Februar 18, 2016
Kino: HAIL, CAESAR!
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Mai 24, 2012
Kino: MEN IN BLACK 3
Dezember 20, 2010
Last Seen: YOU WILL MEET A TALL DARK STRANGER
50%
Februar 11, 2009
BERLINALE 2009 - From The Ritz To The Rubble
The Times of Harvey Milk (USA, 1984) / Milk (USA, 2008)
Celebration Presentation: Rob Epsteins Dokumentation der politischen Hochzeit des ersten schwulen Supervisors von San Francisco. Nüchtern und überlegt rekonstruiert der Film die Ereignisse bis zum gewaltsamen Tod Harvey Milks Ende der 70er, befragt Angehörige und Freunde, und untersucht die Entstehung einer Subkultur rund um das heute legendäre Castro-Viertel. Harvey Fiersteins Voice-Over verleiht dem Film dabei eine nicht immer geglückte Sentimentalität, ansonsten ist Epsteins Faktenanalyse jedoch von großem Referenzwert. Nicht zuletzt Gus Van Sant beweist das mit seiner dramatisierten Version der Ereignisse, die sich in vielerlei Hinsicht streng an "The Times of Harvey Milk" orientiert.
Beide Filme sind im Panorama zu sehen.
Vingança (Retribution) (BR, 2008)Das Regiedebüt des Brasilianers Paulo Pons ist die erste von vier einheimischen Low-Budget-Produktionen, die von der nationalen Förderinitiative PAX Films in Auftrag gegeben wurden. Der Film erzählt eine zunächst undurchsichtige Geschichte: Eine Frau wird an einem Fluss aufgefunden, sie wurde dort vergewaltigt und schwer verletzt zurückgelassen. Einige Monate später begibt sich ihr Verlobter Miguel in Rio auf die Suche nach dem Täter, im Auftrag seines vermögenden Schwiegervaters in spe. Widerwillig soll er den Mann aufspüren und töten, der seiner geliebten Camilla das Leben zur Hölle gemacht hat.
Durch seine komplex erscheinende Erzählstruktur wirkt "Vingança" (Rache) zunächst wie ein nicht uninteressantes Erforschen sozialer Milieus, in denen viele Figuren in einem zeitlich und räumlich unklaren Verhältnis zum expositiven Verbrechen stehen. Schnell erschöpft sich das Drehbuch- konzept der Mitteilungsarmut aber schnell, wenn die ewigen Rätselfährten nur noch Ermüdung hervorrufen. Der mitunter unfassbar langweilige Film entpuppt sich dann zunehmend als simpel gestrickter Rachethriller, der auf einige Genrefragen zwar erfreulich unkonventionelle Antworten gibt, mit seiner ideenlosen Inszenierung hingegen alle Sympathie restlos verspielt. Nicht zuletzt die permanent ruhelose und grundlos zittrige Kamera droht einen dabei in den sicheren Wahnsinn zu treiben.
15%
Februar 02, 2008
Kino: NO COUNTRY FOR OLD MEN
Irgendwo an der mexikanischen Grenze, nahe des Rio Grande: Vietnamveteran Llewelyn Moss (Josh Brolin) entdeckt beim Jagen in der Einöde das blutige Ausmaß eines schief gelaufenen Drogendeals. Neben mehreren Leichen stößt er dabei auch auf zwei Millionen US-Dollar, die er ungefragt mit sich nimmt. Alsbald sind ihm deshalb nicht nur eine Horde Mexikaner auf der Spur, sondern auch die Auftragskiller Anton Chigurh (großartig: Javier Bardem) und Carson Wells (Woody Harrelson), die das Geld per Funksignal verfolgen. Doch der ansässige Sheriff Bell (Tommy Lee Jones als Provinzbulle, dem männlichen Pendant zu Frances McDormand in "Fargo") bekommt Wind von der Sache und versucht Moss und dessen Ehefrau zu schützen. Das ist kein Land für alte Männer. Einen Film der Coen-Brüder zu gucken ist wie zwei Stunden in einem Filmwissenschaftsseminar zu sitzen. Da bekommt man mächtig viel um die Ohren gehauen, viel kompetentes Wissen und viel tadelloses Handwerk vorgesetzt, ganz wunderbarer Anschauungsunterricht ist das. Und wie es sich für schludrige Dozenten gehört, machen die beiden das nie staubtrocken oder ätzend theoretisch, sondern immer mit einer augenzwinkernden Pointe zwischen den Lippen, einem Gag hier und einem Insider da, damit bei all dem Lernstoff immer auch der Spaß gesichert ist – denn letztlich geht es ja doch nur um den großen Witz, um alles, nur nicht um Ernsthaftigkeit.
Wenn man nach zwei Stunden "No Country for Old Men" zu Schmunzeln beginnt, weil all das, was man hier gesehen hat, doch nur reinster Absurdität entspringen kann, dann wird das besonders deutlich. Dieser Film hat keine größeren Ambitionen, nicht wirklich etwas mitzuteilen und auch keine Position zu vertreten, die den filmischen Tellerrand überschreitet. Er ist wie letztlich nahezu jeder Coen-Film ein Ausstellungsstück, das Ergebnis eines langen und intensiven Filmstudiums seiner Macher, ein in bewegte Bilder verpacktes Analysebuch über die Beschaffenheit des Kinos. Keine Reflektion etwa, denn Reflektion heißt Stellung beziehen, sondern nur ein einfaches Vorführen, ein dezent intellektuelles Demonstrieren. "No Country for Old Men" ist kein Theorem, untersucht keine Genremuster, paraphrasiert keine Methoden des Kinos, stellt sie nicht in einen Zusammenhang. Er bedient sie lediglich so offensichtlich, dass er zeigt, sie verstanden zu haben, ohne daraus einen Mehrwert oder eine Absicht zu bilden.
Der Film bleibt deshalb zumindest gefühlsmäßig eine distanzierte, kühle und weitestgehend unmenschliche Spielerei auf beachtlichem Niveau. Wie die Coens mit Zuschauererwartungen umgehen, sie bedienen oder mit ihnen brechen, wie sie eine ungemein verkürzte, knappe und dennoch völlig mit filmischem Raum ausgefüllte Geschichte erzählen, wie sie auf Details achten, die an anderen Filmemachern völlig vorbeigehen – seien es Schleifspuren von Gummischuhen auf dem Boden, nachdem ein Polizist dort qualvoll erwürgt wurde, oder eine so sorgfältige Ausstattung, dass man meint den modrigen Geruch der Holzwohnwägen riechen zu können (Roger Deakins sei Dank) –, das alles ist ziemlich brillant und auch ziemlich einmalig. Und während die Regisseure eine Geschichte über Zufall und Schicksal, über Raum und Zeit erzählen, führen sie vor allem die Berechenbarkeit des Kinos vor, die Standards, die Typisierungen, die Konventionen. Oder wäre das nicht bereits eine Deutung, die dem postmodernen Filmverständnis der beiden widerspräche?
Ein wirkliches Problem muss man daraus nicht zwangsläufig ableiten, immerhin funktionieren die Filme der Coens immer auch als stinknormales Erzählkino, wenngleich sie mehr als das sein wollen. Dass die inszenatorische Brillanz der beiden jedoch in letzter Konsequenz so ungenutzt bleibt, weil sie zu nichts, das außerhalb ihres Kinoradius' liegt, Stellung beziehen, bleibt ein wenig bedauernswert. Denn all die Figuren sind letztlich leblos, bleiben reine Filmkonstrukte, wie einem "No Country for Old Men" nichts über Menschen oder über das Leben erzählt, sondern lediglich über das Kino. Wenn Filme ein Makrouniversum widerspiegeln, so beschwören die Coens alles nur auf Mikroniveau. Ohne wahre Leidenschaft für die Inhalte, sondern einer pragmatischen Verpflichtung fürs Formelle.
Wenn die Regisseure dabei hinter der Leinwand sitzen und durch sie hindurch kommentieren, ist das amüsant wie gleichermaßen störend. So wird der der Geschichte folgende Zuschauer spätestens nach zwei (unglaublich spannenden) Dritteln aus dem Film geworfen, wenn ihre Erzähler das Zepter endgültig in die Hand nehmen und mit aufgesetzten Ellipsen die Handlung zerbröseln. Es geht also gar nicht darum, was erzählt wird, sondern nur wie es erzählt wird, ohne doppelten Boden und ohne Ausweichmöglichkeit für ein Publikum, das an kokettem Filmschwall nicht interessiert ist. "No Country for Old Men" kann man deshalb als formal perfekte Beschwörung ans Kino, an seine Funktionsweise und seine Mechanismen lesen – oder ihn einfach als zwölften Coen-Film betrachten, bei dem es wieder einmal um nichts anderes als reine Technokratie geht.
Oktober 28, 2007
Kino 1/2: AMERICAN GANGSTER
Ridley Scotts neuer High-Profile-Oscar-haben-will-Film zwang mich nach rund 80 (von insgesamt 160) Minuten das Kino zu verlassen. Das hatte zwei ganz offensichtliche Gründe. Denzel Washington war der erste. Schon in den Schnitt- und Soundgewittervehikeln von Ridleys kleinem ungezügeltem Brüderchen strapazierte der meine Nerven gehörig (seht her, ich bin ein ganz cooler Hund). Der zweite hieß natürlich Russel Crowe, der – warum auch immer – für Scotts Trashfilm "Gladiator" einen Goldjungen mit nach Hause nehmen durfte (hingegen immer noch besser als für Ron Howards Weichspüldesaster "A Beautiful Mind") und ihm seitdem einen Treuedienst nach dem anderen schwört. Doch gegen "American Gangster" wirkte das letzte Projekt der beiden, ein weltfremder Weingutfilm mit hübschen Französinnen in der noch hübscheren Provence, wie ein altherrenromantisches Meisterwerk. Wie hier nämlich auf Teufel komm raus das neue Gangsterepos generiert werden will, grenzt an Körper- verletzung. Ein unsäglich langweiliger, uninteressanter, vorhersehbarer Käse ist das, ein möchtegern-epischer Mafiafilm, der bei "Serpico", "French Connection", "Scarface" und vor allem "Heat" abkupfert, der kein Gespür für irgendwas aufweist, ideenlos, beliebig und dummdreist vor sich hin plätschert und dabei eben ganz einfach nur fürchterlich öde ist. Sollte ich in der zweiten Hälfte jetzt irgendetwas Wichtiges verpasst oder sich der Film überraschend doch noch von sehr scheiße auf nur scheiße gesteigert haben, so lasse man es mich bitte wissen.September 27, 2007
Kino: PLANET TERROR
Was Rodriguez hier mehr noch als in all seinen anderen Filmen macht, ist ein sich selbst ausstellendes Plündern sattsam bekannter Genreklischees und beliebig platzierter Zitate. "Planet Terror" ist enorm durchlässig in seiner popkulturellen Ereigniskette, die keinen roten Faden, keinen eigenen Stil und keine Individualität und Subjektivität aufweist. Der Film – als Bestandteil eines Experiments, irgendwas mit Grindhouse-Kino und Double Feature – bringt noch direkter auf den Punkt, was die Arbeit dieses autodidaktischen Regisseurs ausmacht, nämlich die ähigkeit, das völlig Zusammenhangslose in sich selbst zu kontextualisieren. Selten jedoch war darin eine so derartige Belang- und Ziellosigkeit zu verorten wie im Falle von "Planet Terror", der wie eine schrecklich anbiedernde Mischung aus gewolltem Trashkino, das zwar teuer und hochwertig produziert wurde, aber bewusst dümmlich erscheinen soll, und selbstgefälliger Genügsamkeit daherkommt. Und selten zuvor erschien diese Art des Filmemachens so kindisch und banal.
Der Film verlässt sich ausschließlich darauf, dass sein Publikum die Offensichtlichkeit der Bezüge zu allgemeinen und spezifischen Genre-Klischees und –Referenzen erkennt und daraus ein unterhaltsames Vergnügen ableitet. Für Spaß und Verständnis eines "Planet Terror" muss man lediglich mit dem Fernsehen groß geworden sein, filmische Komplexität würde diese Wirkung behindern, darum verharrt der Film in einer formalen wie inhaltlichen Einfältigkeit. Jedes Element läuft sich selbst über den Weg, immer ist die offensichtliche Übertreibung der Darstellung oberstes Prinzip. Das funktioniert als uneigenständiges Kino der Oberflächenreize bis zu einem gewissen Punkt, so lange zumindest die Freude am Belanglosen, der Spaß an der vorgetäuschten Originalität bei Filmen wie "Pulp Fiction" oder "The Faculty" überwiegt. Nun jedoch ist dieses Prinzip allmählich an seinem Ende angekommen, Rodriguez’ "Planet Terror" ist nur eine missglückte, zerteilte Reprise des "From Dusk Till Dawn"-Konzepts. Das Wiederholte wiederholt sich, das auf sich selbst Aufmerksammachende macht auf sich selbst aufmerksam.
Ironischerweise bezeichnet eines der Hauptprobleme von "Planet Terror" die bemühte und zum Teil auch gelungene Beziehung zu den Vorbildern. Krankte "Death Proof" vielleicht an seiner Inkonsequenz beim Versuch, ein längst ausgestorbenes Kino zu imitieren, indem er mit künstlichen Bildfehlern die peppigen Dialoge, originellen Kameraeinstellungen und raffinierten Plotholes zu verdecken und damit einen grundlegenden Bezug zur Grindhouse-Ära herzustellen versuchte – er also eigentlich viel zu gut war, um schlecht sein zu können –, so präsentiert sich "Planet Terror" nicht weniger kokett in schmuddeliger Filmrissoptik. Er weist jedoch keinerlei Stärken auf, die sein Konzept zu verraten drohen. Das ist streng genommen ein anderer und womöglich besserer Ansatz als beim Zwillingsfilm, nur offenbart sich somit die ganz simple Erkenntnis, dass ein gelungen auf schlecht getrimmter Film deshalb noch lange kein guter Film sein muss. Zumal ja doch manche der alten Grindhouse-Produktionen durch ihren unfreiwilligen Witz, ihre exploitative Naivität und rudimentäre Inszenierung amüsieren.
"Planet Terror" ist darum bemüht, mithilfe bewusster Mittel einen freiwillig unfreiwilligen Humor zu erzeugen, der sich naturgemäß völlig von den ausgewiesenen Vorbildern unterscheidet. Es ist unterhaltsam und komisch, wenn ein schmuddeliger Horrorfilm einer bestimmten Handlung entspricht, die eine andere Wirkung erzeugt, als sie womöglich intendierte. Rodriguez hingegen positioniert seine profanen und mitunter sicherlich liebenswürdigen Ecken und Kanten als bewusste Augenzwinkereffekte, die meist aufgrund ihres Wandels zu Klischees und vor allem ihrer Deutlichkeit nur eine Wirkung, nämlich die des Amüsements, verfolgen. Darüber geht ihm indes jegliche Subtilität verloren, die Filmverweise sind platt und leicht erkenntlich, damit auch jeder Zuschauer einen bequemen Platz zugewiesen bekommt. Das ist wohl ohnehin der Punkt: Die Postmodernität dieser Filme ist einfach nur reine Bequemlichkeit. Und sie unterfordert ihr Publikum mehr und mehr.
