Dezember 17, 2006

Das war's: Rückblick 2006 - Die Flop 10

Letzte Woche gab es an gleicher Stelle die Top 10 mit meinen Lieblingsfilmen 2006, da darf nun auch die Kehrseite der Medaille nicht fehlen. Und da waren viele, viele schlechte Filme in diesem Jahr, aber nur folgende haben es in die Spitzenpositionen geschafft.

10. Eragon

Eigentlich hätte es hier "Silent Hill" zu Ehren gebracht, doch dann wurde ich freundlicherweise darauf aufmerksam gemacht, dass es da ja noch diesen komischen Fantasy- Schinken gab, den ich offenbar nur wenige Tage nach Sichtung schon wieder aus meinem Gedächtnis verbannte. Erwartet hatte ich einen mehr oder weniger witzigen Film, der vor allem mit Kreativität, guter Action und schönen Effekten aufwarten würde, doch geboten bekam ich einen komplett uninspirierten, lustlos und ohne jegliche Ideen inszenierten TV-Film, der sich inhaltlich 1:1 bei "Star Wars", formal beim "Herr der Ringe" bedient. Das ist nicht nur unfassbar langatmig, sondern einfach komplett öde.

9. The Lady in the Water

Fürchterlich belehrende, durch und durch triviale Gute-Nacht- Geschichte, die an die Fantasie ihrer Zuschauer appelliert, ohne sie allerdings anregen zu wollen. Noch dazu verfängt sich Shyamalan in christlichen Konnotationen, die die freiwillige Distanz zum Publikum penetrant überschreiten. Die größte Enttäuschung des Jahres.

8. Klick

Eine Komödie mit Adam Sandler, die durchaus lehrreich ist: Zu viel Arbeit zahlt sich nicht aus, die Familie ist das wichtigste Gut des Mannes und Frauen gehören schick und sexy, aber unaufgefordert in die Küche gestellt. Der Film zum Eva Herman-Buch.

7. Pulse

Bemüht sich kläglich, die Essenz der japanischen Vorlage zu amerikanisieren, doch verliert sich leider in formelhaften Spukklischees und Zugeständnissen an das jugendliche Publikum. In endzeitlich-triste Bilder getaucht, versucht der verquaste Film subtilen Grusel gegen orientierungsloses Schnitttempo einzutauschen. Heraus kommt dabei nur ein weiteres unausgegorenes Remake, das niemand wirklich gebraucht hat.

6. Hostel

Nach „Cabin Fever“ hatte ich mir einiges von „Hostel“ versprochen, doch was Eli Roth hier fabriziert, ist schon eine gewisse Frechheit. Nach der noch leidlich amüsanten ersten Hälfte, bei der man ja fast vermuten könnte, hier würden Teenager-Klischees ordentlich verballhornt, bestätigt der latent rassistische Film jegliche Vorbehalte seiner Figuren, indem er die Pimps undifferenziert zu Helden verklärt und sie für ihre Dummheit belohnt. Die intellektuelle Presse ist dem jungen Roth damit reihenweise auf den Leim gegangen, weil sie darin die gutmütig hineinkonstruierte Reflexion auf die Terrorbilder der Gegenwart vermutete. Pustekuchen, die angebrachten Vergleiche mit Craven, Hooper und Romero sind für mich nichts weiter der blanke Hohn!

5. Basic Instinct 2

Frisch gedehnt und überarbeitet verzieht Sharon Stone nach 15 Jahren noch einmal ihre lüsternen Blicke und schwafelt allerlei albernes Zeug. Ihrer mangelnden, vergeblich forcierten Erotik wegen scheitert der Film nur sekundär, in erster Linie ist er grottenschlecht geschrieben und so unfreiwillig komisch, dass niemand noch ernsthaft an ein Comeback der Faltenbraut glauben dürfte.

4. The Omen

Das sicherlich schlechteste Remake seit Gus van Sants „Psycho“, die Lustlosigkeit des ganzen ist kaum steigerbar. Szene für Szene wird das Original aufgesagt, sich fürchterlich ernst genommen und die Kunst der Langeweile fast schon zelebriert. Bleibt nur die Frage, was man mit den vergeudeten Millionen nicht alles hätte Gutes tun können.

3. Rohtenburg

Das war sicherlich der witzigste Film des Jahres, ohne es selbst zu wissen: Was hier an Peinlichkeiten aufgefahren wird, das sucht schon ein wenig seinesgleichen. Komplett unsinnig konstruiert, wirft der Film mit plumpen Motiven und Verweisen um sich, erstickt in wahnsinniger Schwerfälligkeit und unfassbar blöden Dialogen („Hallo. Ich bin dein Fleisch.“), nur um letztlich die Lust an der Exploitation zu erfüllen. Inszeniert auf Vorschulfilmniveau, wird „Rohtenburg“ früher oder später – unfreiwillig natürlich – als Klassiker des absurden Schunds gelten.

2. Running Scared

So doof manch einer der genannten Filme hier auch sein mag, nicht alle sind so ärgerlich wie dieser. Was „Running Scared“, als Taran- tino-Neffe getarnt, an Menschen verachtenden Ausdünsten pro- duziert, das überschreitet die Grenze des Erträglichen bei weitem. Kaum ein Film seiner Art zieht so primitiv und grobschlächtig zu Felde, um seinen Milchbubbis Härte und Gewalt einzuflößen, um dabei reaktionäre Werte – am Ende einer ultrabrutalen Gewaltodyssee, die ihre Blutspritzer konsequent selbst zweckhaft inszeniert, muss der Patriarch bestätigt sein – mit Mord und Totschlag zu legitimieren.

1. World Trade Center

Das ist wohl Oliver Stones künstlerischer Tiefstpunkt, der Film ist eine reine Zumutung, fragwürdig ohne Ende und absolut unnötig. Da wird ein 08/15-Katastrophen- szenario kreiert, das mit seinem Einzelschicksalspopulismus nur dem Zwecke dient, Hass und Wut zu schüren. „World Trade Center“ ist alles andere als unpolitisch, sondern ein deutliches Statement pro Irakkrieg – die guten Christen können sich ihrer Unterstützung durch Jesus (der hier mit Mineralwasserflasche sogar persönlich auftritt!) gewiss sein, die braven Soldaten (heldenhaft aus der Unterperspektive gefilmt) werden diesen Anschlag rächen, während der böse Muslim der unsichtbare Schurke bleiben muss. Das ist nicht einmal ansatzweise differenziert (und somit äußerst rückwärts gerichtet) und zu allem Überdruss auch komplett konservativ, was insbesondere das Frauenbild betrifft. Für mich zwei traurig-dumme Stunden Kino, einfach ärgerlich.


Weitere schlechte, unterdurchschnittliche oder enttäu- schende Filme des Jahres:

"Deutschland - Ein Sommermärchen", "Silent Hill", "Eine unbequeme Wahrheit", "Der Pakt – The Covenant", "Miami Vice", "The Departed", "Bandidas", "Die Chaoscamper", "Unbekannter Anrufer", "Severance", "Eine Hochzeit zu Dritt", "The Sentinel", "The Da Vinci Code"

Kommentare:

  1. psychopaul18/12/06 10:10

    Ach, da bin ich aber froh, von dieser Flop 10 keinen einzigen gesehen zu haben! :)
    (wobei Silent Hill werd ich sicher nachholen und vielleicht wäre die Leinwand sogar Pflicht gewesen, um ihm halbwegs was abgewinnen zu können)

    Miami Vice dagegen wird bei mir unter die Top 10 kommen, hehe.
    Einfach herrlich, diese wunderbar loco-entspannte Stimmung des Films.

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  2. Bis auf Hostel stimme ich deiner Flop 10 Liste (soweit gesehen) zu. Mich wundert nur, dass Ergaon es nach deinem Totalverriss nicht in die Liste geschafft hat.

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  3. @psychopaul:

    "Miami Vice" würde ich auch nicht direkt als "grottenschlecht" oder ähnliches bezeichnen wollen, der fällt eher unter "enttäuschend", da ich mir nach "Collateral" dann doch etwas mehr von Michael Mann versprochen hatte.

    @Jochen:

    Upps, guter Punkt: Der muss tatsächlich rein, habe ich nur total vergessen. Hm, denke mal den werde ich gleich austauschen, also Danke!

    PS: Schöner Blog, kannte ich noch gar nicht. Gleich mal auch verlinkt.

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  4. @ mr. vega

    also "hostel" in den flop10? ne, geht gar nicht, da muss ich mich meinem vor-vor-schreiber anschließen ;-) auch "das mädchen aus dem wasser" (ja, ich bin ein shymalan-fan, gebe es zu) gehört für mich nicht darein. beim rest kann icha ber gut (soweit gesehen) mit dem kopf nicken. "running scared" fand icha uch grässlich.

    da ich regelmäßig die sneak besuche, kriege ich schon viel scheiße ab. bei dem versuch, eine flop10 aufzustellen, musste ich einsehen,d ass ich filme für eine "flop20" hätte.: "mein verschärftes wochenede","little man", "pulse", "the dark", "mord im pfarrhaus", "sehnsucht", "der pakt" etc.

    @ jochen

    ja, in der tat schöner filmblog. kannst Dich auf meinem ja mal umsehen und bei gefallen verlinken wir beide!

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  5. da ich regelmäßig die sneak besuche, kriege ich schon viel scheiße ab. bei dem versuch, eine flop10 aufzustellen, musste ich einsehen,d ass ich filme für eine "flop20" hätte.: "mein verschärftes wochenede","little man", "pulse", "the dark", "mord im pfarrhaus", "sehnsucht", "der pakt" etc.

    Ja, ich habe eigentlich auch ne Menge Scheiß gesehen, hätte locker ebenfalls für eine Top20 gereicht.

    Dass du aber Sachen wie LITTLE MAN gucken musstest (?), das tut mir dann doch schon irgendwie leid *ggg*.

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  6. @ mr. vega

    das macht demütig ;-) deshalb bin ich auch nicht so streng in meinen urteilen...

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  7. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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  8. @ MVV

    Uuups, dass mein kleiner Hinweis gleich zu einer Listenänderung führt, ehrt mich. Danke für die Aufnahme in deine Linkliste! Deinen Blog hab ich bei mir auch schon drin.

    @ Marcus

    Danke. Dein Blog ist ebenfalls klasse. Hab ihn gleich in meine Linkliste aufgenommen.

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  9. @ jochen

    danke, werde Deine seite auch gleich verlinken!

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  10. Ist ja eine richtige Kontaktbörse hier. *ggg*

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  11. Was das? Da fehlen ja noch die absoluten cineastischen Scheißhäuser:

    Bloodrayne
    7 Zwerge- der Wald ist nicht genug
    Saw 3
    TCM-The Beginning
    Das Parfum
    Ich werde immer wissen was du letzten Sommer getan hast
    Deutschland-Ein Sommermärchen
    Apocalypto
    Date Movie

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  12. Stimmt, "Deutschland-Ein Sommermärchen" ist noch hinzugefügt, ansonsten habe ich bis auf Uwe Bolls Ausdunst und den neuen Last Summer-Unsinn (liefen ja beide nicht im Kino) keinen der genannten gesehen. Bei "TCM" habe ich aber noch ein Fünkchen Hoffnung, ich mag den Scheiß einfach zu sehr, wohingegen "Saw III" defintiv Rotz sein wird, das glaube ich dir umstandslos.

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