Für Adam Sandler war das Kino – genauer: der US-amerikanische Blockbuster-Betrieb – zuletzt nur noch eine prekäre Heimat. Aus heimlich veröffentlichten E-Mails des ihm bis dato wohl gesonnenen Hollywoodstudios Sony ging hervor, man wolle seinen grenzfreudigen, aber auch kostspieligen Komödien nach kommerziellen Flops wie "Jack und Jill" oder "Der Chaos-Dad" nicht länger eine Bühne bieten. Vier Filme dreht Sandler daher nun exklusiv für den Streaming-Dienst Netflix, beginnend mit "The Ridiculous 6": Einer eher sanften statt wilden Western-Parodie, die den spezifischen Sandler-Humor an der kurzen Leine hält. [...]
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Dezember 17, 2015
Juli 18, 2013
Kino: GROWN UPS 2 [Kindsköpfe 2]
Gegenüber den beiden radikal infantilen letzten Filmen mit Adam Sandler schlägt "Kindsköpfe 2" vergleichsweise gemäßigte Töne an. Das macht ihn aber keinesfalls weniger schön, der Verzicht auf allzu schamlose Derbheiten ist eigentlich nicht der Rede wert. Die Fortsetzung vollzieht, was sich in den jüngsten Sandler-Produktionen bereits andeutete: Den Exzess des Sinnlosen so zu begehen, dass nicht einmal mehr versucht werden muss, dabei irgendwelche Konventionen zu wahren. [...]
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November 27, 2011
Kino: TWILIGHT - BREAKING DAWN - PART I
Hier an dieser Stelle bezeichnete ich die erste Twilight-Adaption zu ihrem Kinostart noch als "einschläfernde und ideologisch bizarre Biedermeier-Schnulze", nichts ahnend, dass mir deren rühriger Vortragsgestus aus episch ausformulierten Teenienöten und konservierten Prüderieidealen drei Jahre und Filme später einmal zu Herzen gehen würde! Allmählicher Konditionierungseffekt, Kapitulation vor dem Grotesken oder doch schlichte Altersmilde? Vielleicht aber auch sind die Twilight-Filme nach Stephenie Meyer seit ihrem unentschlossenen Debüt tatsächlich besser geworden.
Das Loblied aufs große Warten trällerte Chris Weitz in "New Moon" jedenfalls schon deutlich zurückhaltender als Catherine Hardwicke, Regisseurin des ersten Films. Und in Teenie-Schmonzette Numero 3 verdichteten sich die zuvor lediglich behaupteten Konflikte passend zum Titel ("Eclipse") dann sogar wirklich einmal zum mehr oder weniger komplexen Wechselbad der Gefühle, in dem die schöne Bella allen Ideologiefesseln trotzte und sowohl den sanftmütigen Vampir als auch dessen wilden Werwolfrivalen an die kurze Leine nahm. Der weitgehend handlungsfreie Schmachtzirkus gerann im dritten Twilight-Film tatsächlich zur interessanten Emotionsschraube für Pubertierende, deren Befindlichkeits- radar auch ahnungs- und teilnahmslosen Zuschauern eine Projektionsfläche bot, und sei es nur für lehrreiche Beobachtungen zum Zustand der heutigen Jugend.
Dieser Aufwärtstrend, so es denn einer sein mag, setzt sich im kommerziell zweigeteilten Finale der Serie fort. "Breaking Dawn - Part 1" beantwortet die über drei Filme geduldig zugespitzte Heiratsfrage gleich zu Beginn und lässt der großzügigen Gefühlsrhetorik endlich Taten folgen. Die rund ein Drittel der Handlung veranschlagende und nach allen Regeln der Pompkunst ausinszenierte Hochzeitszeremonie ist stark geeignet, die überwiegend minderjährigen Twihards (so nennt man die besonders inbrünstigen Fans der Bücher und Filme) ins selige Gefühlsnirwana zu duseln, würde Regisseur Bill Condon ("Gods and Monsters") das blümerante Prozedere nicht mit visuell prägnanten Bildern blutiger Vorahnung kontrastieren. Nach der Hochzeitsnacht nämlich, in der Bella und Edward endlich ihren verdienten Kuschelsex bekommen, kündigt sich gar schlimmes Unheil an: Ein Mensch-Vampir-Baby!
Dem (vor)letzten Film kommt klar zugute, dass er viele der zuvor aufgeladenen Konflikte zu einem Abschluss führt, einige angekündigte Versprechen einlöst und tatsächlich mit Tempo und Schmackes das herkömmliche Gefühlschaos an eine action- und spannungsbetonte Dramaturgie koppelt. Bellas Schwangerschaft und Vampirwerdung, Edwards und Jacobs hitziger Monsterzwist, der Kampf zwischen Vampir- und Werwolfsclan - dafür, dass wieder einmal kaum etwas passiert, passiert dann doch so einiges. Bisher gelang es keinem der Twilight-Filme so sehr wie "Breaking Dawn", die endlos verbalisierte Hochdramatik der drei Protagonisten an konkrete Probleme zu knüpfen. Und in ihrer Abschied einläutenden Finalstimmung aus potenziertem Sentiment und kitschig-schöner Romantik ist dieses Fast-Schlusskapitel irgendwie doch erstaunlich einnehmend. Schrittweise Gewöhnung oder Sehnsucht nach idealisiertem Schmalz, eigentlich egal.
70% - erschienen bei: Das Manifest
Oktober 13, 2011
Kino: ABDUCTION
Längst überfällig war sie, die erste Hauptrolle des "Twilight"- Schnuckelchens Taylor Lautner (Team Jacob). Immerhin haben sich seine dortigen Co-Stars außerhalb des Mormonen-Franchises schon mehrfach angestellt, auch im allgemeinen Kinogeschehen mitmischen zu können – Robert Pattinsons Liebesdrama mit den Elefanten lief allerdings unter Erwartung, Kristen Stewarts Nicht-Bella-Filme wollte dann sogar gleich niemand schauen. Fraglich gewiss, ob es Lautner mit seinem maßgeschneiderten Leading-Man-Debüt anders ergehen wird.
"Atemlos – Gefährliche Wahrheit" (so übersetzt man also "Abduction", zu Deutsch: Menschenraub) ist komplett auf den 19-jährigen "Hottie" (O-Ton Presseheft) zugeschnittene Teenie-Action als Lightversion der Bourne-Abenteuer, für schmachtende Fangirls gleichermaßen konzipiert wie für Genre-Softies. Ein hauchdünner Ein-Satz-Plot aus belanglosem McGuffin und banaler Identitätssuche sowie willkürliche Actionszenchen klammern eine im Wesentlichen um Lautners Gesichtsbabyspeck und fleißig antrainierten Sixpack heruminszenierte Körpershow für Pubertierende.
Das ist immerhin aufrichtig, aber noch lange nicht gut. Man kann ein Zielpublikum auch bedienen, ohne gleich auf dessen Schößchen springen und kräftig rumrattern zu müssen. Schon in den ersten Minuten gerät der Film über sich selbst ins Sabbern. Lautner soll offenbar geradewegs seinen Mann stehen (sind die Schwulengerüchte etwa auch zu den Produzenten vorgedrungen?), und deshalb müssen zunächst einmal seine Fähigkeiten exponiert werden. Er setzt sich auf die Motorhaube eines mit Vollgas über die Landstraße düsenden Autos, suhlt sich mit Klassenrivalen im Schlamm oder brummt mit dem Motorbike über den Schulhof. Hot!
Daheim gibt’s noch Nachhilfe im Kickboxen vom Papa (Jason Isaacs, auch bekannt als Lucius Malfoy), und auch Mama Hottie (Maria Bello, die Ärmste) kann ihrem permanent oberkörperfrei oder wahlweise auch lediglich in Unterbüchsen herumlaufenden Sohnemann da nur noch zärtlich über den Kopf wuscheln: Hach, "My boys!". In der ersten halben Stunde von "Abduction" ist die Kamera praktisch festgeklebt an Lautners sexy Akrobatik, es kann gar nicht genug Close-ups geben vom Unterlippen kauenden Sonnyboy und seinen athletischen Geschicken (die natürlich nichtsdestotrotz recht beschränkt bleiben).
Nach der großzügig einfältigen Leistungsdemo beginnt der Film dann kurzzeitig Spaß zu machen. Lautner entdeckt auf einer Website für vermisste Kinder ein Foto von sich, im nächsten Moment bereits sind ihm sowohl CIA (in Form von Alfred Molina) als auch dubiose Profikiller (allen voran Michael Nyqvist, bekannt aus der Millennium-Trilogie) auf den Fersen. Mama und Papa Hottie entpuppen sich als Pflegeeltern und werden sogleich eliminiert, einzig seine Schulflamme (kennt man nicht) und eine zuvor in seinem Leben als Therapeutin getarnte CIA-Mitarbeiterin (Sigourney Weaver!) stehen dem plötzlich identitätslosen Teenie bei.
Kurzzeitig Spaß also deshalb, weil hier gleich eine ganze Garde gern gesehener Filmlieblinge zusammenkommt, die den vorhersehbaren Brei zumindest zeitweilig anschaubar macht. Selbst noch in die zweite oder sogar dritte Reihe verdrängt, muss man für Molina oder Weaver dankbar sein, die ja nicht zuletzt eben wegen weitgehend talentfreier Jungsternchen wie Lautner und dem allgemeinen Jugendwahn Hollywoods im US-Mainstream kaum mehr eine (Haupt-)Rolle spielen dürfen. Dass die Größen hier konsequent verheizt werden, ist natürlich klar, ihre Anwesenheit möchte man dennoch nicht missen.
Hinter dieser Besetzung steckt ja auch selbstredend konzeptionelles Geschick: Durch Lautners Muckis und Teenie-Face dringt zu keiner Sekunde auch nur ein Hauch von schauspielerischer Fähigkeit, und nicht einmal für halbwegs originelle Actionszenen hat es im 35-Millionen-Dollar-Budget gereicht. Da kann auch ein mehr oder weniger routinierter Auftragsfilmer wie John Singleton ("2 Fast 2 Furious") nichts ausrichten, außer sich den Gesetzmäßigkeiten des One-Star-Vehikels zu beugen: möglichst viel Gutes daneben stellen, damit das Schlechte im Mittelpunkt vielleicht auch irgendwie ein bisschen gut sein möge.
30% - (komplette Version) erschienen bei: gamona
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Juli 02, 2010
Kino: THE TWILIGHT SAGA - ECLIPSE
Alles wie gewohnt in Forks, Washington: Herzschmerz, Eifersucht, schlechtes Wetter. Bella (Kristen Stewart) steht immer noch zwischen den Fronten und ihre Perücke sieht gar fürchterlich aus. Edward und sein Vampirclan müssen sich gegen eine so genannte "New Blood"-Armee von Blutsaugern zur Wehr setzen, und die oberkörperfreien Indianerwölfe stehen ihm trotz aller Rivalitäten bei. Das macht die Sache für Bella nicht einfacher. Sie ist jetzt zwar verlobt mit dem Vampir (Robert Pattinson), empfindet aber auch Liebe für den Werwolf (Taylor Lautner). "I love you", gesteht sie Jacob, bei Edward dann schon "I love you more". Wirklich kompliziert war und ist das alles nach wie vor nicht, aber langsam geht’s ans Eingemachte: Die Hochzeitsglocken drohen zu läuten und der erste Sex kommt bestimmt. Endlich!
Ich hätte es damals nicht für möglich gehalten, dass die Teenie-Trash-Romanze "Twilight" – bis dato noch lediglich ein, ich sage mal: Jugendbuch-Phänomen – solch ein kommerzieller Erfolg werden würde. Nun muss man ja mittlerweile, neben den Adaptionen der "Harry Potter"-Romane, wohl vom größten und wahrscheinlich auch wichtigsten Kino-Franchise der letzten zehn Jahre sprechen. Das lässt sich als aufmerksamer Filmfreund nur noch schwer umgehen, auch wenn die Filme eigentlich, nun ja, etwas doof sind. Und konservativ und ein bisschen sehr langweilig. Aber immerhin sprechen wir von einer Serie, für die zum Teil hochinteressante Regisseure verpflichtet wurden, oder zumindest im Gespräch waren – zuletzt gar David Cronenberg, der den zentralen Vampirmensch-Konflikt der schönen Bella gewiss nicht nur als schmachtvolle Sehnsuchtsmetapher verhandelt hätte.
Mit dem bisher auf etwas abseitige Genrefilme wie den superguten "Hard Candy" oder den superschlechten "30 Days of Night" abonnierten Briten David Slade haben die Produzenten für den dritten "Twilight"-Film "Eclipse" aber auch eine alles andere als langweilige Regiewahl getroffen. Nach Catherine Hardwicke und Chris Weitz ("New Moon") bringt Slade ein deutlich markanteres visuelles Konzept in die Serie ein, das sich in modischen (aber eben immerhin:) Horrorbildern verortet. Neben den üblichen rührseligen Gefühlsbekundungen zwischen Bella und ihren monströsen Verehrern, Vampir-Romeo Edward und Sixpack-Werwolf Jacob, setzt der dritte Film zudem einige dramaturgische Actionakzente, die Slade mit spürbarer Genreaffinität möglichst ausspielt. Dafür, dass hier zum dritten Mal in Folge eigentlich nichts passiert, passiert dann doch so einiges: Kämpfe und so was, durchaus unterhaltsam.
Slade findet im Vergleich zu seinen Vorgängern ein ausgewogenes Verhältnis zwischen romantischem Sinnieren in Larifari-Dialogen und mehr oder weniger packenden Action- und Horrorszenen. Der dritte Film rückt, was seinen Look und die besseren visuellen Effekte betrifft, nunmehr tatsächlich in den Bereich des Blockbuster-Kinos vor, auch wenn das Budget von nicht einmal 70 Millionen US-Dollar immer noch bescheiden ausfällt in Relation zum erwartungsgemäß gigantischen Einspielergebnis. Aber: Das ist alles gut gemacht hier. Der Score von Howard Shore ist sogar großartig, geradezu episch, konkurriert im Film hingegen natürlich mit zahlreichen schwerfälligen Pop- und Indiesongs. Allerdings sind auch die wieder schön! Wenn Muse etwas von einer Neutron Star Collision singen, verkauft sich diese jugendliche Ménage à trois zumindest nicht unter Wert.
"Eclipse" gibt allmählich Anlass, "Twilight" heimlich mögen zu dürfen. Für junge Mädchen und sicher auch ein paar Jungs kurz vorm Coming Out ist diese Serie eine legitime Projektionsfläche für naive idealisierte Träumereien. "Twilight" konserviert klassische Prinzessinnenwünsche, für die es offenbar immer noch Bedarf gibt. Bella ist, getreu dieser Logik, so etwas wie das Pony von heute. Und natürlich scheint es bezeichnend, dass derlei Mädchenfantasien offenbar nur noch im Fantasy-Kontext ausgemacht werden dürfen, um einigermaßen integer zu bleiben. Das verrät wohl doch einiges über das ideologisch vermeintlich bedrohliche Potenzial dieser Filme, die ihrer konservativen Sehnsüchte zum Trotz wohl nichts weiter als harmlose Bebilderungen unschuldiger Pubertätswünsche sein können.
60% - erschienen bei den: 5 FILMFREUNDEN
Ich hätte es damals nicht für möglich gehalten, dass die Teenie-Trash-Romanze "Twilight" – bis dato noch lediglich ein, ich sage mal: Jugendbuch-Phänomen – solch ein kommerzieller Erfolg werden würde. Nun muss man ja mittlerweile, neben den Adaptionen der "Harry Potter"-Romane, wohl vom größten und wahrscheinlich auch wichtigsten Kino-Franchise der letzten zehn Jahre sprechen. Das lässt sich als aufmerksamer Filmfreund nur noch schwer umgehen, auch wenn die Filme eigentlich, nun ja, etwas doof sind. Und konservativ und ein bisschen sehr langweilig. Aber immerhin sprechen wir von einer Serie, für die zum Teil hochinteressante Regisseure verpflichtet wurden, oder zumindest im Gespräch waren – zuletzt gar David Cronenberg, der den zentralen Vampirmensch-Konflikt der schönen Bella gewiss nicht nur als schmachtvolle Sehnsuchtsmetapher verhandelt hätte.
Mit dem bisher auf etwas abseitige Genrefilme wie den superguten "Hard Candy" oder den superschlechten "30 Days of Night" abonnierten Briten David Slade haben die Produzenten für den dritten "Twilight"-Film "Eclipse" aber auch eine alles andere als langweilige Regiewahl getroffen. Nach Catherine Hardwicke und Chris Weitz ("New Moon") bringt Slade ein deutlich markanteres visuelles Konzept in die Serie ein, das sich in modischen (aber eben immerhin:) Horrorbildern verortet. Neben den üblichen rührseligen Gefühlsbekundungen zwischen Bella und ihren monströsen Verehrern, Vampir-Romeo Edward und Sixpack-Werwolf Jacob, setzt der dritte Film zudem einige dramaturgische Actionakzente, die Slade mit spürbarer Genreaffinität möglichst ausspielt. Dafür, dass hier zum dritten Mal in Folge eigentlich nichts passiert, passiert dann doch so einiges: Kämpfe und so was, durchaus unterhaltsam.
Slade findet im Vergleich zu seinen Vorgängern ein ausgewogenes Verhältnis zwischen romantischem Sinnieren in Larifari-Dialogen und mehr oder weniger packenden Action- und Horrorszenen. Der dritte Film rückt, was seinen Look und die besseren visuellen Effekte betrifft, nunmehr tatsächlich in den Bereich des Blockbuster-Kinos vor, auch wenn das Budget von nicht einmal 70 Millionen US-Dollar immer noch bescheiden ausfällt in Relation zum erwartungsgemäß gigantischen Einspielergebnis. Aber: Das ist alles gut gemacht hier. Der Score von Howard Shore ist sogar großartig, geradezu episch, konkurriert im Film hingegen natürlich mit zahlreichen schwerfälligen Pop- und Indiesongs. Allerdings sind auch die wieder schön! Wenn Muse etwas von einer Neutron Star Collision singen, verkauft sich diese jugendliche Ménage à trois zumindest nicht unter Wert.
"Eclipse" gibt allmählich Anlass, "Twilight" heimlich mögen zu dürfen. Für junge Mädchen und sicher auch ein paar Jungs kurz vorm Coming Out ist diese Serie eine legitime Projektionsfläche für naive idealisierte Träumereien. "Twilight" konserviert klassische Prinzessinnenwünsche, für die es offenbar immer noch Bedarf gibt. Bella ist, getreu dieser Logik, so etwas wie das Pony von heute. Und natürlich scheint es bezeichnend, dass derlei Mädchenfantasien offenbar nur noch im Fantasy-Kontext ausgemacht werden dürfen, um einigermaßen integer zu bleiben. Das verrät wohl doch einiges über das ideologisch vermeintlich bedrohliche Potenzial dieser Filme, die ihrer konservativen Sehnsüchte zum Trotz wohl nichts weiter als harmlose Bebilderungen unschuldiger Pubertätswünsche sein können.
60% - erschienen bei den: 5 FILMFREUNDEN
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Xavier Samuel
November 26, 2009
Kino: THE TWILIGHT SAGA - NEW MOON
Die pubertären Tage der wunderhübschen Bella sind gezählt: Sie ist 18 Jahre alt und damit eigentlich erwachsen geworden. Trotzdem muss sie sich nach wie vor mit schwersten Teenienöten herumschlagen, die so leidvoll wie scheinbar unüberwindbar und bestimmt so notwendig wie natürlich ihr quälendes Mittelklasseleben bestimmen: Da sitzt die Hübsche monatelang an ihrem Fenster, während die Jahreszeiten vorüberziehen und die Popsongs in der Endlosschleife fest hängen. Und alles nur, weil der ewig 17jährige Edward das kleine Städtchen Forks verlassen hat, um keine Gefahr mehr für seine geliebte Sterbliche und die durstige Familie darzustellen. Der anmutige Blutsauger hat damit indes das Feld für eine ganz andere übernatürliche Genrespezies geräumt – Bella wird nun vom Indianer Jacob umgarnt, der sich jetzt außerdem regelmäßig in einen pelzigen Werwolf verwandelt und daher anders als im Vorgänger jede Szene halbnackt bestreitet. Geil!
Das Gefühlswirrwarr ist der rote Faden in "New Moon", ganz so wie in "Twilight". Es ist eine Schmonzette für junge Mädchen und alle, die es gern sein wollen. Es ist ein Film, der emotional funktionieren und der viel über unerfüllte Liebe, Sehnsucht, Hingabe, unstillbares Verlangen, Herzschmerz und besonders das erste Mal erzählen möchte. Letzteres spielt natürlich keine Rolle, im ersten Teil nach Stephenie Meyers unverschämt erfolgreicher Buchserie musste ein harmloser Kuss ohne Zunge als Höhepunkt genügen. Und auch hier ist an Sex eigentlich gar nicht zu denken, würden Bellas lustvolle Blicke und ihr sehnlichster Wunsch nach einem kräftigen Vampirbiss nicht ein simples Chiffre für diesen doch nur allzu ordinären Gedanken bilden: Warum also kann der schmierige Edward nicht einfach mal seine Beißerchen rausholen und es der Bella gepflegt besorgen, damit der ja doch irgendwie grundlos wehleidige Tonfall auch dieses zweiten "Twilight"-Filmes hinfällig wird? Vermutlich, weil "New Moon" wie sein Vorgänger als romantisches Kintopp für die Generation Enthaltsamkeit fungieren und deshalb auf jedwede Form von körperlicher Nähe verzichten muss.
Der leicht reaktionäre Einschlag von "Twilight" hat sich allerdings nicht allzu bemerkenswert in die Fortsetzung geschummelt, die endlosen Dialoge über schmerzhafte Nähe und unmögliche Berührungen sind mehr oder weniger verschwunden: Das Loblied aufs große Warten trällert Regisseur Chris Weitz zurückhaltender als Catherine Hardwicke, Regisseurin des ersten Films. Dennoch bleiben Zielgruppenabweichlern die ganzen Probleme dieser Geschichte merklich fremd – man will einfach nicht so recht verstehen, wo in all dem Emo-Quark aus Wortschwall und Gefühlschaos eigentlich der Grund für die zweistündige Unzufriedenheit liegt, die ausnahmslos alle Figuren befallen hat. So mag sich "New Moon" sorgfältig in die Erlebniswelt seiner jugendlichen Heldin einfühlen und mit Kristen Stewart auch eine enorm begabte und vielseitige Hauptdarstellerin gewonnen haben, erscheint nichtsdestotrotz als ebenso inhalts- wie ideenloses Replikat einstiger Jugendfilme, dem er ungleich weniger feinfühlig Genreelemente beimengt, die frei von Tiefsinnigkeit offensichtlichste Werwolfs- und Vampirmythen bemühen.
Und bestimmt, es ist ein Leichtes, dieses kurios erfolgreiche Phänomen (die Einspielergebnisse sprechen für sich) mit Sarkasmus und böswilliger Ironie nicht ernst zu nehmen. Doch die beiden "Twilight"-Filme, so banal sie vermitteln, so ideologisch sie gestrickt sein mögen, so überraschend schlecht sie inszeniert, getrickst und bebildert sind, treffen ganz offensichtlich einen Publikumsnerv. Es ist nicht die schlechteste Unterhaltung des Kinojahres, und gewiss ist es auch kein so dummdreister Film wie, sagen wir, zum Beispiel einer über kämpfende Riesenroboter aus dem Weltall. Trinken wir das Glas also doch einmal halbvoll und freuen uns über die Wertschätzung von Literatur, überforderte Jungdarsteller, ständig nackte Oberkörper. Und – immerhin – bei aller Verdammung des männlichen Körpers zum absoluten Sexobjekt über die Re-Emanzipation der jungen Frau im Kino. Bis zum dritten Blutsauger-Werwolfs-Gemisch, bis zum Sommer 2010 dann.
50% - erschienen bei den: 5 FILMFREUNDEN
Das Gefühlswirrwarr ist der rote Faden in "New Moon", ganz so wie in "Twilight". Es ist eine Schmonzette für junge Mädchen und alle, die es gern sein wollen. Es ist ein Film, der emotional funktionieren und der viel über unerfüllte Liebe, Sehnsucht, Hingabe, unstillbares Verlangen, Herzschmerz und besonders das erste Mal erzählen möchte. Letzteres spielt natürlich keine Rolle, im ersten Teil nach Stephenie Meyers unverschämt erfolgreicher Buchserie musste ein harmloser Kuss ohne Zunge als Höhepunkt genügen. Und auch hier ist an Sex eigentlich gar nicht zu denken, würden Bellas lustvolle Blicke und ihr sehnlichster Wunsch nach einem kräftigen Vampirbiss nicht ein simples Chiffre für diesen doch nur allzu ordinären Gedanken bilden: Warum also kann der schmierige Edward nicht einfach mal seine Beißerchen rausholen und es der Bella gepflegt besorgen, damit der ja doch irgendwie grundlos wehleidige Tonfall auch dieses zweiten "Twilight"-Filmes hinfällig wird? Vermutlich, weil "New Moon" wie sein Vorgänger als romantisches Kintopp für die Generation Enthaltsamkeit fungieren und deshalb auf jedwede Form von körperlicher Nähe verzichten muss.
Der leicht reaktionäre Einschlag von "Twilight" hat sich allerdings nicht allzu bemerkenswert in die Fortsetzung geschummelt, die endlosen Dialoge über schmerzhafte Nähe und unmögliche Berührungen sind mehr oder weniger verschwunden: Das Loblied aufs große Warten trällert Regisseur Chris Weitz zurückhaltender als Catherine Hardwicke, Regisseurin des ersten Films. Dennoch bleiben Zielgruppenabweichlern die ganzen Probleme dieser Geschichte merklich fremd – man will einfach nicht so recht verstehen, wo in all dem Emo-Quark aus Wortschwall und Gefühlschaos eigentlich der Grund für die zweistündige Unzufriedenheit liegt, die ausnahmslos alle Figuren befallen hat. So mag sich "New Moon" sorgfältig in die Erlebniswelt seiner jugendlichen Heldin einfühlen und mit Kristen Stewart auch eine enorm begabte und vielseitige Hauptdarstellerin gewonnen haben, erscheint nichtsdestotrotz als ebenso inhalts- wie ideenloses Replikat einstiger Jugendfilme, dem er ungleich weniger feinfühlig Genreelemente beimengt, die frei von Tiefsinnigkeit offensichtlichste Werwolfs- und Vampirmythen bemühen.
Und bestimmt, es ist ein Leichtes, dieses kurios erfolgreiche Phänomen (die Einspielergebnisse sprechen für sich) mit Sarkasmus und böswilliger Ironie nicht ernst zu nehmen. Doch die beiden "Twilight"-Filme, so banal sie vermitteln, so ideologisch sie gestrickt sein mögen, so überraschend schlecht sie inszeniert, getrickst und bebildert sind, treffen ganz offensichtlich einen Publikumsnerv. Es ist nicht die schlechteste Unterhaltung des Kinojahres, und gewiss ist es auch kein so dummdreister Film wie, sagen wir, zum Beispiel einer über kämpfende Riesenroboter aus dem Weltall. Trinken wir das Glas also doch einmal halbvoll und freuen uns über die Wertschätzung von Literatur, überforderte Jungdarsteller, ständig nackte Oberkörper. Und – immerhin – bei aller Verdammung des männlichen Körpers zum absoluten Sexobjekt über die Re-Emanzipation der jungen Frau im Kino. Bis zum dritten Blutsauger-Werwolfs-Gemisch, bis zum Sommer 2010 dann.
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