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Mai 17, 2017

Death Proof, der beste Film von Quentin Tarantino

Vor 10 Jahren erschien mit "Death Proof" der bislang einzige Kassenflop von Quentin Tarantino. Ziemlich unerwartet geriet dessen sonst reibungslos laufende Kultfilmmaschine ins Stocken und spuckte ein Meisterwerk aus.

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April 14, 2011

Zuletzt gesehen: SCREAM TRILOGY

Die mindestens 15. Sichtung, nun in sehnlicher Vorfreude auf Numero cuatro. Hommage, Paraphrase, Zerlegung, Deutung, Gedankenspiel, Happening, Ausschlachtung und Wieder- belebung des Slasherfilms als kompaktes Gesamtpaket. Das Regelwerk vor-, aus- und nachgestellt, bedient, gebrochen, verinnerlicht, parodiert und mit absoluter Ernsthaftigkeit umgeschrieben. Entrümpelung, Sortierung, Neuzusammen- setzung, und der Slasherfilm als feministisches Lustspiel noch mal anders gedacht. Ein Drehbuch, das sich alle Freiheiten zur postmodernen Fabuliererei gönnt, ein Regisseur, dessen langjähriger Diskurs um filmische Realitäten endlich gehört wird, ein Film, der sich vom Schrecken zur Hysterie und wieder zurück bewegt. Und der alles richtig macht und jeden Ton trifft. "Scream" ist pures 1996 und hat dennoch nicht einen Millimeter Staub angesetzt. Er ist anders als die vielen Filme, die in einem System aus Verweisen und Bescheidwissen um ihre eigene Identität kämpfen. Sein Konzept ist nicht reine Mechanik, hinter der jeder Ernst zurücktreten, jede Situation zur Anordnung und jede Figur zum Stereotyp verkommen müsse. Keine Dekonstruktion ohne Neukonstruktion. "Scream" ist ein Film voller Lebendigkeit vor einem ausgestorbenen Genre: Der glückselige Höhepunkt eines Kinos, das seine Filme nur noch als Produkte zur Schau zu stellen weiß. So rar, so schön, so Lieblingsfilm.


100%

Auf gute Laune getrimmte Fortsetzung einer beispiellosen Teen-Horror-Abhandlung, die ihr Bewusstsein, als postmoderner Film lediglich auf andere Filme reagieren und sich bestenfalls als originelle Neuzusammensetzung behaupten zu können, gegenüber dem Vorgänger noch einmal zu schärfen versucht. Das freimütige und recht ergebnislose Sinnieren über angebliche Sequel-Gesetze bemüht sich redlich, die eigentlich nur nachbuchstabierte Prämisse des ersten Films unter Verschluss zu halten. Tatsächlich fügt "Scream 2" der (bisherigen) Trilogie so wenig Nennenswertes hinzu, dass man ihn auch problemlos überspringen könnte. Für höchste Vergnüglichkeit sorgen sowohl die Film-im-Film-Elemente, als auch die stärkere Konzentration auf die komischen Aspekte der sich lediglich wiederholenden Geschichte, wodurch den Figuren der Serie einige amüsante Momente eingeräumt werden. Das wenig aufregende Finale spielt den Schluss des Vorgängers noch einmal unbeholfen nach (inklusive erneuter nur leichter Kratzer für das lieb gewonnene Pärchen Herr und Frau Arquette) und verrückt dessen selbstironischen Charakter in Richtung Eigenparodie. Angereichert mit zahllosen gekonnten Spannungsmomenten und ausgeglichenem Humor funktioniert "Scream 2" als hübscher Nachklapp, dem die Cleverness des ersten Films allerdings fast komplett abgeht.


60%

Mit der Ermordung einer zentralen Figur der beiden Vorgängerfilme gibt "Scream 3" gleich während der Exposition eine deutliche Richtung vor: Getreu dem selbst auferlegten Motto "Forget the Rules" erlaubt es sich Regisseur Wes Craven, seine zyklische Slasher-Vergnügung im dritten Anlauf gleich gänzlich ad absurdum zu führen. Den wenig ironischen Repetitionsgestus des zweiten Films beantwortet "Scream 3" mit bitterbösem Sarkasmus, indem er Filmfortsetzungen für mörderisch erklärt (das Drehbuch eines Film-im-Film-Sequels dient dem Killer als Anleitung) und sich als Parodie einer Parodie fröhlich selbst aufhebt (jeder Witz über "Stab 3" ist ein Witz über die eigene Trilogie und umgekehrt). Auf mehreren Ebenen multipliziert Craven sein ebenso augenzwinkerndes wie komplexes Spiel mit verschiedenen Realitäten (vgl. "Shocker", "New Nightmare" oder "My Soul to Take"), um anhand einer aberwitzigen Abrechnung mit der Genreindustrie ganz nebenbei noch die irrsinnigen Verknüpfungen zwischen Film und Wirklichkeit durch den Kakao zu ziehen. Er verdoppelt die Protagonisten der beiden Vorgänger und lässt die fiktiven Helden auf ihre noch fiktiveren Abziehbilder treffen. "Scream" und "Stab" kollidieren schließlich in einem nicht mehr differenzierbaren Filmuniversum und kommentieren sich unentwegt selbst. Dass es Craven gelingt, in all dem intellektuell stimulierenden Meta- Mischmasch sogar noch die Geschichte des ersten Films zu einem stimmigen und sogar emotionalen Ende zu führen, belegt einmal mehr dessen Meisterschaft als unverkennbarer und vielschichtiger Ausnahmeregisseur im Horrorfilm. Die absolute Ultrakunst.


90%

September 27, 2007

Kino: PLANET TERROR

Eine Knochensäge nähert sich unaufhörlich dem Gesicht des mad scientist, immer weiter zoomt die Kamera an den vor Schreck erstarrten Doktor, während der infizierte Halbtote auf ihn zuschreitet. Dann plötzlich … reicht das Stromkabel nicht aus, der Stecker wird gezogen und das Publikum lacht. Natürlich! Denn hier wurde soeben augenscheinlich ein Genreklischee bedient, so bewusst und offensichtlich, dass ein jeder hinter der steifen Darstellung mitsamt schriller Musik und sabbernden B-Filmeffekten den gewollten Spaß ausmachen kann. Das ist sozusagen das Prinzip jenes postmodernen Kinos, in dem sich Quentin Tarantino und Robert Rodriguez so ungeniert austoben dürfen. Selbst die geschmacklosesten Witze und unappetitlichsten Einfälle erhalten hier unabhängig ihrer Originalität Applaus, weil es in ihnen immer ein Element gibt, das den Zuschauer in seinem Wissen und seiner Vorkenntnis bestätigt. Ob man nun "The Incredible Melting Man" und "Return of the Living Dead" gesehen hat oder nicht, ob jemand weiß, wer Tom Savini und Michael Biehn sind und welch ironischen Kniefall ihre Besetzung zum Ausdruck bringen soll oder auch nicht – der Witz dieser Szene wird mindestens durch die schlicht-schlechte Offensichtlichkeit evoziert und gesichert.

Was Rodriguez hier mehr noch als in all seinen anderen Filmen macht, ist ein sich selbst ausstellendes Plündern sattsam bekannter Genreklischees und beliebig platzierter Zitate. "Planet Terror" ist enorm durchlässig in seiner popkulturellen Ereigniskette, die keinen roten Faden, keinen eigenen Stil und keine Individualität und Subjektivität aufweist. Der Film – als Bestandteil eines Experiments, irgendwas mit Grindhouse-Kino und Double Feature – bringt noch direkter auf den Punkt, was die Arbeit dieses autodidaktischen Regisseurs ausmacht, nämlich die ähigkeit, das völlig Zusammenhangslose in sich selbst zu kontextualisieren. Selten jedoch war darin eine so derartige Belang- und Ziellosigkeit zu verorten wie im Falle von "Planet Terror", der wie eine schrecklich anbiedernde Mischung aus gewolltem Trashkino, das zwar teuer und hochwertig produziert wurde, aber bewusst dümmlich erscheinen soll, und selbstgefälliger Genügsamkeit daherkommt. Und selten zuvor erschien diese Art des Filmemachens so kindisch und banal.

Der Film verlässt sich ausschließlich darauf, dass sein Publikum die Offensichtlichkeit der Bezüge zu allgemeinen und spezifischen Genre-Klischees und –Referenzen erkennt und daraus ein unterhaltsames Vergnügen ableitet. Für Spaß und Verständnis eines "Planet Terror" muss man lediglich mit dem Fernsehen groß geworden sein, filmische Komplexität würde diese Wirkung behindern, darum verharrt der Film in einer formalen wie inhaltlichen Einfältigkeit. Jedes Element läuft sich selbst über den Weg, immer ist die offensichtliche Übertreibung der Darstellung oberstes Prinzip. Das funktioniert als uneigenständiges Kino der Oberflächenreize bis zu einem gewissen Punkt, so lange zumindest die Freude am Belanglosen, der Spaß an der vorgetäuschten Originalität bei Filmen wie "Pulp Fiction" oder "The Faculty" überwiegt. Nun jedoch ist dieses Prinzip allmählich an seinem Ende angekommen, Rodriguez’ "Planet Terror" ist nur eine missglückte, zerteilte Reprise des "From Dusk Till Dawn"-Konzepts. Das Wiederholte wiederholt sich, das auf sich selbst Aufmerksammachende macht auf sich selbst aufmerksam.

Ironischerweise bezeichnet eines der Hauptprobleme von "Planet Terror" die bemühte und zum Teil auch gelungene Beziehung zu den Vorbildern. Krankte "Death Proof" vielleicht an seiner Inkonsequenz beim Versuch, ein längst ausgestorbenes Kino zu imitieren, indem er mit künstlichen Bildfehlern die peppigen Dialoge, originellen Kameraeinstellungen und raffinierten Plotholes zu verdecken und damit einen grundlegenden Bezug zur Grindhouse-Ära herzustellen versuchte – er also eigentlich viel zu gut war, um schlecht sein zu können –, so präsentiert sich "Planet Terror" nicht weniger kokett in schmuddeliger Filmrissoptik. Er weist jedoch keinerlei Stärken auf, die sein Konzept zu verraten drohen. Das ist streng genommen ein anderer und womöglich besserer Ansatz als beim Zwillingsfilm, nur offenbart sich somit die ganz simple Erkenntnis, dass ein gelungen auf schlecht getrimmter Film deshalb noch lange kein guter Film sein muss. Zumal ja doch manche der alten Grindhouse-Produktionen durch ihren unfreiwilligen Witz, ihre exploitative Naivität und rudimentäre Inszenierung amüsieren.

"Planet Terror"
ist darum bemüht, mithilfe bewusster Mittel einen freiwillig unfreiwilligen Humor zu erzeugen, der sich naturgemäß völlig von den ausgewiesenen Vorbildern unterscheidet. Es ist unterhaltsam und komisch, wenn ein schmuddeliger Horrorfilm einer bestimmten Handlung entspricht, die eine andere Wirkung erzeugt, als sie womöglich intendierte. Rodriguez hingegen positioniert seine profanen und mitunter sicherlich liebenswürdigen Ecken und Kanten als bewusste Augenzwinkereffekte, die meist aufgrund ihres Wandels zu Klischees und vor allem ihrer Deutlichkeit nur eine Wirkung, nämlich die des Amüsements, verfolgen. Darüber geht ihm indes jegliche Subtilität verloren, die Filmverweise sind platt und leicht erkenntlich, damit auch jeder Zuschauer einen bequemen Platz zugewiesen bekommt. Das ist wohl ohnehin der Punkt: Die Postmodernität dieser Filme ist einfach nur reine Bequemlichkeit. Und sie unterfordert ihr Publikum mehr und mehr.