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März 01, 2017

3D-Kino ist gescheitert (schon wieder)

Abgeflautes Zuschauerinteresse, verschenkte Möglichkeiten und eine nur noch geringe Anzahl tatsächlich in 3D gedrehter Filme haben die einstige Zukunft des Kinos zur tristen Gegenwart werden lassen. 3D ist gescheitert – und das leider zu Recht.

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Dezember 07, 2016

Couch statt Kino

Einen Blockbuster zwei Wochen nach Kinostart zuhause schauen? Hollywood-Studios meinen: ja. Sie wollen das bisherige Verwertungsfenster reduzieren und eine Art Premium-Streaming etablieren. Es geht dabei wieder einmal um die Zukunft des Kinos.

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Juni 22, 2016

Game of Thrones und das blendende Spektakel

Frauenfeindlich, sterbenslangweilig, besser als Kino – bei "Game of Thrones" schlagen die Gefühlslagen der Fans regelmäßig von Enttäuschung in Euphorie um. Das ist irgendwie sympathisch, nimmt bei der Beurteilung von Schlachtszenen aber auch groteske Züge an.

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Dezember 19, 2012

Der Hobbit, eine 48fps-Doku-Soap mit Zwergen

Die aufgeblasene Riesenadaption eines kleinen Büchleins ist eigentlich kaum der Rede wert, würde sie nicht mit 48 Bildern pro Sekunde herkömmliche Sehgewohnheiten auf den Prüfstand stellen. Über den grässlichen Look des 48fps-Blockbusters "Der Hobbit - Eine unerwartete Reise". [...]

Oktober 25, 2011

Kino: THE ADVENTURES OF TINTIN

Hunderttausend heulende Höllenhunde! Bereits 1983 sicherte sich Steven Spielberg die Filmrechte an "Tim und Struppi", doch erst jetzt schickt das ewige Hollywood-Wunderkind den wissbegierigen Reporter und dessen cleveren Foxterrier auf ihre erste große Kinoreise. Produziert von Peter Jackson und geschrieben unter anderem von "Scott Pilgrim"-Regisseur Edgar Wright, versammelt "Die Abenteuer von Tim und Struppi" ein internationales Team, das die berühmte Comicserie des Belgiers Hergé vorlagengetreu und mit beispiellosem Aufwand für die Kinoleinwand adaptiert.

"Das Geheimnis der Einhorn" ist der erste von vorerst zwei animierten Tintin-Kinofilmen, den noch unbetitelten zweiten Teil wird dann nicht mehr Spielberg, sondern Peter Jackson – voraussichtlich während seiner Arbeit an "The Hobbit" – drehen und fertig stellen (lassen). Zwar wurden Hergés weltweit gelesene und bereits 1929 erstmals veröffentlichte Abenteuergeschichten schon mehrfach in bewegte Bilder umgesetzt, aber sowohl die wenig bekannten Realfilme als auch die unterschiedlichen Zeichentrickversionen des Stoffes konnte man trotz ihres Charmes oder ihrer Beliebtheit bei Fans kaum als adäquate Verfilmungen der Vorlage bezeichnen.

Erst als Spielberg vor mittlerweile 30 Jahren von europäischen Filmkritikern auf die Verwandtschaft seines ersten Indiana-Jones-Films mit den rätselhaften Schatzsuchen der "Tim und Struppi"-Bände hingewiesen wurde, soll er die Comics kennen und lieben gelernt haben. Auf angeblich ausdrücklichen Wunsch Hergés übertrug man ihm nach dessen Tod die Filmrechte, doch eine anspruchsvolle Kinoadaption sollte auf sich warten lassen. Gerüchten zufolge plante Spielberg zwischenzeitlich eine Realfilmversion mit der androgynen Gwyneth Paltrow als Tim (?!), die jüngere (und nach wie vor zwiespältige) Motion-Capture-Technik jedoch inspirierte ihn nun zur Umsetzung des Stoffes als 3D-CGI-Animations- abenteuer.

Die Bände "Das Geheimnis der Einhorn" und "Der Schatz Rackhams des Roten" bilden die Grundlage des ersten Films, aber auch Elemente aus "Die Krabbe mit den goldenen Scheren" wurden vom Autorenteam in die Handlung eingeflochten. Tim (Jamie Bell) stößt darin auf ein altes Schiffsmodell, in dem sich Hinweise auf einen geheimnisvollen Schatz verbergen. Hinter diesem ist allerdings auch der skrupellose Sakharin (Daniel Craig) her, gegen den sich Tim, sein loyaler Hund Struppi und der stets volltrunkene Kapitän Haddock (Andy Serkis, der bisher womöglich einzige Performance-Capture-Star) auf alle erdenklichen Arten zur Wehr setzen müssen.

Der gelegentlich ein wenig höhepunktlose Einhorn-Zweiteiler erweist sich nicht unbedingt als idealer Einstieg für eine neue Tintin-Kinofilmserie. Zweifellos gehört Haddock (wie später auch Professor Bienlein) zu den beliebtesten Figuren und eigentlichen Stars der Comicserie, für einen ersten Film hätten sich Spielberg und Jackson jedoch vielleicht besser auf die ersten Bände konzentrieren sollen, um Tim und Struppi zunächst allein auf Abenteuerreise schicken und sie damit einem neuen Publikum vorstellen zu können. Gerade das umwerfend schöne erste Drittel des Films zeigt, dass man sich die Einführung weiterer fester Hauptfiguren und ein besonders großes Abenteuer auch bis zum zweiten Teil hätte aufsparen können.

Denn die ersten Minuten warten nicht nur mit einer sensationellen Titelsequenz, zahlreichen Anspielungen und Hinweisen auf die Vorlage und einem Quasi-Cameo von Hergé auf, sondern führen mit heimeligen Schauplätzen und ulkigen Sidekicks wie Schulze und Schultze (Simon Pegg und Nick Frost) geradezu wundersam in die Welt von Tim und Struppi ein. Die Detailverliebtheit in der Animation ist beeindruckend, und bei der Darstellung des Helden bleibt Spielberg den Comics erstaunlich treu: Tim ist ein Junge ohne Eigenschaften und Hintergrund, er wird erst durch sein Umfeld und bestimmte Handlungen annähernd charakterisiert.

Zur gewohnten Höchstform läuft Spielberg wieder einmal dann auf, wenn er Actionszenen geradezu kunstvoll arrangiert und durchspielt. In seinen Verfolgungsjagden und Duellen stecken mehr Ideen und Kniffe, als in jedem anderen computeranimierten Film, die teils sogar in digitale Plansequenzen gehüllten Actionstücke sind nichts außer beeindruckend – und dabei stets übersichtlich, nachvollziehbar und mitreißend choreographiert (in zudem sehr plastischem 3D). Das ist nicht selbstverständlich für einen klassischen Handwerker wie Spielberg, der bisher nicht nur völlig ungeübt war im digitalen Schnitt, sondern mit "Die Abenteuer von Tim und Struppi" schließlich überhaupt das allererste Mal einen vollständigen Trickfilm inszeniert.


60% - (vollständige Version) erschienen bei: gamona

Februar 17, 2010

Kino: THE LOVELY BONES

Nirgends ist es so schön wie – im Himmel. Dort segeln gigantische Flaschenschiffe über meterhohe Wellen, verwandeln sich malerische Kornfelder in wallende Seen und lässt es sich auf munter umher fliegenden Luftbällen nach Lust und Laune gut gehen. Bei all dem Spaß, den die 14jährige Susie in diesem Film zwischen Himmel und Erde via Vorstellungskraft generiert, bleibt die Frage zweitrangig, warum Regisseur Peter Jackson uns den Tod als Paradies erklären oder überhaupt zwei Stunden mit klebrigen Digitalwelten unterhalten möchte. Denn: Was auch immer er sich beim Schreiben und Drehen eingeworfen haben sollte – "In meinem Himmel" ist das rare Beispiel eines Films, bei dem ganz und gar nichts stimmt.

An welchem Punkt nun hat es der selbsternannte Erzähler Jackson eigentlich verlernt, seine ganze Energie nicht nur ans große teure Spektakel zu verschwenden, sondern auch starke Charaktere in kraftvollen Geschichten zum Leben zu erwecken? Sollte dem neuseeländischen Regisseur tatsächlich durch seine einrucksvoll auf die große Leinwand adaptierte "Herr der Ringe"-Trilogie der Blick fürs Wesentliche verloren gegangen sein? Oder ist "In meinem Himmel" schlicht nur zufällig als böser Ausrutscher und vorläufiger Tiefpunkt in Jacksons Karriere zu begreifen?

Es ist, ganz zunächst einmal, ein Film über ein ermordetes Mädchen. Das wandelt kurz vor ihrer Erlösung schon nach wenigen Filmminuten leidvoll durch ein farbenprächtiges Zwischenreich, von dem aus es verzweifelt Kontakt zu ihren (leider) noch lebendigen Liebsten aufzunehmen versucht. Obwohl das freilich nie gelingen mag, lässt Jackson die verschiedene Susie dennoch die gesamte Handlung per Voice-over moderieren: Mal sehen wir sie gackernd mit anderen toten Mädchen herumalbern, mal wehleidig in ständigen Close-Ups grundlos erstarren. In jedem Fall trägt ihre großzügige Screentime zum eigentlichen Plot schon einmal sage und schreibe nichts bei.

Dieser dümpelt nicht in träumerischen LSD-Gefilden vor sich hin, sondern ist bemüht darum, das elterliche Drama des Kindverlusts in einem 70er-Jahre-Setup mit einer kriminalistischen Thriller-Dramaturgie zu vereinbaren. Die Handlung von "In meinem Himmel" also lässt sich wie folgt zusammenfassen: Ein um die verschwundene Tochter trauerndes Ehepaar (Mark Wahlberg & Rachel Weisz) versucht den zwei Türen weiter wohnenden Kindermörder (Stanley Tucci) ausfindig zu machen, während das tote Mädchen (Saoirse Ronan) im Jenseits – mal lachend, mal weinend – einen Vollrausch nach dem anderen durchlebt.

Das ist, in wahrlich jeder Hinsicht, eine große Belastungsprobe für den Zuschauer. Jackson sind subtile Töne, feine Nuancen und dezente Regieeinfälle – sofern er sie jemals beherrscht haben sollte – unwiederbringlich abhanden gekommen. Seine Interpretation eines schrecklichen Sexualmordes und dessen tragischer Verarbeitung gerinnt zur grotesk überinszenierten CGI-Seifenoper. In permanenten Schwenks, Zooms, Zeitlupen- und Freeze-Effekten gibt er dem Zuschauer einen aufdringlichen emotionalen Leitfaden durch seine Geschichte, Groschenheft-taugliche Kitschbilder wechseln sich mit geschmacklosen, absurd überzeichneten Klischeevorstellungen ab.

So ist der von Stanley Tucci (kurioserweise oscarnominiert) bemüht gespielte Kindermörder nicht weniger als die groteske Kinoreinkarnation eines Serienkillerstereotyps auf zwei Beinen, das "Psychopath" auf die Stirn geschrieben und dennoch ganz der unauffällige Nachbar von nebenan. Als Mark Wahlberg – selten so unglaubwürdig und verkrampft wie in der Rolle eines verzweifelten Familienvaters – ihm dann schließlich aus heiterem Himmel (sprichwörtlich) auf die Schliche kommt, fällt dem Film dafür bezeichnenderweise kein triftigerer Grund als eine quasi jenseitige Intervention seiner verstorbenen Tochter ein.

Der Titel gebende Himmel (bzw. das Zwischenreich, in dem sich Susie aufhält) fungiert dabei als roter Faden durch eine alle Genres abgrasende Handlungsstruktur, die nur über ihren Hang zum Süßlichen eine konsistente Form zu finden glaubt. Die Bilder von bunten Schmetterlingen und anderer pastellfarbener Infantilität spiegeln allerdings weniger das Seelenleben eines 14jährigen Mädchens, als sie die banale Vorstellungskraft eines Kleinkindes abbilden. Richtig bekloppt wird es aber erst, wenn Susie sich im Nimmerland von anderen Opfern des Mörders erklären lässt, dass man nicht zurück-, sondern nach vorn blicken müsse: "Of course it’s beautiful, it’s heeeeeeaven!".

Alles in diesem Film klotzt und kleckert. Es ist ein Manifest an plakativen erzählerischen und visuellen Effekten. Was in der Vorlage vermutlich als stilles meditatives Drama über die beklemmende Verarbeitung eines Todes oder den schmerzhaften Abschiedsprozess funktioniert, wird bei Jackson zur lautstarken Pixel-Melange aus schwelgerischer Fantasy und reißerischem Thriller aufgeblasen. Akzente setzt der Film keine, er schwankt unentschlossen zwischen Erzählabsichten und verfängt sich doch nur wieder in der Green-Screen-Endlosschleife. Über die Message, dass es sich tot womöglich besser lebt, mag man angesichts dieses gigantischen formalen Kauderwelschs gar nicht erst nachdenken.

"In meinem Himmel" ist schlicht das komplett missglückte Gegenstück zu Jacksons eigenem "Heavenly Creatures". Die Erschaffung einer eskapistischen Traumwelt zweier Mädchen entwarf er da noch schlüssig und weitgehend zurückhaltend als Fluchtpunkt innerhalb eines ebenso tragischen wie grausamen Kriminalfalls. Nunmehr scheint seine Filmsprache indes von megalomanischem Kitsch regiert, dem Erzählung und Figuren hoffnungslos aufgeliefert sind. Der brutale Tod eines 14jährigen Mädchens auf der Leinwand geht nicht automatisch unter die Haut, an die Nieren oder aufs Gemüt, nur weil der Film das Bild unentwegt mit Gefühlsduseleien zukleistert. Irgendwann sieht man hier nichts mehr und will es auch gar nicht mehr sehen – Peter Jacksons Himmel ist die reine Hölle!


20% - erschienen bei: gamona

September 11, 2009

Kino: DISTRICT 9

Ein bemerkenswert frisch erscheinender Science-Fiction-Film im schicken Politkorsett, dessen sozialkritische Töne sich zunehmend einer sehr konventionellen Actiondramaturgie angleichen. Atmosphärisch offensichtlich stark von Paul Verhoevens "RoboCop" inspiriert, ist der verhältnismäßig günstig produzierte Dritte-Welt-Alien-Film vor allem großzügiges Zitatkino, das seine Vorbilder mal mehr, mal weniger klug und subtil für einen eigenständigen Ansatz – eine Invasion durch Außerirdische als Apartheidmetapher – bemüht.

Leider vernachlässigt Neill Blomkamp die semi-dokumen- tarische Inszenierung ab der Hälfte und bricht das formale Konzept unmotiviert auf, um sich in herkömmlichen ästhetischen Bahnen zu bewegen. Irritierend dabei vor allem, dass der Film auch dann noch an seinem Wackel- kamerakonzept festhält, als der Reportagestil sich längst nicht mehr mit der eigentlichen Handlung deckt – die anfängliche Form eines hautnahen Fernsehberichts wird für eine schließlich recht vorhersehbare Geschichte aufgegeben. "District 9" empfand ich deshalb als überaus ambitionierten, aber schlicht zu indifferenten Versuch eines zeitgemäßen Science-Fiction-Films, der sich seines originären Ansatzes zum Trotz letztlich nur in konventionelle Genremuster und nervigen Ethno-Kitsch flüchtet.


50% - ergänzend für: DIE 5 FILMFREUNDE

August 06, 2009

News: THE LOVELY BONES - Trailer

Der Trailer zum neuen Film von Peter Jackson, einer Spielberg-Produktion. Erinnert an "Heavenly Creatures", dürfte aber den ersten Bildern nach zu urteilen ziemlich fantastisch werden. Tolle Besetzung auch (bis auf Mark Wahlberg).

April 06, 2009

Retro: TWINS OF EVIL (1971)

Nach Roy Ward Bakers "Gruft der Vampire" (ebenfalls mit Peter Cushing) und "Nur Vampire küssen blutig" von Jimmy Sangster bildet "Draculas Hexenjagd" den Abschluss der als Karnstein-Trilogie bezeichneten Vampirgruselreihe, die sich mehr oder weniger auf die "Carmilla"-Novelle von Joseph Sheridan Le Fanu stützt – jenem lesbischen Blutsauger- mythos, der zum kreativ modifizierten Referenzmaterial zahlreicher Genrefilme mutierte. Carmilla selbst spielt hier jedoch nur noch am Rande eine Rolle: Sie erscheint als Geist, der den snobistischen Grafen Karnstein verführt und in einen Vampir verwandelt.

Dieser hat es daraufhin auf die lüsterne Hälfte eines vollbusigen Zwillingspärchens abgesehen, das nach dem Tod der Eltern unter der Obhut des bigotten Onkels Gustav Weil (Cushing), einem Hexenjäger und selbsternannten Vertreter Gottes, steht. Und der muss sich bald besonders sorgfältig um die "Twins of Evil" – so der wesentlich sinnigere Originaltitel – kümmern.

Aus dieser Plotkonstellation generiert die konfuse und meist ein wenig bruchstückhaft erscheinende Geschichte dann zahlreiche Gothic-Horror-Elemente, die unbekümmert abgegrast und verwurstet werden. Schon die Melange aus den eigentlich gegensätzlichen Motiven Hexenverfolgung und Vampirismus belegt das freimütige Wildern dieser späten Hammer-Produktion in allem, was die Exploitation-Mottenkiste so hergibt: Nuditys wechseln sich mit ungewöhnlich herben Splatter-Einschüben ab, Rollenklischees und Genremoral werden bis zum Exzess reproduziert. Dazu schrillen Harry Robinson Violinen ein traumhaft schönes, süßliches Gemisch, das eher an Western-, denn Horrorfilme erinnert.

Trotz prächtiger Pinewood-Sets und einer selbstredend schaurig-schönen Atmosphäre ist "Draculas Hexenjagd" zu durchsichtig in seinem Konzept, sich mit Schmuddelelementen am zeitgemäß grobschlächtigen Trend des Genres zu orientieren. Was sich damit freilich veritabel gibt, ist im Ergebnis dennoch oft trashig, hölzern und, gemessen an den Hammer-Produktionen der 50er und 60er Jahre, zu billig und effekthascherisch heruntergekurbelt.


50% - (als DVD-Review) erschienen bei: DAS MANIFEST

Mai 25, 2008

News: THE HOBBIT - Chat-Transkript der Macher

Im Vorfeld ihres Großprojekts "The Hobbit" sind Produzent und Autor Peter Jackson und Regisseur Guillermo del Toro um Transparenz und Fan-Nähe bemüht. Fleißig geben sie Interviews, chatten und beantworten allerlei Fragen. Auf der LOTR-Fanpage kann man nun das Transkript ihres letzten großen Live-Fan-Chats nachlesen. Hier werden noch einmal alle bisherigen Infos offiziell bestätigt. "At this point in time the plan is to write for the rest of this year and start early conceptual designs. 2009 will be dedicated to pre-production on both movies and 2010 will be the year we shoot both films back to back. Post productin follows one film at a time with The Hobbit being released Dec 2011, and F2 release Dec 2012. That is the schedule in about as much detail as we have ourselves at the moment."

---> klick <---

April 25, 2008

News: Del Toro macht den kleinen Hobbit!

Guillermo del Toro wird nun definitiv Tolkiens "The Hobbit" inszenieren. Wie die Variety berichtet, zieht der "Pan's Labyrinth"-Regisseur dafür vier Jahre nach Neuseeland, wo der zweitelige Film unter der kreativen Überwachung Peter Jacksons gedreht werden und 2010 bzw. 2011 in die Kinos kommen soll. Ich bin guter Dinge, aber ohne Shore läuft nichts! McKellen ist wohl schon dabei.

[deutsche Meldung]

Mai 28, 2007

Retro: THE FRIGHTENERS (1996)

Nicht erst seit Jerry Zuckers "Ghost" weiß man als Zuschauer von körperlosen Seelen, die sich nach dem plötzlichen Tod nicht für den Weg gen Himmel, sondern ein unbefristetes Weilen als spirituelle Kraft auf Erden entschieden haben. Weniger dramatisch als schaurig-schön erzählt auch Peter Jackson in "The Frighteners" eine feinfühlig zwischen Geisterhorror und Buddy-Komödie ausbalancierte, schicksalhafte Geschichte über Leben und den Tod. Mit Kosten von rund 30 Millionen US-Dollar war es nach dem sensiblen Coming of Age-Drama "Heavenly Creatures" die erste hoch budgetierte Studioproduktion des neuseeländischen Regisseurs. Unterstützt durch Robert Zemeckis, der seinen alten Freund Michael J. Fox für das Projekt gewinnen konnte (der einstige "Back to the Future"-Star benötigte dringend ein Comeback), durfte Jackson den Film trotz erheblicher Bedenken von Seiten der Universal in seinem Heimatland produzieren.

Das bedeutete eine Form der künstlerischen Freiheit, die keinesfalls selbstverständlich war: So sollte nicht etwa ILM, sondern die völlig unbekannte Effektschmiede WETA die visuellen Tricks beisteuern und wurden nicht etwa wenige Wochen, sondern gleich ganze sechs Monate Drehzeit veranschlagt. Vor allem aber durfte Jackson sämtliche seiner langjährigen Teamkollegen verpflichten, darunter Editor Jamie Selkirk oder Kameramann Alun Bollinger. Zemeckis, der vor allem mit seinem werbewirksamen Namen Pate stehen sollte, besuchte die Dreharbeiten insgesamt nur zwei Mal, ließ Jackson also einen enormen Freiraum. Dieser schrieb das Drehbuch gemeinsam mit Gattin Fran Walsh noch während des Drehs mehrfach um, immer wieder wurden Handlungs- details geändert, weggenommen oder hinzugefügt. Da den beiden nach Beendigung von "Heavenly Creatures" nicht viel Zeit für die Pre-Produktion blieb, fertigte Jackson für das Finale keinerlei Storyboards an – tatsächlich hatte er selbst nach Drehbeginn noch kein Konzept für das Ende des Films.

Von den insgesamt also recht eigenwilligen Produktions- umständen bekam Zemeckis indes wenig mit, den US-Geldgebern schien Vertrauen ohnehin besser als Kontrolle – am anderen Ende der Welt würde es der viel versprechende Kiwi-Regisseur schon irgendwie machen. Anders als es sein etwas verklärter Ruf behauptet, ist "The Frighteners" deshalb auch kein Film eines lediglich ausführenden und willenlosen Zemeckis-Rekruten (wie etwa der nicht unähnliche "Poltergeist" mehr eine Spielberg-, denn Hooper-Produktion war), sondern ein überaus kruder Genrefilm, der den exaltierten Humor früherer Jackson- Arbeiten mit den Formen des Mainstream-Kinos vereinbart. Das ist jedoch Stärke und Schwäche zugleich: Zwar ist der Film souverän inszeniert, das aber durch "Heavenly Creatures" hellauf begeisterte Arthauspublikum dürfte sich von ihm ebenso abwenden wie die eingeschworene Horrorgemeinde – denn "The Frighteners" ist weder anspruchsvolles Kunstkino, noch ein opulentes Gorefest. Dieser Disharmonie im Ton ist es vermutlich auch geschuldet, warum dem Film kein finanzieller Erfolg zuteil wurde und das zu Klassifizierungen neigende Publikum ausblieb.

Dabei ist Jacksons siebente Regiearbeit ein mit originellen Ideen geradezu überladenes Abenteuer, das mit enormem Drive, seinerzeit phänomenalen Spezialeffekten und kauzig-guten Darstellerleistungen aufwartet. "The Frighteners" glänzt insbesondere durch seinen visuellen Einfallsreichtum, mit dem die Geschichte erzählt wird – die verhältnismäßig komplexe Handlung wird ohne nennenswerte Längen beständig durch Aktion erklärt und vorangetrieben. Die wenigen Schwächen bei der Zeichnung einiger Nebenfiguren (Ray, der unruhige Ehemann und Gartenzwerg- liebhaber wird mit fortlaufender Dauer sinnlos aus dem Film katapultiert) werden durch die für den Regisseur typische Motiventwicklung verdrängt. So ist Frank Bannister der Prototyp des Jackson-Verlierers. Ganz so wie Lionel Crosgrove ("Braindead") befindet auch er sich auf der Schwelle zwischen kindlicher Naivität und gedrungener Adoleszenz. Sein Trauma – den Tod der Ehefrau, verschuldet auch durch das ewige Festhalten am Jungsein – gilt es zu überwinden, er muss sich emanzipieren von den Dämonen der Vergangenheit. Damit etabliert sich ein weiteres Mal das Initiationsmotiv, das Jackson mit verschiedenen Figuren in seiner epischen "The Lord of the Rings"-Trilogie, für die dieser Film heute als Freifahrtsschein gewertet werden kann, noch verfeinern wird.

"The Frighteners" ist auch ein sperriger Film, einer mit Ecken und Kanten, der sich einer eindeutigen Zuordnung entsagt. Seine verschiedenen Genreeinflüsse – Horror, Comedy, Serial Killer-Drama – und der illustre Umgang mit ihnen brachte Jackson auch vielfach den Vorwurf ein, der Film sei unausgegoren und konzeptlos. Das ist jedoch im Gegenteil eher eine der Stärken von "The Frighteners": Jackson nimmt den Zuschauer mit auf eine ausgelassene Achterbahnfahrt, die ungehemmt immer wieder den Ton wechselt und sich wenig schert um die Einschränkungen des Mainstream-Kinos. Danny Elfmans mit klassischen Horrorzitaten versehene Partitur unterstreicht die wenig formalistische Inszenierung, in dem sie mit Percussions, wilden Streichern und Spukhauschören das Tempo des Films wahlweise vorantreibt oder dämpft. Dass Jackson hier vor allem eine gänzlich triviale und gerade deshalb so amüsante Gruselkomödie zelebriert, sollte dabei nicht vergessen werden: "The Frighteners" ist innerhalb des Jackson-Oeuvres nämlich vor allem auch eine überaus bedeutsame Fingerübung.


70%

November 15, 2006

Retro: BRAINDEAD (1992)

"Braindead" setzt die Lust an der orgiastischen Koppelung übertriebener Anarchokomik mit Splatterfilmelementen aus dem wenige Jahre zuvor entstandenen "Bad Taste" lückenlos fort, um ihn schließlich in jeder Hinsicht - und besonders des roten Nasses wegen - zu überbieten. Regisseur Peter Jackson reiht nunmehr nicht einfach bewusste Provokationen aus amüsantem Ekel und obszönen Ideen aneinander, sondern unterordnet sie bis zur Klimax einem Handlungsgeflecht, das wesentlich sorgfältiger ausgearbeitet scheint als beim relativ wahllosen Erzählmuster des indirekten Vorgängers, wo die einfache Landung von Außerirdischen den Mittelpunkt der Geschichte und damit die Voraussetzung für viel herben Witz markierte.

Mit jederzeit unverkennbarer Liebe zum Genre gilt es den Leidensweg des naiven und durch die sadistische Obhut seiner Mutter gebrandmarkten Lionel Cosgrove, vom neuseeländischen TV-Comedian Timothy Balme verkörpert, zu beenden. Nur eine Frau (die temperamentvolle Paquita) kann ihn, den umgekehrten Märchenprinzen, aus dem alttäglichen Alptraum befreien. Der jähe Tod der Mutter durch den Biss eines importierten Rattenaffen (der - Referenzen an "King Kong" inklusive - in der Pre-Credit-Sequenz auf Skull Island bereits für einigen Ärger sorgt) ist allerdings nicht Ende, sondern Beginn einer wesentlich problematischeren Entwicklung: Die alte Frau wird zu einem unkontrollierbaren Zombie, der bald die halbe Stadt infiziert hat.

Im Gegensatz zum Züge einer Amateurproduktion tragenden "Bad Taste" kann sich Jackson bei der Arbeit an "Braindead" auf ein hervorragendes Drehbuch stützen, das er gemeinsam mit seiner Ehefrau Fran Walsh verfasste. Dieses fokussiert die simple Liebesgeschichte der beiden unfreiwilligen Helden, sowie die Überwindung des Mutterkomplexes und anschließende Selbstfindung Lionels, und reichert es mit zahllosen Genreverweisen, Situationskomik und Slapstick an. Immer wieder wurde der Film auf seinen finalen Goreanteil reduziert, ohne die hommageähnlichen Elemente - die mitunter weitaus tragfähiger sind - zu berücksichtigen.

In liebevollen Details und mit charmanter Inszenierungsfreude bebildert Jackson kleinbürgerliche Schreckensvorstellungen. Die 50er-Jahre bilden den zeitlichen Rahmen des Films: Da fahren alte Straßenbahnen unweigerlich ihre Linien, tuckern langsame Autos umher, und im kleinen Kaufmannsladen kennt und grüßt man sich freundlich. Diese Fassade ist natürlich immer als solche erkennbar, insbesondere wenn Lionels Mutter in den eigenen vier Wänden einer regelrechten Tyrannei nachgeht, bei der Beerdigung von Nachbarn und Freunden jedoch als gutmütige Mutter und Witwe geadelt wird. Jackson überzieht seine scharfen Statements immer weiter, bis das Ende sogar verrät, dass sie die Mörderin des eigenen Ehemannes ist: Ihre Legitimation für die Unterdrückung des Sohnes enttarnt sich als bittere Lebenslüge.

Die Ähnlichkeiten zu Alfred Hitchcocks "Psycho" sind nicht von der Hand zu weisen. Lionels schüchterne Unsicherheit und seine Fügung mütterlicher Einschränkungen erinnern überdeutlich an Norman Bates, und wenn Jackson das große Anwesen in Bates Motel-ähnlichen Einstellungen einfängt, sind die Gemeinsamkeiten schnell als beabsichtigt zu erkennen. Mit fortlaufender Handlung entfernt sich "Braindead" jedoch von diesen Analogien - Hitchcock hielt für seinen „Helden“ keinerlei optimistische Optionen bereit, während sich Jackson getreu seiner komödiantischen Verpflichtung ein süßlich-romantisches Ende nicht verkneifen möchte.

D
enn innerhalb des Zombiefilmgenres nimmt der Film eine Sonderstellung ein: Er erzählt tatsächlich eine konsequente Liebesgeschichte. Der britische Regisseur Edgar Wright warb bei seiner viele Jahre später inszenierten und ohne Jacksons Film unvorstellbaren Splatterpersiflage "Shaun of the Dead" mit den Worten "A Romantic Comedy. With Zombies." und formuliert damit treffend die Essenz von "Braindead". Die Romantik mag bei all dem Blut und den in der Luft umherwirbelnden Gedärmen nicht jedermanns Geschmack sein, doch die naiven wie unbeschwerten Liebesszenen der ersten Hälfte unterscheiden sich kaum vom späteren "gegenseitigen Ergänzen" im matschigen Chaos: Als alle Zombies sich gegen die Lebenden verschwören, müssen sich Lionel und Paquita ihrer ultimativen Beziehungsherausforderung stellen. Im makaberen Sinne versteht Jackson es als bizarre Prüfung, wenn der eine wild gestikulierend mit dem Rasenmäher die Gliedmaßen seiner untoten Gegenspieler abtrennt, und die andere diese noch einmal durch einen Mixer befördert. Sicher ist eben sicher. Und romantisch ist das eigentlich auch irgendwie.

Die deutschen Zensurbehörden wollten respektive konnten offenbar kaum das Humorverständnis des Neuseeländers teilen, hierzulande wurde der Film für die Kino- und Videoauswertung so stark gekürzt, dass der ohnehin sehr freie Untertitel "Der Zombie-Rasenmähermann" jeglichem Sinn entbehrt, ist doch eben genau diese Sequenz nahezu vollständig entfernt worden. Die später veröffentlichte ungeschnittene und nicht geprüfte Fassung wurde bundesweit beschlagnahmt, bevor nach rund 10 Jahren selbst die alte FSK: 18-Version dran glauben musste. Momentan ist "Braindead" nunmehr in einer indiskutabel gekürzten, jugendfreien Fassung erhältlich (die kurioserweise an vielen Stellen länger als die frühere FSK-Videofassung ist). Abgesehen von der Veröffentlichung in den USA (dort ist neben der R-Rated selbst die Unrated-Version zensiert) erschien im Gegensatz dazu weltweit die vollständige Originalfassung. Selbst die zimperliche BBFC gab das Werk trotz sexistischer Elemente (der Pfarrer und die Krankenschwester können selbst im blutigen Matsch nicht voneinander lassen) in Großbritannien ohne Schnitte frei.

Dabei ist das aufwändige und viel zitierte Finale des Films, das auch maßgeblich für seinen Kultstatus verantwortlich zeichnen dürfte, nicht nur Ausdruck einer spürbaren Freude an der Sauerei, die mit unzählbaren Effekten explodierender und zerstückelter Körper aufwartet, sondern tatsächlich Höhepunkt einer dem Inhalt verpflichteten Katharsis, wie es sie mit derartigen Hyperbeln im Stakkatorhythmus bislang nicht auf der Leinwand zu sehen gab. Das große Fest an Gore Galore ist nicht mehr als das konsequente Herauslassen all der unterdrückten Energie des Helden, ein gezogener Schlusssatz unter die langwierigen Qualen der Mutter: In einem letzten Kampf stellt er sich der hinreißend komischen Inkarnation kindlicher Horrorvorstellungen der Erziehungsberechtigten. Die mutierte Übermutter verschlingt ihren Sprössling, der sich darauf hin selbstständig aus ihren Klauen befreit und sprichwörtlich neugeboren wird. Vor den brennenden Trümmern des Hauses - dem Käfig des alten Lebens - hat das blutüberströmte und gleichzeitig ironisch unbefleckte Paar ihren Liebesbeweis vollbracht.

Der überaus spezielle Humor des Films resultiert nicht allein aus einer Nummernrevue bizarrer Effekte und Ideen, sondern aus dem skurrilen Weltentwurf Jacksons. An jeder Straßenecke lauern seltsame Gestalten, die entweder snobistisch die Nase rümpfen, sich von allem und jedem abkehren oder aufdringlich in die Kamera grinsen - die vielen schrillen Gesichter, die in verzerrten Perspektiven erscheinen, sind eines der Markenzeichen des Regisseurs. Die logische Folge dieses Gesellschaftssarkasmus' kann demnach nur die Herausbildung einer Zombieplage sein. Exemplarisch lässt der Film sogar ein untotes Baby den Anfangspunkt setzen, was abermals Gelegenheit für zahlreiche komödiantische Situationen ergibt. So reihen sich urkomische Slapstickmomente an geschickt platzierte Running-Gags, wenn Lionel den Zombienachwuchs auf den Spielplatz ausführt oder das später verselbstständigte Baby im Alleingang nicht aufzuhalten scheint.

Jackson spart dabei nie mit dezenten Ansätzen, sondern verschreibt sich hemmungslos dem bad taste. In vielen Momenten erinnert die respektlose Übertreibung der Darstellung an den Humor der Monty Python-Truppe ("Monty Python And The Holy Grail"). Insbesondere die Friedhofssequenz, bei der ein Pfarrer mit exaltierten Kunf-Fu-Bewegungen einer Horde wilder Rocker "für den Herrn in den Arsch tritt", steht mit ihrer comicartigen Inszenierung abgerissener Arme und Beine in der Tradition des skurrilen Humors der Briten und scheut auch nicht vor einer gesunden Portion Blasphemie. Zusätzlich erhalten die kruden Goreeskapaden durch die pointierte Musik aus der Feder Peter Dasents eine ironische Note. Dass der Regisseur bei all dem scheinbaren Durcheinander an Turbulenz und Ideendrive dennoch nie seine liebevollen Figuren - darunter eine gesetzte Krankenschwester, ein erbsüchtiger Onkel (deren Weichteile als wiederkehrender Gag regelmäßig in Beschlag genommen werden), ein überforderter Bestatter, illustre Gesellschaftsdamen und andere schrullige Gestalten - aus den Augen verliert, distanziert Jackson von seinen Kollegen, die sich zumeist in eindimensionalem Nonsens verlieren.