September 21, 2008

Kino: HELLBOY II - THE GOLDEN ARMY

"You’re such a beautiful freak – I wish there were more just like you", heißt es in "Beautiful Freak", dem wunderbaren Song des gleichnamigen Albums der Eels, den man eigentlich schon gern im ersten Hellboy-Film von Guillermo del Toro gehört hätte, wenn der kauzige rote Comicheld da so nachdenklich auf dem Dach eines Hauses vor sich hin grummelte, weil seine Angebetete mal nicht so wollte wie er. Aber sei’s drum, nun spielt ihn eben die Fortsetzung, wenn unserer Höllenjunge mal wieder Knatsch mit der feurigen Liz hat. Dabei strengt er sich ja schon an, er würde sogar sein Leben für sie lassen, sagt er, "but she also expects me to do the dishes!" – den Abwasch also auch noch.

Dafür allerdings bliebe dem Superhelden gar keine Zeit: Weil ein eitler Prinz sich entschlossen hat, den langlebigen Friedenspakt zwischen der Welt der Menschen und jener der, nun ja, phantastischen Wesen für beendet zu erklären, und gleich noch eine gigantische Armee goldenerer Krieger zum Leben erwecken will, müssen sich Hellboy (Ron Perlman), Liz (Selma Blair) und Abe (Doug Jones) mit diversen Fantasie- gestalten und schließlich der Zwillingsschwester des Blondschopf-Prinzen herumschlagen – nur mit ihrer Hilfe nämlich kann die Menschheit noch gerettet werden, sozusagen.

Nun ist der Bösewicht-Bruder kein einfacher Irrer, der sich am Krieg zwischen Mensch und, zum Beispiel, einem riesigen Waldgott inmitten New Yorks ergötzen, sondern eigentlich nur für die Rechte seinesgleichen einstehen will: Für ihn ist die geheime Parallelexistenz fremder Wesen vor allem ein Ausdruck für die Unterdrückung durch den Menschen, und das möchte er nicht länger hinnehmen. Getreu der Sequel- Gesetze, die ein Comic zum Gelingen ja doch eher besser befolgen sollte, befördert dieser ambivalente Trieb des Prinzen den Titelhelden in ein moralisches Dilemma. Denn schließlich ist auch er, der Hellboy, nur eine Kreatur, die im Unsichtbaren agieren, die sich verstecken muss vor den Menschen, für deren Sicherheit er sich ja überhaupt erst in manch unangenehmes Abenteuer stürzt. Da lohnt es sich zumindest, über den Lockruf des Gegners einmal nachzudenken: Wenn dieser unseren eigenwilligen Superhelden darauf hinweist, dass all dessen Müh letztlich vergebens sei, weil er weder Dank noch wirkliche Anerkennung vom Menschen bekommen könne, ist der innere Konflikt natürlich mächtig am Brodeln. Alle Comic-Helden müssen so eine Gewissensprüfung irgendwann bestehen, selbst Batman und Spider-Man.

In "Hellboy II: The Golden Army" treibt del Toro die Erzählung überall dahin, wo man sie üblicherweise eben hinführt, um interessante Plot-Variationen und Konflikte für die nunmehr bekannten Figuren zurechtgenerieren zu können, während er den Film strukturell eigentlich wie den ersten Teil aufbaut. Das macht er grundsolide, ohne Stolpersteinchen oder nennenswerte dramaturgische Aussetzer. Dennoch liegt die ganz große Stärke auch dieses zweiten Hellboy-Films nicht unbedingt in der mäßig originellen Geschichte (die sich irgendwie ganz schön zusammensetzt aus phantastisch Bekanntem), sondern seiner konsequenten Überbietungs- strategie. Der Film setzt überall noch mal eins drauf, immer dort, wo schon der Vorgänger so überraschte: Wuchtige und übermütige Action, natürlich, tolle und einfallsreiche Effekte, viel Witz, Herz und komische Dialoge. Oder er beschreitet neue Wege, zum Beispiel mit der Verpflichtung Danny Elfmans für die Musik, und liegt auch dabei goldrichtig.

Aber in erster Linie hat del Toro verstanden, dass er den Figuren, und seien sie noch so fantasievoll, monströs oder bedrohlich, Persönlichkeit und Würde verleihen muss. Man findet diesen Hellboy einfach drollig in seiner Unbeholfenheit, aber auch seiner Stärke, und man ist fasziniert, wie nicht enden wollend der Regisseur magische Situationen und Fantasy-Set-Ups entwirft, in denen kauziger Humor und opulentes Spektakel sich so wunderbar (und ökonomisch!) ergänzen. Dazwischen findet der Film immer auch wieder Zeit für hübsche kleine Episoden, für besinnliche Ruhemomente oder schlicht urkomische Momentaufnahmen – so sich Hellboy und Abe eines Abends einfach betrinken und ein lautstarkes Duett zu einem Liebesschlager einstimmen, während der rote Dämon dazu mit seinem Schwanz wackelt, ja, das ist dann ganz einfach liebenswürdig und schön, und zwar ohne dass es in irgendeiner Hinsicht unangenehm berühren würde. "Pan’s Labyrinth" dürfte es zuletzt wohl besiegelt haben: Guillermo del Toro ist mittlerweile einfach eine verdammt sichere Bank.


80% - erschienen bei: WICKED-VISION

Kommentare:

  1. Für mich wirkte der Trailer bereits viel zu überladen mit Kreaturen und Action. Hab das Gefühl del Toro hats diesmal etwas übertrieben, aber dann mal schauen, ob er ansatzsweise die Klasse des ersten erreicht.

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  2. Der Trailer hat bei mir ebenfalls den Eindruck hinterlassen, dass del Toro es mit Effekten und Ideen vielleicht sogar zu weit treiben würde, im Film war das 72 Mio. Dollar-Budget dann aber doch gut verteilt. Nur Puristen dürften das als überladen empfinden.

    Also Achtung, Rudi. ;)

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  3. stimmt, die strory ist nicht der brüller. das drumherum macht den unterschied aus ;)

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  4. Ich hab so das Gefühl, wäre PANS nicht von Del Toro, würden die HELLBOY-Teile bei dir nicht so gut abschneiden. Kann mich aber auch täuschen. ;)

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  5. Den ersten HELLBOY hatte ich vor PAN gesehen und fand ihn schon super. Lediglich BLADE II hatte ich eine zweite Chance gegeben, weil ich den beim ersten Mal ziemlich übel fand, mittlerweile aber mag.

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  6. Ich war auch bei dem Trailer zuerst skeptisch, jetzt werd ich ihm wohl ne Chance geben. Ich bin auch schon gespannt auf den Hobbit.

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