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Mai 17, 2017

Death Proof, der beste Film von Quentin Tarantino

Vor 10 Jahren erschien mit "Death Proof" der bislang einzige Kassenflop von Quentin Tarantino. Ziemlich unerwartet geriet dessen sonst reibungslos laufende Kultfilmmaschine ins Stocken und spuckte ein Meisterwerk aus.

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September 09, 2015

Kino: KILL THE MESSENGER

Der Film erzählt die Geschichte des US-Journalisten Gary Webb, der 1996 in einer kontroversen Artikelserie den angestiegenen Drogenhandel Kaliforniens mit geheimen CIA-Operationen verknüpfte – und so vor allem hiesige Mainstream-Medien gegen sich aufbrachte. Willkommenes Material für verschwörungsgläubige Kritiker einer angeblichen Systempresse, dem leider ungeheuerliche Tatsachen zugrunde liegen. "Kill the Messenger" rekonstruiert sie.

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September 10, 2014

Der perfide Umgang mit den Promi-Nacktbildern

Während Hollywood lustige Spielfilme über geleakte Sexaufnahmen dreht, verbreitet ein Hacker im Internet tatsächlich zahlreiche Nacktbilder prominenter Frauen. Internetstimmen behaupten, die Betroffenen hätten sich das selbst eingebrockt. 

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Februar 14, 2013

Kino: A GOOD DAY TO DIE HARD [STIRB LANGSAM - EIN GUTER TAG ZUM STERBEN]

Erst Wolkenkratzer und Flughafen, dann schon New York City und schließlich gar halb Amerika. Jetzt also folglich, hm, äh, Moskau? Als gäbe es in den USA nichts mehr zur falschen Zeit am falschen Ort zu retten, verschlägt es John McClane in "Stirb Langsam – Ein guter Tag zum Sterben" nach Russland und später tatsächlich auch nach Tschernobyl. Mit den Ursprüngen der sympathischen Filmreihe hat dieser fünfte Teil kaum mehr etwas gemein. [...]

November 15, 2011

Kino: THE THING

Gesichter, die sich auf bizarre Weise verformen. Arme, die zu riesigen um sich her schlagenden Tentakeln mutieren. Bäuche, die unvermittelt aufreißen und platzen. Schleimige Metamorphosen, groteske Auswucherungen, das Innere nach außen gezwängt – wenn menschliche Körper bis zur Unkenntlichkeit entstellt und biologische Wahrscheinlichkeiten außer Kraft gesetzt scheinen, dann hat die Leinwand eines ihrer grauenhaftesten Monster zurück: Das Ding aus einer anderen Welt.

1951, 1982, 2011 – geradezu zyklisch wird es stets aufs Neue kinotauglich adaptiert, das von John W. Campbell Jr. in der Kurzgeschichte "Who goes there?" beschriebene Wesen. Die erste, von Howard Hawks produzierte und teilgedrehte, Filmfassung interpretierte den Formwandler noch als radioaktives Zwei-Meter-Ungestüm, das wie die meisten Science-Fiction-Filme der 50er Jahre zeitgenössische Ängste kanalisierte, mit der Vorlage jedoch kaum mehr etwas gemein hatte.

Hawks-Schüler John Carpenter entfernte sich 30 Jahre später in seiner Neuverfilmung des Stoffes von den ulkigen Figuren der ersten Kinoadaption und ersetzte das tapsige Gemüsemonster vorlagentreu durch eine höchst bedrohliche Gestalt, die Menschen wie Tiere assimilieren und sich beliebig verwandeln konnte. Die hiermit entfachten Spannungen zwischen den Arbeitern einer antarktischen Eisstation führten zu Misstrauen und Paranoia, ein jeder konnte bereits vom Alien vereinnahmt worden sein.

Durch seine Schwerpunktverlagerung und der sowohl den effektiven Horror der Kurzgeschichte, als auch eine ausweglose Atmosphäre heraufbeschwörenden Inszenierung adaptierte Carpenter den Stoff zu einem verstörenden Genremeisterwerk, das heute zu den besten Horrorfilmen der 80er zählt. Kaum verwunderlich also, dass die neue und mittlerweile dritte Fassung von "The Thing" sich weniger an der Vorlage und deren erster Interpretation orientieren, als vielmehr eine Vorgeschichte zum Carpenter erzählen möchte – inklusiver konkreter Anknüpfungspunkte.

Wir erinnern uns: Zu Beginn des vorherigen Films werden Kurt Russell und Co. von den Überlebenden einer nahe gelegenen norwegischen Station überrascht, bevor sich das Monstrum in Form eines Schlittenhundes bei ihnen einnistet. Jetzt erzählt Debütregisseur Matthijs van Heijningen Jr., wie jene Norweger kurz zuvor auf das Ufo und dessen Piloten stießen, um schließlich sukzessive infiziert und dezimiert zu werden. Lediglich eine US-Wissenschaftlerin (Mary Elizabeth Winstead) nimmt es mit der Bedrohung auf, doch dass ihr das letztlich nicht gelingen kann, weiß man natürlich schon von vornherein.

Mit ihr erweitert der Film den Stoff um eine weibliche Perspektive, wie sie in der 51er-Version nur ganz am Rande und bei Carpenter überhaupt nicht vorkam. Dass hier allerdings eine Frau den Testosteronladen vor seinem Untergang zu bewahren versucht, bleibt erzählerisch vollkommen ungenutzt. Stattdessen muss sich die Winstead-Figur damit begnügen, als Ellen-Ripley-Zitat auf zwei Beinen an Sigourney Weaver zu gemahnen, während Marco Beltrami auf der Tonspur fleißig die berühmten "Alien(s)"-Motive über seinen Score klatscht.

Das aber ist gar nicht das Problem mit diesem neuen "The Thing"-Ding. Dass Problem ist vielmehr, dass kein Mensch diesen überflüssigen Ergänzungsversuch eines bereits makellosen Films gebraucht hat. Wer möchte ausbuchstabiert wissen, was man sich im Carpenter noch auf schaurige Weise zusammenreimen musste. Was dort beklemmend angedeutet wurde, wenn wir die verschneiten Reste der norwegischen Eisstation zu Gesicht bekommen, oder in das Antlitz zweier auf unerklärliche Weise verschmolzener Gesichter blicken müssen. In Carpenters Film begannen die Schrecken einst unvermittelt, nun werden sie akkurat ausgewalzt.

Und weil die Neuauflage auch keine Gelegenheit auslassen kann, konkrete Verbindungen zur 82er-Version zu schaffen (ja, schließlich sogar deren erste Einstellungen in den Abspann übernimmt), stellt sie sich gezielt dem Vergleich mit Carpenters Version. Dass es ihr dabei zu keiner Zeit gelingt, an die atmosphärische Dichte, erlesene Kameraarbeit oder konzentrierte Handlung des Vorbildes anzuknüpfen, ebenso wie die austauschbaren CGI-Splattereinlagen nicht annähernd den Eindruck der überragenden Make-Up-Effekte Rob Bottins hinterlassen, dürfte da eigentlich kaum jemanden wirklich überraschen.

In ihrem Versuch, sich als aufgehübschtes Ergänzungsstück zur vorherigen Adaption der Kurzgeschichte zu behaupten, versagt die jetzige Neufassung von "The Thing" bereits konzeptionell. Statt eine wirkliche Vorgeschichte zu erzählen, ungeachtet des Bedarfs einer solchen, begnügt sich der Film im Wesentlichen mit ausgeschmückten Plot-Details, die rudimentär allesamt schon in Carpenters Version angelegt sind. Wenn dann sogar noch ganze Momente der "Fortsetzung" nachgespielt und somit vorweggenommen werden (der Bluttest, hier zum Zahnersatztest ummodelliert), verabschiedet sich der Film grandios von seiner eigenen Sinnhaftigkeit und mutiert unweigerlich zum schnöden Premake (Prequel + Remake).


30% - erschienen bei: gamona

Oktober 20, 2010

Kino: SCOTT PILGRIM VS. THE WORLD

Über "Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt" schrieb das amerikanische Filmmagazin Empire treffend, dass es ja offenbar doch ganz einfach sei, eine gute Videospielverfilmung zu machen, so lange sie nur nicht auf einem Videospiel basiere. Präziser lässt sich nicht auf den Punkt bringen, warum dieser Film im Duell mit unzähligen Videogame-Debakeln schon mal eine lockere 1:0-Führung einnimmt. Und das ist längst nicht alles. Edgar Wrights Kinoadaption der kanadischen Comicreihe von Bryan Lee O’Malley ist nur ganz nebenbei eine brillante Visualisierung von Videospielästhetik, sie ist vor allem warmherzige Coming-of-Age-Geschichte, skurrile Liebeskomödie, vergnügliches Comic-Relief und eine wundervolle Hommage an die nicht mehr ganz so frühe Jugend.

Der 22jährige Scott Pilgrim (treudoof wie eh und je: Michael Cera) hat keinen Job, keine Wohnung, kein eigenes Bett. Er kann ellenlange Monologe über Pac-Man halten und spielt Bass in einer Indie-Band namens Sex Bob-omb. Wenn er sich nicht gerade die Zeit im Proberaum oder Plattenladen um die Ohren schlägt, nistet er sich bei seinem schwulen besten Freund (Kieran Culkin) ein – natürlich zu dessen Leidwesen. Scott Pilgrim ist sozusagen der personifizierte Super-Nerd: Ziel- und anspruchslos, selbstzufrieden, sozial nicht wirklich kompatibel. Aber in seiner eigenen Welt irgendwie glücklich.

Diese eigene Welt bildet das Zentrum des Films. Alles, was der Zuschauer sieht, trägt sich in dieser Form lediglich im Kopf des Helden zu. Wenn Scott Pilgrim mit seiner Band einen Contest bestreitet, passiert das womöglich tatsächlich. Wenn die Bühne dann jedoch zum Kampfschauplatz eines Videospiels mutiert, bereist der Film die Gedankenwelt seines Protagonisten und vereinbart ganz plötzlich Realität und Surreales, objektive Wahrnehmung und verzerrte Metaphorik. Scott Pilgrim gegen den Rest der Wirklichkeit. Jenen Rest, der viel spannender sein könnte, würde er sich so zutragen, wie sein Held ihn sich vorstellt.

Folglich arbeitet der Film mit einer Fülle an unterschiedlichen visuellen Darstellungen, um die eigenwillige Wahrnehmung der Titelfigur entsprechend bebildern und in einen sinnvollen Zusammenhang bringen zu können. Unvermittelt wird von einer zur nächsten Szene gesprungen, verändert sich der Bildausschnitt oder erscheinen Schrifttafeln und comicartige Hinweise. Oder es fliegen gezeichnete Miniherzchen über die Leinwand, als Scott Pilgrim ganz unvermittelt auf die sonderbare Ramona (Mary Elizabeth Winstead) trifft. Nur: Er muss zunächst einmal ihre sieben Ex-Lover in bester Tekken-Manier besiegen, um das Herz der quirligen Eigenbrötlerin erobern zu können.

Im Grunde erzählt "Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt" eine ganz einfache Liebesgeschichte unter jungen Erwachsenen, die irgendwie noch in ihrer Jugend fest hängen, ihr Leben mehr schlecht als recht auf die Reihe bekommen und sich dabei auf dem Weg zur Selbstverwirklichung den normalsten aller Gefühlen stellen müssen – von Eifersucht bis zur Unsicherheit. Selten jedoch gelang es einem Film, die ständigen Ups and Downs der Adoleszenz so erfrischend, charmant und irrwitzig einzufangen. Es bereitet großen Spaß, Scott Pilgrim die imaginären Action-Fights mit akrobatischen Martial-Arts-Einlagen gegen die angeblichen Ex-Lover seiner Freundin in spe austragen zu sehen, die vielen liebevoll skizzierten Nebenfiguren (besonders erinnerungswürdig: die Drummerin seiner Band) ins Herz zu schließen oder schlicht und einfach Schritt zu halten mit dem atemberaubenden Tempo des Films.

Der Brite Edgar Wright erweist sich hierbei als idealer Regisseur für den Stoff. Er hat mit seiner grandiosen Britcom "Spaced", der Zombiekomödie "Shaun of the Dead" und der Actionpersiflage "Hot Fuzz" bewiesen, was für ein kenntnisreicher, talentierter und vor allem ungemein versierter Filmemacher er ist. Seine Figuren haben stets Herz und Seele, sie sind urkomische originäre Gestalten, die immer auf irgendeine Art überfordert sind von den ganz alltäglichen Dingen des Lebens. Jemand wie Wright, der auch den Griff zum Sentimentalen nicht scheut, schafft es problemlos, den Ton der Vorlage zu treffen und sie in einer unvergleichlich einfallsreichen, spielerischen Form auf die Leinwand zu bringen.

Wright nämlich gelingt es mit leichter Hand, die bereits erwähnten unterschiedlichen Wahrnehmungsebenen elegant zu vereinbaren, ohne sie jemals gegeneinander auszuspielen, also allzu deutlich voneinander abzugrenzen. Wie in seinen bisherigen Arbeiten setzt er dabei ganz auf die Wirkung eines komplexen Schnittkonzepts, das schon festzustehen scheint, noch bevor er eine einzige Szene zu drehen beginnt. "Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt" funktioniert fast gänzlich über seinen Schnitt: Der Witz, das Timing, die Figurengestaltung – alles entwickelt Wright erst über seine großartige und ideenreiche Montage. Und einer nicht enden wollenden Fülle an Regieeinfällen.

Man kann die Inszenierung des Films als aufdringlich empfinden, auf Dauer auch als ermüdend und redundant, aber Wrights visueller Erzählstil und spürbarer Wille, die Abenteuer Scott Pilgrims mit unerschöpflichem Ideenreichtum vom Panel ins Kino zu übersetzen, sind in erster Linie höchst eindrucksvoll und inspirierend. Was umso bemerkenswerter ist, wenn sich die Geschichte letztlich aus infantilen Beziehungsproblemchen eines postpubertären und gar nicht mal sonderlich sympathischen Helden zusammensetzt und dabei kaum Potenzial für eine tiefsinnigere Metaebene zulässt. Edgar Wright hat hier definitiv den kompetenten Nerd-Film schlechthin gedreht. Und ist damit, zumindest im direkten Jahresduell, dem ebenfalls starken, aber vergleichsweise unbeholfenen Kollegen "Kick-Ass" eine ganze Nasenlänge voraus.


75% - erschienen bei: gamona

Juni 24, 2007

Kino: DIE HARD 4.0

Länger gab es nichts zu hören vom muffigen Cop McClane, der sich als Filmheld und künftiger Stereotyp des modernen Actionkinos in "Die Hard" gegen eine Bande deutscher Terroristen behaupten musste – im Alleingang, barfuss und immer mit einem markigen One-Liner auf den Lippen. Unzählige Plagiate und eine offizielle Fortsetzung später schlüpfte Bruce Willis 1995 noch einmal in jene Rolle, die ihm sieben Jahre zuvor zu internationalem Ruhm verhalf. Trotzdem ihm dabei der Regisseur des Originals, John McTiernan, beistand, krankte "Die Hard with a Vengeance" am Umstand, die eigentlichen Qualitäten der Serie fast gänzlich zu ignorieren und stattdessen auf herkömmliche Buddyfilm-Muster zu setzen (bezeichnen- derweise war das ursprünglich mit "Simon Says" betitelte Drehbuch für "Lethal Weapon 4" vorgesehen). Das lief einerseits dem Prinzip der beiden Vorgänger zuwider, in denen McClane als mürrischer und dennoch optimistisch Selbstgespräche führender Anti-Held Terroristen auf sich allein gestellt begegnete, und lenkte außerdem den Fokus zu stark auf die vielfältigen Handlungsorte denn seine eigentliche Hauptfigur.

Ganz ähnlich verhält es sich auch mit dieser nunmehr dritten und etwas unverhofft daherkommenden Fortsetzung, die in Anlehnung an ihren sich mit virtuellem Terrorismus auseinandersetzenden Inhalt originell mit "Die Hard 4.0" betitelt wurde. Zumindest ist Willis nicht der einzige, der am Retro-Hype einstiger Actionikonen mitwerkelt; Stallone und sein Alter Ego Rocky haben es vorgemacht, während auch Rambo und Indiana Jones schon auf ihren vierten Einsatz warten. Was aber nun die künstlerische Notwendigkeit eines weiteren McClane-Abenteuers legitimiert, bleibt ein wenig rätselhaft, denn so altmodisch und leider auch konventionell wie er daherkommt, drängt sich unweigerlich die Frage auf, warum man dafür jetzt 12 lange Jahre hat warten müssen. Oder anders: Wenn Rocky Balboa es sich noch einmal beweisen, abschließen und all dem ein Ende setzen wollte, welch grundsätzliche Intention veranlasst dann John McClane noch einmal dazu, sich mit ungezogenen Bubis herumschlagen zu müssen, die nun auch noch via Internet ihr Unwesen treiben – was dem eher ‚analogen’ Faustsprecher erst recht nicht in den Kram passt?

Ein wenig durchzieht dieser Gedanke den kompletten Film, der irgendwo da weitermacht, wo sein direkter Vorgänger aufgehört hat. Das schließt mit ein, dass auch Len Wiseman ("Underworld") bzw. die Autoren offenbar nicht mehr gänzlich auf die Zugkraft des (nicht abgehalfterten, aber eben doch etwas welkeren) Willis zu vertrauen scheinen und ihm – ähnlich wie im Falle Samuel L. Jackson – einen Partner zur Seite stellen. Das garantiert zwar peppige Dialoge, den (scheinbar) nötigen Humor und eine gewisse Eigendynamik und innere Spannung in eher auf die Handlung orientierten Szenen, doch insbesondere da es sich in diesem Fall um einen Teenager handelt und man mit dieser Entscheidung viel zu offensichtlich nach der jungen Zielgruppe schielt – etwas, das auf das großartige 1988-Original keineswegs zutraf –, stört der Verlust des gänzlich unsouveränen, unberechenbaren und allein agierenden McClanes ähnlich wie auch schon im dritten Film der Reihe doch erheblich. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass hier erstmals und mitunter störend auf jugendfreie Gewalt und saubere Sprache gesetzt wird.

Allein schon deshalb erreicht auch "Die Hard 4.0" wie bereits die anderen Sequels bei weitem nicht die Originalität, Gewagtheit und Konsequenz seines Originals. Und das obwohl oder gerade weil er mit einigen der spektakulärsten und phänomenal in Szene gesetzten (CGI-)Action- und Stuntsequenzen seit langem aufwarten kann. Denn einer der wesentlichen Gründe, warum "Die Hard" heute den Ruf eines Klassikers genießt oder zumindest zu einem Prototyp des Genres heranwuchs, war der Umgang mit Action. Da können im neuen Film noch so viele Autos in der Luft herumwirbeln oder gar Düsenjets gegen Trucks antreten – im Vergleich zum einst explodierenden Dachkomplex des Hochhauses im ersten Teil ist die Halbwertszeit dieser Szenen eher gering, einfach weil ihre dramaturgische Einbindung viel zu ungeschickt und sinnlos erscheint. Das ist zwar mittlerweile ein grundsätzliches Problem im Actionfilm (und Mitschuld daran trägt insbesondere Michael Bay), doch die Maßstäbe müssen diesbezüglich zumindest noch im Falle von "Die Hard" hoch angesetzt werden, immerhin hat McTiernan seinerzeit bewiesen, wie eine stringente, in sich logische Erzählebene mit spektakulärer Action kombiniert werden kann, ohne dem Selbstzweck zu verfallen.
Letztlich enttäuscht sogar das visuelle Konzept: Fühlte es sich bereits im Vorgänger ein wenig komisch an, die weihnachtlichen Schneesets gegen frühjährliche New York-Bilder eintauschen zu müssen, so gefällt der zwischen kühlen Blau- und abendsonnigen Gelb-Filtern wechselnde Look nur bedingt, kann streckenweise allerdings durch die spielerische und äußerst bewegliche Kameraarbeit wettgemacht werden. Dass Wiseman hier ohnehin keinen grundsätzlich schlechten Job macht, sollte klar gestellt werden. "Die Hard 4.0" ist an seiner Oberfläche spannend, straff inszeniert und auch recht launig, aber das reicht eben nicht aus. Wo McClane draufsteht, sollte auch McClane drin sein – andernfalls hätte man das ganze angesichts Willis’ eifriger Eigenvariationen in den Jahren zwischen und nach "Die Hard" auch gleich mit "Mercury Rising Part II" oder "Another Hostage" betiteln können.


50%

Dezember 05, 2006

Kino: BLACK CHRISTMAS

Nicht unbedingt alle Jahre wieder, sondern vielmehr jede Woche aufs Neue, da bescheren dem Zuschauer Remakes und Neudichtungen so manch unbehagliches Déjà- vu-Erlebnis, und ganz nebenbei Studios wie Produzenten eine goldene Nase, wenn nicht mindestens jedoch einen reich gefüllten Sack Geschenke. Zum heiligen Feste drückt man ja gern ein Auge zu (das ist hier übrigens wörtlich zu nehmen!), denn wenn all die bunten Lichterketten, süßlichen Gesänge und friedlichen Liebesbekundungen so maßlos blutig konterkariert werden wie in der jüngsten Neuauflage aus dem postmodernen Hause wahlloser Retro-Slasher, "Black Christmas" von Bob Clark ("Children Shouldn't Play with Dead Things"), dann kann das zwar primitiv, albern und zugegeben auch sehr hölzern, aber eben doch auch schwer unterhaltsam sein. Um deshalb gleich Vorsorge zu treffen: Auf der großen Leinwand wurde in letzter Zeit schon weitaus weniger amüsant vor sich hin gemetzelt, Grund genug also, ruhig einen Blick auf diese besonders unangenehme Weihnachts- geschichte zu riskieren.

Seinen Anfang nahm jene 1974, der kanadische Thriller – hierzulande auf Video unter dem Titel "Jessy – Die Treppe in den Tod" verwurstet – erzählte in betulichen, aber effektvollen Einstellungen eine ausgedehnte urban legend, bei der ein unbekannter Anrufer die Mädchen eines studentischen Verbindungsheims terrorisierte, um sich schließlich als Meuchelmörder vom Dachboden des eigenen Hauses zu entpuppen. Das war mit leisen Spannungsmomenten inszeniert, in sich weitestgehend schlüssig, und prägte mit seiner verspielten Photographie die visuelle Darstellung vom großen „Schwarzen Mann“, was ihm viele, darunter vor allem John Carpenters Teenagerallegorie "Halloween", nach- machen sollten. Clarks verfrühte Annäherung an den Schlitzerfilm wurde dennoch wenig beachtet, erzielte schleppend nur Gewinne für die Produzenten und erschien im Diskurs um die Ursprünge des Stalk’n’Slasher-Genres bis vor einigen Jahren bestenfalls als Fußnote, auch wenn sich der Film selbst zweifellos sowohl bei Alfred Hitchcocks "Psycho" als auch Michael Powells "Peeping Tom" bediente.

Dem ehemaligen "Akte X"-Gespann Glen Morgan und James Wong, die auch hinter der populären, zum Inbegriff verkommerzialisierten Teenhorrors avancierten "Final Destination"-Serie stecken, kommt der Stoff nur zu recht – so was kann man billig, blutig und vor allem schnell herunterkurbeln, es wird ordentlich Kies machen, und nebenbei verkürzt er das Warten auf den vierten Ausflug in die Welt umtriebiger Jugendlicher, die den Plan des Sensenmannes zu durchkreuzen versuchen, der wohl früher oder später zu befürchten sein dürfte. Mit dezentem Grusel, wie ihn das Original entwickelte, will man sich offenbar gar nicht unnötig aufhalten, ohne erkennbare narrative Struktur wird das Gorefest eröffnet, schließlich hat man alles, was man dafür braucht: Junge, knapp bekleidete Mädchen, die man zumindest fleißig begaffen, wenn schon nicht voneinander unterschieden kann, ein großes verwinkeltes Haus, sowie ein debiles, aber nicht gerade gut aufgelegtes Killerpärchen, das – wie sich herausstellen wird – gleich über mehrere Ecken Verwandtschaft pflegt. So ist der aus einer Irrenanstalt entwichene, gelb bemalte (weil mit Leberschaden versehene) Urbewohner des Hauses nicht nur Bruder der inzwischen fleißig Studentinnen vor sich hin mordenden Agnes, sondern auch deren Vater (Bezüge zu Tobe Hoopers "The Texas Chainsaw Massacre" und vielmehr noch Wes Cravens "The People Under The Stairs" sind natürlich rein zufälliger Natur).

Das gipfelt dann in einer rührend familiären Reunion auf dem heimischen Speicher, wo herausgerissene Augen (wenn sie denn nicht vorher verspeist wurden) als Kugeln und ein abgetrennter Kopf als Spitze den funkelnden Weih- nachtsbaum zieren. Der munter zusammengeschusterte Hintergrund all des geschmacklosen, aber herrlich direkt verfassten Treibens hat mit der Vorlage natürlich nicht mehr das Geringste am Hut, aber es sorgt, insbesondere in den Rückblenden, die die makabere Geschichte des alten Hauses beleuchten, für haufenweise unfreiwilligen Humor und absurd überzeichnete Brüche mit traditionellen Weihnachtsmotiven. Nicht immer mag Glen Morgan das so beabsichtigt haben, seine konfuse, lediglich durch herbe graphische Splatter-Ausbrüche pointierte Slasherware ist nie so schaurig, nie so subtil und auch nie so beklemmend wie das Original, aber als derber Einschlag zur stillen, heiligen Adventszeit empfiehlt sich "Black Christmas" dann doch irgendwie, zumindest wenn es denn mal etwas blöder zugehen darf. Abgemacht.

55%

Review erschienen bei: Wicked-Vision.de