Januar 31, 2011

Januar 28, 2011

Kino: HEREAFTER

In die lange reichhaltige Regiekarriere von Clint Eastwood hat sich immer mal wieder der ein oder andere Totalausfall verirrt. Auch in seiner Spätphase, die seit "Unforgiven", "Perfect World" oder "The Bridges of Madison County" in einem revisionistischen Charakter zwischen Ver- und Aufklärung nahezu eine Großtat nach der anderen hervorzubringen schien, langte er mit Geschichten von moralischer Erhabenheit oder historischem Sentiment hin und wieder deutlich daneben. Doch selbst in ihren gelegentlich zwiespältigen Verhältnissen laden Eastwoods Filme noch immer zum Entdecken ein.

Nach "Invictus", seiner Kuschelversion des südafrikanischen Rugby-Sommertraums um Nelson Mandela, ist das Mystery-Drama "Hereafter" nun die zweite Zusammenarbeit des Regisseurs mit Matt Damon – und damit leider auch der zweite misslungene Eastwood-Film in Folge. Das liegt weniger an seinem Hauptdarsteller, der jetzt im so genannten Charakterfach angekommen und seinen Babyspeckrollen glücklicherweise entwachsen ist, als vielmehr an Eastwood, mit dem hier offenbar die Kitschkühe durchgegangen sind. Und an der unglücklich erzählten Geschichte, die ihre Rührseligkeiten rationiert auf gleich drei Handlungsstränge aufteilt.

Der erste handelt von einer französischen TV-Journalistin (Cécile De France), die nur knapp eine Flutkatastrophe überlebt und durch ihre Nahtoderfahrung von Visionen aus dem Jenseits heimgesucht wird. In einem weiteren Handlungssegment geht es um die Leidensgeschichte eines kleinen Jungen aus London, der sich nach dem tragischen Unfalltod seines Zwillingsbruders nichts sehnlicher wünscht, als noch einmal mit ihm in Kontakt zu treten. Der dritte Erzählstrang schließlich führt nach San Francisco und damit zur zentralen Figur des Films, dem Medium George (Matt Damon). Er besitzt die Fähigkeit, verstorbene Menschen sehen und mit ihnen sprechen zu können, versteht seine Gabe jedoch als Fluch, von dem es sich freizumachen gilt.

Was folgt ist das gedankliche Warten darauf, wann und wie die drei unabhängigen Teile der Geschichte sich kreuzen und zu einem großen Ganzen fügen werden. Abgesehen davon, dass die drei Figuren, die wohl nicht zufällig eine gute Kernfamilie abgeben würden, bis auf ihre besondere, aber unterschiedliche Beziehung zu Sterblichkeit und der Frage nach einem Leben nach dem Tod nicht unbedingt miteinander verbunden sind, trennen sie auch noch diverse Landesgrenzen voneinander. Wie Eastwood letztlich mit freundlicher Unterstützung von Vater Zufall die Handlungsstränge zusammenführt, setzt den generellen Albernheiten des Films die Krone auf.

"Hereafter" ist, ein wenig zugespitzt formuliert, die Eastwood-Ausgabe von "The Lovely Bones". Zwar ohne Prunk, ohne Fabulieren, ohne den letzten Schritt zum Mega-Trash, aber quasi die intellektuelle, heruntergefahrene Version der Jenseitssause von Peter Jackson. Eastwood hat natürlich andere Vorstellungen vom Glauben an das Übernatürliche, er beschränkt sich auf kurze verfremdete Einblicke ins Totenreich, erzählt die Geschichte nicht ausladend esoterisch, sondern dafür im Gegenteil in sich gekehrt, schwerfällig und gediegen bis zur formalen Schmerzgrenze, und benötigt eine halbe Ewigkeit, um seine parallel angeordneten Handlungsstränge in einen gefühligen Zusammenhang zu bringen.

Hätte ein anderer Regisseur als Eastwood einen so banalen Film über Glauben und Schicksal und Verlust und Trauer und Sehnsucht inszeniert, beispielsweise M. Night Shyamalan, trotzdem er solche Themen viel ausgestellter, bedeutungsschwangerer und natürlich phantastischer verhandeln würde, könnte man nach kollektiven Verrissen der Filmkritik wahrscheinlich die Uhr stellen. Aber Eastwood ist ein Label, und unter diesem Label kann man auch den größten Jahrmarktsquatsch halbwegs seriös verkaufen. Gegen den Mut des Regisseurs zum überlegten Kitsch ist grundsätzlich gar nichts einzuwenden, bei "Million Dollar Baby" hat das in einem moralischen, ethischen und auch religiösen Bezugssystem hervorragend funktioniert – doch hier, als schwermütiges Mystery-Drama, hat es den Anschein eines halbverdauten Genremahls. Von sich selbst gesättigt.

Vielleicht sollte Eastwood, der sich ja im stolzen Alter von 80 Jahren immer noch an logistisch komplizierte Großprojekte wagt, nahezu ununterbrochen arbeitet und die unterschiedlichsten Geschichten zu erzählen hat, doch stilistisch noch einmal ein wenig umorientieren. Seine ihm eigenen, aber allmählich redundanten Gestaltungsmittel – die typischen Halbschatten, die schwach ausgeleuchteten Sets, die minutiösen Pianoklimpereien, das betont Bedrückende eben – verkommen langsam unweigerlich zur Masche. Der Eastwood-typisch überlegt erscheinende, bedächtige Tonfall gerinnt zumindest im übernatürlichen Kontext dieses Films hier zum unfreiwillig Komischen.

Das große Trost spendende Drama, um das es in "Hereafter" eigentlich geht, wird mit vermeintlich subtilen Nuancen angestimmt, die sich nur als – kein Widerspruch – lautstark mit gedämpfter Stimme vorgetragene Allerweltsweisheiten erweisen. Und angesichts des zwiespältigen Fantasy-Einschlags, mit dem Eastwood die Heilsbringergeschichte über verknüpfte menschliche Schicksale erzählt, wirken dann auch vor allem die Verweise auf realpolitische Terrorakte wie den Londoner U-Bahnanschlag oder auf Naturkatastrophen wie den Tsunami in Thailand mehr oder weniger geschmacklos – insbesondere durch eine seltsam als Blockbuster-Spektakel inszenierte erste halbe Stunde, die in Relation zum Rest des Films mehr als befremdlich stimmt.


30% - erschienen bei: gamona

Januar 26, 2011

Zuletzt gesehen: THE CLASS OF 1999

Geistig aufs allervorzüglichste umnachteter Genrequatsch, mit dem Mark L. Lester seinen B-Semiklassiker "The Class of 1984" zu einem konsequent übersteuerten Exploitation-Fest fortsetzt. Herr(schaft)lich dusselige Actioneinfälle dreht er mit hemmungsloser Inszenierungsfreude durch einen schon beinahe genuin-imbezill ratternden Blödelreißwolf, der folgerichtig das bereits dem Vorgänger eingeschriebene Ulkpotential bis zur Schmerzgrenze ausnutzt. Die Umdichtung der hilflosen Lehrer in unberechenbar gewalttätige Killermaschinen, gegen die sich nunmehr ungleich standhaftere Schüler zur Wehr setzen müssen, nimmt bereits den postmodernen Vorzeichenwechsel eines "Terminator 2" vorweg, während sich "The Class of 1999" sonst heiter und unbeschwert durch den Cameronschen Cyborg-Kinotrend der 80er Jahre marodiert. Die enorm cheesige Produktion mit ihren, sagen wir, interessant ausgeleuchteten Sets, dem eigenwillig-klobigen Schnitt und recht sonderbaren darstellerischen Leistungen garantiert fernerhin Spaß – ein nahezu mustergültiges Anti-Sequel. 

60%

Zuletzt gesehen: THE CLASS OF 1984

Mit psychologischem Geschick gestrickter Selbstjustizfilm über unkontrollierbare Jugendliche, Gewalt an Schulen und den Machtverlust von hilflosen Autoritäten, der seinen reißerischen Vigilantismus rückwirkend als prophetische Sozialkritik verstanden wissen will. Mark L. Lesters Qualitäten als Anstifter eines ernsthaften Diskurses über Jugendgewalt erweisen sich jedoch kaum überraschend als wenig glaubwürdig, vielmehr liegen seine Stärken in der kompletten Ausschlachtung des Themas, das er als wütende Exploitation mit klaren Gut-Böse-Trennlinien aufzieht. Ironischerweise zeichnet "The Class of 1984" trotz seiner völlig überzogenen und indifferenten Darstellung der albernen Schulpunks und klischeehaft anmutenden Dystopie verrohender Kinder insgesamt ein Bild von Jugendkriminalität, das heute zwangsläufig weitaus weniger fiktiv erscheinen muss als 1982. Unterm Strich funktioniert der Film in erster Linie als gradliniger Actionthriller, dessen größte Ambition sich im effektivem Ausverkauf, statt tiefsinnigen sozialen Visionen spiegelt.


50%

Januar 20, 2011

Kino: THE NEXT THREE DAYS

Paul Haggis ist so etwas wie eine sichere Hollywoodbank, ein vertrauenswürdiger Routinier, der die an ihn gestellten Anforderungen erfüllt. Er hat sich als Regisseur und Autor den Respekt der Traumfabrik erspielt, weil er mit "L.A. Crash" gleich zwei unerwartete Oscars gewann. Seine Drehbücher sind gefragt, weil er ein Gespür dafür hat, was das Publikum sehen möchte ("Million Dollar Baby"), oder weil er ihnen wahlweise auch den letzten Schliff verpassen kann ("Casino Royale"). Und durch seinen öffentlichen Scientology-Ausstieg nach 35 Jahren Mitgliedschaft hat er sich auch ein persönliches Profil erarbeitet – Haggis, das findige Multitalent.

Der Preisregen über "L.A. Crash" sicherte dem Senkrecht- starter eine vorläufige Narrenfreiheit zu, nach der sich bereits seine zweite Regiearbeit, das rührige Kriegsdrama "Im Tal von Elah", als finanzieller Flop erweisen musste. Die neoliberale Konsenshaltung beider Filme zwischen politischem Stammtisch und verwässerndem Sentiment scheint jedoch erst einmal vom Tisch: Mit "72 Stunden – The Next Three Days" versucht sich Haggis im klassischen Genrekino, aber in den USA hat von dem Film wieder kein Mensch Notiz genommen. Dabei ist das Remakes des französischen Thrillers "Ohne Schuld" ("Pour Elle") bisher die solideste Arbeit des Regisseurs.

Alles beginnt ganz friedlich. John (Russell Crowe) und Lara (Elizabeth Banks) führen eine Ehe wie aus dem Bilderbuch. Sie haben einen Sohn, ein schönes Haus und begehrte Jobs. Sie gehen abends mit Freunden gut essen, haben anschließend leidenschaftlichen Sex und versichern sich ihre gegenseitige Liebe wie am ersten Tag. Diese Idylle jedoch endet auf einen Schlag: Kurz nachdem Lara eines Morgens einen seltsamen Blutfleck auf ihrem Mantel entdeckt, stürmt die Polizei das Haus und verhaftet die Ehefrau und Mutter wegen des Mordes an ihrer Chefin. Obwohl sie ihre Unschuld beteuert, wird Lara unter der erdrückenden Beweislast gegen sie angeklagt und schließlich verurteilt.

Um den schief hängenden Familiensegen wieder gerade zu rücken, sieht der Universitätslehrer John keine andere Möglichkeit, als seine Frau auf eigene Faust aus dem Gefängnis zu holen. Er trifft einen Ex-Knacki (Hollywoods derzeitige Allzweckwaffe Liam Neeson), der mehrere Ausbrüche hinter sich brachte und ihm einige wohlwollende Tipps auf den Weg gibt, beschafft sich auf fragwürdigem Weg Geld für seine rechtswidrige Rettungsaktion und ist bereit, alles aufzugeben, um Lara aus der Gefangenschaft zu befreien. Doch die Polizei droht hinter Johns Plan zu kommen, ehe er ihn überhaupt in die Tat umsetzen kann.

In seiner amerikanisierten Neuauflage des Stoffes setzt Haggis andere Akzente als Fred Cavayé in der Vorlage mit Diane Krüger, die hierzulande letztes Jahr lediglich auf DVD erschienen ist. Die verzweifelten Versuche des Ehemannes, einen Weg für die Freiheit seiner Frau zu finden, wurden in "Ohne Schuld" teils zu lustlosen Montagen verkürzt, während Haggis sie deutlicher ausspielt, den Fokus auf Suspense legt und nach klassischen Genreformeln arbeitet. "The Next Three Days" ist reißerischer als das eher schwerfällige Original, in vielerlei Hinsicht aber auch eine Korrektur des dramaturgisch eher ungeschickten französischen Thrillers.

Es erweist sich als raffinierter Schachzug, die Klärung der Schuldfrage ans Ende des Films zu verlegen. Dadurch generiert Haggis im Gegensatz zur Vorlage eine fiebrige Atmosphäre, die das Potenzial der Geschichte deutlicher ausschöpft und Russell Crowes verzweifelten Alleingang um einiges mitreißender gestaltet. Tatsächlich ist "The Next Three Days" ein ungemein spannender Film, ein Crowdpleaser gewiss, aber gut konstruiert und effektiv in Szene gesetzt. Bemerkenswert ist auch, dass er den Kampf des Antihelden um die Freiheit seiner Frau nicht gegen das vermeintliche Versagen von Polizei und Justiz ausspielt, sondern das Selbstjustizthema eher beiläufig verhandelt. An der Amoralität der Geschichte hegt Haggis ohnehin keinen Zweifel.

Sonst klebt das Remake trotz seiner Ausbesserungen jedoch sklavisch an der Geschichte und adaptiert sogar ganze Einstellungen des Originals. Komponist Danny Elfman übernimmt die treibenden elektronischen Beats der Vorlage, seine Musik aber ist wenig originell, unscheinbar und leider auch etwas dröge. Das größte Problem des Films ist sicherlich die mangelnde Glaubwürdigkeit des Drehbuchs im Umgang mit seinem zentralen Protagonisten, den Crowe zwar souverän und konzentriert spielt, der sich im Laufe der Handlung allerdings auf kaum nachvollziehbare Art vom tollpatschigen Lehrer zum Mastermind mausert.

Diese charakterliche Indifferenz mündet in einem auch formal entsprechend unausgegorenen Finale, das zwar vom französischen Original erheblich abweicht, allerdings vehement zu keinem Ende finden möchte. Da stehen dann melodramatische Momente neben komplett fehl platzierten Actionszenen, die das zuvor sorgfältig errichtete dramaturgische Gerüst fast zum einstürzen bringen. Haggis reiht potenziellen Schluss an potenziellen Schluss und meint es zuletzt dann doch ein wenig zu gut mit seiner Vorstellung von einer auserzählten Geschichte – auf den letzten Metern verliert sich "The Next Three Days" in platter Rührseligkeit und einer lapidar ans Publikum gerichteten Aufklärerhaltung, die für seinen Regisseur nur leider allzu typisch ist.


50% - erschienen bei: gamona

Januar 17, 2011

Zuletzt gesehen: BLACK SWAN

Roman Polanskis fiebriger Sextraum "Repulsion" durch die adoleszent-prätentiöse Aronofsky-Brille mit getönten Arthausgläsern noch mal nachbuchstabiert. Zwischen Homokitsch, Primaballerina und Psychothriller-Trash wedelt und winkt "Black Swan" nach seinen filmischen Vorbildern mit eingeknicktem Handrücken, aber ohne künstlerischen Mut, formalem Einfallsreichtum oder Gespür fürs Abgründige, Verstörende und Tiefsinnige. Psychologisch bleibt der Film flach bis plump, und wenn Aronofsky kokett die Repressivität und verzerrte Wahrnehmung seiner Protagonistin zu vermitteln versucht, übertreten seine Shaky-Cam-Bilder gelegentlich auch die Grenze zur Fremdscham. Natalie Portman tänzelt und leidet sich als schwarzes Schwänchen tapfer durch ihren banalen Horrortrip, aber zur Catherine Deneuve wird sie dadurch noch nicht – ihre Naivität und Unschuld bleibt Behauptung, ihr ehrgeiziges Spiel unglaubwürdig und angestrengt. Wie der Film.


30%

News: SCREAM 4 - Orgasmus-Trailer



Bevor ich jetzt gleich die diesmal bestimmt besonders amüsanten Globes über mich ergehen lassen werde, schaue ich noch mal ca. 100x den neuen Trailer zu "Scream 4". Genial! G-e-n-i-a-l!


Das wird die Ultrapostpostmodernitätskunst.

Januar 14, 2011

Zuletzt gesehen: HOMICIDAL

Gnadenloses "Psycho"-Rip-Off, das sich die mehr oder weniger grobschlächtigeren Elemente des Hitchcock-Films vorknöpft und leidenschaftlich ins Plakative übersteigert. Nach allen Regeln der Kunst schnürt William Castle seine zunächst undurchschaubaren Erzählstränge zu einem dichten und spannenden Thriller, ehe "Homicidal" schnurstracks auf ein Ende zusteuert, dessen urkomischer und sich bei jeder Gelegenheit selbst ankündigender Twist offenbar für Menschen mit Sehschwäche konzipiert wurde.

Doch selbst noch wenn Castles komplett gescheiterter Überraschungsmoment absehbar ist, bleibt die Faszination daran, mit welcher Inbrunst und Inszenierungslust er diesen vorbereitet. Castles Freude am nahenden Schlock-Schock ist jeder Szene eingeschrieben, so sehr gar, dass er kurz vor Schluss noch eine 45sekündige "Angstpause" platziert: Unter dem pulsierendem Ton eines klopfenden Herzens erscheint eine ablaufende Uhr auf der Leinwand, die dem Zuschauer Gelegenheit geben soll, den Film vorzeitig abzubrechen, falls denn seine Nerven vor Spannung zu zerbersten drohen. – Ist das nicht absolut großartig? Hat es so etwas jemals wieder gegeben? Das muss doch allein die Überzeugungstat eines Regisseurs sein, dessen Herz nur dem Kino gehören konnte. Und man hört es schlagen, 45 Sekunden lang. I love you, William Castle.



70%

Januar 11, 2011

Zuletzt gesehen: I SAW WHAT YOU DID

Effektiver Psychothriller aus der Spätphase William Castles, der durch Joan Crawford in einer Nebenrolle als typischer Hag-Horror geführt wird. Die Besetzung der Grande Dame erweist sich jedoch mehr als Vermarktungsgag und damit Kardinalsfehler, insgesamt bewegt sich Crawfords Screentime nämlich leider nur im einstelligen Minutenbereich. "I Saw What You Did" ist spannend, atmosphärisch und stellenweise schön campy, aber auch himmelschreiend ungelenk erzählt, mit einem zusammenhanglos überkonstruiertem Plot, der wie eine in die Länge gezogene Exposition (mit schmucklosem Schluss) wirkt. Castles Versuch, den Film möglichst gradlinig, konventionell und mit stetiger Spannungskurve anzulegen, geht bedauerlicherweise mit einem Mangel an surrealen Ideen und visuellen Regieeinfällen einher – nur in wenigen Momenten sticht seine sonst so bezaubernde Inszenierungslust hervor. Unterm Strich dennoch sehenswert.


50%

Januar 09, 2011

Zuletzt gesehen: HOUSE ON HAUNTED HILL

Atmosphärisches Schauerstück mit geradezu klassischem Set-Up, das heute womöglich die bekannteste Regiearbeit William Castles bildet. Nach der grandiosen Exposition, die sich mit schwebenden Köpfen und einer zügigen Vorstellung der Figuren als Musterbeispiel verkürzten und effizienten Erzählens erweist, zieht Castle sein Whodunit-Spiel als trügerische Geistergeschichte mit sorgfältigen Showeinlagen auf. Das Haunted House wird zur Theaterbühne, auf der sich die Schauspieler munter durch eine trickreiche Handlung grimassieren. Der etwas schwankende Unterhaltungswert und zurückhaltende visuelle Einfallsreichtum trüben den Genuss des Films zeitweise, obwohl oder vielleicht auch gerade weil Castle "House on Haunted Hill" ungewohnt konzentriert und ökonomisch inszeniert. Vincent Price allerdings ist einmal mehr das Salz in der Suppe, selbst noch als Skelett macht er eine gute Figur! Und immerhin war dies der Film, an dessen kostengünstiger Produktion und Gimmick-Vermarktung sich Alfred Hitchcock mit "Psycho" orientierte – und damit die bis heute nicht eindeutige wechselhafte Konkurrenzbeziehung der beiden in Gang setzte.


60%

Januar 01, 2011

Das war's: Rückblick 2010 - Top 10 und der Rest


Anmerkung: Wie jedes Jahr gelten als Grundlage für die Auflistung nur deutsche Kino- oder Festivalstarts 2010, sowie diesjährige VÖ-Termine bei DVD-Premieren. Da ich viele der Filme zumindest hier im Blog kurz besprochen habe, verzichte ich wie bereits im Vorjahr auf Begründungen. Auch Sonderkategorien oder eine Flop 10 erspare ich mir. Kurzum kann ich nur sagen, dass ich 2010 als überdurchschnittlich gutes Filmjahr empfunden habe, sowohl hinsichtlich aktueller Produktionen (ich weiß, dass das, was ich gesehen und nicht gesehen habe, einen etwas tendenziösen Eindruck macht -> der Fluch der Mainstreamhure eben), als auch hinsichtlich diverser großartiger Entdeckungen.



10. Fish Tank
(GB, Andrea Arnold)

9. Survival of the Dead
(USA, George A. Romero)

8. The Social Network
(USA, David Fincher)

7. Bad Lieutenant: Port of Call - New Orleans
(USA, Werner Herzog)

6. Halloween II
(USA, Rob Zombie)

5. Greenberg
(USA, Noah Baumbach)

4. The Road
(USA, John Hillcoat)

3. The Ghost Writer 
(GB/D/F, Roman Polanski)

2. Mary and Max 
(AUS, Adam Elliot)

1. The House of the Devil 
(USA, Ti West)




Runner Ups:Jackass 3-D (USA, Jeff Tremaine)
Shutter Island
(USA, Martin Scorsese)
Scott Pilgrim vs. the World
(USA, Edgar Wright)
Der Räuber
(D/A, Benjamin Heisenberg)
Carlos
(F/D, Olivier Assayas)
Frühstück
(D, Kristina Hofmann)
Vengeance
(HK/F, Johnnie To)
Day & Night
(USA, Teddy Newton)
Cycle
(D, Volker Schreiner)
A Serious Man
(USA, Joel & Ethan Coen)
Crazy Heart
(USA, Scott Cooper)
A Single Man
(USA, Tom Ford)
Der Da Vinci Timecode
(D, Gil Alkabetz)
Precious
(USA, Lee Daniels)
I Love You Phillip Morris
(F, Glenn Ficarra & John Requa)
Kick-Ass
(GB/USA, Matthew Vaughn)
Toy Story 3
(USA, Lee Unkrich)
Avatar – Special Edition
(USA, James Cameron)
The Expendables
(USA, Sylvester Stallone)
Rammbock
(D/A, Marvin Kren)


Gut:


My Son My Son What Have Ye Done
(USA, Werner Herzog)
9
(USA, Shane Acker)
Alice in Wonderland
(USA/GB, Tim Burton)
You and Me
(D, Karsten Krause)
The Twilight Saga: Eclipse
(USA, David Slade)
The Last Airbender
(USA, M. Night Shyamalan)
Resident Evil: Afterlife
(USA/GB/D, Paul W.S. Anderson)
Exit Through the Gift Shop
(GB/USA, Banksy)
Fair Game
(USA, Doug Liman)
Nie wieder frei sein
(D, Christian Zübert)
Yuri Lennon's Landing on Alpha 46 (D/CH, Anthony Vouardoux)


Annehmbar:


Piranha 3D
(USA, Alexandre Aja)
Nine
(USA, Rob Marshall)
Der Prinz
(D, Petra Schröder)
Up in the Air
(USA, Jason Reitman)
Green Zone
(USA, Paul Greengrass)
Knight and Day
(USA, James Mangold)
Red
(USA, Robert Schwentke)
Ondine
(IRL, Neil Jordan)
Saw 3D
(USA/CDN, Kevin Greutert)
Tangled
(USA, Nathan Greno, Byron Howard)
9einhalbs Abschied
(D, Halina Dyrschka)
You Will Meet a Tall Dark Stranger
(USA/S, Woody Allen)
Solitary Man
(USA, Brian Koppelman, David Levien)
Pour elle
(F, Fred Cavayé)


Schwach:


Veronika Decides to Die
(USA, Emily Young)
Moon
(GB, Duncan Jones)
Bob
(D, Jacob Frey & Harry Fast)
Sherlock Holmes
(GB/USA, Guy Ritchie)
Edge of Darkness
(USA, Martin Campbell)
The Men Who Stare at Goats
(USA, Grant Heslov)
The Kids Are All Right
(USA, Lisa Cholodenko)
The Wolfman
(USA/GB, Joe Johnston)
Iron Man 2
(USA, Jon Favreau)
Salt
(USA, Phillip Noyce)
The Last Exorcism
(USA, Daniel Stamm)
The Town
(USA, Ben Affleck)
The Other Guys
(USA, Adam McKay)
Sorority Row
(USA, Stewart Hendler)
Cabin Fever 2: Spring Fever
(USA, Ti West)
Harry Potter and the Deathly Hallows: Part 1 (GB, David Yates)


Schlecht:


The Last Station
(D, Michael Hoffman)
Riss (D, Birnur Pilavci)
From Paris with Love
(F, Pierre Morel)
El Secreto de sus ojos
(ARG, Juan José Campanella)
Triangle
(GB/AUS, Christopher Smith)
Splice
(CAN/F/USA, Vincenzo Natali)
Chloe
(CAN/F/USA, Atom Egoyan)
The Runaways
(USA, Floria Sigismondi)
The Crazies
(USA, Breck Eisner)
Predators
(USA, Nimród Antal)
Das Paket
(D, Marco Gadge)
The Sorcerer's Apprentice
(USA, Jon Turteltaub)
Tamara Drewe
(GB, Stephen Frears)
Machete
(USA, Ethan Maniquis & Robert Rodriguez)
Inception
(USA/GB, Christopher Nolan)
Das geheime Geräusch
(D, Michael Watzke)
Rare Exports
(FIN/F/NOR/S, Jalmari Helander)
Monsters
(GB, Gareth Edwards)
Bis nichts mehr bleibt
(D, Nikolaus Stein von Kamienski)
Frozen
(USA, Adam Green)
The Loved Ones
(AUS, Sean Byrne)
Daybreakers
(AUS/USA, Michael Spierig & Peter Spierig)
Uwe + Uwe
(D, Lena Liberta)
Red Hill
(AUS, Patrick Hughes)


Brechmittel:


The Lovely Bones
(USA/NZ, Peter Jackson)
Mutants
(F, David Morlet)
Harry Brown
(GB, Daniel Barber)
Dear John
(USA, Lasse Hallström)
Jud Süß – Film ohne Gewissen
(D/A, Oskar Roehler)
Brennendes Interesse
(D, Claus Oppermann & Gerald Grote)
Despicable Me
(USA, Pierre Coffin & Chris Renaud)
L.A. Zombie
(D/USA, Bruce La Bruce)
Der kleine Nazi
(D, Petra Lüschow)
Legend of the Guardians
(USA/AUS, Zack Snyder)
Clash of the Titans
(USA/GB, Louis Leterrier)
Due Date
(USA, Todd Phillips)
Invictus
(USA, Clint Eastwood)
The Tourist
(USA, Florian Henckel von Donnersmarck)
Die Grenze
(D, Roland Suso Richter)
The Fourth Kind
(USA, Olatunde Osunsanmi)
The Descent: Part 2
(GB, Jon Harris)
Nur eine Nacht
(D, Matthias Krumrey)
Skyline
(USA, Colin Strause, Greg Strause)


Körperverletzung:


Zeiten ändern dich
(D, Uli Edel)
A Nightmare on Elm Street
(USA, Samuel Bayer)
Vampires Suck
(USA, Jason Friedberg & Aaron Seltzer)
Centurion
(GB, Neil Marshall)
La Horde
(F, Yannick Dahan & Benjamin Rocher)
Rampage
(D/CDN, Uwe Boll)
Il Giardino
(D, Michael Ester)
White Lightnin'
(GB, Dominic Murphy)
The Blind Side
(USA, John Lee Hancock)