März 14, 2013
Kino: HITCHCOCK
Oktober 28, 2010
Kino: RED
Punkt sechs Uhr morgens klingelt der Wecker. Dann steht Frank Moses (Willis) auf, macht ein paar Liegestützen, genießt sein Frühstück und telefoniert mit seinem unbekannten Schwarm Sarah (Mary-Louise Parker). Dann liest er Kitschromane, die so Titel tragen wie "Love's Savage Secret". Auf seine alten Tage führt der einstige Top-Agent der CIA also ein geregeltes Leben im Vorort, das durch nichts aus der Ruhe zu bringen ist. Zumindest so lange nicht, bis sein Haus eines Abends von Profikillern in Schutt und Asche gelegt wird, die es wohl aus unerklärlichen Gründen auf sein harmonisches Leben im Ruhestand abgesehen haben.
Weil Frank berechtigterweise davon ausgeht, dass auch seine Telefonflamme Sarah in Gefahr ist, kidnappt er sie zu ihrem eigenen Schutz und wendet sich an seine ehemaligen Kollegen Joe (Freeman), Marvin (Malkovich) und schließlich Victoria (Mirren). Gemeinsam macht sich die Ex-Agentenmeute auf den Weg, um einen alten Auftrag zu vollenden – sie wollen den Noch-Vizepräsidenten töten, ehe er ins Weiße Haus einzieht. Dafür müssen sie allerdings gegen William Cooper (Karl Urban) und somit ihren einstigen Arbeitgeber vorgehen: Die CIA.
Mit der Comicvorlage von Warren Ellis hat "RED" nur noch wenig gemein, Hollywood hat den Stoff nun deutlich massenkompatibler als familienfreundlichen Actionspaß fürs Kino adaptiert. Der Stuttgarter Regisseur Robert Schwentke zeigt sich allerdings ambitioniert in der Umsetzung: Nach seinem mitteldoofen "Flightplan" und dem megadoofen "Die Frau des Zeitreisenden" ist "RED" ein unauffällig, aber im besten Sinne solide inszenierter Ensemble-Spaß nach Baukastenprinzip. Der Film geht kein Risiko ein und macht demnach nicht viel falsch. Reines Unterhaltungskino auf gutem Niveau.
Die Besetzung ist Trumpf. John Malkovich als unberechenbarer CIA-Veteran? Gekauft. Helen Mirren mit fetter Knarre auf Zack? Wurde auch mal Zeit. Und dazu Auftritte von Hollywoodlegende Ernest Borgnine (93 Jahre alt!) oder Richard Dreyfuss in einer amüsanten Nebenrolle – das funktioniert einfach. Auf seine gut aufgelegten Stars kann sich „RED“ zu jeder Zeit verlassen, sie haben und machen Spaß, selbst wenn das Drehbuch es nicht immer gut mit ihnen meint. Morgan Freeman beispielsweise wird irgendwann einfach aus der Handlung gekickt, und das nicht sonderlich würdevoll. Nun ja.
Die Actionszenen hat Schwentke – bzw. das Second-Unit-Team, so genau weiß man das ja heutzutage nicht mehr – erstaunlich gut im Griff, zumal der Film ein ausgeglichenes Maß findet zwischen klassischen Shoot-Outs und ironisch untersetztem Actionquatsch, der irgendwie ziemlich drüber geht. Probleme ergeben sich da eher zwischen den Rambazamba-Momenten, in denen mitunter viel zu ausgedehnt geschwätzige Dialoge den Film einiges an Tempo kosten. Zwar setzt "RED" offenbar bewusst auf ein gemächlicheres Timing, aber auch einer Komödie über in die Jahre gekommene CIA-Rentner kann etwas inszenatorischer Drive nicht schaden.
"RED" ist unterm Strich deshalb ein Film der verschenkten Möglichkeiten. Ihm fehlen wirkliche Höhepunkte und denkwürdige Momente, vielleicht auch ein ganz besonderer Besetzungscoup im sonst wunderbar launigen Cast, jemand vielleicht, den man überraschenderweise tatsächlich aus dem (Schauspiel)Ruhestand geholt hätte (Gene Hackman?). Somit bleiben die vielen Nettigkeiten des Films letztlich auch nur solche: Nettigkeiten. In der Geschichte schlummert mehr Potenzial als eine gediegene Action-Comedy. Und dass hier in jeder Hinsicht mehr möglich gewesen wäre, bestätigt dann spätestens das etwas schnarchige Finale.
50% - erschienen bei: gamona
Oktober 14, 2010
Zuletzt gesehen: LEGEND OF THE GUARDIANS
20%
Dezember 10, 2008
Kino: INKHEART
Die Fähigkeit, literarische Gestalten aus ihrem Buchseiten- kontext in die Wirklichkeit überführen zu können, bildet die Grundidee der noch recht jungen Erfolgsromane "Tintenherz", "Tintenblut" und "Tintentod", die Cornelia Funke mit ihrem Mix aus Abenteuer-, Fantasy- und Coming-of-Age-Geschichte zu einer gefragten internationalen Autorin machten. Im Kino allerdings ist der Stoff schwer vom Verfall seiner Magie bedroht: Was in der Vorlage frisch und originell wirken mag, erscheint als Filmadaption nur wie der müde Versuch des Studios, an den Kinokassen jene weihnachtliche Leerstelle zu füllen, die "Herr der Ringe" und "Harry Potter" hinterlassen haben.Mo Folchart (Brendan Fraser) ist seit Jahren auf der Suche nach einer Ausgabe des Buches "Tintenherz", das ihm vor langer Zeit eine besondere Fähigkeit offenbarte: Wenn er aus Büchern vorliest, ist Mo in der Lage, Figuren oder Situationen daraus in die Realität zu übertragen. An einem gemütlichen Winterabend führte das einst zum schicksalhaften Verlust seiner Frau, die in dem Roman verschwand - denn: was einem Buch entsteigt, muss ersetzt werden. Etwas wird herauskatapultiert, etwas anderes hineingezogen.
Gemeinsam mit seiner zwölfjährigen Tochter Meggie (Eliza Bennett) stößt er in einem Antiquariat schließlich auf "Tintenherz". Doch ehe er sich versieht, befindet er sich mittendrin im Kampf gegen Capricorn (Andy Serkis), dem nunmehr in der wirklichen Welt angekommenen Schurken des Romans, der seine Weltherrschaftsfantasien in der Realität munter weiterspinnt. Da kommt ihm Mo gerade recht mit seinen Fähigkeiten, kann dieser ihm doch allerlei Wünsche erfüllen, wenn er sie nur vorliest.
So purzeln dann die Goldtaler aus "1001 Nacht" vom Himmel oder fegt der Wirbelsturm aus dem "Zauberer von Oz" übers Land - und bleibt Mo nur mit Hilfe der mürrischen Tante Elinor (Helen Mirren) und des Gauklers Staubfänger (Paul Bettany), der zurück in die Welt des Romans gelangen möchte, die Chance, dem Schrecken Capricorns ein Ende zu setzen.
Zwar bietet die Geschichte Gelegenheit für einige amüsante Reflexionen über das Erzählen, so zum Beispiel der fiktive Autor des Buch-im-Films "Tintenherz" auf seine selbst kreierten Figuren stößt, aber streng genommen ist die Idee doch merklich altbacken: Michael Ende hat das mehr oder weniger gleiche Thema zum Beispiel in der "Unendlichen Geschichte" verhandelt, und selbst bis ins Mainstream-Kino Arnold Schwarzeneggers war der postmoderne Stoff sehr ähnlich mit "Last Action Hero" schon durchgedrungen.
Überhaupt erscheint "Tintenherz" in seiner Filmform nun ein wenig merkwürdig, denn der Appell ans Lesen, den Funke mit der Geschichte um die Erschaffung magischer Welten durch die reine Fantasie des Verstandes im Sinn gehabt haben mag, geht im Kino selbstredend verloren. Vor allem aber offenbart sie nun in komprimierter und filmische Konventionen befol- gender Form ihre eigentlichen Schwierigkeiten mit einer inneren Logik.
So ist es schon ein klein wenig wunderlich, dass die Helden des Films oftmals rätseln, wie sie sich aus bestimmten Situationen befreien oder überhaupt dem ganzen Schlamassel ein Ende bereiten können. Dabei braucht es doch nur, wie das einfallslose Finale zeigt, einen Stift zur Lösung: Denn alles, was Mo und seine Tochter, die beide mit der ‚Silberzunge' gesegnet sind, vorlesen, erfüllt sich bekanntlich - da hätte es sich doch angeboten, den ein oder anderen aufgeschriebenen Wunsch, dieses und jenes passende Buchzitat vorzulesen. Nicht?
Und an der sich selbst ad absurdum führenden Plot- Konzeption liegt es nicht allein, dass aus "Tintenherz" bis auf wenige Momente ein höchst langweiliger und liebloser Fantasy-Popanz wurde. Zäh inszeniert und unschön ausgestattet, entwickelt der Film zu keiner Zeit ein wirkliches Gespür fürs Phantastische. Es fällt der Adaption sichtlich schwer, die von Funke in der Vorlage beschworene Magie der aus Büchern hervortretenden Märchenwesen und Begebenheiten abgespeckt zu bebildern. Eher wird das, was auf dem Papier noch funktionieren mag, ohne Regieeinfälle oder originelle Effekte umgesetzt.
Selbst die Besetzung kann nicht gegen die sinnfällige Geschichte und ihre braven Bilder anspielen. Dass Brendan Fraser sogar die ursprüngliche Inspiration für Funkes Romanfigur gewesen sein soll, ist im Film bestenfalls zu erahnen. Er bleibt unauffällig und scheint ohnehin nur noch den Actionheld-Gang seiner "Mumien"-Filme einlegen zu können. Richtiggehend peinlich hingegen wirkt der Versuch Helen Mirrens, sich nach ihrer disziplinierten Oscar- Performance in "Die Queen" einer exaltierten Spielfreude zu ergeben - ihr Ritt auf einem Einhorn jedenfalls zählt zu den besonders unfreiwilligen Lachern in "Tintenherz".
Die an und für sich schöne Idee bleibt ungenutzt: Im Film verliert sie jede Plausibilität, während die Geschichte keinen Stolperstein auslässt. Da hätte es einen Regisseur benötigt, der den Stoff zumindest visuell verarbeiten kann. So enttäuscht "Tintenherz" als neues weihnachtliches Fantasy- Highlight ebenso wie "Der Goldene Kompass" im letzten Jahr. Da wünscht man sich wirklich, Brendan Fraser würde als Mo mal etwas Tolkien vorlesen - dann könnte Andy Serkis auch wieder den Gollum geben. Und es wäre um die winterliche Kino-Fantasy wieder deutlich besser bestellt.