August 31, 2010

Zuletzt gesehen: SCARFACE (1983)

Aufstieg und Fall eines kubanischen Flüchtlings in Miami, der sich die unbegrenzten (Karriere)Freiheiten der USA zu eigen macht und vom buchstäblichen Tellerwäscher zum Gangstermillionär hocharbeitet. Brian De Palma hat hier das Drehbuch von Hollywoods seinerzeit größter Koksnase Oliver Stone verfilmt, der "Scarface" als Satire auf den American Dream und das aufsteigende Yuppietum anzulegen schien. In einem Meer aus Vulgarismen, Drogen und Gewalt installiert sich Tony Montana sein eigenes Luftschloss in einer unsichtbaren Parallelgesellschaft: "The World Is Yours".

Eine Gegenstimme verleiht der Film Michelle Pfeiffer, die als Sprachrohr des Publikums die Selbstüberschätzung und Absurdität der von Al Pacino nahezu unerträglich gespielten Titelfigur kommentiert, irgendwann aber auch einfach sang- und klanglos aus der Handlung verschwindet (an Frauen ist Stone sowieso noch weniger interessiert als De Palma). Seltsam, dass "Scarface" in jenen Zirkeln zum unangefochtenen Klassiker mutierte, deren Abgrund er so übersteuert zu skizzieren scheint. Das mag daran liegen, dass der Film – trotzdem er keine Zweifel an der Verachtung seiner Figuren und deren Handlungen lässt – die eigene Coolness und Ästhetik genüsslich auskostet. Tony Montana ist zwar wahnsinnig, aber es ist ein Wahnsinn, der einem doch ein "genial" abzugewinnen versucht. Der Film ist fasziniert von dieser Figur, und am Ende eines Ballerfinales (balla balla) ist er auch versucht sie zu heroisieren. Da verwundert es nicht, dass man "Scarface" geschätzte fünf Millionen Hip-Hop-Musikvideos zu verdanken hat, in denen sich die Prollkultur mit Goldkettchen und Fuffies im Club selbst feiert. Ohne
"Scarface" gäbe es wohl keine Gangsterrapper, kein Grand Theft Auto und kein Tony-Montana-Poster in meiner Stammpizzabude. Ich möchte vorsichtig gestehen: Ein absolut verzichtbares Erbe.


40%

Kommentare:

  1. Ohne Zweifel einer der besten Filme aller Zeiten.

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  2. Hab schon drauf gewartet... und LEIDER muss ich dir Recht geben. Es ist schade aber irgendwie auch bezeichnend, dass dieser Film als absolutes Nonplusultra gesehn wird und eben jene, bereits erwähnten Möchtegerngangster Pacino nur mit dieser Rolle verbinden und Montana geradezu als Vorbild für ihren Way of Life sehn! Du schaffst es nur mit Unbarmherzigkeit u Brutalität in dieser Welt. Ist das wirklich die Message? Mal davon abgesehn das es - so man sich mal umschaut - ja tatsächlich so ist. Die "Großen" dieser Welt haben doch fast alle Dreck am Stecken. Wie sagt Calogero in (Die Straßen der Bronx USA 1993) zu Papa de Niro: "Der Arbeiter ist der Dumme".

    Ich denke der Film ist durchaus fragwürdig u keinesfalls DAS Meisterwerk. Aber die Message ist doch eigentlich ne andere: Das alles seinen Preis hat u dieser Weg eben nicht der Richtige ist. Am Ende wird Montana völlig demontiert, ich erinnere an das Drama um seine Schwester (eine Frauenrolle übrigens ;-)) sein nur noch von Paranoia bestimmtes Handeln u eben dieses NICHT heroische Ende. Ballerorgier? JA - ABER: Der völlig zugekokste dem Größenwahn verfallene Montana merkt nicht mal wenn er eigentlich schon Tod ist. Kugeln durchsieben seinen Körper ... er trotzt jeden Instinkten (In Deckung zu gehn) u wirft sich unsterblich scheinend in den Kugelhagel. Das ist absolut nachvollziehbar (so unglaublich es klingen mag) in seinem Zustand, der sich ja über Jahre diesem Punkt genähert hat. In diesem Rausch der Macht und Rausch des Drogenkonsums, der auch einen Elefanten abheben ließe, ist diese Ende vertretbar u eben vielleicht auch als trauriger Höhe / Endpunkt zu verstehn.

    So wahrscheinlich wieder völlig wirr philosophiert und was weiß ich denn schon. ^^

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  3. Schön, dass jemand mal an dem Hype um diesen Film kratzt. Pacino zeigt sich hier von seiner schlimmsten Seite und Stone glänzt mit der üblichen Subtilität. Ein unterdurchschnittlicher Gangsterfilm, der mit "balla balla" durchaus zutreffend skizziert ist.

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  4. Dr Film isch wirklich saumaessich gud.

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  5. heute ist wieder film blue moon

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  6. Das sogenannte "Erbe" hat sich hier aber auch demenstprechend verselbstständigt. Der Film ist geil und mitreißend inszeniert - wenn blöde Menschen das als Heldenabgesang mißinterpretieren, dann ist das auch nicht ganz alleine De Palmas Schuld! In Scarface wird in sovielen Momenten deutlich, dass Pacino eine negative Figur spielt, welche man sich halt gerade NICHT zum Vorbild nehmen soll. Im Sinne von Erziehungsmaßnahmen vielleicht viel zu unklar, aber als mitreißendes Filmerlebniss immer noch ein voller Erfolg.

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  7. @Jenny: Also unterdurchschnittlich ist der Film auf keinen Fall.<----PUNKT

    @Yuki: Seh ich ähnlich! Aber Fakt ist, dass der Film dieses Erbe hat, ob gewollt oder nicht. Wenn ich nur mal sehe, wieviele sich TonyMontana nennen im www (zocke viel online) u das sind in der Regel 17 jährige Ich-ficke-deine-Mutter-"Gangster" mit Scarfaceposter überm Bett. *schüttel*

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  8. Nix Punkt, der ist unterdurchschnittlich. :P

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  9. "Meinungen sind wie Arschlöcher, jeder hat eins."

    Woody Harrolson Larry Flint USA 1996

    :D:D:D :-*

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  10. "Es gibt Dinge, die die Leute einfach nicht hören wollen."

    Morgen Freeman in Million Dollar Baby

    ;-)

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  11. a) Die Vorliebe der Hip-Hopper für SCARFACE kam erst Mitte der 90er auf. Also über ein Jahrzehnt nach Entstehung des Films.

    b) DER PATE hat in der Hip-Hop-Welt den gleichen Status und wird alle Nase lange zitiert. Ist der Film jetzt auch doof?

    c) Der Film kann nichts mit Frauenfiguren anfangen, aber ebensowenig mit Männer. Erbärmlichere männliche Protagonisten gibt's nirgends.

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