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Mai 17, 2017

Death Proof, der beste Film von Quentin Tarantino

Vor 10 Jahren erschien mit "Death Proof" der bislang einzige Kassenflop von Quentin Tarantino. Ziemlich unerwartet geriet dessen sonst reibungslos laufende Kultfilmmaschine ins Stocken und spuckte ein Meisterwerk aus.

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März 03, 2016

Heimkino: THE GREEN INFERNO

Im vergnüglichen Splatterfilm "The Green Inferno" lässt Eli Roth aktivistische Studenten auf Ureinwohner des Amazonas-Regenwaldes treffen, die sich für deren politischen Tatendrang herzlich wenig interessieren. Zu sehen ab sofort auf DVD, Blu-ray und VOD. 

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März 14, 2010

Zuletzt gesehen: CABIN FEVER 2 - SPRING FEVER

Unmittelbare Fortsetzung des vergnüglichen Eli-Roth-Films über ein Haut zersetzendes Virus, das ahnungslose Teenager befällt. Regisseur Ti West verarbeitet eine Menge erkennbares Potenzial zu einer Hommage an den 80er-Jahre B-Horrorfilm in der Tradition von "The Night of the Creeps", bei der insbesondere der Einsatz stilechter Musik und weite Teile des Setups sein Können durchschimmern lassen. Leider verliert der Film spätestens nach der ersten Hälfte den Fokus und schwankt im Tonfall zwischen augenzwinkerndem Horror, übertriebenem Troma-Splatter und pubertärer College-Comedy, die ihre Figuren in einem Moment ernst nimmt, nur um sie im nächsten an sinnfreie Gags zu verkaufen. Die indifferente Inszenierung ist dabei spürbar auf zahlreiche Umschnitte zurückzuführen, die dem Film eine so ganz sicher nicht beabsichtigte Inkonsistenz geben und spätestens im grauenhaft getimten Epilog völlig ins Leere führen. Letztlich ein Kraut-und-Rüben-Film, von dem sich West wohl schweren Herzens, aber völlig zu Recht distanziert.


45%

Oktober 05, 2009

Zuletzt gesehen: PULP FICTION

Quentin Tarantinos zweite Regiearbeit nach "Reservoir Dogs", die mit ihrer Vorliebe für Gangster- und Heist-Motive sowie einer zeitlich zerstückelten Handlung erneut sichtlich von Kubricks "The Killing" beeinflusst scheint. Wesentlich präziser als im Vorgänger konzentriert sich Tarantino jedoch auf bizarre Figurentypen und absurde Nonsensdialoge, die in ihrer profanen Detailliertheit ebenso faszinieren wie amüsieren. In seinem bereits im Titel aufrichtig verdeutlichten Selbst- verständnis ist "Pulp Fiction" nicht zuletzt wegen seiner ausgestellten Banalität und Bedeutungslosigkeit ein Schlüsselwerk postmodernen Filmemachens, wenn nicht sogar der qualitative Höhepunkt eines Kino der Verweise, die sich permanent gegenseitig auf die Schulter klopfen. Tarantino selbst hat in keinem anderen Film originelle Musikauswahl, gegen den Strich besetzte Schauspieler und irrwitzige Situationskomik so harmonisch und geradezu erfrischend vereinen können – entgegen der Logik eines kenntnisreichen, medial determinierten und von Popkulturcodes durchsetzten Systems, das ständig auf seine Cleverness hinweisen muss.

80%

Dezember 16, 2008

Zuletzt gesehen: YOUTH WITHOUT YOUTH

Francis Ford Coppolas Bebilderung der als unverfilmbar gelten- den intellektuellen Gedankenspiele Mircea Eliades erweist sich als streng assoziatives Sinnieren über Vergänglichkeit und die irrationalen Effekte der Zeit. Der Film ist mit einer Aufrich- tigkeit, Inbrunst und ambitionierten Geisteshaltung inszeniert, als stünde Coppola gerade erst am Beginn seiner Karriere. Und nur so wird "Youth Without Youth" rezipiert werden können: Als unbefangene, paradoxerweise jugendlich erscheinende souveräne Arbeit eines Auteurs, der nie einer sein konnte. Es ist zu 100% ein Coppola-Film, vollständig von ihm finanziert. Deshalb sollte die konfuse, zusammenhanglose und streng intuitive Geschichte weniger als verkopfte Zumutung ver- standen werden, sondern als Gelegenheit, der Meditation eines großen Regisseurs beiwohnen zu können. Trotz des enormen Eso-Camps, der wie wirre Beschwörungsrelikte an eine vergangene Filmepoche erinnernden Gestaltungsmittel und einer unfassbar trashigen Alexandra Maria Lara in der weiblichen Hauptrolle.


60%

Juni 17, 2008

Kino: THE INCREDIBLE HULK

Nachdem er bei einem biochemischen Experiment so stark verstrahlt wurde, dass er sich, wann immer er gereizt oder wütend wird, in das grüne Monstrum Hulk verwandelt, lebt der Wissenschaftler Bruce Banner (Edward Norton) ein zurückgezogenes Leben im brasilianischen Exil. Dorthin hat es ihn auf der Flucht vor dem Militärgeneral Ross (William Hurt) verschlagen, der – noch immer auf der Jagd nach Banner – alles unternimmt, um den ehemaligen Freund seiner Tochter Betty (Liv Tyler) für seine Zwecke zu missbrauchen. Während sich für Banner die Uhr rückwärts dreht, er nach einem Gegenmittel für die Mutation forscht und seine Wut unter Kontrolle zu bringen versucht, unterläuft ihm ein Missge- schick: General Ross gelingt es, Banner ausfindig zu machen. Auf der Flucht vor dem Militär und dem ehrgeizigen Soldaten Blonsky (Tim Roth) sucht er Zuflucht bei Betty, die ihm dabei hilft, die unfreiwilligen Superkräfte zu kontrollieren. Doch er ahnt nicht, dass er diese noch einmal gebrauchen kann – denn Blonsky hat sich Banners einstige Formel zueigen gemacht und ist zur Kampfbestie Abomination mutiert.

Wie man diesen wenigen Sätzen zum Inhalt bereits vernehmen kann, ist Louis Leterriers
"The Incredible Hulk" nicht jene Neuinterpretation des Stoffes, jener Ang Lees Film negierender Neubeginn der Monster-Saga, den Marvel-Chef Kevin Feige nach der ersten Eigenproduktion "Iron-Man" auf der Comic-Con ankündigte. Sondern es ist nur ein ziemlich frech getarntes Sequel, das offenbar jede äußere Verbindung zu seinem Vorgänger, der 2003 bei Publikum und zu weiten Teilen auch der Kritik durchfiel, zu vermeiden sucht. Der Film liefert sogar während seines Vorspanns noch ein hübsch montiertes Erinnerungsarsenal all der Ereignisse, die Lee zuvor ausformulierte, und die hier nun zu einer Vorgeschichte verkürzt werden, an die Leterrier unmittelbar anknüpft. Würde "The Incredible Hulk" zumindest darum bemüht sein, das Versprechen eines neuen ersten Films zum grünen Wüterich einzulösen, so dürfte er gewiss nicht davon ausgehen, sein Publikum habe Lees Versuch einer Hulk-Transformation gesehen und abgespeichert. Nichts anderes jedoch offenbart der Film bereits eingangs – und nur weil er darauf spekuliert, dass sein brillanter Vorgänger der Geschichte und all ihren Figuren einen ausreichend tiefsinnigen Unterbau spendierte, kann er sich eine derartige Koketterie wohl auch leisten.


Müdes Marketing: Fälschung vs. Original*

Der Film hat sich damit sein eigenes Grab geschaufelt, weil er einen Vergleich zum 2003er "Hulk" mit der Entscheidung, die Geschichte nicht neu-, sondern weiterzuerzählen, ganz von selbst forciert. Und wo Ang Lee die Comic-Vorlage nutzte, um einen einerseits stark dem Mythos verpflichteten Film, eine um elterliche Schuld und dem Widerspruch zwischen Körper und Geist rangierende Familientragödie zu erzählen, und sich dem Vorhaben andererseits auf einem formal höchst kom- plexen Niveau näherte, indem er seinen Film in bewegte Storyboards übersetzte, die mithilfe ausgeklügelter multi- screen-Einstellungen und organisch geschnittener Übergänge eine künstlerisch nahezu kongeniale, streng komponierte Adaption bildeten, da ist die visuelle Schlicht-, um nicht zu sagen: Einfallslosigkeit, dieses "Incredible Hulk" wahrlich ernüchternd. Denn Leterrier verzichtet zugunsten eines konventionell gefilmten Actionabenteuers gänzlich auf comicartige Effekte, auf eine originelle formale Entsprechung der Serie oder auf ein eigenständiges visuelles Prinzip, die comicüblichen Bildreduktionen in einen kinogerechten Stil zu übertragen. Der Film erstrahlt in jener biederen Schlichtheit, die Ang Lee für seine Adaption wohl am wenigsten adäquat gefunden hätte.

Teaser/Trailer: Immer wieder mäkelte Norton am Hulk-Design herum**

Aber schließlich ist dies ja auch Louis Leterriers Hulk-Film. Doch: Dessen eigener Ansatz, dessen Idee, die Comic-Saga zu interpretieren, verrät "The Incredible Hulk" auch über zwei Stunden Laufzeit nicht. Vielleicht liegt das daran, weil sein Regisseur nur wenig zum Film beitragen durfte, ehe sein Hauptdarsteller wie gewöhnlich das Zepter und damit die Drehbuch- und Schnittgewalt an sich riss, um seinem übergroßen, ja, vielleicht dem des Hulk nicht unähnlichen, Ego Rechnung zu tragen. Vielleicht ist dieser Film deshalb so unmotiviert erzählt, so lückenhaft in der Dramaturgie und so inkonsequent mit seinen Nebenfiguren, ja in der Gesamtheit so holprig, ziellos und beliebig, weil er nämlich eine merklich bewegte Produktionsgeschichte hinter sich hat. Aber vielleicht, ganz vielleicht fehlte "The Incredible Hulk" auch von Anfang an das eigene Konzept: Irgendwie, nur Hauptsache nicht wie Ang Lee. Änderungen am Hulk-Design und der völlige Verzicht auf komplexe Figuren, Zusam- menhänge oder doppelbödige Motive, dafür ein wenig mehr Krawall hier und etwas weniger Tiefgang da – die Ambition dieses Films ist so berechenbar wie billig. Sein fast sklavischer Versuch, nicht die vermeintlichen Fehler des Vorgängers zu wiederholen, sein Irrtum, eine von ausgearbeiteten Charak- teren bestimmte Handlung durch unsinnige, nur auf den größtmöglichen Effekt ausgerichtete Action ersetzen zu müssen, das alles beweist nur, dass ein vielleicht etwas zu kopflastiger Autorenfilm wie "Hulk" sein Publikum stark überfordert haben muss, und es nun offenbar dieser Materialschlacht voller unlebendiger Figuren, sinnfreier Dialoge, grässlicher Musik und chargierender Ersatzdarsteller bedurfte, um es zufrieden zu stellen.


30%


* Dank an Hasko Baumann, der hat den Plan / ** Quelle