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Februar 18, 2016

Kino: HAIL, CAESAR!

Lieb gemeint, aber doch recht böse ist "Hail, Caesar!" geraten, der neue Film der Gebrüder Coen. Und wider Erwarten – beziehungsweise anders als auch von manch einer Berlinale-Filmkritik hierzulande behauptet – ist er keine Hommage an das "Golden Age of Hollywood" der 50er-Jahre. Eher bronzegelb und reichlich trist nämlich erscheinen hier die Versuche des klassischen US-Studiofilmsystems, seine einstige Ökonomie gegen den Wandel der Zeit zu verteidigen: Über biblische Epen oder frohgemute Musicals, hinter deren Kulissen das schmutzige Geschäft mit Star-Imagepflege und Kommunisten-Paranoia läuft. [...]

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Oktober 02, 2013

Gravity und die Kunst der Plansequenz

Plansequenzen kommen einer Idee von purem Kino oft deshalb so nahe, weil sie herkömmliche Gestaltungsmittel in die Unsichtbarkeit verdrängen. Im Weltraumdrama "Gravity" ist die Plansequenz jetzt gleichzusetzen mit absolutem filmischem Erleben. 

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September 30, 2013

Kino: GRAVITY

Keine zeitlichen oder räumlichen Alternativentwürfe, keine wissenschaftlichen Spekulationen, erst recht keine phantastischen Wesen oder Welten: Mit Science-Fiction hat das Weltraumdrama von Alfonso Cuarón nichts zu tun, gleichwohl es an einige große Sci-Fi-Klassiker gemahnt. "Gravity" ist ein Kammerspiel im All, ein laut- und schwereloser Katastrophenfilm, der buchstäblich um den Überlebenskampf zweier Astronauten kreist. Mit einem filmischen Erleben und Empfinden, das es so im Kino noch nie gegeben hat. [...]

Dezember 27, 2011

Zuletzt gesehen: THE IDES OF MARCH

Ein das eigene Sujet trivialisierendes Drama vor behaupteter Politkulisse, mit dem sich Regisseur, Hauptdarsteller und Co-Autor George Clooney erneut als großer Denker unter Hollywoods Schauspielequipe in Szene setzt. Im Zusammen- hang mit dem historische Wendungen versprechenden US-Wahlkampf Obama/McCain im Jahre 2008 hätte "The Ides of March" möglicherweise noch so etwas wie einen tagesaktuellen Reiz versprüht, hier und jetzt hingegen hängt er nur wie das schwere Pappende eines klebrigen Fliegenfängers im luftleeren Raum. Dass sich der Film hinter vordergründiger Scheinkomplexität zudem als bloßes Lobbyprodukt von und für Demokraten erweist, geeignet fürs kollektive Abnicken unter Gesinnungsgenossen, macht ihn selbstverständlich auch nicht relevanter. Denn um Politik, also Entscheidungsprozesse und deren Inhalte, geht es in "The Ides of March" keine Minute, das Drehbuch kreist einzig um eine melodramatische Sexaffäre, die dem Präsident- schaftskandidaten zum Verhängnis werden könnte, sowie die hiermit verknüpfte Gewissensprobe eines Wahlkampfhelfers. Damit legt Clooney eben nicht, wie man ihm so bequem andichten könnte, den politischen Machtapparat als moralischen Zirkus frei, sondern bestätigt unter Zuhilfenahme von Seifenopernklischees bestenfalls dessen Fragilität – und wie sehr man doch nach den Regeln der Korruption spielen müsse, um die eigenen Ideen sicher ins Ziel bringen zu können. Was für eine tiefsinnige politische Erkenntnis. 


35%

August 18, 2008

Zuletzt gaysehen: BATMAN & ROBIN

Wie schon bei "Batman Forever" will ich auch hier nicht leugnen, dem bunt-frivolen Studiotreiben einen gewissen Unterhaltungswert abgewinnen zu können. Die Actionszenen sind eigentlich noch schlechter inszeniert als im Vorgänger, während Schumacher dafür umso genauer diverse Anzüglichkeiten ins rechte Licht setzt. Streng genommen wird der enorm schwule Ton des Films schon mit den Anfangstiteln serviert, wenn sich Batmans und Robins Logos verschmelzen, ehe dann deren Gummiärsche im Close-Up wackeln. Batgirl funktioniert natürlich kaum bis gar nicht, während Schwarzenegger bemüht ist, das Over-Acting von Tommy Lee Jones noch zu überbieten. Uma Thurman hingegen hat ihre Momente, im Großen und Ganzen gibt sie allerdings auch nur eine Michelle Pfeiffer-Imitation, die keiner gebraucht hat. Und erstaunlicherweise lässt sich George Clooneys smarte Selbstironie nicht mit seiner Figur vereinbaren: Wo der Film streckenweise nachdenklich stimmen möchte (Alfreds Krankheit), steht Clooney nur permanent ein "Was tue ich hier in diesem albernen Kostüm?"-Ausdruck ins Gesicht geschrie- ben. Allerdings: Das Kostüm ist noch das unalbernste an "Batman & Robin".

50%

Februar 26, 2007

Kino: THE GOOD GERMAN

Für seinen neuen Film verschlägt es Steven Soderbergh in das Nachkriegsdeutschland unter den Alliierten kurz vor der Potsdamer Konferenz. Es geht um Liebe, Korruption und Macht im besetzten Berlin, wo der US-Kriegskorrespondent Jake Geismer (George Clooney) seine verflossene Anvertraute Lena Brandt (Cate Blanchett) wieder trifft. Im zwielichtigen Strudel aus Schuld und Unschuld, Wahrheit und Lüge müssen sich beide nicht nur gegen erpresserische Schwarzmarkt- schieber behaupten. Soderbergh möchte nun sicher gern, dass man seinen stilistischen Genreexkurs entsprechend benennt, damit auch jeder gleich weiß, dass sich der um seine Selbstsicherheit zu beneidende Regisseur hier am Film Noir versucht. Ja richtig, die Blanchett als Femme Fatale und der Clooney als Lonesome Rider im undurchsichtigen Verbrechenskabinett, in kontrastreiche S/W-Tristesse getaucht und mit opulentem Sinfonieorchester unterlegt, als würde Max Steiner persönlich zu den Bildern eines Michael Curtiz dirigieren.

An der Oberfläche geht die Rechnung auf. So oder so ähnlich schauen sie aus, die Filme aus den 40er-Jahren, mit den dunklen Gassen, kahlen Wänden und Spuren des Krieges, mit den verwegenen Überbleibseln aus der Zeit der großen Hoffnung irgendwo am Straßenrand, und der entfremdeten Kühle, die eine bittere Distanz zwischen den Menschen schafft. Die Kinozeitreise fällt aber schon aufgrund der Hauptdarsteller schwer. Wer verbindet mit ihnen nicht die aktuellen Kassenerfolge der Saison, die Bilder roter Teppiche, Preisverleihungen und Filmpremieren? Nein, "The Good German" ist kein Relikt aus der glanzvollen Studiofilmära Hollywoods, da nützt jede Anstrengung nichts. Soderberghs Film ist der kokette Versuch an die Magie der großen Vorbilder anzuknüpfen. Diese heißen "Casablanca" und insbesondere "The Third Man". Und natürlich: Dieser Versuch scheitert ganz grandios.

Grundsätzlich ist Soderbergh versessen darauf, seinen Film möglichst stilecht in Szene zu setzen. Die Beleuchtung ist fein abgestimmt darauf, alles und nichts zu zeigen. Die Figuren werden je nach Charakterisierung aus bedrohlichen oder weniger bedrohlichen Winkeln gezeigt, ihre Gesichter meist in Schatten gehüllt, mit Großaufnahmen gearbeitet. Doch geschulte Augen erkennen manche Schlampigkeit darin: Der Film schwankt in seinem Stil. Stimmen werden laut, Soderbergh bewege sich vielmehr in den 60er-Jahren. Doch auch jenseits derartiger Feinheiten schlägt "The Good German" nicht selten schmerzhaft laut daneben. Was dem Regisseur bei aller Ambition entging ist die Entwicklung eines Eigen- oder zumindest Innenlebens seiner Figuren. Die bittere Tragik im Handeln eines Robert Mitchum, die Verzweiflung einer Mary Astor oder das zerrissene Herz der Ingrid Bergman führen doch die ruhmvollen Noir-Klassiker erst zu den existentialistischen Dramen im großen Stil. Soderberghs Film ist seltsam gefühllos, auch und besonders an der Unterfläche.

Wer Cate Blanchett schon immer geschlagen, hoffnungslos verzweifelt und gedemütigt sehen wollte, der sollte sich "The Good German" nicht entgehen lassen. Doch ihre Figur könnte profilloser nicht sein, obwohl Blanchett sich alle Mühe dabei gibt, diesen Eindruck zu verwässern: Mit abgeklärtem Realitätssinn und totaler Desillusion, ganz wie im epischen Brecht-Theater, erinnert vieles in ihrem Spiel an das offensichtliche Vorbild Hildegard Knef im Meistwerk "Die Mörder sind unter uns". Noch schwieriger verhält es sich mit George Clooney. Die Eindimensionalität seiner Figur ist allerdings ungleich weniger problematisch als seine generelle Besetzung. In der vergnüglichen Screwball- Hommage "Intolerable Cruelty" hat er neben Catherine Zeta-Jones bewiesen, dass er eher den liebreizenden Charmeur denn einsamen Detektiv abgibt. Oder anders gesagt: Clooney kann ein wenig wie Cary Grant sein, aber er wird nie an Humphrey Bogart erinnern. Das versuchen Sie vergeblich, Mr. Soderbergh.

Man könnte jetzt höchstens noch versuchen den filmanalytischen Kleingeist im Zaum zu halten (obwohl das ganz sicher nicht der Intention des Regisseurs entspräche!) und sich ganz von der Geschichte mitreißen lassen – läge hier nicht vielleicht sogar die größte Schwäche von "The Good German". Das Drehbuch nimmt zu keiner Sekunde Fahrt auf, die wirren Ereignisse werden ohne jeglichen Spannungsbogen serviert, dramaturgische Entwicklungen gibt es nahezu keine. Die öde Lethargie des Films ist wahrhaft schrecklich, Langeweile in neuen Ausmaßen. Da graut es mir, wenn ich daran denke, dass manch einer im Kino sitzen und sich entsetzt fragen wird, ob denn nun alle großen Hollywoodfilme der 40er derart uninspiriert erzählt seien. Soderbergh gibt hier ein Bild vor, das so einfach nicht stimmt. Der vitale Schleier, mit dem der Film Noir sämtliche Genres durchzog, muss "The Good German" absichtlich verfehlt haben, selbst als „beschwingter“ Nostalgietrip hat er keine Qualitäten. Aber Hochmut kommt leider vor dem Fall.


35%