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Dezember 03, 2013

Kino: INSIDE LLEWYN DAVIS

Die Arbeiten der Gebrüder Coen sind immer dann am stärksten, wenn ihr ausdauerndes filmemacherischeres Gewitzel persönliche Färbung erhält. Mit "Inside Llewyn Davis" gönnen sie sich nun eine nostalgische Reise zurück ins New York der frühen 60er-Jahre, als das Folk-Revival seinem Höhepunkt entgegensteuerte. Ein intimer, melancholischer, herzensguter Coen-Film, in dem es einmal nicht nur um den ganz großen Ulk geht. [...]

Januar 25, 2013

Kino: FLIGHT

Denzel Washington kämpft in "Flight" gegen Alkoholsucht und Unrechtsbewusstsein. Als volltrunkener Pilot bringt er zwar eine defekte Maschine sicher zu Boden, riskiert aber dennoch unzählige Menschenleben. [...]

August 21, 2012

Kino: PARANORMAN

Weltweit werden pro Jahr nicht mal mehr eine Handvoll Animationsfilme im Stop-Motion-Verfahren gedreht. Zu den bekanntesten der jüngeren Vergangenheit zählen "Die Piraten", "Der fantastische Mr. Fox" sowie Henry Selicks traumhaft schöner "Coraline". Dessen Animationsstudio Laika erweckt nun Einzelbild für Einzelbild die schaurig-schönen Abenteuer von "ParaNorman" zum Leben. Und zollt einer großen Kunst Tribut. [...]

Februar 12, 2012

Berlinale 2012: EXTREMELY LOUD & INCREDIBLY CLOSE [aka. Extrem laut und unglaublich nah]

Der 50jährige britische Theaterregisseur Stephen Daldry hat in 12 Jahren bislang nur vier Filme inszeniert. Gleich sein erster, das Coming-of-Age-Drama "Billy Elliot – I Will Dance", war schon ein weltweiter Publikums- und Kritikerliebling, an dessen Erfolg die darauf folgende Michael-Cunningham-Adaption "The Hours" nahtlos anknüpfen konnte. In diesem Mehrpersonen- stück, das Nicole Kidman und ihrer Nasenprothese 2003 alle Preise der Welt einbrachte, zeichnete sich bereits die formalästhetische Nähe zum festivalgewerblichen Award-Kino ab, mit der er zum Lieblingsengländer der Weinsteins gedieh. Obwohl dies im Entwurf noch ein sehr kluger, sogar komplexer Film war, sollte wenig später "Der Vorleser" schließlich die Befürchtungen bestätigen: Im Oscarsystem angekommen, rührte Daldry fortan die Schmalzsoße mit extra viel falschem Sentiment an. [...]

Januar 18, 2012

Kino: THE ARTIST

Was selbst der nicht-cinephile Mensch weiß: Die Ablösung des Stummfilms durch Musik, Sprache und Geräusche separat aufzeichnende Produktionen Ende der 1920er-Jahre brachte nicht nur die (ton)ästhetische Erweiterung, sondern kostete auch unzählige Größen des Kinos die Karriere. Der Selektionsprozess im Umbruch der Filmherstellung forderte beides, große Gesten und Stimmen, im von Einwanderern kultivierten Hollywoodland vorzugsweise akzentfrei. Eine eigentlich spannende Herausforderung für "den Künstler", wäre der Kampf gegen neue Gesichter und attraktive Präsentationsformen des Tonfilms für viele von ihnen nicht bereits vorzeitig entschieden gewesen. Wer die Auto- umstrukturierung der Filmstudios am Vorabend ihrer Goldenen Ära überstand, schaute in eine verheißungsvolle Zukunft ("Garbo talks!"). Andere gerieten in Vergessenheit, nahmen sich das Leben oder starben verarmt. [...]

April 05, 2011

Zuletzt gesehen: MATINEE

Nach der Fortsetzung seines 80er-Jahre-Hits "Gremlins" zur zügellosen Nummernrevue verrückter Einfälle und einem Beinahe-Overkill fantasievoller Spezialeffekte, schaltete Regisseur Joe Dante in "Matinee" wieder eins, zwei Gänge runter, um zu seinen filmemacherischen Wurzeln zurück zu kehren. In dieser nostalgischen Hommage an die eigene Kindheit wirft er einen fast intimen Blick zurück in die frühen 60er Jahre, als sich die amerikanische Bevölkerung während der Kubakrise in einem Ausnahmezustand befand. Dante verknüpft die kollektiven Ängste vor einem drohenden Atomkrieg interessanterweise mit einer Beschwörung an zeitgenössische Horrorfilme, die effektvoll gesellschaftliche Angstszenarien kanalisierten, während das Kino seine Position als Hort von Spektakel und Attraktion gegen das Konkurrenzmedium Fernsehen verteidigen musste. Die Verschränkungen von Genrefilm und politischer Realität, die nicht nur den jungen Dante, sondern auch viele Altersgenossen hinreichend beschäftigt und irritiert haben dürften, werden in "Matinee" auf eine amüsante, sentimentale und vor allem harmonische Art zugunsten des Kinos gelöst. Dessen eskapistische Möglichkeiten betont der Film insbesondere durch eine sehr freie, aber liebevolle Würdigung der Showmanship-Legende William Castle nachdrücklich: John Goodman spielt einen leicht verrückten Gimmick-Regisseur, der wie eine gute Seele über der Handlung thront und mit seinen Filmen eine vergnügliche Zuflucht vor den Schrecken der Wirklichkeit schafft, ohne diese auszublenden.


70%

Mai 06, 2008

Kino: SPEED RACER

Das Leben, eine Rallye. Speed Racer (Emile Hirsch) ist der neue aufsteigende Superstar unter den Rennfahrern. Getreu seinem großen Vorbild, dem eigenen Bruder, der einst bei einem riskanten Lauf ums Leben kam, hängt er alle Gegner ab, gewinnt zahlreiche Matches und macht das kleine Familienunternehmen glücklich. Pops und Mom Racer (John Goodman und Susan Sarandon) strahlen vor Stolz, während Speed glücklich und zufrieden mit Freundin Trixie (Christina Ricci) die jüngsten Erfolge feiert. Als eines Tages der cholerische Firmenchef der Royalton Company (Roger Allam) vor der Haustür steht und den Rennfahrer mit imposanten Versprechen abwerben möchte, schlägt dieser das Angebot aus – und macht sich somit zum ärgsten Feind von Royalton und dessen skrupellosen Handlangern, die die Rennen für saftige Profite manipulieren. Gemeinsam mit dem undurchsichtigen Ex-Rivalen Racer X (Matthew Fox) versucht die Racer-Familie deshalb, den schmierigen Unternehmern den Garaus zu machen – bei jener Querfeldein-Rallye, die einst Speeds Bruder das Leben kostete.

"Speed Racer" ist, was es zu beweisen galt: Eine schnelle, quietschbunte, überladene Gut-Gegen-Böse-Geschichte für die ganze Familie. Eine simpel gestrickte, üppig inszenierte Comic-Achterbahnfahrt für groß und klein. Und natürlich ein Retro-Film mit Sixties-Flair, der so unverhohlen naiv, so aufmüpfig kindlich daherkommt, als würde er alles, was er sagt und tut, nicht nur unbedingt für wahr halten, sondern auch überhaupt der erste sein, der so eine Geschichte auf genau so eine Art erzählt. Der Film ist also alles, was man erwarten durfte (siehe Setbericht), und alles, was Andy und Larry Wachowski zuvor versprachen: Eine Hommage an ihre Lieblingsserie aus Kindheitstagen, die auf dem japanischen Vorbild "Mach Go Go" basiert. Man kann gegen "Speed Racer" also zumindest nicht den Vorwurf erheben, er würde nicht veritabel jenes Bonbon-Szenario bedienen und ausschöpfen, das all die merkwürdigen Bilder und Trailer im Vorfeld so vermuten ließen.

Doch auch wenn der Film seinen eigenen Ambitionen gerecht wird, so ist diese überfrachtete Kaugummi-Mischung aus der "Familie Feuerstein", den "Jetsons" und "Cars" jenseits von Nostalgie und Comicstrip auch fürchterlich anstrengend. Visuell zweifellos aufwändig in Szene gesetzt, erschöpft sich das bunte Farbenmeer nach einer gelungenen Einführung rasch. "Speed Racer" kreiert zwar immerhin einen eigenen Stil, dem er auch durchweg treu bleibt, doch man sieht sich schnell satt an all der Künstlichkeit und Animation, fühlt sich zunehmend überfordert und außen vor. Die erdrückenden Farbwechsel und rasanten Rennszenen wirken regelrecht zumutend, vor allem bei rund 135 Minuten Laufzeit. Der Film hätte insbesondere stark gestrafft werden müssen, um zu verhindern, dass sich irgendwann eine regelrechte Passivität beim Zuschauen einstellt. Man lässt das Treiben eigentlich nur noch auf sich einprasseln, ohne ihm wirklich aufmerksam zu folgen, zumal "Speed Racer" auch hinreichend dialoglastige Momente hat, die neben der visuellen Opulenz für zusätzliche Langeweile sorgen.

Die an Computerspiele erinnernde Ästhetik dürfte kleineren Zuschauern zweifellos zusagen, doch man vermisst Detail- liertheit und Sorgfalt bei den Animationen (die Autocrashs sind unübersichtlich; die als Überleitung eingesetzten, sich durchs Bild bewegenden Köpfe meist unscharf und durch Doppelkonturen entstellt). Überaus klug hingegen die Verpflichtung Michael Giacchinos, der den Film geschickt zusammenhält mit einer gewohnt rasanten, sehr jazzigen Musik, die ihm abermals Gelegenheit für Anleihen beim John Barry-Sound der 60er bietet. Ansonsten fällt es schwer, "Speed Racer" an herkömmlichen Mustern abzugleichen, zu eigen ist seine Filmsprache, seine digitale Inszenierung, sein gewolltes Over-Acting, seine Zugeständnisse ans Kinder- publikum (einen nervtötenden kleinen Jungen samt Hausschimpansen inklusive). Er ist, was er ist und er ist, was er sein wollte. Aber das macht ihn eben noch lange nicht zu einem guten Film. Oder überhaupt zu einem Film.


40% - erschienen bei: DAS MANIFEST