März 01, 2017
3D-Kino ist gescheitert (schon wieder)
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Dezember 07, 2016
Couch statt Kino
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Juni 22, 2016
Game of Thrones und das blendende Spektakel
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Dezember 19, 2012
Der Hobbit, eine 48fps-Doku-Soap mit Zwergen
Oktober 25, 2011
Kino: THE ADVENTURES OF TINTIN
Februar 17, 2010
Kino: THE LOVELY BONES
An welchem Punkt nun hat es der selbsternannte Erzähler Jackson eigentlich verlernt, seine ganze Energie nicht nur ans große teure Spektakel zu verschwenden, sondern auch starke Charaktere in kraftvollen Geschichten zum Leben zu erwecken? Sollte dem neuseeländischen Regisseur tatsächlich durch seine einrucksvoll auf die große Leinwand adaptierte "Herr der Ringe"-Trilogie der Blick fürs Wesentliche verloren gegangen sein? Oder ist "In meinem Himmel" schlicht nur zufällig als böser Ausrutscher und vorläufiger Tiefpunkt in Jacksons Karriere zu begreifen?
Es ist, ganz zunächst einmal, ein Film über ein ermordetes Mädchen. Das wandelt kurz vor ihrer Erlösung schon nach wenigen Filmminuten leidvoll durch ein farbenprächtiges Zwischenreich, von dem aus es verzweifelt Kontakt zu ihren (leider) noch lebendigen Liebsten aufzunehmen versucht. Obwohl das freilich nie gelingen mag, lässt Jackson die verschiedene Susie dennoch die gesamte Handlung per Voice-over moderieren: Mal sehen wir sie gackernd mit anderen toten Mädchen herumalbern, mal wehleidig in ständigen Close-Ups grundlos erstarren. In jedem Fall trägt ihre großzügige Screentime zum eigentlichen Plot schon einmal sage und schreibe nichts bei.
Dieser dümpelt nicht in träumerischen LSD-Gefilden vor sich hin, sondern ist bemüht darum, das elterliche Drama des Kindverlusts in einem 70er-Jahre-Setup mit einer kriminalistischen Thriller-Dramaturgie zu vereinbaren. Die Handlung von "In meinem Himmel" also lässt sich wie folgt zusammenfassen: Ein um die verschwundene Tochter trauerndes Ehepaar (Mark Wahlberg & Rachel Weisz) versucht den zwei Türen weiter wohnenden Kindermörder (Stanley Tucci) ausfindig zu machen, während das tote Mädchen (Saoirse Ronan) im Jenseits – mal lachend, mal weinend – einen Vollrausch nach dem anderen durchlebt.
Das ist, in wahrlich jeder Hinsicht, eine große Belastungsprobe für den Zuschauer. Jackson sind subtile Töne, feine Nuancen und dezente Regieeinfälle – sofern er sie jemals beherrscht haben sollte – unwiederbringlich abhanden gekommen. Seine Interpretation eines schrecklichen Sexualmordes und dessen tragischer Verarbeitung gerinnt zur grotesk überinszenierten CGI-Seifenoper. In permanenten Schwenks, Zooms, Zeitlupen- und Freeze-Effekten gibt er dem Zuschauer einen aufdringlichen emotionalen Leitfaden durch seine Geschichte, Groschenheft-taugliche Kitschbilder wechseln sich mit geschmacklosen, absurd überzeichneten Klischeevorstellungen ab.
So ist der von Stanley Tucci (kurioserweise oscarnominiert) bemüht gespielte Kindermörder nicht weniger als die groteske Kinoreinkarnation eines Serienkillerstereotyps auf zwei Beinen, das "Psychopath" auf die Stirn geschrieben und dennoch ganz der unauffällige Nachbar von nebenan. Als Mark Wahlberg – selten so unglaubwürdig und verkrampft wie in der Rolle eines verzweifelten Familienvaters – ihm dann schließlich aus heiterem Himmel (sprichwörtlich) auf die Schliche kommt, fällt dem Film dafür bezeichnenderweise kein triftigerer Grund als eine quasi jenseitige Intervention seiner verstorbenen Tochter ein.
Der Titel gebende Himmel (bzw. das Zwischenreich, in dem sich Susie aufhält) fungiert dabei als roter Faden durch eine alle Genres abgrasende Handlungsstruktur, die nur über ihren Hang zum Süßlichen eine konsistente Form zu finden glaubt. Die Bilder von bunten Schmetterlingen und anderer pastellfarbener Infantilität spiegeln allerdings weniger das Seelenleben eines 14jährigen Mädchens, als sie die banale Vorstellungskraft eines Kleinkindes abbilden. Richtig bekloppt wird es aber erst, wenn Susie sich im Nimmerland von anderen Opfern des Mörders erklären lässt, dass man nicht zurück-, sondern nach vorn blicken müsse: "Of course it’s beautiful, it’s heeeeeeaven!".
Alles in diesem Film klotzt und kleckert. Es ist ein Manifest an plakativen erzählerischen und visuellen Effekten. Was in der Vorlage vermutlich als stilles meditatives Drama über die beklemmende Verarbeitung eines Todes oder den schmerzhaften Abschiedsprozess funktioniert, wird bei Jackson zur lautstarken Pixel-Melange aus schwelgerischer Fantasy und reißerischem Thriller aufgeblasen. Akzente setzt der Film keine, er schwankt unentschlossen zwischen Erzählabsichten und verfängt sich doch nur wieder in der Green-Screen-Endlosschleife. Über die Message, dass es sich tot womöglich besser lebt, mag man angesichts dieses gigantischen formalen Kauderwelschs gar nicht erst nachdenken.
"In meinem Himmel" ist schlicht das komplett missglückte Gegenstück zu Jacksons eigenem "Heavenly Creatures". Die Erschaffung einer eskapistischen Traumwelt zweier Mädchen entwarf er da noch schlüssig und weitgehend zurückhaltend als Fluchtpunkt innerhalb eines ebenso tragischen wie grausamen Kriminalfalls. Nunmehr scheint seine Filmsprache indes von megalomanischem Kitsch regiert, dem Erzählung und Figuren hoffnungslos aufgeliefert sind. Der brutale Tod eines 14jährigen Mädchens auf der Leinwand geht nicht automatisch unter die Haut, an die Nieren oder aufs Gemüt, nur weil der Film das Bild unentwegt mit Gefühlsduseleien zukleistert. Irgendwann sieht man hier nichts mehr und will es auch gar nicht mehr sehen – Peter Jacksons Himmel ist die reine Hölle!
20% - erschienen bei: gamona
September 11, 2009
Kino: DISTRICT 9
Leider vernachlässigt Neill Blomkamp die semi-dokumen- tarische Inszenierung ab der Hälfte und bricht das formale Konzept unmotiviert auf, um sich in herkömmlichen ästhetischen Bahnen zu bewegen. Irritierend dabei vor allem, dass der Film auch dann noch an seinem Wackel- kamerakonzept festhält, als der Reportagestil sich längst nicht mehr mit der eigentlichen Handlung deckt – die anfängliche Form eines hautnahen Fernsehberichts wird für eine schließlich recht vorhersehbare Geschichte aufgegeben. "District 9" empfand ich deshalb als überaus ambitionierten, aber schlicht zu indifferenten Versuch eines zeitgemäßen Science-Fiction-Films, der sich seines originären Ansatzes zum Trotz letztlich nur in konventionelle Genremuster und nervigen Ethno-Kitsch flüchtet.
50% - ergänzend für: DIE 5 FILMFREUNDE
August 06, 2009
News: THE LOVELY BONES - Trailer
April 06, 2009
Retro: TWINS OF EVIL (1971)
Nach Roy Ward Bakers "Gruft der Vampire" (ebenfalls mit Peter Cushing) und "Nur Vampire küssen blutig" von Jimmy Sangster bildet "Draculas Hexenjagd" den Abschluss der als Karnstein-Trilogie bezeichneten Vampirgruselreihe, die sich mehr oder weniger auf die "Carmilla"-Novelle von Joseph Sheridan Le Fanu stützt – jenem lesbischen Blutsauger- mythos, der zum kreativ modifizierten Referenzmaterial zahlreicher Genrefilme mutierte. Carmilla selbst spielt hier jedoch nur noch am Rande eine Rolle: Sie erscheint als Geist, der den snobistischen Grafen Karnstein verführt und in einen Vampir verwandelt. Dieser hat es daraufhin auf die lüsterne Hälfte eines vollbusigen Zwillingspärchens abgesehen, das nach dem Tod der Eltern unter der Obhut des bigotten Onkels Gustav Weil (Cushing), einem Hexenjäger und selbsternannten Vertreter Gottes, steht. Und der muss sich bald besonders sorgfältig um die "Twins of Evil" – so der wesentlich sinnigere Originaltitel – kümmern.
Aus dieser Plotkonstellation generiert die konfuse und meist ein wenig bruchstückhaft erscheinende Geschichte dann zahlreiche Gothic-Horror-Elemente, die unbekümmert abgegrast und verwurstet werden. Schon die Melange aus den eigentlich gegensätzlichen Motiven Hexenverfolgung und Vampirismus belegt das freimütige Wildern dieser späten Hammer-Produktion in allem, was die Exploitation-Mottenkiste so hergibt: Nuditys wechseln sich mit ungewöhnlich herben Splatter-Einschüben ab, Rollenklischees und Genremoral werden bis zum Exzess reproduziert. Dazu schrillen Harry Robinson Violinen ein traumhaft schönes, süßliches Gemisch, das eher an Western-, denn Horrorfilme erinnert.
Trotz prächtiger Pinewood-Sets und einer selbstredend schaurig-schönen Atmosphäre ist "Draculas Hexenjagd" zu durchsichtig in seinem Konzept, sich mit Schmuddelelementen am zeitgemäß grobschlächtigen Trend des Genres zu orientieren. Was sich damit freilich veritabel gibt, ist im Ergebnis dennoch oft trashig, hölzern und, gemessen an den Hammer-Produktionen der 50er und 60er Jahre, zu billig und effekthascherisch heruntergekurbelt.
50% - (als DVD-Review) erschienen bei: DAS MANIFEST
Mai 25, 2008
News: THE HOBBIT - Chat-Transkript der Macher
Im Vorfeld ihres Großprojekts "The Hobbit" sind Produzent und Autor Peter Jackson und Regisseur Guillermo del Toro um Transparenz und Fan-Nähe bemüht. Fleißig geben sie Interviews, chatten und beantworten allerlei Fragen. Auf der LOTR-Fanpage kann man nun das Transkript ihres letzten großen Live-Fan-Chats nachlesen. Hier werden noch einmal alle bisherigen Infos offiziell bestätigt. "At this point in time the plan is to write for the rest of this year and start early conceptual designs. 2009 will be dedicated to pre-production on both movies and 2010 will be the year we shoot both films back to back. Post productin follows one film at a time with The Hobbit being released Dec 2011, and F2 release Dec 2012. That is the schedule in about as much detail as we have ourselves at the moment."April 25, 2008
News: Del Toro macht den kleinen Hobbit!
Guillermo del Toro wird nun definitiv Tolkiens "The Hobbit" inszenieren. Wie die Variety berichtet, zieht der "Pan's Labyrinth"-Regisseur dafür vier Jahre nach Neuseeland, wo der zweitelige Film unter der kreativen Überwachung Peter Jacksons gedreht werden und 2010 bzw. 2011 in die Kinos kommen soll. Ich bin guter Dinge, aber ohne Shore läuft nichts! McKellen ist wohl schon dabei.[deutsche Meldung]
Mai 28, 2007
Retro: THE FRIGHTENERS (1996)
Nicht erst seit Jerry Zuckers "Ghost" weiß man als Zuschauer von körperlosen Seelen, die sich nach dem plötzlichen Tod nicht für den Weg gen Himmel, sondern ein unbefristetes Weilen als spirituelle Kraft auf Erden entschieden haben. Weniger dramatisch als schaurig-schön erzählt auch Peter Jackson in "The Frighteners" eine feinfühlig zwischen Geisterhorror und Buddy-Komödie ausbalancierte, schicksalhafte Geschichte über Leben und den Tod. Mit Kosten von rund 30 Millionen US-Dollar war es nach dem sensiblen Coming of Age-Drama "Heavenly Creatures" die erste hoch budgetierte Studioproduktion des neuseeländischen Regisseurs. Unterstützt durch Robert Zemeckis, der seinen alten Freund Michael J. Fox für das Projekt gewinnen konnte (der einstige "Back to the Future"-Star benötigte dringend ein Comeback), durfte Jackson den Film trotz erheblicher Bedenken von Seiten der Universal in seinem Heimatland produzieren.Das bedeutete eine Form der künstlerischen Freiheit, die keinesfalls selbstverständlich war: So sollte nicht etwa ILM, sondern die völlig unbekannte Effektschmiede WETA die visuellen Tricks beisteuern und wurden nicht etwa wenige Wochen, sondern gleich ganze sechs Monate Drehzeit veranschlagt. Vor allem aber durfte Jackson sämtliche seiner langjährigen Teamkollegen verpflichten, darunter Editor Jamie Selkirk oder Kameramann Alun Bollinger. Zemeckis, der vor allem mit seinem werbewirksamen Namen Pate stehen sollte, besuchte die Dreharbeiten insgesamt nur zwei Mal, ließ Jackson also einen enormen Freiraum. Dieser schrieb das Drehbuch gemeinsam mit Gattin Fran Walsh noch während des Drehs mehrfach um, immer wieder wurden Handlungs- details geändert, weggenommen oder hinzugefügt. Da den beiden nach Beendigung von "Heavenly Creatures" nicht viel Zeit für die Pre-Produktion blieb, fertigte Jackson für das Finale keinerlei Storyboards an – tatsächlich hatte er selbst nach Drehbeginn noch kein Konzept für das Ende des Films.
Von den insgesamt also recht eigenwilligen Produktions- umständen bekam Zemeckis indes wenig mit, den US-Geldgebern schien Vertrauen ohnehin besser als Kontrolle – am anderen Ende der Welt würde es der viel versprechende Kiwi-Regisseur schon irgendwie machen. Anders als es sein etwas verklärter Ruf behauptet, ist "The Frighteners" deshalb auch kein Film eines lediglich ausführenden und willenlosen Zemeckis-Rekruten (wie etwa der nicht unähnliche "Poltergeist" mehr eine Spielberg-, denn Hooper-Produktion war), sondern ein überaus kruder Genrefilm, der den exaltierten Humor früherer Jackson- Arbeiten mit den Formen des Mainstream-Kinos vereinbart. Das ist jedoch Stärke und Schwäche zugleich: Zwar ist der Film souverän inszeniert, das aber durch "Heavenly Creatures" hellauf begeisterte Arthauspublikum dürfte sich von ihm ebenso abwenden wie die eingeschworene Horrorgemeinde – denn "The Frighteners" ist weder anspruchsvolles Kunstkino, noch ein opulentes Gorefest. Dieser Disharmonie im Ton ist es vermutlich auch geschuldet, warum dem Film kein finanzieller Erfolg zuteil wurde und das zu Klassifizierungen neigende Publikum ausblieb.
Dabei ist Jacksons siebente Regiearbeit ein mit originellen Ideen geradezu überladenes Abenteuer, das mit enormem Drive, seinerzeit phänomenalen Spezialeffekten und kauzig-guten Darstellerleistungen aufwartet. "The Frighteners" glänzt insbesondere durch seinen visuellen Einfallsreichtum, mit dem die Geschichte erzählt wird – die verhältnismäßig komplexe Handlung wird ohne nennenswerte Längen beständig durch Aktion erklärt und vorangetrieben. Die wenigen Schwächen bei der Zeichnung einiger Nebenfiguren (Ray, der unruhige Ehemann und Gartenzwerg- liebhaber wird mit fortlaufender Dauer sinnlos aus dem Film katapultiert) werden durch die für den Regisseur typische Motiventwicklung verdrängt. So ist Frank Bannister der Prototyp des Jackson-Verlierers. Ganz so wie Lionel Crosgrove ("Braindead") befindet auch er sich auf der Schwelle zwischen kindlicher Naivität und gedrungener Adoleszenz. Sein Trauma – den Tod der Ehefrau, verschuldet auch durch das ewige Festhalten am Jungsein – gilt es zu überwinden, er muss sich emanzipieren von den Dämonen der Vergangenheit. Damit etabliert sich ein weiteres Mal das Initiationsmotiv, das Jackson mit verschiedenen Figuren in seiner epischen "The Lord of the Rings"-Trilogie, für die dieser Film heute als Freifahrtsschein gewertet werden kann, noch verfeinern wird.
"The Frighteners" ist auch ein sperriger Film, einer mit Ecken und Kanten, der sich einer eindeutigen Zuordnung entsagt. Seine verschiedenen Genreeinflüsse – Horror, Comedy, Serial Killer-Drama – und der illustre Umgang mit ihnen brachte Jackson auch vielfach den Vorwurf ein, der Film sei unausgegoren und konzeptlos. Das ist jedoch im Gegenteil eher eine der Stärken von "The Frighteners": Jackson nimmt den Zuschauer mit auf eine ausgelassene Achterbahnfahrt, die ungehemmt immer wieder den Ton wechselt und sich wenig schert um die Einschränkungen des Mainstream-Kinos. Danny Elfmans mit klassischen Horrorzitaten versehene Partitur unterstreicht die wenig formalistische Inszenierung, in dem sie mit Percussions, wilden Streichern und Spukhauschören das Tempo des Films wahlweise vorantreibt oder dämpft. Dass Jackson hier vor allem eine gänzlich triviale und gerade deshalb so amüsante Gruselkomödie zelebriert, sollte dabei nicht vergessen werden: "The Frighteners" ist innerhalb des Jackson-Oeuvres nämlich vor allem auch eine überaus bedeutsame Fingerübung.
November 15, 2006
Retro: BRAINDEAD (1992)
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