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Januar 29, 2013

DVD/BD: SEAL TEAM SIX - THE RAID ON OSAMA BIN LADEN [Code Name: Geronimo]

Gleich zwei aktuelle Filme erzählen von der Jagd nach Osama Bin Laden und wie der ehemalige Al-Qaida-Führer von einer Spezialeinheit der Navy Seals hingerichtet wurde. "Code Name: Geronimo" ist der deutlich schwächere von beiden.[...]

September 27, 2007

Kino: PLANET TERROR

Eine Knochensäge nähert sich unaufhörlich dem Gesicht des mad scientist, immer weiter zoomt die Kamera an den vor Schreck erstarrten Doktor, während der infizierte Halbtote auf ihn zuschreitet. Dann plötzlich … reicht das Stromkabel nicht aus, der Stecker wird gezogen und das Publikum lacht. Natürlich! Denn hier wurde soeben augenscheinlich ein Genreklischee bedient, so bewusst und offensichtlich, dass ein jeder hinter der steifen Darstellung mitsamt schriller Musik und sabbernden B-Filmeffekten den gewollten Spaß ausmachen kann. Das ist sozusagen das Prinzip jenes postmodernen Kinos, in dem sich Quentin Tarantino und Robert Rodriguez so ungeniert austoben dürfen. Selbst die geschmacklosesten Witze und unappetitlichsten Einfälle erhalten hier unabhängig ihrer Originalität Applaus, weil es in ihnen immer ein Element gibt, das den Zuschauer in seinem Wissen und seiner Vorkenntnis bestätigt. Ob man nun "The Incredible Melting Man" und "Return of the Living Dead" gesehen hat oder nicht, ob jemand weiß, wer Tom Savini und Michael Biehn sind und welch ironischen Kniefall ihre Besetzung zum Ausdruck bringen soll oder auch nicht – der Witz dieser Szene wird mindestens durch die schlicht-schlechte Offensichtlichkeit evoziert und gesichert.

Was Rodriguez hier mehr noch als in all seinen anderen Filmen macht, ist ein sich selbst ausstellendes Plündern sattsam bekannter Genreklischees und beliebig platzierter Zitate. "Planet Terror" ist enorm durchlässig in seiner popkulturellen Ereigniskette, die keinen roten Faden, keinen eigenen Stil und keine Individualität und Subjektivität aufweist. Der Film – als Bestandteil eines Experiments, irgendwas mit Grindhouse-Kino und Double Feature – bringt noch direkter auf den Punkt, was die Arbeit dieses autodidaktischen Regisseurs ausmacht, nämlich die ähigkeit, das völlig Zusammenhangslose in sich selbst zu kontextualisieren. Selten jedoch war darin eine so derartige Belang- und Ziellosigkeit zu verorten wie im Falle von "Planet Terror", der wie eine schrecklich anbiedernde Mischung aus gewolltem Trashkino, das zwar teuer und hochwertig produziert wurde, aber bewusst dümmlich erscheinen soll, und selbstgefälliger Genügsamkeit daherkommt. Und selten zuvor erschien diese Art des Filmemachens so kindisch und banal.

Der Film verlässt sich ausschließlich darauf, dass sein Publikum die Offensichtlichkeit der Bezüge zu allgemeinen und spezifischen Genre-Klischees und –Referenzen erkennt und daraus ein unterhaltsames Vergnügen ableitet. Für Spaß und Verständnis eines "Planet Terror" muss man lediglich mit dem Fernsehen groß geworden sein, filmische Komplexität würde diese Wirkung behindern, darum verharrt der Film in einer formalen wie inhaltlichen Einfältigkeit. Jedes Element läuft sich selbst über den Weg, immer ist die offensichtliche Übertreibung der Darstellung oberstes Prinzip. Das funktioniert als uneigenständiges Kino der Oberflächenreize bis zu einem gewissen Punkt, so lange zumindest die Freude am Belanglosen, der Spaß an der vorgetäuschten Originalität bei Filmen wie "Pulp Fiction" oder "The Faculty" überwiegt. Nun jedoch ist dieses Prinzip allmählich an seinem Ende angekommen, Rodriguez’ "Planet Terror" ist nur eine missglückte, zerteilte Reprise des "From Dusk Till Dawn"-Konzepts. Das Wiederholte wiederholt sich, das auf sich selbst Aufmerksammachende macht auf sich selbst aufmerksam.

Ironischerweise bezeichnet eines der Hauptprobleme von "Planet Terror" die bemühte und zum Teil auch gelungene Beziehung zu den Vorbildern. Krankte "Death Proof" vielleicht an seiner Inkonsequenz beim Versuch, ein längst ausgestorbenes Kino zu imitieren, indem er mit künstlichen Bildfehlern die peppigen Dialoge, originellen Kameraeinstellungen und raffinierten Plotholes zu verdecken und damit einen grundlegenden Bezug zur Grindhouse-Ära herzustellen versuchte – er also eigentlich viel zu gut war, um schlecht sein zu können –, so präsentiert sich "Planet Terror" nicht weniger kokett in schmuddeliger Filmrissoptik. Er weist jedoch keinerlei Stärken auf, die sein Konzept zu verraten drohen. Das ist streng genommen ein anderer und womöglich besserer Ansatz als beim Zwillingsfilm, nur offenbart sich somit die ganz simple Erkenntnis, dass ein gelungen auf schlecht getrimmter Film deshalb noch lange kein guter Film sein muss. Zumal ja doch manche der alten Grindhouse-Produktionen durch ihren unfreiwilligen Witz, ihre exploitative Naivität und rudimentäre Inszenierung amüsieren.

"Planet Terror"
ist darum bemüht, mithilfe bewusster Mittel einen freiwillig unfreiwilligen Humor zu erzeugen, der sich naturgemäß völlig von den ausgewiesenen Vorbildern unterscheidet. Es ist unterhaltsam und komisch, wenn ein schmuddeliger Horrorfilm einer bestimmten Handlung entspricht, die eine andere Wirkung erzeugt, als sie womöglich intendierte. Rodriguez hingegen positioniert seine profanen und mitunter sicherlich liebenswürdigen Ecken und Kanten als bewusste Augenzwinkereffekte, die meist aufgrund ihres Wandels zu Klischees und vor allem ihrer Deutlichkeit nur eine Wirkung, nämlich die des Amüsements, verfolgen. Darüber geht ihm indes jegliche Subtilität verloren, die Filmverweise sind platt und leicht erkenntlich, damit auch jeder Zuschauer einen bequemen Platz zugewiesen bekommt. Das ist wohl ohnehin der Punkt: Die Postmodernität dieser Filme ist einfach nur reine Bequemlichkeit. Und sie unterfordert ihr Publikum mehr und mehr.

Juni 29, 2006

Kino: POSEIDON

Wolfgang Petersen kann oder will es wohl nicht lassen: Er kommt einfach nicht los vom Wasser, von Schiffen und Booten, von großen Spektakeln, eines teurer als das andere, von Helden und Verlierern, die wiederum doch noch zu Helden werden und von einem Maximum an aufgeblasener Action, aber einem Minimum an Inhalt und Dramaturgie. „Unser Mann" in Hollywood ist eben amerikanischer als seine amerikanischen Kollegen.

"Poseidon" ist ein großartiger Beweis für die Verschwendung einer Industrie, ein unheimlich aufgeblasenes Unterfangen, das mit (offiziell) 160 Mio. Dollar Produktionskosten, inoffiziell liegt die Summe eher um die 200 Mio., zwar in der normalen Preisklasse Petersens liegt (zumindest mit "Troy" verglichen), sich anders aber als dessen bisherige Blockbuster als gigantischer Flop entpuppte: Niemand in den USA wollte das Remake von Ronald Neames "The Poseidon Adventure" sehen, der Film spielte dort bislang nicht einmal 60 Mio. Dollar ein. Verständlich eigentlich, wäre die Neuverfilmung, so unterirdisch schlecht sie auch eigentlich ist, nicht letztlich doch sehr unterhaltsam.

Das Original aus dem Jahre 1972 ist bereits alles andere als herausragend, doch im unüberschaubaren Groß der Katastrophenfilme der 70er Jahre zumindest ein Lichtblick, verstand Regisseur Neame es doch, all das spektakuläre Potential stets seiner Geschichte und den Figuren unterzuordnen, dabei vor allem unter Einsatz visuell brillanter Spezialeffekte. Petersen macht das alles eigentlich gar nicht so anders, doch ist das keine Entschuldigung für die schlichte Sinnlosigkeit dieses Films, der sich mit modernen Charakteren und (natürlich) verbesserten Effekten rühmt, aber besonders in dieser Hinsicht sang- und klanglos untergeht.

Erwartungsgemäß kommt nämlich alles wie erwartet. Dass der Film verhältnismäßig zügig zur Sache geht und nach gefühlten 10 Minuten, im Original vergeht eine halbe Stunde, bereits die Riesenwelle über das Schiffchen hereinbricht, ist dabei die einzige Überraschung, denn es kommt, wie es eben kommen muss: Die Gruppe, zwar ganz politisch inkorrekt nicht ethnisch durchmischt, aber doch für jeden was dabei, muss fortan ein Hindernis nach dem anderen überwinden. Die Katastrophe selbst ist ordentlich inszeniert und mit einigen netten kleinen Ideen versehen (der sich senkende Swimmingpool), angesichts des enormen Budgets jedoch sehr, sehr überschaubar und optisch nicht so wirklich realistisch umgesetzt. Tatsächlich war dieses erste Drittel auch schon der Großteil, in den die Jungs von der ILM ihre Arbeit investierten. Der von allen Beteiligten stolz angepriesene Prolog, bei dem die Kamera dem Wasser entsteigt und 360 Grad um das Schiff herumfährt, während wir Josh Lucas auf dem Deck joggen sehen dürfen, ist übrigens nichts anderes als eine technische Spielerei, die vielmehr das Gefühl evoziert, dass sich hier jemand wohl einfach etwas beweisen wollte, als wirklich zu erstaunen vermag. Petersen ist nichtsdestotrotz mehr als überzeugt:

"Das ist die kühnste, verrückteste Sequenz in der gesamten Geschichte des Computertricks - aber sie wirkt absolut fotorealistisch. Ich glaube nicht, dass die Zuschauer denken: ,Was für einer toller Computereffekt!‘ Stattdessen werden sie sich fragen: ,Was für ein tolles Schiff - wo haben sie das bloß aufgetrieben?‘".


Bleibt also von den (sehr erfreulichen) 90 Minuten Spielzeit noch ausreichend Platz für das zwischenmenschliche Gebären der bereits erwähnten Truppe. Dieses findet allerdings auch nicht so wirklich statt. Kurz: Den Rest des Films quälen sich der wie immer grimmig-sympathische Kurt Russell als Mischung aus ehemals erfolgreichem Feuerwehrmann und Ex-Bürgermeister, seine Filmtochter, die unendlich anstrengende Emmy Rossum, deren Freund Mike Vogel (unbekannt aus dem"Texas Chainsaw Massacre"-Remake), der Draufgänger und spätere Held Josh Lucas, Richard Dreyfuss als homosexueller Rentner, sowie eine Mutter mit ihrem Balg und einige andere, die allerdings zügig das Zeitliche segnen, durch viele kleine Ereignisse, die allesamt allerdings nicht wirklich aufregend miteinander verknüpft werden. Drehbuchautor Mark Protosevich äußert sich dazu wie folgt:

"In einer solchen Krise zeigen wir unseren wahren Charakter, sie bringt das Beste und Schlimmste in uns zum Vorschein. Für menschliche Beziehungen ist das eine Zerreißprobe - entweder wächst man noch enger zusammen, oder man trennt sich. Wenn sich ein geliebter Mensch als Feigling herausstellt, vergisst man das nie, aber wenn er sein Leben riskiert, um andere zu retten, wird man das auch nicht vergessen. Wir alle haben das Zeug zum Helden in uns. Unsere Persönlichkeit wird dadurch definiert, ob wir uns zum Handeln durchringen oder nicht."


Alles schön und gut, die Figurenzeichnung bleibt jedoch weitestgehend unterhalb der Wasseroberfläche, herrlich verdrehte Rollen wie die von Kevin Dillon haben nur Kurzzeitcharakter und die zahlreichen kleinen Minidialoge zwischen den Actionmomenten sorgen vielmehr für haufenweise unfreiwillige Lacher, stets unterlegt von der gewohnt anstrengenden Dudelei Klaus Badelts, dessen einfallslos wie eh und je gestaltete Komposition bei "Poseidon" keine wirkliche Stimmung aufkommen lassen will.

Es ist ohnehin die große Frage bei diesem Film, wo genau denn jetzt Petersen die immensen Kosten veranschlagt hat. Das Gebotene ist schlichtweg zu unspektakulär und technisch nicht überzeugend genug, die Darsteller dürften bezüglich ihrer Gage ebenfalls weit unter dem Durchschnitt moderner Blockbuster stehen und dafür, dass nicht einmal ein äußeres Schiffsset wie es beispielsweise im Fall von James Camerons "Titanic" gebaut worden ist, sondern ausschließlich Innenräume im Studio entstanden, ist das, was Warner uns hier als Epos verkaufen will, reichlich fad.

Bleibt der letzte und irgendwie auch entscheidende Punkt: "Poseidon" ist trotzdem ein gutes Stück Edeltrash, unheimlich kurzweilig, gleichermaßen unlogisch wie unterhaltsam und einfach schön doof. Dass für so etwas allerdings derart viel Geld ausgegeben werden muss, bleibt nicht fragwürdig, sondern schlicht und ergreifend unnötig.

40%

Review erschienen bei: Wicked-Vision.de