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Juli 18, 2013

Kino: GROWN UPS 2 [Kindsköpfe 2]

Gegenüber den beiden radikal infantilen letzten Filmen mit Adam Sandler schlägt "Kindsköpfe 2" vergleichsweise gemäßigte Töne an. Das macht ihn aber keinesfalls weniger schön, der Verzicht auf allzu schamlose Derbheiten ist eigentlich nicht der Rede wert. Die Fortsetzung vollzieht, was sich in den jüngsten Sandler-Produktionen bereits andeutete: Den Exzess des Sinnlosen so zu begehen, dass nicht einmal mehr versucht werden muss, dabei irgendwelche Konventionen zu wahren. [...]

Oktober 13, 2011

Kino: ABDUCTION

Längst überfällig war sie, die erste Hauptrolle des "Twilight"- Schnuckelchens Taylor Lautner (Team Jacob). Immerhin haben sich seine dortigen Co-Stars außerhalb des Mormonen-Franchises schon mehrfach angestellt, auch im allgemeinen Kinogeschehen mitmischen zu können – Robert Pattinsons Liebesdrama mit den Elefanten lief allerdings unter Erwartung, Kristen Stewarts Nicht-Bella-Filme wollte dann sogar gleich niemand schauen. Fraglich gewiss, ob es Lautner mit seinem maßgeschneiderten Leading-Man-Debüt anders ergehen wird.

"Atemlos – Gefährliche Wahrheit" (so übersetzt man also "Abduction", zu Deutsch: Menschenraub) ist komplett auf den 19-jährigen "Hottie" (O-Ton Presseheft) zugeschnittene Teenie-Action als Lightversion der Bourne-Abenteuer, für schmachtende Fangirls gleichermaßen konzipiert wie für Genre-Softies. Ein hauchdünner Ein-Satz-Plot aus belanglosem McGuffin und banaler Identitätssuche sowie willkürliche Actionszenchen klammern eine im Wesentlichen um Lautners Gesichtsbabyspeck und fleißig antrainierten Sixpack heruminszenierte Körpershow für Pubertierende.

Das ist immerhin aufrichtig, aber noch lange nicht gut. Man kann ein Zielpublikum auch bedienen, ohne gleich auf dessen Schößchen springen und kräftig rumrattern zu müssen. Schon in den ersten Minuten gerät der Film über sich selbst ins Sabbern. Lautner soll offenbar geradewegs seinen Mann stehen (sind die Schwulengerüchte etwa auch zu den Produzenten vorgedrungen?), und deshalb müssen zunächst einmal seine Fähigkeiten exponiert werden. Er setzt sich auf die Motorhaube eines mit Vollgas über die Landstraße düsenden Autos, suhlt sich mit Klassenrivalen im Schlamm oder brummt mit dem Motorbike über den Schulhof. Hot!

Daheim gibt’s noch Nachhilfe im Kickboxen vom Papa (Jason Isaacs, auch bekannt als Lucius Malfoy), und auch Mama Hottie (Maria Bello, die Ärmste) kann ihrem permanent oberkörperfrei oder wahlweise auch lediglich in Unterbüchsen herumlaufenden Sohnemann da nur noch zärtlich über den Kopf wuscheln: Hach, "My boys!". In der ersten halben Stunde von "Abduction" ist die Kamera praktisch festgeklebt an Lautners sexy Akrobatik, es kann gar nicht genug Close-ups geben vom Unterlippen kauenden Sonnyboy und seinen athletischen Geschicken (die natürlich nichtsdestotrotz recht beschränkt bleiben).

Nach der großzügig einfältigen Leistungsdemo beginnt der Film dann kurzzeitig Spaß zu machen. Lautner entdeckt auf einer Website für vermisste Kinder ein Foto von sich, im nächsten Moment bereits sind ihm sowohl CIA (in Form von Alfred Molina) als auch dubiose Profikiller (allen voran Michael Nyqvist, bekannt aus der Millennium-Trilogie) auf den Fersen. Mama und Papa Hottie entpuppen sich als Pflegeeltern und werden sogleich eliminiert, einzig seine Schulflamme (kennt man nicht) und eine zuvor in seinem Leben als Therapeutin getarnte CIA-Mitarbeiterin (Sigourney Weaver!) stehen dem plötzlich identitätslosen Teenie bei.

Kurzzeitig Spaß also deshalb, weil hier gleich eine ganze Garde gern gesehener Filmlieblinge zusammenkommt, die den vorhersehbaren Brei zumindest zeitweilig anschaubar macht. Selbst noch in die zweite oder sogar dritte Reihe verdrängt, muss man für Molina oder Weaver dankbar sein, die ja nicht zuletzt eben wegen weitgehend talentfreier Jungsternchen wie Lautner und dem allgemeinen Jugendwahn Hollywoods im US-Mainstream kaum mehr eine (Haupt-)Rolle spielen dürfen. Dass die Größen hier konsequent verheizt werden, ist natürlich klar, ihre Anwesenheit möchte man dennoch nicht missen.

Hinter dieser Besetzung steckt ja auch selbstredend konzeptionelles Geschick: Durch Lautners Muckis und Teenie-Face dringt zu keiner Sekunde auch nur ein Hauch von schauspielerischer Fähigkeit, und nicht einmal für halbwegs originelle Actionszenen hat es im 35-Millionen-Dollar-Budget gereicht. Da kann auch ein mehr oder weniger routinierter Auftragsfilmer wie John Singleton ("2 Fast 2 Furious") nichts ausrichten, außer sich den Gesetzmäßigkeiten des One-Star-Vehikels zu beugen: möglichst viel Gutes daneben stellen, damit das Schlechte im Mittelpunkt vielleicht auch irgendwie ein bisschen gut sein möge.


30% - (komplette Version) erschienen bei: gamona

August 06, 2008

Kino: MUMMY: TOMB OF THE DRAGON EMPEROR

Nach langjähriger Pause macht Universal wieder Kasse mit ihrem liebsten und ältesten aller phantastischen Urgeschöpfe, der Leiche in Bandagen, der lebenden toten Konserve, der archetypischen Mumie. Nachdem Stephen Sommers den Mythos Ende der 90er Jahre nicht wiederaufleben, sondern für einen wüsten Mix aus Fantasy- und Abenteuer-Zotteligkeiten umdichten ließ, darf nun Rob Cohen den beiden Box- Office-Abräumern einen dritten Erfolg nachschieben.

Dessen Talentfreiheit ließ das Publikum ja erstaunlich lang unberührt, immerhin hatte der Regisseur von "The Fast and the Furious" – der sich selbst übrigens als New Hollywood- Veteran bezeichnet (!) – mehr Kinohits, als es reiner Menschenverstand erlauben dürfte. 2005 schließlich erhielt der Actionfilmer dann die überfällige Quittung: "Stealth" wurde zum Flop-Gigant beinahe in "Heaven’s Gate"-Dimension. Cohens Zwangsurlaub scheint allerdings erkenntnisfrei verlaufen zu sein, die dritte Mumie und ihr Drachen- kaisergrabmal enttäuscht selbst geringfügige Erwartungen, funktioniert weder als effektvoll-effektive Achterbahnfahrt wie die beiden Vorläufer, noch als vergnügliche Retro- Monsterrevue mit harmlosen Gruseleinlagen und schaurigen Settings.

Was sich in Sommers' Spektakeln bei aller verspielten Abenteuerwut schon unangenehm bemerkbar machte, nämlich der Verzicht auf ursprüngliche Horrorelemente, also das offenkundig kommerzielle Kalkül, wird bei Cohen noch stärker forciert: Die Mumie selbst ist gar nicht mal mehr eine Mumie, also ein einbalsamierter Körper in ägyptischer Tradition, sondern ein simpel per Hokuspokus erweckter chinesischer Kaiser, der wegen seiner Grausamkeit einst verflucht wurde. Der Film setzt den Trend der ersten Teile, das Monster nur als besseren Aufhänger für eine letztlich an die Indiana Jones-Filme angelehnte Schatzsuche samt actionreicher Hindernisse zu nutzen, weiter fort und funktioniert (bzw. funktioniert eben nicht) nur noch als lautstarkes Effekt- brimborium, das bemüht Situationskomik und One-Liner mit Fantasy- und Abenteuereinlagen vereinbaren möchte.

Doch der Film ist viel zu schablonenhaft, erneut viel zu sehr nach Schema F gestrickt. Wie im letzten "Indiana Jones" kämpfen sich nun Papa Brendan Fraser und Mutter Maria Bello (die zum Rachel Weisz-Ersatz degradiert wurde) mitsamt spätpubertärem Sohnemann durch allerlei rasante Gefahren, doch anders als bei Spielbergs jüngster Franchise- Wiedererweckung sind die Witze hier zu hölzern und kindisch, die Actionszenen zu überladen, erschreckend schlecht getrickst und ideenlos inszeniert (schlechter kann man Verfolgungsjagden nicht schneiden), und die Geschichte viel zu beliebig, abgestanden und uninteressant. Das lieblose und völlig unmotivierte Geschehen wird mit zusammengestückelter Musik von Randy Edelman zugekleistert, und Jet Li als digitale Mumie hat leider überhaupt nichts zu tun (wirklich: überhaupt nichts), während Michelle Yeoh sich dem uninspirierten Type-Casting unterzuordnen und demnach ebenfalls nichts zu tun hat. Zuletzt liefern sich die beiden dann übrigens auch noch einen unwürdigen Schwertkampf – wahrlich bemerkenswert, wie man zwei der größten Kung-Fu-Stars so ungeniert verheizen kann.


30% - erschienen bei: DAS MANIFEST

August 05, 2006

Kino: WORLD TRADE CENTER

Regisseur Oliver Stone ist immer dann in seinem Element, wenn es um die Auslotung der Extreme geht. Mal rechnet er kompromisslos mit Good Old America ab, dann wiederum suhlt er sich auch gern einmal ganz tief im Bottich patriotisch- christlicher Verlogenheit. So ansehnlich und mitunter eindrucksvoll ihm das auch bislang immer gelingen mochte, nie positionierte er sein Statement so unpassend und ärgerlich wie in "World Trade Center", der Verfilmung des wahren Schicksals zweier New Yorker Polizisten, die in den Trümmern von Asche und Staub versinken.

Mag der Beginn, Polizei-Papi Nic Cage (ganz der "Family Man") als John McLoughlin macht sich in der Frühe auf den Weg zur Arbeit, die Stadt erwacht langsam, der Verkehr beginnt - die alltäglichen Szenerien eben - noch vermuten, einen dezenten, perspektivisch nicht völlig gewöhnlichen Film zu sehen, wird man schnell eines Besseren belehrt. Wenngleich der Anschlag nur kaum mit zusätzlichen Effekten versehen wird (alles andere wäre ohnehin inakzeptabel) und sich auch die voyeuristische Befriedigung in Grenzen hält, bedient sich Stone dennoch einer vollkommen unpassenden, populistischen Einzelschicksalsromantik. Die Regeln des Story Tellings sind in diesem Genre zwar bewusst dahingehend angelegt, eine oder mehrere Figuren in den Mittelpunkt zu rücken, um das Geschehen greifbar zu machen, im Falle des realen und vor allem zeitlich noch so nahen Anschlags vom 11. September 2001 ist dies allerdings ein Trugschluss. Jegliches Drama, das Stone fokussiert, wenn er ab dem zweiten Drittel die Geschichte von lediglich zwei Menschen erzählt, kulminiert im Leerlauf und lässt sich eben nicht in festgefahrene Genremuster pressen.


Er inszeniert die Geschichte als Parallelstrang (Wechsel zwischen Verschütteten und unwissenden Hinterbliebenen) mit simpelster Dramaturgie, jedem nur erdenklichen Klischee und plattesten Dialogen. Die völlig verfehlte Idee, das Ausmaß des Ganzen, die Tragik und Sinnlosigkeit des Anschlags, ergreifend festzuhalten, möchte zu keinem Zeitpunkt gelingen. Stattdessen entwickelt sich "World Trade Center" vielmehr zu einem formal völlig austauschbaren Katastrophenfilm - das Todesurteil für diese unbemühte Darstellung des großen amerikanischen Traumas. Wie kann Stone ernsthaft geglaubt haben, eine Wirklichkeit, dramatischer, beklemmender und schockierender als ein Film je sein könnte, auf Zelluloid festhalten zu können. Wenn er die große Geschichte der Feuerwehrmänner, Polizisten und anderer Helfer hätte erzählen wollen, wäre eine Dokumentation glaubwürdiger, nicht zuletzt womöglich wesentlich eindringlicher gewesen. Seine verklärte und wenig subtile Helden- und Passionsdudelei ist höchstens unfreiwillig komisch, schrecklich langweilig und absolut nichts sagend. Und das sollte ein Film diesen Sujets wohl in der Tat nicht sein.


Dass Stone den Zuschauer mit seinen künstlichen Unfug plappernden Hauptdarstellern und den sorgenvollen Ehefrauen, deren Charakterisierung ungefähr auf der Niveauebene eines Modekatalogs angelegt ist, komplett kalt lässt, ist die eine Sache. Seine fragwürdigen politischen Tendenzen jedoch überspannen den Bogen des Films. Die Kraft zu Leben, so das Produkt seiner penetranten Implikationen, kann nur aus Gottes Quelle geschöpft werden: Der gute Christ siegt zwangsläufig über den bösen Muslim. Spätestens wenn dem malträtierten Nicolas Cage im Delirium Mineralwasser-Jesus persönlich erscheint, stellt sich die erwartete, völlig berechtigte Frage nach der Notwendigkeit eines solchen Films. Wer braucht so etwas? Stone gibt eine deutliche Antwort: Niemand.


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