Es gibt durchaus gute Momente in "Cake", etwa gleich zu Beginn. Da sitzt Claire (Jennifer Aniston) im Kreise ihrer Selbsthilfegruppe. Trauerarbeit steht auf dem Programm, weil die junge Nina (Anna Kendrick) sich das Leben nahm. Alle Mitglieder sollen nun ihre Gefühle ausdrücken, sollen ein bisschen so tun, als ob Nina noch im Raum sei. Gruppenleiterin Annette (Felicity Huffman) hat sich daher demonstrativ neben ein gigantisches Foto der Verstorbenen gesetzt und möchte ihre Patienten von Selbstvorwürfen freisprechen. Das geht so lange gut, bis Claire an der Reihe ist. Verständlicherweise steht ihr nicht der Sinn nach psychopädagogischer Beschäftigungstherapie, also erzählt sie lieber ein wenig über die unappetitlichen Umstände von Ninas Freitod. Das findet die Gruppe natürlich super, ein weiteres Mal wird Claire sie nicht besuchen. Aber der Ton ist angeschlagen, das Interesse an dieser Figur geweckt. [...]
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April 09, 2015
Februar 18, 2015
Kino: INTO THE WOODS
Keimfreie Familienunterhaltung verspricht "Into the Woods" wahrlich nicht. Mag das gleichnamige Broadway-Musical allerhand Märchenmotive und –Figuren zu einer üppigen Erzählung um schöne Prinzessinnen und edelmütige Prinzen vermengen, bringt es diese eben auch gezielt durcheinander – über einen hintersinnigen, zum Teil vulgären Humor. Dass ausgerechnet Disney sich nun an einer Kinoversion des Stoffes versucht, ist daher eine Überraschung. [...]
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August 21, 2012
Kino: PARANORMAN
Weltweit werden pro Jahr nicht mal mehr eine Handvoll Animationsfilme im Stop-Motion-Verfahren gedreht. Zu den bekanntesten der jüngeren Vergangenheit zählen "Die Piraten", "Der fantastische Mr. Fox" sowie Henry Selicks traumhaft schöner "Coraline". Dessen Animationsstudio Laika erweckt nun Einzelbild für Einzelbild die schaurig-schönen Abenteuer von "ParaNorman" zum Leben. Und zollt einer großen Kunst Tribut. [...]
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November 27, 2011
Kino: TWILIGHT - BREAKING DAWN - PART I
Hier an dieser Stelle bezeichnete ich die erste Twilight-Adaption zu ihrem Kinostart noch als "einschläfernde und ideologisch bizarre Biedermeier-Schnulze", nichts ahnend, dass mir deren rühriger Vortragsgestus aus episch ausformulierten Teenienöten und konservierten Prüderieidealen drei Jahre und Filme später einmal zu Herzen gehen würde! Allmählicher Konditionierungseffekt, Kapitulation vor dem Grotesken oder doch schlichte Altersmilde? Vielleicht aber auch sind die Twilight-Filme nach Stephenie Meyer seit ihrem unentschlossenen Debüt tatsächlich besser geworden.
Das Loblied aufs große Warten trällerte Chris Weitz in "New Moon" jedenfalls schon deutlich zurückhaltender als Catherine Hardwicke, Regisseurin des ersten Films. Und in Teenie-Schmonzette Numero 3 verdichteten sich die zuvor lediglich behaupteten Konflikte passend zum Titel ("Eclipse") dann sogar wirklich einmal zum mehr oder weniger komplexen Wechselbad der Gefühle, in dem die schöne Bella allen Ideologiefesseln trotzte und sowohl den sanftmütigen Vampir als auch dessen wilden Werwolfrivalen an die kurze Leine nahm. Der weitgehend handlungsfreie Schmachtzirkus gerann im dritten Twilight-Film tatsächlich zur interessanten Emotionsschraube für Pubertierende, deren Befindlichkeits- radar auch ahnungs- und teilnahmslosen Zuschauern eine Projektionsfläche bot, und sei es nur für lehrreiche Beobachtungen zum Zustand der heutigen Jugend.
Dieser Aufwärtstrend, so es denn einer sein mag, setzt sich im kommerziell zweigeteilten Finale der Serie fort. "Breaking Dawn - Part 1" beantwortet die über drei Filme geduldig zugespitzte Heiratsfrage gleich zu Beginn und lässt der großzügigen Gefühlsrhetorik endlich Taten folgen. Die rund ein Drittel der Handlung veranschlagende und nach allen Regeln der Pompkunst ausinszenierte Hochzeitszeremonie ist stark geeignet, die überwiegend minderjährigen Twihards (so nennt man die besonders inbrünstigen Fans der Bücher und Filme) ins selige Gefühlsnirwana zu duseln, würde Regisseur Bill Condon ("Gods and Monsters") das blümerante Prozedere nicht mit visuell prägnanten Bildern blutiger Vorahnung kontrastieren. Nach der Hochzeitsnacht nämlich, in der Bella und Edward endlich ihren verdienten Kuschelsex bekommen, kündigt sich gar schlimmes Unheil an: Ein Mensch-Vampir-Baby!
Dem (vor)letzten Film kommt klar zugute, dass er viele der zuvor aufgeladenen Konflikte zu einem Abschluss führt, einige angekündigte Versprechen einlöst und tatsächlich mit Tempo und Schmackes das herkömmliche Gefühlschaos an eine action- und spannungsbetonte Dramaturgie koppelt. Bellas Schwangerschaft und Vampirwerdung, Edwards und Jacobs hitziger Monsterzwist, der Kampf zwischen Vampir- und Werwolfsclan - dafür, dass wieder einmal kaum etwas passiert, passiert dann doch so einiges. Bisher gelang es keinem der Twilight-Filme so sehr wie "Breaking Dawn", die endlos verbalisierte Hochdramatik der drei Protagonisten an konkrete Probleme zu knüpfen. Und in ihrer Abschied einläutenden Finalstimmung aus potenziertem Sentiment und kitschig-schöner Romantik ist dieses Fast-Schlusskapitel irgendwie doch erstaunlich einnehmend. Schrittweise Gewöhnung oder Sehnsucht nach idealisiertem Schmalz, eigentlich egal.
70% - erschienen bei: Das Manifest
Oktober 20, 2010
Kino: SCOTT PILGRIM VS. THE WORLD
Über "Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt" schrieb das amerikanische Filmmagazin Empire treffend, dass es ja offenbar doch ganz einfach sei, eine gute Videospielverfilmung zu machen, so lange sie nur nicht auf einem Videospiel basiere. Präziser lässt sich nicht auf den Punkt bringen, warum dieser Film im Duell mit unzähligen Videogame-Debakeln schon mal eine lockere 1:0-Führung einnimmt. Und das ist längst nicht alles. Edgar Wrights Kinoadaption der kanadischen Comicreihe von Bryan Lee O’Malley ist nur ganz nebenbei eine brillante Visualisierung von Videospielästhetik, sie ist vor allem warmherzige Coming-of-Age-Geschichte, skurrile Liebeskomödie, vergnügliches Comic-Relief und eine wundervolle Hommage an die nicht mehr ganz so frühe Jugend.
Der 22jährige Scott Pilgrim (treudoof wie eh und je: Michael Cera) hat keinen Job, keine Wohnung, kein eigenes Bett. Er kann ellenlange Monologe über Pac-Man halten und spielt Bass in einer Indie-Band namens Sex Bob-omb. Wenn er sich nicht gerade die Zeit im Proberaum oder Plattenladen um die Ohren schlägt, nistet er sich bei seinem schwulen besten Freund (Kieran Culkin) ein – natürlich zu dessen Leidwesen. Scott Pilgrim ist sozusagen der personifizierte Super-Nerd: Ziel- und anspruchslos, selbstzufrieden, sozial nicht wirklich kompatibel. Aber in seiner eigenen Welt irgendwie glücklich.
Diese eigene Welt bildet das Zentrum des Films. Alles, was der Zuschauer sieht, trägt sich in dieser Form lediglich im Kopf des Helden zu. Wenn Scott Pilgrim mit seiner Band einen Contest bestreitet, passiert das womöglich tatsächlich. Wenn die Bühne dann jedoch zum Kampfschauplatz eines Videospiels mutiert, bereist der Film die Gedankenwelt seines Protagonisten und vereinbart ganz plötzlich Realität und Surreales, objektive Wahrnehmung und verzerrte Metaphorik. Scott Pilgrim gegen den Rest der Wirklichkeit. Jenen Rest, der viel spannender sein könnte, würde er sich so zutragen, wie sein Held ihn sich vorstellt.
Folglich arbeitet der Film mit einer Fülle an unterschiedlichen visuellen Darstellungen, um die eigenwillige Wahrnehmung der Titelfigur entsprechend bebildern und in einen sinnvollen Zusammenhang bringen zu können. Unvermittelt wird von einer zur nächsten Szene gesprungen, verändert sich der Bildausschnitt oder erscheinen Schrifttafeln und comicartige Hinweise. Oder es fliegen gezeichnete Miniherzchen über die Leinwand, als Scott Pilgrim ganz unvermittelt auf die sonderbare Ramona (Mary Elizabeth Winstead) trifft. Nur: Er muss zunächst einmal ihre sieben Ex-Lover in bester Tekken-Manier besiegen, um das Herz der quirligen Eigenbrötlerin erobern zu können.
Im Grunde erzählt "Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt" eine ganz einfache Liebesgeschichte unter jungen Erwachsenen, die irgendwie noch in ihrer Jugend fest hängen, ihr Leben mehr schlecht als recht auf die Reihe bekommen und sich dabei auf dem Weg zur Selbstverwirklichung den normalsten aller Gefühlen stellen müssen – von Eifersucht bis zur Unsicherheit. Selten jedoch gelang es einem Film, die ständigen Ups and Downs der Adoleszenz so erfrischend, charmant und irrwitzig einzufangen. Es bereitet großen Spaß, Scott Pilgrim die imaginären Action-Fights mit akrobatischen Martial-Arts-Einlagen gegen die angeblichen Ex-Lover seiner Freundin in spe austragen zu sehen, die vielen liebevoll skizzierten Nebenfiguren (besonders erinnerungswürdig: die Drummerin seiner Band) ins Herz zu schließen oder schlicht und einfach Schritt zu halten mit dem atemberaubenden Tempo des Films.
Der Brite Edgar Wright erweist sich hierbei als idealer Regisseur für den Stoff. Er hat mit seiner grandiosen Britcom "Spaced", der Zombiekomödie "Shaun of the Dead" und der Actionpersiflage "Hot Fuzz" bewiesen, was für ein kenntnisreicher, talentierter und vor allem ungemein versierter Filmemacher er ist. Seine Figuren haben stets Herz und Seele, sie sind urkomische originäre Gestalten, die immer auf irgendeine Art überfordert sind von den ganz alltäglichen Dingen des Lebens. Jemand wie Wright, der auch den Griff zum Sentimentalen nicht scheut, schafft es problemlos, den Ton der Vorlage zu treffen und sie in einer unvergleichlich einfallsreichen, spielerischen Form auf die Leinwand zu bringen.
Wright nämlich gelingt es mit leichter Hand, die bereits erwähnten unterschiedlichen Wahrnehmungsebenen elegant zu vereinbaren, ohne sie jemals gegeneinander auszuspielen, also allzu deutlich voneinander abzugrenzen. Wie in seinen bisherigen Arbeiten setzt er dabei ganz auf die Wirkung eines komplexen Schnittkonzepts, das schon festzustehen scheint, noch bevor er eine einzige Szene zu drehen beginnt. "Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt" funktioniert fast gänzlich über seinen Schnitt: Der Witz, das Timing, die Figurengestaltung – alles entwickelt Wright erst über seine großartige und ideenreiche Montage. Und einer nicht enden wollenden Fülle an Regieeinfällen.
Man kann die Inszenierung des Films als aufdringlich empfinden, auf Dauer auch als ermüdend und redundant, aber Wrights visueller Erzählstil und spürbarer Wille, die Abenteuer Scott Pilgrims mit unerschöpflichem Ideenreichtum vom Panel ins Kino zu übersetzen, sind in erster Linie höchst eindrucksvoll und inspirierend. Was umso bemerkenswerter ist, wenn sich die Geschichte letztlich aus infantilen Beziehungsproblemchen eines postpubertären und gar nicht mal sonderlich sympathischen Helden zusammensetzt und dabei kaum Potenzial für eine tiefsinnigere Metaebene zulässt. Edgar Wright hat hier definitiv den kompetenten Nerd-Film schlechthin gedreht. Und ist damit, zumindest im direkten Jahresduell, dem ebenfalls starken, aber vergleichsweise unbeholfenen Kollegen "Kick-Ass" eine ganze Nasenlänge voraus.
75% - erschienen bei: gamona
Der 22jährige Scott Pilgrim (treudoof wie eh und je: Michael Cera) hat keinen Job, keine Wohnung, kein eigenes Bett. Er kann ellenlange Monologe über Pac-Man halten und spielt Bass in einer Indie-Band namens Sex Bob-omb. Wenn er sich nicht gerade die Zeit im Proberaum oder Plattenladen um die Ohren schlägt, nistet er sich bei seinem schwulen besten Freund (Kieran Culkin) ein – natürlich zu dessen Leidwesen. Scott Pilgrim ist sozusagen der personifizierte Super-Nerd: Ziel- und anspruchslos, selbstzufrieden, sozial nicht wirklich kompatibel. Aber in seiner eigenen Welt irgendwie glücklich.
Diese eigene Welt bildet das Zentrum des Films. Alles, was der Zuschauer sieht, trägt sich in dieser Form lediglich im Kopf des Helden zu. Wenn Scott Pilgrim mit seiner Band einen Contest bestreitet, passiert das womöglich tatsächlich. Wenn die Bühne dann jedoch zum Kampfschauplatz eines Videospiels mutiert, bereist der Film die Gedankenwelt seines Protagonisten und vereinbart ganz plötzlich Realität und Surreales, objektive Wahrnehmung und verzerrte Metaphorik. Scott Pilgrim gegen den Rest der Wirklichkeit. Jenen Rest, der viel spannender sein könnte, würde er sich so zutragen, wie sein Held ihn sich vorstellt.
Folglich arbeitet der Film mit einer Fülle an unterschiedlichen visuellen Darstellungen, um die eigenwillige Wahrnehmung der Titelfigur entsprechend bebildern und in einen sinnvollen Zusammenhang bringen zu können. Unvermittelt wird von einer zur nächsten Szene gesprungen, verändert sich der Bildausschnitt oder erscheinen Schrifttafeln und comicartige Hinweise. Oder es fliegen gezeichnete Miniherzchen über die Leinwand, als Scott Pilgrim ganz unvermittelt auf die sonderbare Ramona (Mary Elizabeth Winstead) trifft. Nur: Er muss zunächst einmal ihre sieben Ex-Lover in bester Tekken-Manier besiegen, um das Herz der quirligen Eigenbrötlerin erobern zu können.
Im Grunde erzählt "Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt" eine ganz einfache Liebesgeschichte unter jungen Erwachsenen, die irgendwie noch in ihrer Jugend fest hängen, ihr Leben mehr schlecht als recht auf die Reihe bekommen und sich dabei auf dem Weg zur Selbstverwirklichung den normalsten aller Gefühlen stellen müssen – von Eifersucht bis zur Unsicherheit. Selten jedoch gelang es einem Film, die ständigen Ups and Downs der Adoleszenz so erfrischend, charmant und irrwitzig einzufangen. Es bereitet großen Spaß, Scott Pilgrim die imaginären Action-Fights mit akrobatischen Martial-Arts-Einlagen gegen die angeblichen Ex-Lover seiner Freundin in spe austragen zu sehen, die vielen liebevoll skizzierten Nebenfiguren (besonders erinnerungswürdig: die Drummerin seiner Band) ins Herz zu schließen oder schlicht und einfach Schritt zu halten mit dem atemberaubenden Tempo des Films.
Der Brite Edgar Wright erweist sich hierbei als idealer Regisseur für den Stoff. Er hat mit seiner grandiosen Britcom "Spaced", der Zombiekomödie "Shaun of the Dead" und der Actionpersiflage "Hot Fuzz" bewiesen, was für ein kenntnisreicher, talentierter und vor allem ungemein versierter Filmemacher er ist. Seine Figuren haben stets Herz und Seele, sie sind urkomische originäre Gestalten, die immer auf irgendeine Art überfordert sind von den ganz alltäglichen Dingen des Lebens. Jemand wie Wright, der auch den Griff zum Sentimentalen nicht scheut, schafft es problemlos, den Ton der Vorlage zu treffen und sie in einer unvergleichlich einfallsreichen, spielerischen Form auf die Leinwand zu bringen.
Wright nämlich gelingt es mit leichter Hand, die bereits erwähnten unterschiedlichen Wahrnehmungsebenen elegant zu vereinbaren, ohne sie jemals gegeneinander auszuspielen, also allzu deutlich voneinander abzugrenzen. Wie in seinen bisherigen Arbeiten setzt er dabei ganz auf die Wirkung eines komplexen Schnittkonzepts, das schon festzustehen scheint, noch bevor er eine einzige Szene zu drehen beginnt. "Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt" funktioniert fast gänzlich über seinen Schnitt: Der Witz, das Timing, die Figurengestaltung – alles entwickelt Wright erst über seine großartige und ideenreiche Montage. Und einer nicht enden wollenden Fülle an Regieeinfällen.
Man kann die Inszenierung des Films als aufdringlich empfinden, auf Dauer auch als ermüdend und redundant, aber Wrights visueller Erzählstil und spürbarer Wille, die Abenteuer Scott Pilgrims mit unerschöpflichem Ideenreichtum vom Panel ins Kino zu übersetzen, sind in erster Linie höchst eindrucksvoll und inspirierend. Was umso bemerkenswerter ist, wenn sich die Geschichte letztlich aus infantilen Beziehungsproblemchen eines postpubertären und gar nicht mal sonderlich sympathischen Helden zusammensetzt und dabei kaum Potenzial für eine tiefsinnigere Metaebene zulässt. Edgar Wright hat hier definitiv den kompetenten Nerd-Film schlechthin gedreht. Und ist damit, zumindest im direkten Jahresduell, dem ebenfalls starken, aber vergleichsweise unbeholfenen Kollegen "Kick-Ass" eine ganze Nasenlänge voraus.
75% - erschienen bei: gamona
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Juli 02, 2010
Kino: THE TWILIGHT SAGA - ECLIPSE
Alles wie gewohnt in Forks, Washington: Herzschmerz, Eifersucht, schlechtes Wetter. Bella (Kristen Stewart) steht immer noch zwischen den Fronten und ihre Perücke sieht gar fürchterlich aus. Edward und sein Vampirclan müssen sich gegen eine so genannte "New Blood"-Armee von Blutsaugern zur Wehr setzen, und die oberkörperfreien Indianerwölfe stehen ihm trotz aller Rivalitäten bei. Das macht die Sache für Bella nicht einfacher. Sie ist jetzt zwar verlobt mit dem Vampir (Robert Pattinson), empfindet aber auch Liebe für den Werwolf (Taylor Lautner). "I love you", gesteht sie Jacob, bei Edward dann schon "I love you more". Wirklich kompliziert war und ist das alles nach wie vor nicht, aber langsam geht’s ans Eingemachte: Die Hochzeitsglocken drohen zu läuten und der erste Sex kommt bestimmt. Endlich!
Ich hätte es damals nicht für möglich gehalten, dass die Teenie-Trash-Romanze "Twilight" – bis dato noch lediglich ein, ich sage mal: Jugendbuch-Phänomen – solch ein kommerzieller Erfolg werden würde. Nun muss man ja mittlerweile, neben den Adaptionen der "Harry Potter"-Romane, wohl vom größten und wahrscheinlich auch wichtigsten Kino-Franchise der letzten zehn Jahre sprechen. Das lässt sich als aufmerksamer Filmfreund nur noch schwer umgehen, auch wenn die Filme eigentlich, nun ja, etwas doof sind. Und konservativ und ein bisschen sehr langweilig. Aber immerhin sprechen wir von einer Serie, für die zum Teil hochinteressante Regisseure verpflichtet wurden, oder zumindest im Gespräch waren – zuletzt gar David Cronenberg, der den zentralen Vampirmensch-Konflikt der schönen Bella gewiss nicht nur als schmachtvolle Sehnsuchtsmetapher verhandelt hätte.
Mit dem bisher auf etwas abseitige Genrefilme wie den superguten "Hard Candy" oder den superschlechten "30 Days of Night" abonnierten Briten David Slade haben die Produzenten für den dritten "Twilight"-Film "Eclipse" aber auch eine alles andere als langweilige Regiewahl getroffen. Nach Catherine Hardwicke und Chris Weitz ("New Moon") bringt Slade ein deutlich markanteres visuelles Konzept in die Serie ein, das sich in modischen (aber eben immerhin:) Horrorbildern verortet. Neben den üblichen rührseligen Gefühlsbekundungen zwischen Bella und ihren monströsen Verehrern, Vampir-Romeo Edward und Sixpack-Werwolf Jacob, setzt der dritte Film zudem einige dramaturgische Actionakzente, die Slade mit spürbarer Genreaffinität möglichst ausspielt. Dafür, dass hier zum dritten Mal in Folge eigentlich nichts passiert, passiert dann doch so einiges: Kämpfe und so was, durchaus unterhaltsam.
Slade findet im Vergleich zu seinen Vorgängern ein ausgewogenes Verhältnis zwischen romantischem Sinnieren in Larifari-Dialogen und mehr oder weniger packenden Action- und Horrorszenen. Der dritte Film rückt, was seinen Look und die besseren visuellen Effekte betrifft, nunmehr tatsächlich in den Bereich des Blockbuster-Kinos vor, auch wenn das Budget von nicht einmal 70 Millionen US-Dollar immer noch bescheiden ausfällt in Relation zum erwartungsgemäß gigantischen Einspielergebnis. Aber: Das ist alles gut gemacht hier. Der Score von Howard Shore ist sogar großartig, geradezu episch, konkurriert im Film hingegen natürlich mit zahlreichen schwerfälligen Pop- und Indiesongs. Allerdings sind auch die wieder schön! Wenn Muse etwas von einer Neutron Star Collision singen, verkauft sich diese jugendliche Ménage à trois zumindest nicht unter Wert.
"Eclipse" gibt allmählich Anlass, "Twilight" heimlich mögen zu dürfen. Für junge Mädchen und sicher auch ein paar Jungs kurz vorm Coming Out ist diese Serie eine legitime Projektionsfläche für naive idealisierte Träumereien. "Twilight" konserviert klassische Prinzessinnenwünsche, für die es offenbar immer noch Bedarf gibt. Bella ist, getreu dieser Logik, so etwas wie das Pony von heute. Und natürlich scheint es bezeichnend, dass derlei Mädchenfantasien offenbar nur noch im Fantasy-Kontext ausgemacht werden dürfen, um einigermaßen integer zu bleiben. Das verrät wohl doch einiges über das ideologisch vermeintlich bedrohliche Potenzial dieser Filme, die ihrer konservativen Sehnsüchte zum Trotz wohl nichts weiter als harmlose Bebilderungen unschuldiger Pubertätswünsche sein können.
60% - erschienen bei den: 5 FILMFREUNDEN
Ich hätte es damals nicht für möglich gehalten, dass die Teenie-Trash-Romanze "Twilight" – bis dato noch lediglich ein, ich sage mal: Jugendbuch-Phänomen – solch ein kommerzieller Erfolg werden würde. Nun muss man ja mittlerweile, neben den Adaptionen der "Harry Potter"-Romane, wohl vom größten und wahrscheinlich auch wichtigsten Kino-Franchise der letzten zehn Jahre sprechen. Das lässt sich als aufmerksamer Filmfreund nur noch schwer umgehen, auch wenn die Filme eigentlich, nun ja, etwas doof sind. Und konservativ und ein bisschen sehr langweilig. Aber immerhin sprechen wir von einer Serie, für die zum Teil hochinteressante Regisseure verpflichtet wurden, oder zumindest im Gespräch waren – zuletzt gar David Cronenberg, der den zentralen Vampirmensch-Konflikt der schönen Bella gewiss nicht nur als schmachtvolle Sehnsuchtsmetapher verhandelt hätte.
Mit dem bisher auf etwas abseitige Genrefilme wie den superguten "Hard Candy" oder den superschlechten "30 Days of Night" abonnierten Briten David Slade haben die Produzenten für den dritten "Twilight"-Film "Eclipse" aber auch eine alles andere als langweilige Regiewahl getroffen. Nach Catherine Hardwicke und Chris Weitz ("New Moon") bringt Slade ein deutlich markanteres visuelles Konzept in die Serie ein, das sich in modischen (aber eben immerhin:) Horrorbildern verortet. Neben den üblichen rührseligen Gefühlsbekundungen zwischen Bella und ihren monströsen Verehrern, Vampir-Romeo Edward und Sixpack-Werwolf Jacob, setzt der dritte Film zudem einige dramaturgische Actionakzente, die Slade mit spürbarer Genreaffinität möglichst ausspielt. Dafür, dass hier zum dritten Mal in Folge eigentlich nichts passiert, passiert dann doch so einiges: Kämpfe und so was, durchaus unterhaltsam.
Slade findet im Vergleich zu seinen Vorgängern ein ausgewogenes Verhältnis zwischen romantischem Sinnieren in Larifari-Dialogen und mehr oder weniger packenden Action- und Horrorszenen. Der dritte Film rückt, was seinen Look und die besseren visuellen Effekte betrifft, nunmehr tatsächlich in den Bereich des Blockbuster-Kinos vor, auch wenn das Budget von nicht einmal 70 Millionen US-Dollar immer noch bescheiden ausfällt in Relation zum erwartungsgemäß gigantischen Einspielergebnis. Aber: Das ist alles gut gemacht hier. Der Score von Howard Shore ist sogar großartig, geradezu episch, konkurriert im Film hingegen natürlich mit zahlreichen schwerfälligen Pop- und Indiesongs. Allerdings sind auch die wieder schön! Wenn Muse etwas von einer Neutron Star Collision singen, verkauft sich diese jugendliche Ménage à trois zumindest nicht unter Wert.
"Eclipse" gibt allmählich Anlass, "Twilight" heimlich mögen zu dürfen. Für junge Mädchen und sicher auch ein paar Jungs kurz vorm Coming Out ist diese Serie eine legitime Projektionsfläche für naive idealisierte Träumereien. "Twilight" konserviert klassische Prinzessinnenwünsche, für die es offenbar immer noch Bedarf gibt. Bella ist, getreu dieser Logik, so etwas wie das Pony von heute. Und natürlich scheint es bezeichnend, dass derlei Mädchenfantasien offenbar nur noch im Fantasy-Kontext ausgemacht werden dürfen, um einigermaßen integer zu bleiben. Das verrät wohl doch einiges über das ideologisch vermeintlich bedrohliche Potenzial dieser Filme, die ihrer konservativen Sehnsüchte zum Trotz wohl nichts weiter als harmlose Bebilderungen unschuldiger Pubertätswünsche sein können.
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