Posts mit dem Label del Toro werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label del Toro werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

September 19, 2018

Warum so viele Filmemacher zu Netflix und Co. gehen

Immer erfolgreicher werben Streaming-Anbieter wie Netflix um prominente Regisseure, die für sie abrufbereite Serien und Filme drehen sollen. Manche lockt dabei die Aussicht auf künstlerische Freiheiten. Andere haben gar keine Wahl.

weiterlesen auf moviepilot

Oktober 15, 2015

Kino: CRIMSON PEAK

Beinahe allen Regiearbeiten und Produktionen von Guillermo del Toro ist eine große Liebe zum Gothic-Horror eingeschrieben. Von der traurigen Geistergeschichte "The Devil's Backbone" über die beiden "Hellboy"-Kinoadaptionen bis hin zur Vampir-Serie "The Strain" gestatten sich die Arbeiten des mexikanischen Filmemachers einen schauerromantischen Zugriff auf Übernatürliches und Groteskes. Mit "Crimson Peak" erweist Guillermo del Toro dem literarisch geprägten Genre nun allerdings seine bislang deutlichste Referenz. [...]

weiterlesen

Juli 15, 2013

Kino: PACIFIC RIM

Hollywood goes Mecha vs. Kaiju. Guillermo del Toro, einer der wenigen visionären Filmemacher des gegenwärtigen phantastischen Kinos, frönt dem ganz großen Roboter- und Monsterkrawall. Den wenigsten Menschen ist es vergönnt, bunte Kindheitsträume als 180 Millionen US-Dollar teure Spektakel zu verwirklichen. Doch auch Herzblut kann einem die Sinne vernebeln: "Pacific Rim" ist leider nur ansatzweise eine liebe- und geistvolle Alternative zu "Transformers" und anderem Zerstörungsirrsinn. [...]

November 01, 2009

Zuletzt gesehen: BLADE TRILOGY

Blade

Noch vor dem jüngsten Adaptionsboom populärer Comichelden packte Stephen Norrington den mittlerweile chronisch unterbeschäftigten Wesley Snapes in Lack und Leder, um ihn als Daywalker Blade gegen hungrige Großstadtvampire ins Feld ziehen zu lassen. Diese versteht der Film als nimmermüdes Partyvolk, das sich im Drogen- und Sexrausch seinen ständigen Lustfantasien hingibt. "Blade" ist physisches Actionkino, das vor allem daran interessiert ist, den männlichen Körper als alle (erotischen) Bedrohungen bewältigendes Machtinstrument zu inszenieren. Tiefschür- fendes über das Leben als Vampir oder die in Ansätzen verhandelte rassistische Kultur der Blutsauger vernachlässigt der überlange Film großzügig zugunsten schlecht gealterter CG-Einlagen und einer weitestgehend unterhaltsamen, wenn auch bemerkenswert dümmlichen Handlung.

50%



Blade II

Erst die Fortsetzung schöpft das zugegeben überschaubare Potential des Comichelden aus: In Guillermo del Toros "Blade"-Interpretation liegt der Schwerpunkt weniger bei den männlichen Fähigkeiten seiner Titelfigur, als auf einer komplexen Beziehungsstruktur seiner Gegner. Wie auch später in "Hellboy II" inszeniert del Toro die Bösewichte als durch familiäre Dysfunktionen gebrandmarkte, ambivalente Krea- turen, die er mit seiner leidenschaftlichen Vorliebe für phantastische Bildentwürfe ideen- und liebevoll in Szene setzt. Die Entscheidung, Blade eine Reihe von Kriegern zur Seite zu stellen, die eigentlich im Lager seiner ärgsten Feinde zu verorten sind, bietet dem Film dramaturgisch zudem ausreichend Entfaltungsraum und macht das Sequel zum spannenden Höhepunkt der Trilogie – trotz diverser Zugeständnisse an die Vorgaben des Vorgängers, darunter ausgedehnte Martial-Art-Kämpfe mit hippen Electrobeats zu unterlegen.
70%


Blade: Trinity

Für den dritten und mit relativer Sicherheit auch letzten Film der Serie nahm der Drehbuchautor der Vorgänger, David S. Goyer, das Zepter selbst in die Hand. Leider verschenkt der Film seinen Antagonisten, immerhin Dracula himself, grandios blöd und verlässt sich gänzlich auf die kaum vorhandene Coolness der sexy Blutsauger, die er mit einer abgestandenen, Filter durchtränkten Videoclipästhetik ins Bild setzt. Das berechenbare Casting von Ryan Renolds und Jessica Biel als Blickfang fürs Zielpublikum generiert dabei ebenso wenig Mehrwert für die dünnschichtige Handlung wie der Verzicht auf ideenreiche Actionchoreographien. "Blade: Trinity" ist dabei endgültig solide stupide Unterhaltung, die in ihrem grenzenlosen Sexismus die üblichen Strategien des Genres bemüht.

40%



September 21, 2008

Kino: HELLBOY II - THE GOLDEN ARMY

"You’re such a beautiful freak – I wish there were more just like you", heißt es in "Beautiful Freak", dem wunderbaren Song des gleichnamigen Albums der Eels, den man eigentlich schon gern im ersten Hellboy-Film von Guillermo del Toro gehört hätte, wenn der kauzige rote Comicheld da so nachdenklich auf dem Dach eines Hauses vor sich hin grummelte, weil seine Angebetete mal nicht so wollte wie er. Aber sei’s drum, nun spielt ihn eben die Fortsetzung, wenn unserer Höllenjunge mal wieder Knatsch mit der feurigen Liz hat. Dabei strengt er sich ja schon an, er würde sogar sein Leben für sie lassen, sagt er, "but she also expects me to do the dishes!" – den Abwasch also auch noch.

Dafür allerdings bliebe dem Superhelden gar keine Zeit: Weil ein eitler Prinz sich entschlossen hat, den langlebigen Friedenspakt zwischen der Welt der Menschen und jener der, nun ja, phantastischen Wesen für beendet zu erklären, und gleich noch eine gigantische Armee goldenerer Krieger zum Leben erwecken will, müssen sich Hellboy (Ron Perlman), Liz (Selma Blair) und Abe (Doug Jones) mit diversen Fantasie- gestalten und schließlich der Zwillingsschwester des Blondschopf-Prinzen herumschlagen – nur mit ihrer Hilfe nämlich kann die Menschheit noch gerettet werden, sozusagen.

Nun ist der Bösewicht-Bruder kein einfacher Irrer, der sich am Krieg zwischen Mensch und, zum Beispiel, einem riesigen Waldgott inmitten New Yorks ergötzen, sondern eigentlich nur für die Rechte seinesgleichen einstehen will: Für ihn ist die geheime Parallelexistenz fremder Wesen vor allem ein Ausdruck für die Unterdrückung durch den Menschen, und das möchte er nicht länger hinnehmen. Getreu der Sequel- Gesetze, die ein Comic zum Gelingen ja doch eher besser befolgen sollte, befördert dieser ambivalente Trieb des Prinzen den Titelhelden in ein moralisches Dilemma. Denn schließlich ist auch er, der Hellboy, nur eine Kreatur, die im Unsichtbaren agieren, die sich verstecken muss vor den Menschen, für deren Sicherheit er sich ja überhaupt erst in manch unangenehmes Abenteuer stürzt. Da lohnt es sich zumindest, über den Lockruf des Gegners einmal nachzudenken: Wenn dieser unseren eigenwilligen Superhelden darauf hinweist, dass all dessen Müh letztlich vergebens sei, weil er weder Dank noch wirkliche Anerkennung vom Menschen bekommen könne, ist der innere Konflikt natürlich mächtig am Brodeln. Alle Comic-Helden müssen so eine Gewissensprüfung irgendwann bestehen, selbst Batman und Spider-Man.

In "Hellboy II: The Golden Army" treibt del Toro die Erzählung überall dahin, wo man sie üblicherweise eben hinführt, um interessante Plot-Variationen und Konflikte für die nunmehr bekannten Figuren zurechtgenerieren zu können, während er den Film strukturell eigentlich wie den ersten Teil aufbaut. Das macht er grundsolide, ohne Stolpersteinchen oder nennenswerte dramaturgische Aussetzer. Dennoch liegt die ganz große Stärke auch dieses zweiten Hellboy-Films nicht unbedingt in der mäßig originellen Geschichte (die sich irgendwie ganz schön zusammensetzt aus phantastisch Bekanntem), sondern seiner konsequenten Überbietungs- strategie. Der Film setzt überall noch mal eins drauf, immer dort, wo schon der Vorgänger so überraschte: Wuchtige und übermütige Action, natürlich, tolle und einfallsreiche Effekte, viel Witz, Herz und komische Dialoge. Oder er beschreitet neue Wege, zum Beispiel mit der Verpflichtung Danny Elfmans für die Musik, und liegt auch dabei goldrichtig.

Aber in erster Linie hat del Toro verstanden, dass er den Figuren, und seien sie noch so fantasievoll, monströs oder bedrohlich, Persönlichkeit und Würde verleihen muss. Man findet diesen Hellboy einfach drollig in seiner Unbeholfenheit, aber auch seiner Stärke, und man ist fasziniert, wie nicht enden wollend der Regisseur magische Situationen und Fantasy-Set-Ups entwirft, in denen kauziger Humor und opulentes Spektakel sich so wunderbar (und ökonomisch!) ergänzen. Dazwischen findet der Film immer auch wieder Zeit für hübsche kleine Episoden, für besinnliche Ruhemomente oder schlicht urkomische Momentaufnahmen – so sich Hellboy und Abe eines Abends einfach betrinken und ein lautstarkes Duett zu einem Liebesschlager einstimmen, während der rote Dämon dazu mit seinem Schwanz wackelt, ja, das ist dann ganz einfach liebenswürdig und schön, und zwar ohne dass es in irgendeiner Hinsicht unangenehm berühren würde. "Pan’s Labyrinth" dürfte es zuletzt wohl besiegelt haben: Guillermo del Toro ist mittlerweile einfach eine verdammt sichere Bank.


80% - erschienen bei: WICKED-VISION

Mai 25, 2008

News: THE HOBBIT - Chat-Transkript der Macher

Im Vorfeld ihres Großprojekts "The Hobbit" sind Produzent und Autor Peter Jackson und Regisseur Guillermo del Toro um Transparenz und Fan-Nähe bemüht. Fleißig geben sie Interviews, chatten und beantworten allerlei Fragen. Auf der LOTR-Fanpage kann man nun das Transkript ihres letzten großen Live-Fan-Chats nachlesen. Hier werden noch einmal alle bisherigen Infos offiziell bestätigt. "At this point in time the plan is to write for the rest of this year and start early conceptual designs. 2009 will be dedicated to pre-production on both movies and 2010 will be the year we shoot both films back to back. Post productin follows one film at a time with The Hobbit being released Dec 2011, and F2 release Dec 2012. That is the schedule in about as much detail as we have ourselves at the moment."

---> klick <---

April 25, 2008

News: Del Toro macht den kleinen Hobbit!

Guillermo del Toro wird nun definitiv Tolkiens "The Hobbit" inszenieren. Wie die Variety berichtet, zieht der "Pan's Labyrinth"-Regisseur dafür vier Jahre nach Neuseeland, wo der zweitelige Film unter der kreativen Überwachung Peter Jacksons gedreht werden und 2010 bzw. 2011 in die Kinos kommen soll. Ich bin guter Dinge, aber ohne Shore läuft nichts! McKellen ist wohl schon dabei.

[deutsche Meldung]

Januar 06, 2007

DVD: BULLFIGHTER (2000)

Was kann schon schief gehen, wenn man eine mit der elegischen Musik von Vince Clarke (Depeche Mode-Gründer und kreative Hälfte des Erasure-Duos) unterlegte Western-Ballade über Outlaws irgendwo in der staubigen Wüste vorträgt, die zudem mit so brillanten Schauspielern wie Willem Dafoe oder Michael Parks aufwartet und darüber hinaus durch die Genre-Größen Robert Rodriguez und Guillermo Del Toro gefördert scheint? Die Antwort ist leider ernüchternd: Ausnahmslos alles. Denn "Bullfighter", hierzulande mit dem bemüht geschickten Untertitel "Irgendwo in Mexiko" versehen, um auf die vermeintliche Nähe zum Rodriguez-Hit "Irgendwann in Mexiko" zu verweisen, stößt in neue Dimensionen des Unerträglichen vor – Schlechtigkeit mit neuem Antlitz und eigentlich doch so alter Prämisse: Hauptsache cool und gestylt, ein paar Shoot-Outs hier und da, und ganz viel schludrige Dialoge sollen verzweifelt den nächsten Kultfilm imitieren.

Doch tatsächlich ist der von Rune Bendixen, ehemals Mitglied der dänischen Band The Overlords, inszenierte Film nicht einfach nur uninteressant, nicht lediglich schlecht übernommenes Videothekenfutter oder post-postmodernes Geplänkel im Stile eines "The Boondock Saints", sondern schlicht und ergreifend – wenn diese persönliche Note gestattet sei – der langweiligste Film, den ich jemals gesehen habe. Das ist zweifellos eng mit dem zerknitterten Notizblock, den man am Set wohl Drehbuch benannt haben dürfte, verbunden: Denn man stelle sich bitte vor, ein dahergelaufener Franzose irrt, nachdem seine Freundin durch einen Stier ums Leben kam (!), als sich beide des Nachts in einer Arena vergnügten (!!), quer durch Mexiko, um nicht in die Fänge jenes erzürnten Vaters zu gelangen (dem fortan das tote Töchterchen erscheint), der nun Rache an deren Freund üben will. Dabei trifft er auf eine schöne Frau, die ihm bei der ziellosen Odyssee als Fahrerin behilflich ist.

Nun muss erwähnt werden, dass diese junge Schönheit Mary heißt, denn ihr namentlicher Ursprung verweist nicht zufällig auf die heilige Maria: Jacques, geplagt durch Visionen, muss unverhofft seinen Josef stehen und die werte Frau schwängern. Die Geburtswehen setzen allerdings bereits nach zwei Tagen ein (!!!), sodass nur noch wenig Zeit bleibt, die Erde zu retten (oder so ähnlich) und den dämonischen Ausgesandten Satans zu eliminieren. Im Übrigen meint der Film das alles durchaus ernst, da suchen Trashfreunde vergeblich nach dem ironischen Augenzwinkern. Nur dazu ist dieser komplett uninspirierte Schwachsinn auch noch dilettantisch inszeniert, Bendixen hat keinen blassen Schimmer von Timing, seine Schnitte sind unrhythmisch und stillos, die Bilder katastrophal komponiert. Unsäglich auch die Dialoge und Darstellung derer, sie sie sprechen dürfen (müssen?), von katastrophalem Over-Acting, das nur mit der Einnahme illegaler Substanzen erklärt werden kann, gar nicht zu reden (Willem Dafoes Worte in den Interviewschnipseln auf der DVD werden als ewiges Mysterium in die Annalen der Bonusmaterial-Geschichte eingehen).

Und so ist dieser Film eine reine Zumutung, eine bodenlose Frechheit, eine Ansammlung von Abschaum, Dreck und Schrott, einfach so grauenhaft dumm, so grundlos blöd, sinnlos und bekloppt, so hanebüchen, irrational und armselig, dass jeder gesunde Mensch einen großen Bogen darum machen sollte. "Bullfighter" ist nichts weiter als gewaltiger Bullshit.

0%

Dezember 14, 2006

Kino: PAN'S LABYRINTH

Es beginnt im Nirgendwo. Ein kleines Mädchen liegt im dunklen Blau der Nacht, regungslos, Blut läuft an ihren Wangen herunter, doch blickt man genauer hin, so fließt es in ihre Nase zurück, hier dreht sich die Zeit – ein Resultat, dessen Herleitung noch ungewiss ist. Dann verschwinden die Bilder schnell, das Düstere weicht dem Panorama eines strahlenden Herbstwaldes, gegilbte Blätter wehen im Wind, die Sonne funkelt immer stärker durch die sich lösenden Baumkronen. Hier setzt die Erzählung von einer schwangeren Mutter und ihrer kleinen Tochter an, sie sind auf der ländlichen Durchfahrt in eine abgelegene Gegend in Nordspanien, wo der Ehemann und Stiefvater, der im Dienste des Franquismus herrschende Capitán Vidal, sie mit einer unaufhörlich tickenden Stoppuhr erwartet – diese Erzählung, die unweigerlich zum Ausgang zurückkehren wird, ist von einer allgegenwärtigen Limitierung bestimmt, Zeit erscheint als Ausdruck von Ruhe und Gelassenheit, als kostbares Gut, das hier keine Verwendung finden wird.

Die kleine Ofelia ist das einzige Kind in dieser so bekümmerten Welt am Abseits, deren farbenfrohe Naturbilder nicht die alltäglich spürbaren Auswirkungen und Kämpfe des Bürgerkrieges verbergen können, wo sich jeder selbst der nächste scheint, keine Perspektive für die Augen eines unschuldigen Mädchen vorgesehen ist. "Pan’s Labyrinth" erzählt dennoch durch den Blick der jungen Ofelia, der Film begibt sich in Obhut und Wahrnehmung eines verträumten Kindes, das als einziges auf die verborgene Welt hinter der offenbaren Realität stößt. Denn dieser Wald, in dem das Blut der Rebellen und Francos Putschisten vergeudet wird, und dieses große Anwesen, wo Angestellte einer tyrannischen Unterdrückung ausgesetzt sind, da verweben sich die Schnittstellen zwischen objektiver und subjektiver Wahrnehmung: Nur Ofelia weiß vom labyrinthischen Zwischenreich eines alten Fauns, der sie mit verantwortungsvollen Prüfungen versieht, um das unterirdische Königreich mit ihr als wiedergeborene Prinzessin aufleben zu lassen.

Der mexikanische Regisseur Guillermo del Toro durchmischt bei seiner kindlichen Erlebniswelt konsequent alles Rationale und Irrationale, was der unbefleckten Sicht seiner Protagonistin nicht entsprechen würde. Für Ofelia – und somit auch für den Zuschauer – existieren keinerlei Grenzen zwischen der kriegerischen Welt der Menschen und dem Reich der Fabelwesen, mitunter bedingen sie sich gegenseitig, zwar ohne Bewusstsein, aber folgenreich. Die Surrealität dieses Entwurfs wird problemlos akzeptiert, durch die Aufgaben und Prüfungen des Mädchens sieht die strenge inhaltliche Struktur auch keine Möglichkeit zur Separierung dieser beiden Welten vor. Ofelia als Entsprechung eines modifizierten Quests, auf der Suche und Flucht zugleich, meistert die Hürden der einen wie die der anderen Dimension unwidersprüchlich. Ihr Schicksal steht in Abhängigkeit zu dieser Symbiose von Wahrnehmungen, die Aufgaben des Fauns sind irrationaler Schlüssel zur Bewältigung vollständig rationaler Gegebenheiten, als Ausdruck eines selbst konstruierten Paralleluniversums, das ein Wirken gegen die Allmacht realen Schreckens nur mit der Kraft des Phantastischen ermöglicht.

Damit löst der brillant photographierte Film gleichzeitig auch jeglichen formalen Raum auf, sein Zeitkontinuum wird als Bedrohung (Ofelia muss die Aufgaben zügig vollbringen, eher sich der Mond verdichtet) zwar immer wieder betont, doch die Grenzenlosigkeit von Realität und Vision lässt die Fantasie, und damit das Ungezwungene, Lösende, unaufhaltsam erscheinen. Im Genre werden die narrativen Mittel oft schon ihrer technischen Bebilderung wegen in eine fiktive Welt verlagert, die sich prinzipiell von der irdischen zu unterscheiden hat. "Pan’s Labyrinth" durchbricht dieses Schema allein durch seinen Ansatz, bei dem die Fantasy aus dem Wirklichen heraus entsteht. Del Toros Verständnis von Magie definiert sich über das Bewusstsein des Individuums: Es ist nur so viel davon möglich, wie man auch zu ermöglichen bereit ist. Fantasy, das sind keine Drachen, keine gewaltigen Monster, keine Zauberer, das ist in erster Linie eine Frage der Wahrnehmung, es ist die Möglichkeit zur schützenden Flucht, die simplifizierte Reflektion des Realen, ein Abbild der Seele. Die Fantasy wird evoziert aus den inneren Abgründen des Menschen.

Es kann faktisch zwar eine nüchterne Desillusion sein, die mancher darin sehen mag (Religion als spielerische Imagination des Ichs), tatsächlich aber ist das der Kern all des Phantastischen. Del Toro adressiert das Verklärte des Realen, um ihm mit einer visionären Ode den Sieg des Magischen vorzuführen. Deshalb wird "Pan’s Labyrinth" gewiss zu einem Meilenstein des Genres avancieren, mit seiner herausragenden Hauptdarstellerin geht er den direktesten Weg zum Herz des Publikums. Der minimalistische, mitunter kammerspielartige Film mag brutal, nicht besonders Mainstream orientiert und zutiefst tragisch sein, doch er ist so voller wahrer Fantasie, wie vielleicht kaum ein zweiter seines Topos’.


70%


Review erschienen bei: Wicked-Vision.de