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Juli 15, 2013

Kino: PACIFIC RIM

Hollywood goes Mecha vs. Kaiju. Guillermo del Toro, einer der wenigen visionären Filmemacher des gegenwärtigen phantastischen Kinos, frönt dem ganz großen Roboter- und Monsterkrawall. Den wenigsten Menschen ist es vergönnt, bunte Kindheitsträume als 180 Millionen US-Dollar teure Spektakel zu verwirklichen. Doch auch Herzblut kann einem die Sinne vernebeln: "Pacific Rim" ist leider nur ansatzweise eine liebe- und geistvolle Alternative zu "Transformers" und anderem Zerstörungsirrsinn. [...]

März 24, 2011

Kino: SEASON OF THE WITCH

Zu Gottes Freunden zu zählen sei kein Zuckerschlecken, beklagt sich Tempelritter Behmen (Nicolas Cage), während er in den Kreuzzügen munter die Gegner des Herrn dahinmeuchelt. Nach über einem Jahrzehnt wüster Schlachtpalette bemerkt er inmitten eines heroischen Schwertduells ganz plötzlich, dass in diesem Kampf auch unschuldige Frauen und Kinder ihr Leben lassen müssen. Mit dieser gnadenlosen Einsicht beginnt "Der letzte Tempelritter", ein Film, dessen ganz auf Cages Disney-Erfolgsfilme abzielende und hanebüchene deutsche Titelübersetzung noch das geringste Problem ist.

Weder handelt dieses kuriose Genregemisch von einem oder gar dem letzten Tempelritter, noch geht es hier wirklich um die "Jahreszeit der Hexe", wie es wiederum der Originaltitel verlautbaren möchte. Der Film vermengt Fantasy-Hokuspokus und Geschichtsumschreibung zu rundherum dümmlichem Mittelalter-Trash, dem allerdings jede Vergnüglichkeit abgeht. "Season of the Witch" ist nicht so schlecht, dass er Spaß machen könnte, er ist einfach nur ganz normal schlecht. Und damit ohne Belang selbst noch für Cage-Fans, die von ihrem Schulden abtragenden Lieblingsschauspieler mit großer Konsequenz zu Jüngern des Camps konditioniert werden.

Nachdem Behmen also ganz unverhofft vom schlechten Gewissen heimgesucht wird, kehrt er der Kirche gemeinsam mit seinem Freund Felson (Ron Perlman) den Rücken und zieht reumütig durch die Lande. Widerwillig übernehmen die kriegsmüden Ritter den Auftrag eines todkranken Kardinals (unwürdig: Christopher Lee), ein als Hexe bezichtigtes Mädchen (Claire Foy) zu einem entlegenen Kloster zu bringen. Dort, so erhoffen es sich die Geistlichen, wird ihr Bann gebrochen und die ihr zugeschriebene unheilvolle Pest ein Ende finden. Auf dem steinigen Weg jedoch warten einige Gefahren auf die Gruppe: Keine Ausschilderungen, karge Landschaften und eine Handvoll doofer Sprüche. Von dämonischen Killerwölfen oder irren Zombiemönchen gar nicht erst zu sprechen.

Der Film bringt zweifelsfrei die eine oder andere amüsante Anlage mit sich, aber aus irgendeinem Grund möchte Regisseur Dominic Sena ("Gone in 60 Seconds") die hanebüchene Geschichte mit erzählerischem Ernst und weitgehend konventioneller Inszenierung aufziehen. Er mag seine heldenhaften Figuren nicht für Ulk ausgestellt wissen und scheint den ganzen drögen Fantasy-Mumpitz offenbar spannend zu finden. Das allerdings lässt sich schwerlich vereinbaren mit einem Plot, in dem zwei Ritter, deren Alter die Lebenserwartung im 14. Jahrhundert mindestens verdoppelt, eine aus unerfindlichen Gründen zur Verursacherin der Pest erklärten Frau den Teufel austreiben sollen. Und dabei dann Sätze zum Besten geben wie: "Wir brauchen mehr Weihwasser!".

"Season of the Witch" ist in erster Linie ein enorm träger und auch enorm unausgegorener Film. Mit antiklerikalen Witzchen, aber einer ausgedehnten finalen Glaubensbeschwörung, dem eingangs beschriebenen Storyaufhänger und der wie immer faszinierenden Perückenpracht von Nicolas Cage (diesmal inklusive blonder Strähnchen) bewegt er sich nahe am Trash-Vehikel. Die ausgelutschten Kampfszenen, lausigen CGI-Tricks und überwiegend schnarchigen Dialoge hingegen rücken ihn eher in Richtung gewollt, aber nicht gekonnt. Und dann sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der Film über längere Zeit wie ein Remake von Ingmar Bergmans "Das siebente Siegel" in "Monty Python and the Holy Grail"-Montur daherkommt – nur gänzlich ohne Charme.

An historischen Diskursen oder der eigentlich gar nicht so reizlosen Prämisse – Hexenverbrennung als tatsächlicher Exorzismus – ist Sena natürlich ebenfalls nicht im Geringsten interessiert. Aber selbst noch am spaßigen Spektakel, an halbwegs ruppiger Action oder ernsthaftem Grusel zeigt er kein Interesse. Die wenigen Schlachtszenen werden allesamt für die Exposition zusammenmontiert, und als besonders unabenteuerlicher Höhepunkt des Films muss doch tatsächlich die unspektakuläre Überquerung einer Hängebrücke herhalten – eine Szene, die bemüht zum großen Spannungsmoment aufgeblasen noch nicht einmal für einen halbwegs anständigen Schauwert zu gebrauchen ist.

Das klobige Resultat von "Season of the Witch" erklärt sich letztlich wohl nur aus der katastrophalen Produktions- geschichte. Gedreht bereits in 2008, sollte der Film ursprünglich vor über einem Jahr in die Kinos kommen. Nachdem im Herbst 2009 bereits Teaser und Trailer lanciert wurden, aus denen es zahlreiche Szenen nun gar nicht mehr in den fertigen Film geschafft haben, lag das Projekt erst einmal eine ganze zeitlang auf Halde. Nachdrehs und massive Umschnitte folgten, ehe der Verleih den ursprünglich für ein erwachsenes Publikum konzipierten Fantasy-Horror als jugendfreies PG-13-Abenteuer doch noch veröffentlichte. Vielleicht also versteckt sich in "Season of the Witch" irgendwo ein eigentlich sehenswerter Film. Vielleicht.


25% - erschienen bei: gamona

November 01, 2009

Zuletzt gesehen: BLADE TRILOGY

Blade

Noch vor dem jüngsten Adaptionsboom populärer Comichelden packte Stephen Norrington den mittlerweile chronisch unterbeschäftigten Wesley Snapes in Lack und Leder, um ihn als Daywalker Blade gegen hungrige Großstadtvampire ins Feld ziehen zu lassen. Diese versteht der Film als nimmermüdes Partyvolk, das sich im Drogen- und Sexrausch seinen ständigen Lustfantasien hingibt. "Blade" ist physisches Actionkino, das vor allem daran interessiert ist, den männlichen Körper als alle (erotischen) Bedrohungen bewältigendes Machtinstrument zu inszenieren. Tiefschür- fendes über das Leben als Vampir oder die in Ansätzen verhandelte rassistische Kultur der Blutsauger vernachlässigt der überlange Film großzügig zugunsten schlecht gealterter CG-Einlagen und einer weitestgehend unterhaltsamen, wenn auch bemerkenswert dümmlichen Handlung.

50%



Blade II

Erst die Fortsetzung schöpft das zugegeben überschaubare Potential des Comichelden aus: In Guillermo del Toros "Blade"-Interpretation liegt der Schwerpunkt weniger bei den männlichen Fähigkeiten seiner Titelfigur, als auf einer komplexen Beziehungsstruktur seiner Gegner. Wie auch später in "Hellboy II" inszeniert del Toro die Bösewichte als durch familiäre Dysfunktionen gebrandmarkte, ambivalente Krea- turen, die er mit seiner leidenschaftlichen Vorliebe für phantastische Bildentwürfe ideen- und liebevoll in Szene setzt. Die Entscheidung, Blade eine Reihe von Kriegern zur Seite zu stellen, die eigentlich im Lager seiner ärgsten Feinde zu verorten sind, bietet dem Film dramaturgisch zudem ausreichend Entfaltungsraum und macht das Sequel zum spannenden Höhepunkt der Trilogie – trotz diverser Zugeständnisse an die Vorgaben des Vorgängers, darunter ausgedehnte Martial-Art-Kämpfe mit hippen Electrobeats zu unterlegen.
70%


Blade: Trinity

Für den dritten und mit relativer Sicherheit auch letzten Film der Serie nahm der Drehbuchautor der Vorgänger, David S. Goyer, das Zepter selbst in die Hand. Leider verschenkt der Film seinen Antagonisten, immerhin Dracula himself, grandios blöd und verlässt sich gänzlich auf die kaum vorhandene Coolness der sexy Blutsauger, die er mit einer abgestandenen, Filter durchtränkten Videoclipästhetik ins Bild setzt. Das berechenbare Casting von Ryan Renolds und Jessica Biel als Blickfang fürs Zielpublikum generiert dabei ebenso wenig Mehrwert für die dünnschichtige Handlung wie der Verzicht auf ideenreiche Actionchoreographien. "Blade: Trinity" ist dabei endgültig solide stupide Unterhaltung, die in ihrem grenzenlosen Sexismus die üblichen Strategien des Genres bemüht.

40%



September 21, 2008

Kino: HELLBOY II - THE GOLDEN ARMY

"You’re such a beautiful freak – I wish there were more just like you", heißt es in "Beautiful Freak", dem wunderbaren Song des gleichnamigen Albums der Eels, den man eigentlich schon gern im ersten Hellboy-Film von Guillermo del Toro gehört hätte, wenn der kauzige rote Comicheld da so nachdenklich auf dem Dach eines Hauses vor sich hin grummelte, weil seine Angebetete mal nicht so wollte wie er. Aber sei’s drum, nun spielt ihn eben die Fortsetzung, wenn unserer Höllenjunge mal wieder Knatsch mit der feurigen Liz hat. Dabei strengt er sich ja schon an, er würde sogar sein Leben für sie lassen, sagt er, "but she also expects me to do the dishes!" – den Abwasch also auch noch.

Dafür allerdings bliebe dem Superhelden gar keine Zeit: Weil ein eitler Prinz sich entschlossen hat, den langlebigen Friedenspakt zwischen der Welt der Menschen und jener der, nun ja, phantastischen Wesen für beendet zu erklären, und gleich noch eine gigantische Armee goldenerer Krieger zum Leben erwecken will, müssen sich Hellboy (Ron Perlman), Liz (Selma Blair) und Abe (Doug Jones) mit diversen Fantasie- gestalten und schließlich der Zwillingsschwester des Blondschopf-Prinzen herumschlagen – nur mit ihrer Hilfe nämlich kann die Menschheit noch gerettet werden, sozusagen.

Nun ist der Bösewicht-Bruder kein einfacher Irrer, der sich am Krieg zwischen Mensch und, zum Beispiel, einem riesigen Waldgott inmitten New Yorks ergötzen, sondern eigentlich nur für die Rechte seinesgleichen einstehen will: Für ihn ist die geheime Parallelexistenz fremder Wesen vor allem ein Ausdruck für die Unterdrückung durch den Menschen, und das möchte er nicht länger hinnehmen. Getreu der Sequel- Gesetze, die ein Comic zum Gelingen ja doch eher besser befolgen sollte, befördert dieser ambivalente Trieb des Prinzen den Titelhelden in ein moralisches Dilemma. Denn schließlich ist auch er, der Hellboy, nur eine Kreatur, die im Unsichtbaren agieren, die sich verstecken muss vor den Menschen, für deren Sicherheit er sich ja überhaupt erst in manch unangenehmes Abenteuer stürzt. Da lohnt es sich zumindest, über den Lockruf des Gegners einmal nachzudenken: Wenn dieser unseren eigenwilligen Superhelden darauf hinweist, dass all dessen Müh letztlich vergebens sei, weil er weder Dank noch wirkliche Anerkennung vom Menschen bekommen könne, ist der innere Konflikt natürlich mächtig am Brodeln. Alle Comic-Helden müssen so eine Gewissensprüfung irgendwann bestehen, selbst Batman und Spider-Man.

In "Hellboy II: The Golden Army" treibt del Toro die Erzählung überall dahin, wo man sie üblicherweise eben hinführt, um interessante Plot-Variationen und Konflikte für die nunmehr bekannten Figuren zurechtgenerieren zu können, während er den Film strukturell eigentlich wie den ersten Teil aufbaut. Das macht er grundsolide, ohne Stolpersteinchen oder nennenswerte dramaturgische Aussetzer. Dennoch liegt die ganz große Stärke auch dieses zweiten Hellboy-Films nicht unbedingt in der mäßig originellen Geschichte (die sich irgendwie ganz schön zusammensetzt aus phantastisch Bekanntem), sondern seiner konsequenten Überbietungs- strategie. Der Film setzt überall noch mal eins drauf, immer dort, wo schon der Vorgänger so überraschte: Wuchtige und übermütige Action, natürlich, tolle und einfallsreiche Effekte, viel Witz, Herz und komische Dialoge. Oder er beschreitet neue Wege, zum Beispiel mit der Verpflichtung Danny Elfmans für die Musik, und liegt auch dabei goldrichtig.

Aber in erster Linie hat del Toro verstanden, dass er den Figuren, und seien sie noch so fantasievoll, monströs oder bedrohlich, Persönlichkeit und Würde verleihen muss. Man findet diesen Hellboy einfach drollig in seiner Unbeholfenheit, aber auch seiner Stärke, und man ist fasziniert, wie nicht enden wollend der Regisseur magische Situationen und Fantasy-Set-Ups entwirft, in denen kauziger Humor und opulentes Spektakel sich so wunderbar (und ökonomisch!) ergänzen. Dazwischen findet der Film immer auch wieder Zeit für hübsche kleine Episoden, für besinnliche Ruhemomente oder schlicht urkomische Momentaufnahmen – so sich Hellboy und Abe eines Abends einfach betrinken und ein lautstarkes Duett zu einem Liebesschlager einstimmen, während der rote Dämon dazu mit seinem Schwanz wackelt, ja, das ist dann ganz einfach liebenswürdig und schön, und zwar ohne dass es in irgendeiner Hinsicht unangenehm berühren würde. "Pan’s Labyrinth" dürfte es zuletzt wohl besiegelt haben: Guillermo del Toro ist mittlerweile einfach eine verdammt sichere Bank.


80% - erschienen bei: WICKED-VISION

Dezember 14, 2006

TV: MOH #5 - PRO-LIFE

So ganz plötzlich, da kann es offenbar einfach jedem Mädchen passieren. Man sitzt in der Abenddämmerung verträumt auf der Gartenschaukel, summt ein wenig vor sich her, und dann reißt es einem den Boden unter den Füßen weg – der Teufel mit seinen zwei Hörnern entsteigt dem Reich der Sünden, um eine unschuldige 15jährige zu schwängern. Diese gerät verwirrt und beängstigt, ihre Schwangerschaft ist zeitlich von neun Monaten auf eine Woche geschrumpft, in die Arme eines Arztes und dessen liierter Kollegin, um in der nahe gelegenen Frauenarztpraxis Schutz vor ihrem Vater und den drei bewaffneten Brüdern zu suchen. Diese wollen die Geburt des teuflischen Nachwuchses nicht verhindert wissen.

Weshalb, warum und wieso das alles so ist, das mag John Carpenter nicht recht beantworten wollen, dafür scheint er beim ausgiebigen Selbstzitieren auch viel zu beschäftigt. Vom einzigen Regisseur, der die Serie bislang schlagartig aus ihrem enttäuschenden Niveau heraushieven konnte, darf man derweil leider nicht mehr als einen komplett verquasten, unfreiwillig absurden Werbeclip für die F/X-Spielwiese der K.N.B.-Jungs erwarten. Auf die zwar übersichtliche, zu knapp gezeichnete und dennoch erfrischende Meditation über das Wesen des Kinos aus "Cigarette Burns", dem Beitrag Carpenters zur vorherigen Staffel, wird sukzessive nicht mit Blut- und Ekeleinlagen gegeizt, doch die Mixtur aus der räumlichen Struktur von "Assault on Precinct 13" und den abgemilderten (Musik)Effekten aus "The Thing" ist viel zu albern und unsinnig, um wirklichen Spaß mit ihr haben zu können. Der Altmeister vermisst nicht nur sein Cinemascope-Format schmerzlich, sondern steht auch vor dem Problem, nicht recht zu wissen, wie man derartigen Hokus Pokus auf 60 Minuten strecken soll. Da hilft dann auch kein omnipräsenter Ron Perlman – "Pro-Life" ist eines Carpenter-Beitrags schlicht und ergreifend unwürdig.


40%