Juli 13, 2014
DVD/BD: GIMME SHELTER (2013)
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August 12, 2009
Kino: G.I. JOE - RISE OF THE COBRA
Es geht in "G.I. Joe", der im Originaltitelzusatz auch noch etwas vom Aufstieg einer Cobra verspricht, uns das allerdings vor- und sich damit offenbar lieber für die ganz dezent angekündigte Fortsetzung aufbehält, um gute Soldaten gegen böse Weltzerstörer, die mithilfe so genannter Nanomilben ganze Städte vernichten wollen. Sic! Glücklicherweise bleibt amerikanisches Terrain im Film allerdings unbeschadet und kann jedwedes Unglück abgewendet werden – abgesehen von einer vernachlässigenswerten Zerstörung des Eiffelturmes in Paris, die mindestens so schlecht getrickst und amüsant wie überhaupt der ganze Rest dieses zweistündigen Riesen-schwachsinns ausfällt. Sommers ist sich offensichtlich, ganz anders als Michael Bay, des recht absurden Unternehmens bewusst, hier fleischgewordene Spielzeugpuppen in seriöse Kinohelden umdichten zu müssen – und haut entsprechend unverhältnismäßig, selbstverständlich und ironisch untersetzt auf die Pauke.
"G.I. Joe" ist eine wahr gewordene Kleine-Jungen-Fantasie, die völlig eigenen Erzählgesetzen (nämlich irgendwie keinen) gehorcht, die eindrückliche Gut-Gegen-Böse-Bilder durch Kinderaugen entwirft und sich mit einer Fülle gewollt (?) künstlicher, an die Ästhetik von Computerspielen angelehnter Spezialeffekte stets als ganz großes Krawall-Happening versteht. Damit trifft Sommers jenen Ton, den so ein Vorhaben innerhalb seiner beschränkten Möglichkeiten auch nur bestenfalls anzustimmen in der Lage ist, und nimmt die Abenteuer seiner Knallchargen mitsamt der geradezu unverschämt langbärtig-infantilen Geschichte so wenig ernst wie möglich. Insbesondere die zwar flüssige, aber stets unperfekt erscheinende Inszenierung, die in vollstem Bewusstsein zu Schaustellern degradierten Typecasting-Darsteller und das stets durch- und überschaubare Computergetrickse verleihen dem Film die notwendige Distanz sich und seinem Sujet gegenüber.
Dass hier Kinderunterhaltung mit neuestem Militärgeschütz und Army-Helden-Pathos generiert wird, mag und muss man zu Recht genauso bedenklich finden wie bei der hausinternen Konkurrenz um die transformierenden Riesenroboter. Doch während das Baysche Actionkino einem technischen Perfektionismus hinterklotzt und dabei verbissen und überambitioniert fetischisierte Werbebilder zusammenträgt, bedient Sommers seine Zielgruppe ebenso solide wie er allen anderen, also einem Publikum jenseits der 12, erkennbar zuzwinkert: Das hier mag zwar ein bemerkenswert blöder Ulk sein, aber es ist zumindest veritabler Ulk. Verdächtig und angemessen dämlich.
60% - erschienen bei den: 5 FILMFREUNDEN
Dezember 10, 2008
Kino: INKHEART
Die Fähigkeit, literarische Gestalten aus ihrem Buchseiten- kontext in die Wirklichkeit überführen zu können, bildet die Grundidee der noch recht jungen Erfolgsromane "Tintenherz", "Tintenblut" und "Tintentod", die Cornelia Funke mit ihrem Mix aus Abenteuer-, Fantasy- und Coming-of-Age-Geschichte zu einer gefragten internationalen Autorin machten. Im Kino allerdings ist der Stoff schwer vom Verfall seiner Magie bedroht: Was in der Vorlage frisch und originell wirken mag, erscheint als Filmadaption nur wie der müde Versuch des Studios, an den Kinokassen jene weihnachtliche Leerstelle zu füllen, die "Herr der Ringe" und "Harry Potter" hinterlassen haben.Mo Folchart (Brendan Fraser) ist seit Jahren auf der Suche nach einer Ausgabe des Buches "Tintenherz", das ihm vor langer Zeit eine besondere Fähigkeit offenbarte: Wenn er aus Büchern vorliest, ist Mo in der Lage, Figuren oder Situationen daraus in die Realität zu übertragen. An einem gemütlichen Winterabend führte das einst zum schicksalhaften Verlust seiner Frau, die in dem Roman verschwand - denn: was einem Buch entsteigt, muss ersetzt werden. Etwas wird herauskatapultiert, etwas anderes hineingezogen.
Gemeinsam mit seiner zwölfjährigen Tochter Meggie (Eliza Bennett) stößt er in einem Antiquariat schließlich auf "Tintenherz". Doch ehe er sich versieht, befindet er sich mittendrin im Kampf gegen Capricorn (Andy Serkis), dem nunmehr in der wirklichen Welt angekommenen Schurken des Romans, der seine Weltherrschaftsfantasien in der Realität munter weiterspinnt. Da kommt ihm Mo gerade recht mit seinen Fähigkeiten, kann dieser ihm doch allerlei Wünsche erfüllen, wenn er sie nur vorliest.
So purzeln dann die Goldtaler aus "1001 Nacht" vom Himmel oder fegt der Wirbelsturm aus dem "Zauberer von Oz" übers Land - und bleibt Mo nur mit Hilfe der mürrischen Tante Elinor (Helen Mirren) und des Gauklers Staubfänger (Paul Bettany), der zurück in die Welt des Romans gelangen möchte, die Chance, dem Schrecken Capricorns ein Ende zu setzen.
Zwar bietet die Geschichte Gelegenheit für einige amüsante Reflexionen über das Erzählen, so zum Beispiel der fiktive Autor des Buch-im-Films "Tintenherz" auf seine selbst kreierten Figuren stößt, aber streng genommen ist die Idee doch merklich altbacken: Michael Ende hat das mehr oder weniger gleiche Thema zum Beispiel in der "Unendlichen Geschichte" verhandelt, und selbst bis ins Mainstream-Kino Arnold Schwarzeneggers war der postmoderne Stoff sehr ähnlich mit "Last Action Hero" schon durchgedrungen.
Überhaupt erscheint "Tintenherz" in seiner Filmform nun ein wenig merkwürdig, denn der Appell ans Lesen, den Funke mit der Geschichte um die Erschaffung magischer Welten durch die reine Fantasie des Verstandes im Sinn gehabt haben mag, geht im Kino selbstredend verloren. Vor allem aber offenbart sie nun in komprimierter und filmische Konventionen befol- gender Form ihre eigentlichen Schwierigkeiten mit einer inneren Logik.
So ist es schon ein klein wenig wunderlich, dass die Helden des Films oftmals rätseln, wie sie sich aus bestimmten Situationen befreien oder überhaupt dem ganzen Schlamassel ein Ende bereiten können. Dabei braucht es doch nur, wie das einfallslose Finale zeigt, einen Stift zur Lösung: Denn alles, was Mo und seine Tochter, die beide mit der ‚Silberzunge' gesegnet sind, vorlesen, erfüllt sich bekanntlich - da hätte es sich doch angeboten, den ein oder anderen aufgeschriebenen Wunsch, dieses und jenes passende Buchzitat vorzulesen. Nicht?
Und an der sich selbst ad absurdum führenden Plot- Konzeption liegt es nicht allein, dass aus "Tintenherz" bis auf wenige Momente ein höchst langweiliger und liebloser Fantasy-Popanz wurde. Zäh inszeniert und unschön ausgestattet, entwickelt der Film zu keiner Zeit ein wirkliches Gespür fürs Phantastische. Es fällt der Adaption sichtlich schwer, die von Funke in der Vorlage beschworene Magie der aus Büchern hervortretenden Märchenwesen und Begebenheiten abgespeckt zu bebildern. Eher wird das, was auf dem Papier noch funktionieren mag, ohne Regieeinfälle oder originelle Effekte umgesetzt.
Selbst die Besetzung kann nicht gegen die sinnfällige Geschichte und ihre braven Bilder anspielen. Dass Brendan Fraser sogar die ursprüngliche Inspiration für Funkes Romanfigur gewesen sein soll, ist im Film bestenfalls zu erahnen. Er bleibt unauffällig und scheint ohnehin nur noch den Actionheld-Gang seiner "Mumien"-Filme einlegen zu können. Richtiggehend peinlich hingegen wirkt der Versuch Helen Mirrens, sich nach ihrer disziplinierten Oscar- Performance in "Die Queen" einer exaltierten Spielfreude zu ergeben - ihr Ritt auf einem Einhorn jedenfalls zählt zu den besonders unfreiwilligen Lachern in "Tintenherz".
Die an und für sich schöne Idee bleibt ungenutzt: Im Film verliert sie jede Plausibilität, während die Geschichte keinen Stolperstein auslässt. Da hätte es einen Regisseur benötigt, der den Stoff zumindest visuell verarbeiten kann. So enttäuscht "Tintenherz" als neues weihnachtliches Fantasy- Highlight ebenso wie "Der Goldene Kompass" im letzten Jahr. Da wünscht man sich wirklich, Brendan Fraser würde als Mo mal etwas Tolkien vorlesen - dann könnte Andy Serkis auch wieder den Gollum geben. Und es wäre um die winterliche Kino-Fantasy wieder deutlich besser bestellt.
August 06, 2008
Kino: MUMMY: TOMB OF THE DRAGON EMPEROR
Nach langjähriger Pause macht Universal wieder Kasse mit ihrem liebsten und ältesten aller phantastischen Urgeschöpfe, der Leiche in Bandagen, der lebenden toten Konserve, der archetypischen Mumie. Nachdem Stephen Sommers den Mythos Ende der 90er Jahre nicht wiederaufleben, sondern für einen wüsten Mix aus Fantasy- und Abenteuer-Zotteligkeiten umdichten ließ, darf nun Rob Cohen den beiden Box- Office-Abräumern einen dritten Erfolg nachschieben.Dessen Talentfreiheit ließ das Publikum ja erstaunlich lang unberührt, immerhin hatte der Regisseur von "The Fast and the Furious" – der sich selbst übrigens als New Hollywood- Veteran bezeichnet (!) – mehr Kinohits, als es reiner Menschenverstand erlauben dürfte. 2005 schließlich erhielt der Actionfilmer dann die überfällige Quittung: "Stealth" wurde zum Flop-Gigant beinahe in "Heaven’s Gate"-Dimension. Cohens Zwangsurlaub scheint allerdings erkenntnisfrei verlaufen zu sein, die dritte Mumie und ihr Drachen- kaisergrabmal enttäuscht selbst geringfügige Erwartungen, funktioniert weder als effektvoll-effektive Achterbahnfahrt wie die beiden Vorläufer, noch als vergnügliche Retro- Monsterrevue mit harmlosen Gruseleinlagen und schaurigen Settings.
Was sich in Sommers' Spektakeln bei aller verspielten Abenteuerwut schon unangenehm bemerkbar machte, nämlich der Verzicht auf ursprüngliche Horrorelemente, also das offenkundig kommerzielle Kalkül, wird bei Cohen noch stärker forciert: Die Mumie selbst ist gar nicht mal mehr eine Mumie, also ein einbalsamierter Körper in ägyptischer Tradition, sondern ein simpel per Hokuspokus erweckter chinesischer Kaiser, der wegen seiner Grausamkeit einst verflucht wurde. Der Film setzt den Trend der ersten Teile, das Monster nur als besseren Aufhänger für eine letztlich an die Indiana Jones-Filme angelehnte Schatzsuche samt actionreicher Hindernisse zu nutzen, weiter fort und funktioniert (bzw. funktioniert eben nicht) nur noch als lautstarkes Effekt- brimborium, das bemüht Situationskomik und One-Liner mit Fantasy- und Abenteuereinlagen vereinbaren möchte.
Doch der Film ist viel zu schablonenhaft, erneut viel zu sehr nach Schema F gestrickt. Wie im letzten "Indiana Jones" kämpfen sich nun Papa Brendan Fraser und Mutter Maria Bello (die zum Rachel Weisz-Ersatz degradiert wurde) mitsamt spätpubertärem Sohnemann durch allerlei rasante Gefahren, doch anders als bei Spielbergs jüngster Franchise- Wiedererweckung sind die Witze hier zu hölzern und kindisch, die Actionszenen zu überladen, erschreckend schlecht getrickst und ideenlos inszeniert (schlechter kann man Verfolgungsjagden nicht schneiden), und die Geschichte viel zu beliebig, abgestanden und uninteressant. Das lieblose und völlig unmotivierte Geschehen wird mit zusammengestückelter Musik von Randy Edelman zugekleistert, und Jet Li als digitale Mumie hat leider überhaupt nichts zu tun (wirklich: überhaupt nichts), während Michelle Yeoh sich dem uninspirierten Type-Casting unterzuordnen und demnach ebenfalls nichts zu tun hat. Zuletzt liefern sich die beiden dann übrigens auch noch einen unwürdigen Schwertkampf – wahrlich bemerkenswert, wie man zwei der größten Kung-Fu-Stars so ungeniert verheizen kann.
Dezember 23, 2006
DVD: CRASH (2004)
"Million Dollar Baby"-Autor Paul Haggis unternimmt in seinem Spielfilmdebüt den Versuch, den mal latenten, mal offensichtlichen Rassismus in Alltags- und Stresssituationen fragmentartig zu verweben, in mehreren Einzelepisoden porträtiert er Menschen in der Metropole Los Angeles, Menschen schwarzer und weißer Hautfarbe, Mexikaner, Chinesen, Puertoricaner, und lässt ihre Schicksale einander tangieren. Korrupte weiße Polizisten, die ihrer rassistischen Gesinnung tagtäglich Luft machen, irakische Ladenbesitzer, die mexikanische Schlosser beschuldigen und angreifen, farbige Regisseure, die sich diskriminieren und beschneiden lassen, Staatsanwälte, Ermittler, Straßenjungs - Haggis beleuchtet all diese Figuren in ihrem ganz persönlichen Lebenselend, um sie am Ende der Erlösung zu übergeben.Der Ansatz mag ambitionierter Natur sein, den immer wiederkehrenden, Titel gebenden Autocrash betrachtet der Film als Metapher für den Crash der Kulturen, wie Menschen verschiedenster ethnischer Herkunft aneinander stoßen, sich verspotten, beschimpfen, mit Vorurteilen begegnen. Autounfälle- oder Überfälle sind bei Haggis ein beständiges Symbol für die entlarvende Äußerung von Rassismus in all seinen Ausprägungen, als Scheingrund für den Hass, als Exempel für dessen unmaskierte Darstellung. Die scheinbar fatalen Differenzen zwischen den Kulturen und Rassen, die sind in "Crash" also eine Anhäufung von Unfällen, doch ohne Polemik möchte der Film seine These nicht formulieren. Tatsächlich betreibt Haggis eine folgenschwere Ursachenforschung, an deren Ende er sich mit belehrenden, überambitionierten Lösungsvorschlägen leider grandios verzettelt.
Denn bei aller Mühe, die sorgfältig entwickelten Stränge in einen Zusammenhang zu bringen, krankt der Film an seinen plump aufbereiteten Ansprachen, die er vor dem Zuschauer hält und ihn dabei einer aufdringlich moralinen Lehrstunde aussetzt. Auf die anfänglich abschreckenden, den automatischen Antirassismus des Publikums herauf- beschwörenden Sequenzen voller Gewalt in Wort und Tat folgen alsbald Zufälle und überkonstruierte Begegnungen der Figuren, die ausschließlich Läuterung und Selbsterkenntnis mit aussöhnender Vergebung koppeln und floskelartige Weisheiten predigen, anstatt den ungemütlichen Weg differenzierter Konfrontation zu gehen. Nicht Ohnmacht, nicht Unlösbarkeit finden hier Erwähnung, sondern vielmehr die bemüht unbemühte Erforschung der Ursachen des Rassismusproblems, die in verkalkuliertem Populismus mündet.
Haggis unterstützt seine Zuschauer eifrig dabei, sich entweder gewissenstark bestätigt zu sehen, oder andernfalls einer lauten Anklage beizuwohnen – ohne seine Gedanken einer tiefgründigen Analyse zu unterziehen. Fraglicherweise ist Rassismus in "Crash" letztlich nur ein Konstrukt aus individuell zusammengesetztem Lebensunmut, sowohl die wohlhabende Anwaltsfrau, die ihre Haushälterin demütigt, als auch der Streifenpolizist, der eine junge Frau sexuell belästigt, enttarnen sich als Opfer ihrer Frustration, ihre privaten Probleme und Unglückszustände machen aus ihnen offenbar die Monster des Alltags, als die sie gezeichnet werden. Diese massiv verkürzte wie simple These scheitert schon an ihrer Blindheit gegenüber der Realität, in dem sie das Problem verharmlost und als vereinfacht lösbar darstellt – schließlich müssen alle Rassisten offenbar nur ein wenig Selbstreflexion durchleben, um ihren Hass als ungerechtfertigt zu erkennen.
Der Crash ist dabei nicht nur Auslöser für dieses ungehemmte Deutlichmachen von blankem Rassismus, sondern Beginn einer Ereigniskette, die gleichsam auch wieder zur befreienden Versöhnung führt (Matt Dillon rettet die zuvor missbrauchte Frau aus den Flammen ihres Autowracks). Die dafür entwickelte Bild- und Motivwahl fällt ähnlich grob aus, erdrückende Ethno-Gesänge stören die sensiblen Momente des Drehbuchs, während die Kamera das Geschehen allzu majestätisch ablichtet. Die emotional überkandidelte Schlussmontage ist mit süßlichen Popsongs unterlegt und verzichtet auch nicht auf visuelle kathartische Effekte, wenn wallendes Feuer und flockiger Schnee als verschmelzende Elemente die Reinigung der Figuren bebildern. Die profane Offensichtlichkeit in Haggis’ Inszenierung ist bedauerlich vor allem für die durchweg brillanten Leistungen seines Ensembles, deren talentierte Schauspieler sich jedoch auf verlorenem Posten befinden.
20% - erschienen bei: filmzentrale