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Mai 06, 2020

20 Jahre Gladiator: Ein Oscar-Gewinner als Treppenwitz

Vor genau 20 Jahren verhalf Ridley Scott dem Sandalenfilm zur digitalen Renaissance. Sein pompöser Gladiator wurde ein Klassiker mit fraglichem Erbe.

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April 15, 2013

Kino: BROKEN CITY

In den USA startete "Broken City" pünktlich zum von Januar-Resteware bestimmten Jahresbeginn, in dem die Studios nach aufwändigem Oscar-Buzz und während einer Art Überbrückungsphase zur vorgezogenen Blockbuster-Saison traditionell mittelteure Konfektionsware platzieren. Mit einem uninspirierten 08/15-Thriller wie diesem soll dann solides Geld gemacht werden, obwohl diese Schlaftablette von Film auch unbemerkt direkt auf DVD hätte erscheinen können.[...]

Januar 20, 2011

Kino: THE NEXT THREE DAYS

Paul Haggis ist so etwas wie eine sichere Hollywoodbank, ein vertrauenswürdiger Routinier, der die an ihn gestellten Anforderungen erfüllt. Er hat sich als Regisseur und Autor den Respekt der Traumfabrik erspielt, weil er mit "L.A. Crash" gleich zwei unerwartete Oscars gewann. Seine Drehbücher sind gefragt, weil er ein Gespür dafür hat, was das Publikum sehen möchte ("Million Dollar Baby"), oder weil er ihnen wahlweise auch den letzten Schliff verpassen kann ("Casino Royale"). Und durch seinen öffentlichen Scientology-Ausstieg nach 35 Jahren Mitgliedschaft hat er sich auch ein persönliches Profil erarbeitet – Haggis, das findige Multitalent.

Der Preisregen über "L.A. Crash" sicherte dem Senkrecht- starter eine vorläufige Narrenfreiheit zu, nach der sich bereits seine zweite Regiearbeit, das rührige Kriegsdrama "Im Tal von Elah", als finanzieller Flop erweisen musste. Die neoliberale Konsenshaltung beider Filme zwischen politischem Stammtisch und verwässerndem Sentiment scheint jedoch erst einmal vom Tisch: Mit "72 Stunden – The Next Three Days" versucht sich Haggis im klassischen Genrekino, aber in den USA hat von dem Film wieder kein Mensch Notiz genommen. Dabei ist das Remakes des französischen Thrillers "Ohne Schuld" ("Pour Elle") bisher die solideste Arbeit des Regisseurs.

Alles beginnt ganz friedlich. John (Russell Crowe) und Lara (Elizabeth Banks) führen eine Ehe wie aus dem Bilderbuch. Sie haben einen Sohn, ein schönes Haus und begehrte Jobs. Sie gehen abends mit Freunden gut essen, haben anschließend leidenschaftlichen Sex und versichern sich ihre gegenseitige Liebe wie am ersten Tag. Diese Idylle jedoch endet auf einen Schlag: Kurz nachdem Lara eines Morgens einen seltsamen Blutfleck auf ihrem Mantel entdeckt, stürmt die Polizei das Haus und verhaftet die Ehefrau und Mutter wegen des Mordes an ihrer Chefin. Obwohl sie ihre Unschuld beteuert, wird Lara unter der erdrückenden Beweislast gegen sie angeklagt und schließlich verurteilt.

Um den schief hängenden Familiensegen wieder gerade zu rücken, sieht der Universitätslehrer John keine andere Möglichkeit, als seine Frau auf eigene Faust aus dem Gefängnis zu holen. Er trifft einen Ex-Knacki (Hollywoods derzeitige Allzweckwaffe Liam Neeson), der mehrere Ausbrüche hinter sich brachte und ihm einige wohlwollende Tipps auf den Weg gibt, beschafft sich auf fragwürdigem Weg Geld für seine rechtswidrige Rettungsaktion und ist bereit, alles aufzugeben, um Lara aus der Gefangenschaft zu befreien. Doch die Polizei droht hinter Johns Plan zu kommen, ehe er ihn überhaupt in die Tat umsetzen kann.

In seiner amerikanisierten Neuauflage des Stoffes setzt Haggis andere Akzente als Fred Cavayé in der Vorlage mit Diane Krüger, die hierzulande letztes Jahr lediglich auf DVD erschienen ist. Die verzweifelten Versuche des Ehemannes, einen Weg für die Freiheit seiner Frau zu finden, wurden in "Ohne Schuld" teils zu lustlosen Montagen verkürzt, während Haggis sie deutlicher ausspielt, den Fokus auf Suspense legt und nach klassischen Genreformeln arbeitet. "The Next Three Days" ist reißerischer als das eher schwerfällige Original, in vielerlei Hinsicht aber auch eine Korrektur des dramaturgisch eher ungeschickten französischen Thrillers.

Es erweist sich als raffinierter Schachzug, die Klärung der Schuldfrage ans Ende des Films zu verlegen. Dadurch generiert Haggis im Gegensatz zur Vorlage eine fiebrige Atmosphäre, die das Potenzial der Geschichte deutlicher ausschöpft und Russell Crowes verzweifelten Alleingang um einiges mitreißender gestaltet. Tatsächlich ist "The Next Three Days" ein ungemein spannender Film, ein Crowdpleaser gewiss, aber gut konstruiert und effektiv in Szene gesetzt. Bemerkenswert ist auch, dass er den Kampf des Antihelden um die Freiheit seiner Frau nicht gegen das vermeintliche Versagen von Polizei und Justiz ausspielt, sondern das Selbstjustizthema eher beiläufig verhandelt. An der Amoralität der Geschichte hegt Haggis ohnehin keinen Zweifel.

Sonst klebt das Remake trotz seiner Ausbesserungen jedoch sklavisch an der Geschichte und adaptiert sogar ganze Einstellungen des Originals. Komponist Danny Elfman übernimmt die treibenden elektronischen Beats der Vorlage, seine Musik aber ist wenig originell, unscheinbar und leider auch etwas dröge. Das größte Problem des Films ist sicherlich die mangelnde Glaubwürdigkeit des Drehbuchs im Umgang mit seinem zentralen Protagonisten, den Crowe zwar souverän und konzentriert spielt, der sich im Laufe der Handlung allerdings auf kaum nachvollziehbare Art vom tollpatschigen Lehrer zum Mastermind mausert.

Diese charakterliche Indifferenz mündet in einem auch formal entsprechend unausgegorenen Finale, das zwar vom französischen Original erheblich abweicht, allerdings vehement zu keinem Ende finden möchte. Da stehen dann melodramatische Momente neben komplett fehl platzierten Actionszenen, die das zuvor sorgfältig errichtete dramaturgische Gerüst fast zum einstürzen bringen. Haggis reiht potenziellen Schluss an potenziellen Schluss und meint es zuletzt dann doch ein wenig zu gut mit seiner Vorstellung von einer auserzählten Geschichte – auf den letzten Metern verliert sich "The Next Three Days" in platter Rührseligkeit und einer lapidar ans Publikum gerichteten Aufklärerhaltung, die für seinen Regisseur nur leider allzu typisch ist.


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Oktober 28, 2007

Kino 1/2: AMERICAN GANGSTER

Ridley Scotts neuer High-Profile-Oscar-haben-will-Film zwang mich nach rund 80 (von insgesamt 160) Minuten das Kino zu verlassen. Das hatte zwei ganz offensichtliche Gründe. Denzel Washington war der erste. Schon in den Schnitt- und Soundgewittervehikeln von Ridleys kleinem ungezügeltem Brüderchen strapazierte der meine Nerven gehörig (seht her, ich bin ein ganz cooler Hund). Der zweite hieß natürlich Russel Crowe, der – warum auch immer – für Scotts Trashfilm "Gladiator" einen Goldjungen mit nach Hause nehmen durfte (hingegen immer noch besser als für Ron Howards Weichspüldesaster "A Beautiful Mind") und ihm seitdem einen Treuedienst nach dem anderen schwört. Doch gegen "American Gangster" wirkte das letzte Projekt der beiden, ein weltfremder Weingutfilm mit hübschen Französinnen in der noch hübscheren Provence, wie ein altherrenromantisches Meisterwerk. Wie hier nämlich auf Teufel komm raus das neue Gangsterepos generiert werden will, grenzt an Körper- verletzung. Ein unsäglich langweiliger, uninteressanter, vorhersehbarer Käse ist das, ein möchtegern-epischer Mafiafilm, der bei "Serpico", "French Connection", "Scarface" und vor allem "Heat" abkupfert, der kein Gespür für irgendwas aufweist, ideenlos, beliebig und dummdreist vor sich hin plätschert und dabei eben ganz einfach nur fürchterlich öde ist. Sollte ich in der zweiten Hälfte jetzt irgendetwas Wichtiges verpasst oder sich der Film überraschend doch noch von sehr scheiße auf nur scheiße gesteigert haben, so lasse man es mich bitte wissen.

November 02, 2006

Kino: A GOOD YEAR

Für den Genuss eines guten Weins reist man in die französische Provence, das wissen nicht nur Kenner und Liebhaber der Vitis vinifera, sondern auch der Londoner Finanzhai Max Skinner. Dieser verfolgt allerdings andere Interessen, als er in das sonnige Südfrankreich reist: Sein Onkel, zu dem er viele Jahre keinen Kontakt mehr hatte, ist verstorben – und als einziger noch lebender Blutsverwandter erbt Max das gesamte Anwesen des alten Mannes. Doch der Charme des brüchigen Hauses kann Max ebenso wenig begeistern wie der große Weinberg im Garten, obwohl er als Kind eine beträchtliche Zeit an diesem Platz verbrachte. Mit dem Verkauf des Grundstücks kann es dem Investment-Banker also nicht schnell genug gehen, käme da nicht die bezaubernde Cafébesitzerin Fanny des Weges, um dem selbst verliebten Reibeisen allmählich die wahren Dinge des Lebens zu offenbaren.

In der Tat, dieses Gefühl, das schon der grobe Inhalt von Ridley Scotts Literaturadaption "A Good Year" verrät, das hat seine Berechtigung: Es ist eine dieser leichten Geschichten vom Leben, die hier erzählt wird, ein wenig komisch, ein wenig tragisch, und möglichst alle zufrieden stellend. Mit 68 Jahren wird Regisseur Scott seine mittlere Lebenskrise wohl lange hinter sich haben, es ist also anzunehmen, dass er auf seine alten Tage nun einfach ein wenig bedächtigere, nachdenklicher stimmende Filmbilder entwirft. Da Scott selbst Besitzer eines französischen Weinguts ist, wird die Geschichte wohl oder übel persönliche Züge tragen, nicht zuletzt da er mit Peter Mayle, dem Autor der Vorlage "Ein guter Jahrgang" (der weitaus treffendere Titel), befreundet sein soll. Die Zielgruppe dieses Films scheint damit auch schon einigermaßen ausgemacht.

Natürlich wird hier nicht Halt gewährt vor den großen Themen des Lebens, "A Good Year" erzählt von Liebe und Hass, Sehnsucht und Schmerz, Selbstfindung und Ich-Gewinn, vor allem aber handelt er von der Leichtigkeit der Dinge. Max Skinner, das ist ein abgebrühter Geldmacher, wie man sich abgebrühte Geldmacher auch vorstellt: Dunkel gekleidet, leger, eben gut aussehend, aber mit zynischen Weisheiten um sich werfend, abgeklärt und realistisch. Manch einer würde sagen: verbittert. So jemand kann wohlhabend sein, aber sich kaum an einfachen Dingen erfreuen. Deshalb erscheint die Meldung des verstorbenen Onkels wie eine Fügung des Schicksals – Max weiß noch nicht, dass der Aufenthalt in der Provence sein Leben verändern wird. Der Zuschauer hingegen vermutet da schon eher, dass das von Scott düster und regnerisch inszenierte London keine Alternative zur Pastellfarbenen Schönheit Südfrankreichs sein kann.

Nein, er weiß es sogar. Der Zuschauer würde doch vermutlich verrückt, wenn es der charmanten Marion Cottilard ("Mathilde – Eine große Liebe") nicht gelänge, das Herz des pragmatischen Russel Crowe ("A Beautiful Mind") zu erobern. An Überraschungen fehlt es diesem ambivalenzlosen Film also ein wenig, was offenbar noch immer kein Grund sein muss, diese Lebensfabel in weniger als 120 Minuten zu erzählen. Und so nimmt sich Scott die Zeit, die er für nötig hält, um Max Skinner durch die Provence zu führen. Hier wird nicht mit Eindrücken gegeizt: Strahlend schöne Bilder erblicken das Licht der Leinwand, raffinierte Einstellungen charakterisieren diese Orte von Wärme und Herzhaftigkeit. Und das ist es auch schon wieder, dieses Gefühl. Max weiß noch nicht, dass dieser Schauplatz Erinnerungen an seine Kindheit zurückbringen wird, unweigerlich Szenen der Vergangenheit reproduziert. Der Zuschauer ist ihm dagegen erneut voraus, wenn Kameraführung und sorgfältige Details der Ausstattung auf die Verbindungen von Gegenwart und Vergangenem verweisen.

Um die Erwartungen, die bei so viel Fatalismus schnell gedämpft werden, dennoch beständig zu halten, spart Scott keineswegs mit weiteren Kontrastierungen. Die böse Welt (London) besteht aus anrüchigen Sekretärinnen, halsabschneiderischen Kollegen, tristem Design. Die gute Welt (Provence) ist dagegen eine ganz und gar lebendige, hier dominieren warme Eindrücke, französische Gelassenheit – und natürlich hübsche Frauen. Wenn ein Ort überhaupt geeignet ist, um seine Tugenden zu entdecken, dann ist es wohl dieser. Nicht nur Max, sondern auch seine Verkörperung Russell Crowe fühlt sich sichtbar wohl in diesem Ambiente, in dem man sein Bad-Boy-Image ablegen und sich als gesetzter Schauspieler präsentieren kann. "Dafür möchte ich aber mindestens den zweiten Oscar haben", denkt sich der Australier vielleicht, ungeachtet seiner formlosen Darstellung. Crowe hat den Hundeblick zwar abgelegt, doch er scheint ernster als jemals zuvor – und hat seine Figur augenscheinlich nicht begriffen.

Die inhaltliche Trivialität rückt dabei in den Hintergrund, wenn die Stimmung dieses Films eben doch eine wunderbar sentimentale sein kann. Das allerdings scheint Vor- und Nachteil zugleich: "A Good Year" adelt die Einfachheit von Glück, die Selbsterkenntnis, ein besserer Mensch zu werden. Er betont die Schönheit des Natürlichen. Und so leicht diese Altherrenromantik auch sein mag, sie kokettiert mit einem Luxus, der für viele nicht greifbar ist.


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