April 25, 2020
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März 06, 2012
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November 16, 2010
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60%
Juni 25, 2008
Kino: FIREFLIES IN THE GARDEN
Family Plot: Der Schriftsteller Michael (Ryan Reynolds) kehrt für eine familiäre Feierlichkeit in sein betuliches Heimatnest zurück. Dort verbrachte er eine eher unglückliche Kindheit unter seinem tyrannischen Vater Charles (Willem Dafoe) und der hilflosen Mutter Lisa (Julia Roberts). Als Michael jedoch eintrifft, erwarten ihn Blaulichter und Krankenwagen: Seine Eltern hatten auf der Hinfahrt einen folgenschweren Auto- unfall, den seine Mutter nicht überlebt (Filmtod einer ergrauten Diva Roberts nach 10 Minuten). Das Wochenende wird zur schmerzlichen Reise in die Rückblenden-Vergangenheit – Erinnerungen an die sorgenvolle Kindheit, das Wiedersehen alter Freunde und Bekannte und schließlich die Auseinandersetzung mit dem väterlichen Familiendespoten Charles scheinen unausweichlich. Für die ganze Familie beginnt ein schwieriger Heilungsprozess alter Wunden. Familienfest und andere Schwierigkeiten also."Fireflies in the Garden" ist das Langfilmdebüt von Dennis Lee. Der hat sogar schon einmal einen Kurzfilm-Oscar gewonnen. Und nicht nur, weil es sich um seine erste große Regiearbeit handelt, sondern der Film auch mit großen Stars glänzt, somit also schwierig zu produzieren gewesen sein dürfte, und vor allem zu großen Teilen autobiographisch verfasst ist, möchte man doch gnädig sein mit ihm. Obwohl hier nicht nur die Stars, sondern überhaupt alle glänzen. Das ist doch ein merklich schöner Film mit einem klaren visuellen Stil, der selbst das größte moralische Dilemma, die schrecklichsten Streitereien oder seelischen Abgründe in edle Schöner-Wohnen-Bilder hüllt. Und so wie "Fireflies in the Garden" ganz schön glatt, ganz schön perfekt, und – zugegeben – auch ganz schön bieder inszeniert ist, so ganz schön reibungs-, konturen- und makellos nichts sagend erzählt er auch seine Familientragödie.
Ganz sicher hat Lees emotionaler Eigenanteil ihm den Blick verstellt, wo er es doch vor lauter Sentimentalität versäumt, seinen Figuren den nötigen Feinschliff zu verpassen, ihnen nicht immer ausformulierte, sondern auch einmal subtile Dialoge zurechtzulegen und jeden komplexen Erzählansatz nicht immer aus Angst vor zu viel Komplexität vorschnell in Friedfertigkeit aufzulösen. "Fireflies in the Garden" fegt deshalb immer da vorbei, wo er gründlich hätte kehren müssen: Irritierend somit, dass der ausschlaggebende Auto- unfall im Film überhaupt keine wirkliche Rolle spielt, dass in Rückblenden eine inzestuöse Beziehung zwischen dem kleinen Michael und seiner Tante Jane angedeutet, von Drehbuch und Regie dann aber wieder panisch zerschlagen wird, und dass eine derart zerrüttelte Familie schließlich doch wieder ins Lot geraten kann, wenn sich alles nur von selbst fügt. So ist die alkoholabhängige Ehefrau von Michael am Schluss einfach trocken, schwanger und glücklich, Vater Charles besänftigt und plötzlich gar nicht mehr so böse – und "Fireflies in the Garden", Michaels Buch, in dem er die peinigende Familien- chronik verewigte, wird einfach ins Kaminfeuer verbannt.
"Fireflies in the Garden" ist mit seiner soften Melodramatik, seinen Schwimmübungen im Fahrwasser von "Ordinary People" bestimmt zweifellos gut gemeint, gut besetzt und gut gespielt, aber noch lange kein guter Film. Er hat seine Momente, seine wirklich guten Momente, wenn Lee Ver- gangenheit und Gegenwart elegant aneinandermontiert oder verwischen lässt, doch für ein packendes, tief greifendes Familienmelodram braucht es mehr als hübsches Handwerk. Aber wer weiß, womöglich packt der Film auch deshalb nie wirkliche Probleme an, weil er fest in der Mittelschicht seiner Durchschnittsfamilie verortet ist – und eine Durchschnitts- familie vielleicht auch nur durchschnittliche Probleme haben darf.
40% - erschienen bei: DAS MANIFEST
Januar 23, 2007
Kino: PARIS, JE T'AIME
Wenn turtelnde Liebespaare die Seine entlang streifen, sich am Quai Saint-Bernard schöne Augen machen oder sich direkt auf dem Tour Montparnasse das Ja-Wort geben, dann fühlt man sich schnell in eine romantische Fantasie versetzt, die zahlreiche Liebesfilme und –Komödien evozieren. Dass Paris längst nicht mehr als heimlicher Hauptdarsteller in Klassikern von "Funny Face" bis "Belle de jour" erscheint, ist kein Geheimnis: Quer durch die Filmgeschichte musste die Stadt der Liebe als süßlich schillernder Rahmen für romantische Kinovisionen herhalten – und avancierte somit alsbald zum eigenen Klischee. Warum also noch im Jahre 2006 eine Hommage an Frankreichs Herz verfassen, die fragmentarisch und überaus ausgedehnt den Facettenreichtum des vielseitigen Paris feiert?Die Antwort fiele nicht allzu schwer, wäre die Idee, 21 internationale Starregisseure ihr ganz individuelles Leinwandgemälde der Stadt zu erschaffen, gebündelt in 18 kleine Episoden und geschnürt in ein lebendiges Korsett, das trotz der vielfältigen Eindrücke ein großes Ganzes ergeben könnte, nicht so simpel wie dennoch überaus reizvoll. Ernüchternd muss man zwar konstatieren, dass "Paris, je t’aime" an seinem eigenen Anspruch scheitert und als Gesamtwerk zu beliebig und verwechselbar formuliert scheint. Das gelingt dem auf einer Idee des Regisseurs Tristan Carné basierenden Film aber auf recht hohem Niveau: Die überwiegende Mehrheit der kurzen Geschichten liefert mal skurrile, mal charmante Einsichten in banale, aber liebenswürdige Alltagsmomente und trägt dabei dennoch die ganz individuelle Handschrift ihrer Macher.
Das ist nicht selbstverständlich, immerhin verträgt sich die Intention der französischen Produzenten um Claudie Ossard ("Delicatessen"), die selbst bekennend einräumen, ein neues altes Bild ihrer Stadt entwerfen zu wollen, nicht zwingend mit den ganz eigenen Statements der Regisseure, denen bis auf den gemeinsam vorgegebenen Nenner – natürlich: Liebe – keine künstlerischen Einschränkungen auferlegt wurden. Da der Film jedoch mit einem europäischen Team inszeniert ist, sich von Alfonso Cuarón ("Children of Men") bis Walter Salles ("The Motorcycle Diaries") also jeder ohne seine sonstigen Mitarbeiter zurechtfinden musste, wird diesem Wunsch formal nachgekommen: "Paris, je t’aime" erstrahlt trotz seiner unterschiedlichen Regiestile in einem eleganten, stimmigen Bild.
Den Rahmen ihrer Möglichkeiten haben dabei besonders Joel & Ethan Coen ("Fargo"), Wes Craven ("The Hills Have Eyes") und Vincenzo Natali ("Cube") eindrucksvoll genutzt. Erstere dekonstruieren in ihrem scharfzüngigen Beitrag „Tuileries“ das ewige Klischee vom Paris der Verliebten und Glücklichen, indem sie einen unschuldigen Touristen (Steve Buscemi) in der Pariser Metro auf ein erst schmusendes, später jedoch hemmungslos cholerisches Pärchen treffen lassen. In „Père Lachaise“ darf Horroraltmeister Craven zwei Verlobte über ihre Beziehung schwadronieren lassen – auf einem alten Friedhof! Und Natali verneigt sich im kühlen Gotikambiente vor den großen Universal-Klassikern, wenn er den ängstlichen Elijah Wood im nächtlichen Paris auf einen blutdurstigen Vampir treffen lässt. Sicherlich die originellste Version der Liebe: Ein schmerzhaft-lustvoller Biss für die Ewigkeit.
Nach zwei munteren Stunden ist der Vortrag dann auch wieder beendet. Die betonte Leichtigkeit und französische Mentalität erfüllt ein sinnliches Intermezzo, das in seiner selbstgefälligen und oberflächlichen Erscheinung nicht verwundert. Wie könnte es anders sein, dass "Paris, je t’aime" seinen Hauptdarsteller hoffnungslos romantisiert und den kritischen Blick insgesamt vehement verwehrt. Das mildert die frische Unschuld, die viele dieser Kurzfilme auszeichnet, alles andere als erheblich, doch in der Summe möchte mit dieser Anthologie niemand neue Erkenntnisse gewinnen: Denn dass der Blick von außen keine Erneuerung des Paris-Bildes bedeutet und auch nicht mit der Postkartenidylle der Stadt bricht, ist keine Überraschung: Paris liebt in erster Linie sich selbst. Besonders im modernen französischen Film.
60%
Januar 06, 2007
DVD: BULLFIGHTER (2000)
Was kann schon schief gehen, wenn man eine mit der elegischen Musik von Vince Clarke (Depeche Mode-Gründer und kreative Hälfte des Erasure-Duos) unterlegte Western-Ballade über Outlaws irgendwo in der staubigen Wüste vorträgt, die zudem mit so brillanten Schauspielern wie Willem Dafoe oder Michael Parks aufwartet und darüber hinaus durch die Genre-Größen Robert Rodriguez und Guillermo Del Toro gefördert scheint? Die Antwort ist leider ernüchternd: Ausnahmslos alles. Denn "Bullfighter", hierzulande mit dem bemüht geschickten Untertitel "Irgendwo in Mexiko" versehen, um auf die vermeintliche Nähe zum Rodriguez-Hit "Irgendwann in Mexiko" zu verweisen, stößt in neue Dimensionen des Unerträglichen vor – Schlechtigkeit mit neuem Antlitz und eigentlich doch so alter Prämisse: Hauptsache cool und gestylt, ein paar Shoot-Outs hier und da, und ganz viel schludrige Dialoge sollen verzweifelt den nächsten Kultfilm imitieren. Doch tatsächlich ist der von Rune Bendixen, ehemals Mitglied der dänischen Band The Overlords, inszenierte Film nicht einfach nur uninteressant, nicht lediglich schlecht übernommenes Videothekenfutter oder post-postmodernes Geplänkel im Stile eines "The Boondock Saints", sondern schlicht und ergreifend – wenn diese persönliche Note gestattet sei – der langweiligste Film, den ich jemals gesehen habe. Das ist zweifellos eng mit dem zerknitterten Notizblock, den man am Set wohl Drehbuch benannt haben dürfte, verbunden: Denn man stelle sich bitte vor, ein dahergelaufener Franzose irrt, nachdem seine Freundin durch einen Stier ums Leben kam (!), als sich beide des Nachts in einer Arena vergnügten (!!), quer durch Mexiko, um nicht in die Fänge jenes erzürnten Vaters zu gelangen (dem fortan das tote Töchterchen erscheint), der nun Rache an deren Freund üben will. Dabei trifft er auf eine schöne Frau, die ihm bei der ziellosen Odyssee als Fahrerin behilflich ist.
Nun muss erwähnt werden, dass diese junge Schönheit Mary heißt, denn ihr namentlicher Ursprung verweist nicht zufällig auf die heilige Maria: Jacques, geplagt durch Visionen, muss unverhofft seinen Josef stehen und die werte Frau schwängern. Die Geburtswehen setzen allerdings bereits nach zwei Tagen ein (!!!), sodass nur noch wenig Zeit bleibt, die Erde zu retten (oder so ähnlich) und den dämonischen Ausgesandten Satans zu eliminieren. Im Übrigen meint der Film das alles durchaus ernst, da suchen Trashfreunde vergeblich nach dem ironischen Augenzwinkern. Nur dazu ist dieser komplett uninspirierte Schwachsinn auch noch dilettantisch inszeniert, Bendixen hat keinen blassen Schimmer von Timing, seine Schnitte sind unrhythmisch und stillos, die Bilder katastrophal komponiert. Unsäglich auch die Dialoge und Darstellung derer, sie sie sprechen dürfen (müssen?), von katastrophalem Over-Acting, das nur mit der Einnahme illegaler Substanzen erklärt werden kann, gar nicht zu reden (Willem Dafoes Worte in den Interviewschnipseln auf der DVD werden als ewiges Mysterium in die Annalen der Bonusmaterial-Geschichte eingehen).
Und so ist dieser Film eine reine Zumutung, eine bodenlose Frechheit, eine Ansammlung von Abschaum, Dreck und Schrott, einfach so grauenhaft dumm, so grundlos blöd, sinnlos und bekloppt, so hanebüchen, irrational und armselig, dass jeder gesunde Mensch einen großen Bogen darum machen sollte. "Bullfighter" ist nichts weiter als gewaltiger Bullshit.