Posts mit dem Label Newton werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Newton werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

November 27, 2008

Kino: HOW TO LOSE FRIENDS & ALIENATE PEOPLE

Nach der britischen Comedy-Serie "Spaced" und den Kino-Exportschlagern "Shaun of the Dead" und "Hot Fuzz", allesamt unter der Regie von Edgar Wright, sowie kleineren Nebenrollen in "Mission: Impossible III" und "The Good Night" ist Simon Pegg nun auch endgültig im US-Mainstream angekommen. Selbst dort, an der Seite etablierter Stars, versprüht er noch viel von seinem liebenswerten Charme, während er in "New York für Anfänger" ansonsten aber offenbar einen Gang zurückschrauben und sich nach "Run, Fatboy, Run" vielmehr erneut als romantischer Held beweisen muss.

Der Film von "Curb Your Enthusiasm"-Regisseur Robert B. Weide produziert klassisches Rom-Com-Material mit verhaltenem satirischem Einschlag: Sehr komisch, etwas bissig und manchmal auch ein wenig obszön, erweist sich Weides Kinodebüt letztlich als zu brave und verhaltene Upper-Class-Komödie, die jedoch durch ein grandioses Casting besticht.

Der Originaltitel, "How to Lose Friends & Alienate People", umschreibt treffend die Folgen des beruflichen Imagewechsels von Sidney Young (Pegg), einem englischen erfolglosen Klatschreporter, den es nach einem überraschenden Job- angebot nach New York verschlägt. Young existiert wirklich, heißt mit Vornamen aber eigentlich Toby und hat seine großstädtischen Erfahrungen im gleichnamigen Erfolgsroman verarbeitet, auf dem "New York für Anfänger" schließlich basiert.

Bei seinem neuen Arbeitgeber, dem trendigen Sharps Magazine (eine filmische Umdichtung, Vorlage ist die Vanity Fair), bekommt Sidney zunächst allerdings nicht viel zu tun. Sein Chef Clayton Harding (Jeff Bridges) hält ihn an der kurzen Leine, der leitende Redakteur Lawrence Maddox (Danny Huston) behandelt ihn wie einen Fußabtreter, und die Sympathien seiner liebreizenden Kollegin Alison (Kirsten Dunst) hat Sidney unglücklicherweise schon am Abend vor Arbeits- beginn verspielt.

Die ersten zwei Drittel des Films schildern deshalb genüsslich das Scheitern des tollpatschigen Engländers, der von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt, sich auf Partys blamiert oder es sich mit Celebrities verscherzt, und Pegg ist bekanntlich genau der Richtige für derlei zottelige Albernheiten und Verlierer-Attitüden. Auf dessen physische Komik und Exaltiertheit folgt schließlich immer das unschuldige Lächeln eines kleinen Jungen - selbst nachdem er einen Hund unschön beseitigt hat, kann man ihm kaum böse sein. Das Image des britischen Knuddel-Komikers, es wird auch hier ausreichend bemüht.

Die Seitenhiebe gegen High Society- und Star-Gebären sitzen, verlieren aber schon durch ihre Fiktionalität einiges an Schlagkraft. Möglicherweise ist "New York für Anfänger" aber auch von vornherein nach gängigen Rom-Com-Regeln gestrickt, und man vermisst das letzte Quäntchen Böswilligkeit deshalb zu Unrecht: Immerhin arrangiert sich der Film von Beginn an mit der Luxusphilosophie der Mode- metropole, deren Manierismen selbst bei den vielen kruden Nebenfiguren (Megan Fox und Gillian Anderson z.B.) noch irgendwie sympathisch wirken.

Interessiert ist Weide letztlich ohnehin mehr an der verlässlich vorhersehbaren Romanze seiner beiden Hauptdarsteller. Zwischen dem liebenswürdigen Loser-Typen Pegg und der immer etwas neben der Spur mit verschlafenen Äuglein zwinkernden Dunst stimmt die Chemie, vor allem weil der Film ihnen einige hübsche Momente schenkt. Wenn sie sich zu den Klängen von Nino Rota ein morgendliches Tänzlein gönnen, nachdem sich Alison die ganze Nacht übergeben hat, ist das zwar banale Rom-Com-Poesie, aber Dank Pegg wirkt sie seltsam annehmenswert.

Rotas Musik bzw. Fellinis "La Dolce Vita", jenes Sittengemälde über Klatschpresse und Wohlstandsgesellschaft, das "New York für Anfänger" gleich mehrfach zitiert, verrät dann hinten raus vielleicht ein wenig die stille Ambition des Films, doch auch Satire und nicht nur Liebeskomödie sein zu wollen. Aber die Referenz ließe sich freilich auch als bescheidener Verweis auf eben diesen Klassiker deuten, der das ja sowieso viel besser könne. Hier, so scheint es, bei einem Promi- Schaulaufen wie diesem, würde das vielleicht auch nur einen scheinheiligen Eindruck erwecken.

Deshalb ist Weides erster Langspielfilm noch einmal ein Freifahrtsschein für Simon Peggs ulkige Albernheiten und sein Talent eben auch als Leader und Held einer Liebesgeschichte. Sogar Jeff Bridges, urkomisch als schmieriges Imitat des Ex-Chefs der Vanity Fair, Graydon Carter, hat nach eigenen Angaben nur unterschrieben, um einmal mit dem britischen Comedy-Star drehen zu dürfen. Das verrät zweifellos einiges über das Anliegen des Films - und ist auch völlig in Ordnung so.

"New York für Anfänger" ist eine garantiert nicht subversive, aber locker inszenierte Komödie über die Fashion- und Star-Kultur New Yorks und ihrer Presse, die einmal mehr ganz von ihrem Hauptdarsteller lebt. Weniger ein moderner "La Dolce Vita" als eher die Slacker-Version von "Der Teufel trägt Prada", verspricht der Film zielgenaue Situationskomik und harmlos-schöne Großstadtromantik. Nun darf sich Pegg aber auch gern wieder mit Edgar Wright zusammentun.


65% - erschienen bei: gamona

März 09, 2008

Kino: RUN, FATBOY, RUN

Die Verlobte am Hochzeitstag kurz vor der Trauung sitzen zu lassen, indem man geradewegs davonläuft, ist nun ganz sicher nicht die feine englische Art. Dennis (Simon Pegg) hat dafür, wie man später erfahren wird, zwar hehre Gründe, erst einmal aber lässt er den schönsten Tag im Leben seiner Freundin Libby (Thandie Newton) wie eine Seifenblase zerplatzen. Wenn der Sympathieträger eines Films also schon in den ersten fünf Minuten zu derlei Schandtaten befähigt wird, kann das ja ein heikles Vergnügen werden mit der britischen Romantic Comedy "Run, Fatboy, Run", erster Spielfilm des ehemaligen "Friends"-Serienstars David Schwimmer in der Position des obersten Befehlshabers. Aber Grund zur Sorge gibt es natürlich keinen: Wer könnte schon einen liebenswürdigeren Verlierertypen geben als der kauzige, immer etwas neben der Spur liegende Pegg, der auf tendenziöse Faulenzer/Slacker-Rollen spätestens seit der Zombieparodie "Shaun of the Dead" abonniert sein dürfte.
Schwimmers Kinodebüt ist eine wunderbar leichtfüßige Komödie, die nicht allzu ernsthafte, zumindest sehr überschaubare Themen verhandelt: Dennis nun ist rund fünf Jahre später noch immer damit beschäftigt, seinen Fehler von einst zu bereuen. Seinen kleinen Sohn sieht er zwar regelmäßig, doch Libby hat sich längst anderweitig orientiert und bewohnt mit ihrem Freund, dem gelackmeierten Geschäftsmann Whit (Hank Azaria), ein kleines Reihen- häuschen im Norden Londons. Nun sind die Rollen hier selbstredend schnell verteilt – Whit ist das aufgeblasene Arschloch, das man nur zu gern hasst, weil er Libbys Blick auf Dennis verstellt, weil er ihm die Vaterrolle streitig macht, und weil er eigentlich auch sonst alles ist, was Dennis nicht ist: Erfolgreich und beliebt, wohlhabend und zuvorkommend, ordentlich gebaut und topfit, ein Vorbild in allen Lebenslagen sozusagen. So einer, der alles hat, und es sich dennoch ständig selbst beweisen muss, z.B. mit einem Marathonlauf quer durch London, natürlich für einen guten Zweck. Und weil das die Angebetete sicherlich beeindrucken dürfte, entscheidet sich auch Dennis, an diesem wagemutigen Sportereignis teilzunehmen. Weg mit den Hüftrettungsringen, Zigaretten und Couch-Potato-Angewohnheiten.
Dass hier eine Menge dynamischer Ärger vorprogrammiert ist, versteht sich von selbst. "Run, Fatboy, Run" arbeitet mit einfachen Regeln und folgt den Konventionen der roman- tischen Komödie ebenso wie denen des Sportfilms, auch wenn er zumindest letztere parodierend vorführt. So verzichtet er nicht auf die obligatorische Montage der Vorbereitungen, stellt immer wieder die Frage, ob es der Held schaffen könnte, nur um sie an einem gewissen Punkt zu verneinen, damit doch noch alles ganz anders kommt. Was Schwimmer gleichzeitig augenzwinkernd vorführt, bedient er auch – nur ist das in diesem Fall keineswegs ein Problem. "Run, Fatboy, Run" ist ungemein schwungvoll in Szene gesetzt, Schwimmer bewältigt zahlreiche logistische Herausforderungen und dreht an vielfältigsten Schauplätzen, kommt selbst bei Massenszenen nicht ins Hadern und bietet vor allem ganz nebenbei noch eine stimmige Rundreise durch ein in warmen Bildern festgehaltenes London. Sicherheit dürfte Schwimmer dabei nicht zuletzt das wundervolle Drehbuch gegeben haben, das nach einer ersten Fassung von Simon Pegg komplett überarbeitet wurde.
Der Einfluss des langjährigen Comedy-Autoren macht sich in fast jeder Szene bemerkbar. Schon die Britcom "Spaced" lebte von Peggs eigenwilligem, trotteligen Humor, von Gags, deren offensichtliche Doofheit von den Figuren meist schon im selben Moment erfasst wurde, in dem sie ihnen herausgerutscht sind. Mit Regisseur Edgar Wright hatte sich da ein Seelenverwandter gefunden, und die zwischen bedingungsloser Liebenswürdigkeit und hoffnungsloser Verlierer-Attitüde ausgemachte Mentalität fand einen Kinoausdruck in "Shaun of the Dead" und der Polizeifilm- klamotte "Hot Fuzz". Pegg übernimmt vieles davon in "Run, Fatboy, Run", ohne dass Schwimmer ihm anders als Wright ein offenes Spielfeld anbieten würde. Die beiden harmonieren auf einer anderen Ebene, ähnlich wie schon in der schwarzhumorigen Zufallskomödie "Big Nothing". Schwimmer erweist sich eher als Vertreter eines gesetzten Humors, als jemand, der durchaus auch an einer funktionierenden, straffen Geschichte interessiert ist. Er hält nicht bei jeder Gelegenheit am Wegesrand an, um noch diesen oder jenen Gag mitzunehmen, was die Kombination Schwimmer/Pegg weniger verspielt und auch weniger spontan erscheinen lässt. Nichtsdestotrotz gelingen "Run, Fatboy, Run" viele unheimlich witzige Momente, und dass er grundsätzlich eher einen etwas emotionaleren Ton anschlägt, gibt Pegg auch die Möglichkeit, seine Fähigkeiten als tragikomischer Charakter zu beweisen. Das erinnert mal an "About a Boy", mal an "High Fidelity" – ist aber auf seine Art so ungemein charmant und sympathisch, dass man es nur schwer nicht mögen dürfte.


55%