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Oktober 29, 2012

Kino: SKYFALL

50 Jahre alt wird die langlebigste Kinoserie der Filmgeschichte – und gleich in den ersten Minuten von "Skyfall" stürzt James Bond 007 versehentlich von einer Kugel getroffen in die Tiefe. Natürlich überlebt unser Held, doch die Schuld lastet schwer auf M alias Judi Dench. Sie gab den Schießbefehl, und sie ist auch das Primärziel eines rachsüchtigen ehemaligen MI6-Agenten, dessen Attentatspläne der angeschlagene Bond vereiteln muss. [...]

November 03, 2008

Kino: QUANTUM OF SOLACE

Nachdem die Bond-Serie in "Casino Royale" vor zwei Jahren zum Ursprung zurückkehrte und den Agenten im Geheimdienst seiner Majestät quasi neu zu erfunden versuchte, killt und fährt und rennt James Bond in seinem 22. Kinoeinsatz weiterhin unaufhörlich seiner Selbstfindung entgegen. Die neue Produzenten-Richtung des letzten Films wurde ja entsprechend gewürdigt, der Vorgänger war ein Kritiker- und Publikumserfolg, nüchtern gesprochen, und Daniel Craig erwies sich nach vorschnellen Unkenrufen als perfekter Bond- Darsteller mit harter Schale und weichem Kern.

Das erste 007-Sequel überhaupt, also tatsächlich der erste Film der langlebigen Serie, der unmittelbar und ganz konkret an seinen Vorgänger anknüpft, ist nun leider doch eine Enttäuschung: Gemessen an "Casino Royale", der heraus- ragenden Neuinterpretation des Mythos, wirkt "Quantum of Solace" nur wie ein Quantum schalen Nachgeschmacks – das aber hingegen auf hohem Niveau. Immerhin.

Die Geschichte setzt fort, was der erste Craig-Film zu erzählen begann: Nach dem tragischen Tod von Vesper Lynd, jener Frau, in die James Bond sich erst verliebte und dann von ihr betrogen wurde, ist der Geheimagent auf der Suche nach Antworten. Von Mr. White (Jesper Christensen) erhoffen sich er und seine Vorgesetzte M (Judi Dench) zu erfahren, wer genau hinter der Organisation steckt, die Vesper erpresst hat. Durch einen Verrat innerhalb des MI6 gelingt White jedoch noch während des Verhörs die Flucht. Über den Maulwurf in den eigenen Reihen gelangt Bond nach Haiti, wo er durch die schöne Camille (Olga Kurylenko) direkt zu Dominic Greene (Mathieu Amalric), einem mysteriösen Geschäftsmann, geführt wird.

Greene scheint nicht nur die treibende Kraft hinter der zwielichtigen Organisation zu sein, sondern verfügt auch über Kontakte zu verschiedenen Regierungen, die ihm bei seinem Komplott behilflich sind. Da Bond seine Ermittlungen gegen "Quantum" jedoch längst zu einem persönlichen Racheplan erklärt hat, wird er von M außer Gefecht gesetzt – und führt seinen Feldzug im Alleingang durch.

Der bislang kürzeste Bond-Film setzt den längsten fort: "Quantum of Solace" ist in gewisser Hinsicht also der kompromisslose "Casino Royale"-Nachschlag, eine Art Action- Epilog zur Romanze zwischen Bond und Lynd. Dieses Konzept ist zwar folgerichtig, wird aber nicht ausreichend umgesetzt: Denn die Emotionalität, die der Vorgänger so herausstellte, hätte hier noch – wenn auch in anderer, verschlüsselter Form – wesentlich stärker zum Tragen kommen müssen.

Schließlich funktioniert der gesamte Plot eines gebrochenen, von Rache angetriebenen Bonds nur über den emotionalen Unterbau, ähnlich wie in "Licence To Kill". Deshalb erschien es im Vorfeld auch sinnvoll, dass Marc Forster für die Regie verpflichtet wurde, immerhin hat sich dieser bislang durch gefühlvolle, wenn nicht gar sentimental verkitschte Filme wie "Monster’s Ball" bewährt.

Doch für nachdenkliche Zwischentöne hat der neue 007-Film nur wenig übrig. Auch auf den Sex mit dem Bond-Girl verzichtet er. Und selbst für den berühmten Vorstellungs- spruch bleibt keine Zeit. Momente wie in "Casino Royale", wo Bond in einer Dusche zusammensackt, wo sich also ein gewisser Tiefgang in die sonst so ironische und spektakuläre Serie einschlich, gibt es in "Quantum of Solace" fast keine. Und deshalb fällt es auch schwer, dem Geheimagenten auf seiner doch so persönlich motivierten Jagd zu folgen, wenn der Film den Zuschauer eigentlich völlig außen vor lässt.

Prinzipiell ist das neue Bond-Abenteuer eine einzige lange Actionhatz, die nur von vorübergehenden Verschnaufpausen unterbrochen wird. An mehr Drehorten als in keinem anderen Film der Reihe zuvor wird sich viel verfolgt, gefasst und getötet, gibt es allerlei Autocrashs und Faustkämpfe, ja, im Finale muss sich Bond sogar gegen seinen Axt schwingenden Gegner zur Wehr setzen. Leider erinnern die physischen Kraftakte des Helden 007 dabei, ähnlich wie schon ansatzweise im Vorgänger, verstärkt an die Rückkehr der körperlichen Kinoaction durch die Jason Bourne-Serie. Die von Bond inspirierten Filme inspirieren also Bond!

Die Actionszenen in "Quantum of Solace" beziehen sich dabei ziemlich genau auf "Das Bourne Ultimatum", wenn 007 seine Gegenspieler über Dächer verfolgt oder sich intensive Zweikämpfe mit Alltagsgegenständen liefert. Was beim offensichtlichen Vorbild bzw. Einfluss jedoch Genremaßstäbe gesetzt hat, wirkt hier eher abgespeckt und etwas müde. Bis auf einen fulminanten Kampf kopfüber an Seilen zu Beginn, fehlen im neuen Bond-Film ganz einfach prägnante Action-Einlagen und Stunts, die man nicht schon woanders besser gesehen hat. Insbesondere innerhalb der eigenen Serie.

Vermutlich war die Wahl des Regisseurs einfach nicht die günstigste: Forster scheint die Füllszenen möglichst sinnvoll um die vom 2nd Unit Director Dan Bradley inszenierten Actionszenen platzieren zu wollen, was den Einruck einer indifferenten Gesamtinszenierung aber nur noch verstärkt. Der Teil des Films mit dem besten Set-Piece, dem Opernhaus in Bregenz, bildet hier vielleicht noch den spektakulärsten und vor allem homogensten Moment: Unter den Hunderten Opernbesuchern der "Tosca" entlarvt Bond hinter der Bühne ein geheimes Meeting der Greene-Komplizen, was ähnlich spannend und clever in Szene gesetzt ist wie das grandiose Pokerspiel in "Casino Royale".

Solch starke Episoden gelingen dem Film immer mal wieder. Und "Quantum of Solace" hat gewiss seine Stärken: Der Score von David Arnold beispielsweise ist druckvoll und erneut weniger elektronisch als seine Arbeiten für die Brosnan-Bonds, und der Titelsong harmoniert wunderbar mit der elegant animierten Vorspannsequenz. Das alles mildert zweifellos die Enttäuschung darüber, dass einer der herausragenden Bonds eine ganz und gar nicht herausragende Fortsetzung spendiert bekommen hat.

Wenn kurioserweise am Schluss die Gun Barrel-Sequenz den Abspann einleitet, ist man fast verwundert, noch schnell etwas so Bond-Ikonisches in einem sonst so auffällig untypischen Bond-Film zu sehen. Aber die neue Linie, sie ist auch weiterhin richtig, trotz aller Schwächen, die "Quantum of Solace" mit sich bringt. Es ist erst der zweite Film des 007-Neubeginns – so gebe man dem MI6-Agenten also ruhig noch etwas Zeit, weniger Jason Bourne und mehr James Bond zu sein.


50% - erschienen bei: gamona

Oktober 14, 2008

News: ANOTHER WAY TO DIE - Musikvideo



Großartiger Song, großartiges Video. Keine Ahnung, was die alle haben!

September 25, 2008

News: QUANTUM OF SOLACE - Poster + TV-Spot

Vorfreude steigt und steigt und steigt...



Juni 30, 2008

Juni 27, 2008

News: QUANTUM OF SOLACE - Trailer-Sneak

Am Montag erscheint der Trailer zum neuen Bond. Erste bewegte Bilder gibt es aber auch schon hier zu sehen:

---> klick <---

Juni 13, 2008

News: QUANTUM OF SOLACE - Deutscher Titel

Sony hat den deutschen Bond-Titel bekannt gegeben: "Ein Quantum Trost". Klingt erst einmal seltsam, finde ich. Warum nicht "Ein Quentchen Trost"? Hier die offizielle Presse- mitteilung:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

der deutsche Titel des 22. Bond-Films steht nun fest:

EIN QUANTUM TROST

Sein Name ist Bond, James Bond. Der berühmteste Geheimagent der Welt kehrt zurück - erneut in der Gestalt von Daniel Craig. Nach seinem furiosen Debüt als 007 in "Casino Royale", dem erfolgreichsten Bond-Film aller Zeiten, tritt er nun zu seiner neuesten Mission an. Die Regie hat diesmal der deutsch-stämmige Marc Forster ("Monster's Ball", "Wenn Träume fliegen lernen") übernommen. Als Produzenten fungieren Barbara Broccoli und Michael G. Wilson. Wie schon bei "Casino Royale" schrieben Neal Purvis und Robert Wade zusammen mit dem Oscar®-nominierten Autor Paul Haggis ("Million Dollar Baby", "L.A. Crash") das Drehbuch. An der Seite von Daniel Craig agiert der renommierte französische Schauspieler Mathieu Amalric als Bonds Gegenspieler sowie die ukrainische Schauspielerin Olga Kurylenko in der weiblichen Hauptrolle. Judi Dench als "M", Jeffrey Wright als "Felix Leiter" und Giancarlo Giannini als "Rene Mathis" greifen ihre Rollen aus "Casino Royale" wieder auf. Gemma Arterton wird die Rolle der MI6-Agentin Fields übernehmen.


Kinostart: 6. November 2008

Februar 07, 2008

News: QUANTUM OF SOLACE - Poster

Alle Infos zum neuen Bond "Quantum of Solace" (vom Überbleibseltopf an noch verfügbaren Namen sicherlich der beste) poste ich ja nicht, das überlasse ich meinem Equlibrium-Kollegen Cleric. Aber am ersten Teaser-Poster kommt man natürlich nicht vorbei. Marc Forsters Film wird die deutschen Lichtspielhäuser am 06. November erreichen. Nach dem überragenden "Casino Royale" kann es eigentlich nur etwas schwächer werden.

November 24, 2006

Kino: CASINO ROYALE

Er hat es nicht leicht gehabt, dieser neue Bond. Weil Daniel Craig ("The Jacket") am Drehset mit Schwimmweste gesehen wurde, betitelte ihn die Presse als Weichei, und weil er Gerüchten zufolge im ersten Anlauf Probleme mit der Gangschaltung seines Sportwagens gehabt haben soll, verspielte er vorschnell auch die restlichen Sympathiepunkte – ist der gefürchtete Spion etwa kein ganzer Mann? Die ersten Ausschnitte behaupteten schon so deutlich das Gegenteil, dass die Kritik kaum mehr hinterherkam, jegliche Zweifel zu revidieren: Craig belehrte sie eines besseren, und seine Interpretation von Ian Flemings Figur mit der Lizenz zum Töten ist an Charme, Eleganz und – das ist überraschend – stringenter Härte kaum zu überbieten: "Casino Royale" lässt die 90er-Jahre-Abenteuer von Pierce Brosnan schnell vergessen und knüpft in seinen stärksten Momenten problemlos an die Hochzeit der Filmserie an.

Basierend auf dem ersten Roman vom Agenten im Geheimdienst ihrer Majestät, inszeniert Regisseur Martin Campbell, nachdem sein Bond-Einstieg mit "GoldenEye" etwas holprig verlief, den Film als konsequente Neudichtung. Die in verrauschtem schwarz-weiß gehaltene pre-credit-Sequenz betont das Vergangene, die Geburtsstunde des Helden verläuft erstaunlich unspektakulär, aber mit umso mehr Stil und Raffinesse. Der darauf folgende Vorspann ist dann schon bereits das zweite große Highlight, getreu dem Motto fliegen hier die comichaft animierten Karten durchs Casino, während der kraftvolle Titelsong "You know my name" von Chris Cornell ertönt, der schon jetzt zu den besten Bond-Songs gehören dürfte – und Madonnas Totalausfall "Die Another Day" fast vergessen lässt.

Nein, die Zweifel waren nicht unberechtigt, sie waren anmaßend. Diese physische Präsenz von Craigs Bond hat etwas unmenschlich-menschliches, seine strahlend blauen Augen drängen sich so penetrant auf, dass man eigentlich wegschauen möchte, aber gleichzeitig nicht verbergen kann, welch enorme Ausstrahlung doch von ihnen ausgeht, und der athletische, gestählte Körper kämpft und schlägt sich durch Betonwände, hängt an riesigen Kränen und Lastwägen, dass die Luft wegzubleiben droht. Gleichzeitig schafft es der Schauspieler aber auch, seiner Figur emotionalen Ausdruck zu geben, mitunter strahlt Bond hier so viel Bedürftigkeit und Sensibilität aus, dass die Frauen reihenweise ihre Herzen auszuschütten bereit sein dürften.

Unter ihnen Vesper Lynd, das Bond-Girl in "Casino Royale". Sie, gespielt von Eva Green ("The Dreamers"), beherrscht all die verführerischen Blicke, die scheinbar berechnende Anziehungskraft und die kluge Eloquenz, mit der auch ihre Vorgängerinnen ausgestattet waren. Doch bringt sie noch andere Eigenschaften mit, die ungleich wenige vor ihr auszeichneten. Lynd ist nicht nur eine emanzipierte Schönheit, sondern ebenso eine zerbrechliche Frau, die nicht leichtfertig von einer zur nächsten Minute Morde vergessen kann, die hinter ihrer Fassade eine zerbrechliche, unsichere Seele zu verbergen sucht. Das Drehbuch nutzt diese Charakteristika jedoch nicht für das plakative Heldentum seines Agenten aus, der wie einst im selben Moment seine Gegner ausschaltete, in dem er auch mit hübschen Frauen unter der Bettdecke verschwand, sondern verwendet diese sorgfältige Zeichnung, um auch James Bond eine glaubhafte Tiefe zu verleihen, die unweigerlich an George Lazenbys Verkörperung der Rolle im unterschätzten "On Her Majesty's Secret Service" erinnert.

Die Gemeinsamkeiten der beiden Berufsspione liegen weniger in Banalitäten wie Skrupellosigkeit oder besonderer Härte im Durchsetzen der Aufgaben ihrer Legitimierenden MI 6-Chefin M (Judi Dench), sondern in deren Herkunft als Waisenkinder. Ihnen fehlt in dieser kaltherzigen Welt, in der sie Terroristen und Drogendealer jagen, Zuneigung und Nähe, weil sie nichts anderes gewohnt sind. Sie ergänzen sich auf Augenhöhe, und der Film lässt sich – vielleicht zur Enttäuschung einiger Action verwöhnter Zuschauer – angenehm viel Zeit für diese Herausarbeitung, die natürlich nur ein dramatisches Ende nehmen kann. Die außerordentliche Härte, mit der Craigs Bond zur Sache geht, ist kein Widerspruch zur geschilderten Einfühlsamkeit dieser Figur, sondern Ausdruck einer mehrdimensional entwickelten Neuinterpretation des Mythos.

Wer nun befürchtet, dass "Casino Royale" nicht dennoch mit knallharter Action aufwarten würde, der wird gleich nach rund 20 Minuten mit einer spektakulären Verfolgungsjagd verwöhnt. Dabei müssen nicht Häuser oder Autos in die Luft fliegen, sind keine übertriebenen Effektszenarien vonnöten, es sind präzise Stunts und ein herausragender Schnitt, die diese Sequenz zum atemberaubenden, beinahe vorzeitigen Showdown machen. Wenn Bond seinen Gegner dann einfach erschießt, anstatt ihn getreu der Anweisung lebend festzunehmen, ist das nur ein weiterer neuer Zug der Figur: Der Mann ist eben nicht unfehlbar, er begeht Fehler, wird von M zurechtgewiesen und muss gezügelt werden. Für die Idealisierung von Mord im vermeintlichen Dienst einer höheren Instanz ist hier kein Platz, für die Egotrips eines selbst verliebten Agenten schon gar nicht.

Die ungeahnten Ambivalenzen in der Struktur des Films schließen auch die Darstellung des Bösewichts darin ein, der hochintelligente Le Chiffre (Mads Mikkelsen, "Adams Äpfel") ist ein ungeheuerlich gerissener, kaltblütiger Terroristenarm, den man zumeist nur diebisch Pokerspielen sieht. Trotzdem verkörpert Mikkelsen seinen Charakter als bitteren Existentialisten, der sich selbst im Fadenkreuz wesentlich bedrohlicherer Gesellen sehen muss. Sollte er das große Spiel im Casino nicht gewinnen können, werden seine Auftraggeber ihn vermutlich töten. Der eigentliche Höhepunkt des Films ist dann auch keine lautstarke Actionabfolge, sondern ein rund 45minütiger Poker, der ungeheuerlich raffiniert inszeniert ist. Die Spannung entwickelt sich hier aus dem Zusammenspiel von Bond und Le Chiffre, sowie all den feinen Details, die Campbell hier ins Bild setzt.

"Shaken or stirred?" - "Do I look like I give a damn?"


Der 21. Bond ist also tatsächlich anders als die anderen. Er ist weniger die Variation des ewig gleichen, denn ein Agententhriller mit Herz und Seele, der Feinfühligkeit und Härte miteinander vereinbart, kompromisslose Kampfszenen neben emotionale Ruhemomente stellt. Das alles mag ein wenig zu lang geraten sein, aber selbst der großartige Clive Owen ("Children of Men") hätte wohl keine bessere Bond-Figur als Daniel Craig abgegeben. Nach den Dreharbeiten zu "Casino Royale" brannte übrigens die 007-Halle der legendären Pinewood-Studios komplett leer. Unfreiwilliges Zeichen eines reinigenden Neubeginns, ein ziemlich drastisches zwar, aber eines, das vielleicht irgendwie nötig war.

80%

Review erschienen bei: Wicked-Vision.de