromanze vermutlich eher in Richtung "La Jetée" und damit besonders "Twelve Monkeys" gedacht wissen möchte.
Müßig zu erwähnen, dass er keinen geistigen Anknüpfungs- punkt an letztgenannte findet, sondern "Source Code", wenn überhaupt, nur ein neuer von unzähligen Genrefilmen ist, die die Terrorbilder der letzten Dekade kanalisieren. Geknüpft an die Frage nach dem Wert menschlichen Lebens (Bewusstseins), rückt Jones nach Klonen nun künstlich am Leben erhaltene Soldaten als Avatare in den Mittelpunkt. Was auch immer den Regisseur so faszinieren mag an der tragischen Vorstellung, den Mensch als technologische Ware und zweckdienliche Apparatur zu begreifen, es gelingt ihm auch mit diesem Vorgängerrecycling nicht recht zu vermitteln. "Source Code" ist viel zu glatt und gefällig, um auch nur annähernd aufwühlend oder gar verstörend wirken zu können.
40% - erschienen bei den: 5 Filmfreunden
November 04, 2010
Kino: DUE DATE
1. Was ist "Stichtag"?
"Stichtag" ist der neue Film der "Hangover"-Produzenten und des "Hangover"-Regisseurs Todd Phillips mit dem "Hangover"- Star Zach Gali…fianakis nach dem "Hangover"-Erfolgsrezept: Männer on the Road, Frauen in the kitchen.
2. Was ist "Hangover"?
"Hangover" ist die erfolgreichste Komödie des vergangenen Jahres. Sie spielte weltweit rund 470 Millionen US-Dollar ein und wird in Kürze fortgesetzt. Im Wesentlichen geht es in dem Film um die Folgen eines haarsträubenden Junggesellenabschieds. Die Geschichte mit den vier Männern, dem Baby, den Tigern, Tucken und Titten wurde zum Publikums- und Kritikerliebling.
3. Wer ist Todd Phillips?
Todd Phillips ist ein Regisseur, Produzent und Drehbuchautor, der seine Karriere mit zotigen Komödien wie "Road Trip" und "Old School" zum Laufen brachte. Seine früheren Filme trugen Züge der rabiaten Humorästhetik der Farrelly-Brüder, mit "Hangover" und nun "Stichtag" scheint seine mildere Midlife-Phase begonnen zu haben.
4. Wer ist Zach Gali…fianakis?
Zach Galifianakis ist ein Stand-Up-Komiker mit relativ unaussprechlichem Nachnamen. Er hat ein paar unbedeutende Nebenrollen in Film und Fernsehen gespielt, bis er mit der tatsächlich recht komischen Fake-Interview-Serie "Between Two Ferns with Zach Galifianakis" und schließlich "Hangover" größere Bekanntschaft und Beliebtheit erlangte. Jetzt, da er ein Shooting-Star zu sein scheint, taucht er in jeder dritten Kinokomödie auf, zuletzt in "Dinner für Spinner".
5. Wer spielt in "Stichtag" außerdem mit?
In "Stichtag" spielen außerdem Robert Downey Jr., Michelle Monaghan, Juliette Lewis und Jamie Foxx mit.
6. Juliette Lewis?
Ja. Sie spielt eine Minirolle als kiffende Mutter namens Heidi (…). Nach ihrer Erfolgslaufbahn in den 90er Jahren (mit Oscar-Nominierung) und Beitritt zu Scientology (mit Weirdo-Faktor) arbeitet sie nun zum dritten Mal mit Regisseur Todd Phillips zusammen. Sonst spielt und singt sie in einer Punkband mit treuer Fangemeinde.
7. Worum geht es in "Stichtag"?
In "Stichtag" geht es um den schnöseligen Kontrollfreak Peter Highman (Downey Jr.), der dringend den Flieger nach Hause zu seiner Frau (Monaghan) bekommen muss, um nicht die Geburt seines Kindes zu verpassen. Am Flughafen macht er Bekanntschaft mit dem Nachwuchsschauspieler Ethan Tremblay (Galifianakis), der ihm fortan nur Pech bescheren wird. Schließlich müssen die beiden aufgrund verschiedener Umstände mit dem Auto quer durch die USA reisen, um rechtzeitig bei Peters Frau zu sein, und erleben dabei einige verrückte Abenteuer.
8. Und worum geht’s eigentlich?
Eigentlich geht’s um die mittleren Jahre ergrauter Männer, Selbstfindung, Freundschaft und Frauen, die zuhause auf der Couch sitzen und ihre Männer vermissen. Also in etwa um das gleiche wie in "Hangover".
9. Was soll daran lustig sein?
Lustig sein sollen die Erlebnisse des ungleichen Paars, zum Beispiel ein ungewollter Autocrash oder eine Verhaftung durch die mexikanische Grenzpolizei. Einmal verkloppt Peter den kleinen Sohn von Heidi, was ebenfalls lustig gemeint sein könnte. Die größten Lacher dürfte eine Szene kassieren wollen, in der Zach Galifianakis sich im Auto parallel zu seinem Hund selbst befriedigt.
10. Ist das denn lustig?
Nein, das ist nicht lustig. Das ist nur der typische Klemmi-Humor typischer US-Komödien von heute, in denen konservierte Geschlechterbilder mit vordergründigen Sexwitzchen kaschiert werden sollen. Andere Comedy-Regisseure mit ebenso ausgeprägtem Mutter- oder Analkomplex, wie Kevin Smith etwa, versuchen ihr reaktionäres Verständnis von Humor wiederum mit endlosen Nerd-Dialogen zu kompensieren.
11. Woran macht sich diese Haltung fest?
Diese Haltung durchzieht sämtliche US-Komödien des Mainstreams und Indie-Mainstreams. "Hangover" und "Stichtag" verstehen eine gute Frau als Kinder gebärende Hausfrau und Mutter, eine schlechte als Wesen mit eigenständiger Sexualität oder Promiskuität, also Nutte bzw. Schlampe.
12. Beispielsweise?
In "Stichtag" werden mindestens eine Handvoll Gags aus dem Umstand generiert, dass Robert Downey Jr. seine Frau verdächtigt, ihn mit seinem besten Freund (Foxx) betrogen zu haben. Höhepunkt dieser zur totalen Dystopie aufgeblasenen Vorstellung ist ein finaler Witz des Films, bei dem Peter im Kreissaal zunächst ein schwarzes Baby erblickt. Die neue Prüderie der US-Comedies hinter einer lediglich behauptet anrüchigen Gesinnung erreicht also allmählich ihren traurigen Tiefpunkt.
13. Ist der Film denn wenigstens okay gemacht?
Der Film ist nicht okay gemacht. Er ist, einmal jegliche Ideologie außer Acht gelassen, ein Film ohne Handwerk. "Stichtag" folgt der inoffiziellen Agenda heutiger US-Komödien: Hauptsache Star-Komiker, der Rest ergibt sich von allein. Drehbücher im Sinne zu ende erdachter Geschichten mit gezielten Pointen oder klugen Wendungen spielen keine Rolle, so lange man irgendeine Fernsehnase hat (zumeist aus Saturday Night Live), der man Gags vorsetzt oder sie einfach vor der Kamera improvisieren lässt. Zach Galifianakis ist so ein Fall. Hat man ihn, hat man den Film – so ungefähr lautet das Konzept. Ob er sich dabei mit seinem Schnarchhumor letztlich nur als komatöse Version von Jack Black erweist, scheint egal zu sein.
14. Könnte ein guter Regisseur da überhaupt etwas retten?
Vermutlich ja. Leider ist Todd Phillips kein solcher. Sein Gespür für Tempo gleicht dem einer Schildkröte, sein Timing hat was von einem epileptischen Anfall in Zeitlupe. "Schluss mit gemütlich" steht auf dem deutschen Poster zu "Stichtag", was eine glatte Lüge ist. Der Film ist so gemütlich wie ein Sesselfurzer – und so witzig. Am deutlichsten entlarvt sich Phillips’ Nichtskönnerei, wenn er auf besonders verzweifelte Regieeinfälle zurückgreift: So schneidet er nach einem Gag immer mal wieder auf die Reaktion des Hundes, damit auch jeder kapiert, dass etwas Lustiges vor sich geht.
15. Und sonst so?
Sonst so ist "Stichtag" einfach kein guter Film, geschweige eine gute Komödie. Er ist sicher besser als "Hot Tub Time Machine", aber auch deutlich schlechter als "Hangover". Was gewiss kein Qualitätskriterium ist. Gegen die müden mainstreamigen US-Komödien der letzten Jahre mit ihrer Klemmi-Moral, ewigen Selbstfindungssoße und Proll-Attitüde muss endlich mal ein Kraut wachsen, sonst wird das nichts mehr mit der Ehrenrettung des Genres.
15% - erschienen bei: gamona
Oktober 06, 2008
Kino: EAGLE EYE
Ganz plötzlich widerfahren guten Menschen ganz scheußlich böse Dinge im Kino: Sie werden verfolgt, verdächtigt und verhaftet, trotzdem sie sich als treue US-Bürger nichts zuschulden haben kommen lassen. Die Paranoia-Thriller der 70er-Jahre hatten Ängste vor Bespitzelung und Abhör- systemen gespiegelt, in den 80ern gesellte sich dazu noch ein gehöriges Misstrauen gegenüber Computern und künstlicher Intelligenz, und bis heute schließlich scheinen die Geschichten vom kleinen Mann in großen Verschwörungen noch nicht zu Ende erzählt, wie beim "Enemy of the State" zum Beispiel, oder der neuesten Run-and-Hide-Hatz mit Shia LaBeouf: "Eagle Eye".Jerry Shaw (LaBeouf) ist der Junge von nebenan: Er arbeitet in einem Kopierladen, wohnt in einer sympathischen Bruchbude, hat genauso wenig Geld auf dem Konto wie du und ich. Er ist einer von der soliden Sorte, ein Typ, der als Kind in einem Steven-Spielberg-Film wohl in einer kleinen Vorortsiedlung muntere Abenteuer erlebt und zu sich selbst gefunden hätte.
"Eagle Eye" ist in gewisser Hinsicht sogar ein Spielberg-Film, allerdings einer der nächsten Generation. Ausgedacht und produziert vom DreamWorks-Mogul, aber inszeniert vom Nachwuchs D.J. Caruso. Deshalb ist Jerry auch nicht das Kind einer verrückt erwachsenen, sondern der männliche Held einer Web 2.0-Welt. Und die kann ihre Hilfsmittel bekanntlich auch gegen den Menschen richten: Carusos Cyber-Utopie entwirft das Bild einer totalen technischen Verschwörung (kurz gesagt: exakt so wie im letzten "Die Hard").
Jerry, der eben noch um seinen gefallenen Soldatenbruder trauerte und sich von Daddy nicht geliebt fühlt, gerät von einer Sekunde zur nächsten in ein Erpressungsmanöver samt halsbrecherischen Verfolgungsjagden. Unbekannte Terroristen versuchen ihn zu einem Attentat zu zwingen, während sie durch komplette Manipulation und Steuerung aller technischen Systeme sogar das FBI auf ihn jagen. Ohne jede Hilfe beginnt für den Kopierjungen gemeinsam mit der allein erziehenden Rachel (Michelle Monaghan), die ebenfalls Hals über Kopf in das Komplott verwickelt wurde, ein Wettlauf gegen die Zeit – zwischen Erpressern und Staatskräften.
Die vielen, vielen Vorbilder, bei denen sich dieser unsäglich anstrengende, lautstarke Film bedient, muss man gar nicht unbedingt kennen, um "Eagle Eye", diesen bemüht aufge- frischten Beitrag zu einer gewissen Tradition des Genrekinos, als durch und durch missglückt zu empfinden. Anders als das Hitchcock-Remake "Disturbia", Carusos letzte Zusammen- arbeit mit Spielberg und LaBeouf, funktioniert "Eagle Eye" weder als Teenie-Update bewährter Vorbilder, noch eigenständiger Thriller von sympathischer Frische und Inszenierungslust.
Viel mehr wirkt diese Kiddie-Variante der Jason Bourne- Abenteuer nur wie der verzweifelte Versuch, eine abgestandene Geschichte mit unheimlich platten Gegen- wartsbezügen aufzupeppen, ohne freilich allzu deutlich im Ton zu werden. Das reizvolle Potential des Stoffes – dass der Überwachungsstaat nämlich keine Kontrolle, sondern schlimmstenfalls Kontrollverlust bedeutet, weil Terroristen ihn als Waffe benutzen können – wird natürlich nur angekitzelt, vorwiegend geht es um PG-taugliche Mainstream-Action, die einen in ihrer Primitivität und Belanglosigkeit nur noch anödet.
Klar, "Eagle Eye" könnte wenigstens als straighter, launiger, ja zumindest unterhaltsamer Verschwörungs-Thriller mit viel Drive und guter Action funktionieren, aber der Film will letztlich ja doch mehr sein, will Bewusstsein schaffen, will Formelunterhaltungskino ein wenig aufbrechen, so wie zuletzt "The Dark Knight" vielleicht. Am Besten alles in einem: Zeitgemäße Zerstörungsorgien mit einem Gewissen, sozu- sagen.
Aber ihm gelingt weder das eine noch das andere. Die Ansätze sind selbstredend nur Aufhänger, die Geschichte selbst driftet irgendwann in Science-Fiction-Gefilde ab, und das dummdreist-patriotische Ende verrät den möchtegern- flippigen Film sogar als gewohnt gestrig. Dass Caruso, wenn es ihm letztlich schon nur um flinke Action geht, aber gerade dort so versagt, wo man die bloßen Maßstäbe von Unterhaltungskino ansetzt, besiegelt dann vielmehr das eigentliche Scheitern von "Eagle Eye".
Die Actionszenen nämlich sind so unübersichtlich inszeniert und konfus geschnitten, dass sie streng genommen gar nicht richtig stattfinden. Der ganze Film ist in einer Hektik erzählt, die wohl um jeden Preis Spannung zu garantieren versucht, aber eher den Wunsch hervorruft, Caruso noch mal auf die Filmhochschule zurückzuschicken. Ein rasanter Thriller wird nämlich nicht allein dadurch temporeich und spektakulär, wenn man ohne erkennbare Struktur wild mit der Kamera herumwackelt und das dann zu einem Schnittgewitter verarbeitet, dem irgendwann der Zusammenhang verloren geht.
Womöglich soll die wirre Inszenierung aber auch das ein oder andere Loch, oder eher: die Gräben, in der Logik kaschieren (sollte dies der Versuch gewesen sein – er ist auf jeden Fall gescheitert). So steht schon die ganze Plot-Konstellation grundsätzlich auf wackeligen Beinen, wo doch die Terroristen (bzw. das, was später dahinter steckt) alles elektronisch kontrollieren können, von Telefonen bis zu Überwachungs- kameras, von Ampeln bis zu Zügen, ihr Attentat also doch viel unproblematischer verrichten könnten, als zwei wehrhafte Zivilisten diverse Risiken eingehen zu lassen. Und letztlich ist "Eagle Eye" auch genau deshalb so einschläfernd: Weil die ganze Motivation der Geschichte absolut nicht nachvollziehbar – und die Heldentaten eines Kopierjungen völlig unglaubwürdig erscheinen.
Nach dem hübsch-atmosphärischen "Disturbia" wirkt die neueste Spielberg-Caruso-Zusammenarbeit wie der Versuch, nervöse Action-Kids an die Grenzen ihrer Aufmerksamkeits- störung zu bringen: Ein einziges nervöses, zielloses, anstrengendes Wildern bei Vorbildern, zwanghaft auf Teenie- Unterhaltung gedrückt und komplett einfallslos inszeniert. "Eagle Eye" empfiehlt sich besonders für Zuschauer, die Tony Scott-Filme langweilig und prätentiös finden.
September 30, 2008
Zuletzt gesehen: THE BOURNE SUPREMACY
Die Fortsetzung verlässt sich inhaltlich noch immer auf die Frage, wer Jason Bourne nun eigentlich ist. Die elliptische Geschichte hat sich allerdings soweit verselbstständigt, dass sie notfalls auch zweitrangig sein darf, sofern das Drumherum in aller Aufgeblasenheit nur ansprechend genug präsentiert wird. Und der Regiewechsel war das, was diese Serie – die nun um ihr günstiges mehrteiliges Potential weiß – gebraucht hat. Paul Greengrass legt vor, was der erste Film vermissen ließ: Ein Inszenierungskonzept, dass dem Plot gerecht wird. In atemberaubender Geschwindigkeit inszeniert, ist dieser zweite Film eine einzige lange Verfolgungsjagd, die immer wieder mit Jäger- und Gejagtenperspektive spielt. Die verwirrend wirkenden, schnellen Bildwechsel und hektischen Kamera- bewegungen bilden dabei eine kongeniale Entsprechung des Themas, das ja von Aufmerksamkeitslücken und Wahr- nehmungsbrüchen handelt. "The Bourne Supremacy" ist eine fesselnde, wahrlich beeindruckende Plan-Fortsetzung, bei der ‚Was’ und ‚Wie’ anders als im Vorgänger übereinstimmen. Und dass der Film fast vollständig in Berlin gedreht wurde, ist natürlich besonders reizvoll – und dank herber geographischer Kontinuitätsfehler auch gelegentlich durchaus amüsant.70%