November 02, 2016
Wie Hollywood-Stars im US-Wahlkampf mitmischen
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Juli 08, 2016
Zum 65. Geburtstag von Anjelica Huston
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Februar 18, 2015
Kino: INTO THE WOODS
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Dezember 17, 2014
Kino: THE HOMESMAN
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Februar 14, 2012
Berlinale 2012: THE IRON LADY
August 23, 2009
Zuletzt gesehen: DEATH BECOMES HER
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Juli 15, 2008
Kino: MAMMA MIA!
Wenn Meryl Streep schon nach wenigen Minuten auf der Bildfläche erscheint, wenn sie da so tanzt, trällert und euphorisch hin und her springt, dann sollte man schon mit Sicherheit wissen, in welchen Film man hier eigentlich hineingeraten ist. Ob man wirklich bereit ist für zwei Stunden voller frivoler, exaltierter, hysterischer Kitschfantastereien, für die "Sex and the City"-Kinofilm kürzlich bestenfalls ein Teaser mit Fußnotenwert bedeuten kann:Basierend auf dem Bühnenerfolgsmusical wird in "Mamma Mia!" mithilfe zahlreicher bekannter ABBA-Songs die Geschichte der 20jährigen Sophie (Amanda Seyfried) erzählt, die mit ihrer Mutter Donna (die aufgebrachte Streep) seit den 70er-Jahren auf einer kleinen griechischen Insel lebt, wo sie gemeinsam eine Taverne betreiben. Anlässlich ihrer Hochzeit hat Sophie den dringlichen Wunsch, endlich auch ihren unbekannten Vater kennen zu lernen. Im Tagebuch ihrer Mutter erfährt sie jedoch, dass dafür gleich drei potentielle Männer in Frage kommen, was sie dazu verleitet, jene alten Freunde ihrer Mutter heimlich zur Feier zu laden – diese hatten zwar alle einmal eine Beziehung mit Donna, seitdem aber keinen Kontakt mehr zu ihr. Als Sam (Pierce Brosnan), Harry (Colin Firth) und Bill (Stellan Skarsgård) schließlich auf der Insel eintreffen, drohen die ohnehin schon turbulenten Hochzeitsvorbereitungen endgültig zum Desaster zu verkommen.
Ebenso absurd wie dieses Geschichtchen ist eigentlich alles in "Mamma Mia!". Der willkürliche Handlungsort garantiert schöne Settings, die nichtigen Probleme der Figuren sichern jenen dynamisch aufgebrachten Tonfall, den die ABBA-Songs auch dringend benötigen, und überhaupt ist all die Bonbon-Konstruktion vor allem dazu dienlich, dem Film ein ansprechend poliertes Parkett für seine Songs bieten zu können. Ganz so eben, wie ein Jukebox-Musical zu sein hat.
Und die Rechnung geht problemlos auf. Phyllida Lloyds Bühnenadaption ist ein großer Spaß, ein bemerkenswert heiteres, buntes und schrilles Vergnügen, das ungehemmt in flauschigen Bilderreigen schwelgt. Da jagt ein ABBA-Hit den nächsten, folgt eine Urlaubskulisse auf die andere – und all der Charme, all die positive Energie dieses Films wirken tatsächlich schwer ansteckend. So ungewohnt es erscheinen mag, Pierce Brosnan oder Colin Firth fröhlich vor sich her singend im Close-Up zu bestaunen, so mutig ist dieses Stelldichein der Hollywoodkollegen auch, die hier mit ekstatischer Spielfreude gegen ihr Image antanzen. Womöglich ist "Mamma Mia!" dabei mit seiner ausgiebigen Ausstattungswut, seinem erschöpfenden Gute-Laune-Tenor und ebenso grotesker wie amüsanter Bilder singender Matrosen und steppender Strandboys die teuerste Verfilmung gebündelter Homo-Fantasien, die es jemals ins Haupt- programm der Multiplexkinos schaffen wird – schon deshalb also ist das irgendwie ein Pflichtfilm.
November 03, 2007
Kino: LIONS FOR LAMBS
Mit "United 93" und "World Trade Center" haben sowohl Paul Greengrass, als auch Oliver Stone bereits kurze Zeit nach den New York-Anschlägen vom 11. September 2001 überaus zwiespältige Filme über den gegenwärtigen Terrorismus inszeniert. Das Thema hat sich für Hollywood jedoch keinesfalls erledigt, erst jetzt rollt die Welle mit politisch motivierten, betont kritischen Produktionen von den Auswirkungen des Septemberterrorismus über den Zuschauer herein. Nach Peter Berg ("The Kingdom") werden in Kürze auch Paul Haggis ("In the Valley of Elah"), Gavin Hood ("Rendition") und Brian De Palma ("Redacted") ihre Auseinandersetzung mit dem ‚Krieg gegen den Terror’ vorstellen. Bezeichnend ist neben der verhältnismäßig kurzen Zeit, die seit der US-Intervention im Jahre 2003 und der ersten Gruppe von kriegsthematischen Filmen verging, auch der Umstand, dass all diese Produktionen in erster Linie in den USA entstehen oder mit amerikanischen Geldern finanziert werden – das eigene Trauma wird somit vor den Augen der Öffentlichkeit verarbeitet. Glücklicherweise gerät Robert Refords "Lions for Lambs" nie in die Versuchung, die komplexen Zusammenhänge einer Dramaturgie der Unterhaltung unterzuordnen. Der fast nur auf Dialoge konzentrierte Film bemüht sich nicht um den Spagat zwischen Entertainment mit Gewissen und brisanter Kriegsbeschauung, deren Gegenwartsbezüge meist doch nur dem bequemen Kinospektakel dienlich sind. Anstatt seine Handlung in Kriegsherde zu verlagern, sucht Redford vielmehr die Krisengebiete des Alltags auf, um Fragen zu stellen. Fragen nicht nach Recht und Unrecht, gut oder böse, richtig oder falsch, sondern Fragen an die Träger der Verantwortung. Und diese sind in "Lions for Lambs" nicht Verteidigungs-, Außen oder Innenminister, nicht Befehlshaber oder Militärs, sondern vor allem die Jugend. Sein Film ist gegliedert in drei Parallelstränge, und lediglich einer davon umfasst einen nächtlichen Militäreinsatz in der afghanischen Wüste. Die anderen beiden finden am Schreibtisch statt: Eine Universitätssprechstunde zwischen Professor (Robert Redford) und Student (Andrew Garfield). Und ein Interview zwischen Journalistin (Meryl Streep) und republikanischem Senator (Tom Cruise). Alle drei Stränge werden unabhängig voneinander erzählt, sind thematisch jedoch alle miteinander verbunden.
"Lions for Lambs" verfolgt hier eine nachvollziehbare Intention. Redford ist als Regisseur und Professorfigur ein glaubwürdiger Wachrüttler, immerhin hat er sich als Initiator des Sundance Filmfestivals auch privat dem Nachwuchs verschrieben. Er inszeniert den Film ohne unnötige Effekte, sehr zurückhaltend im Ton, und vor allem auf die Schauspieler konzentriert. Hier seien besonders die lebendigen Rededuelle zwischen Streep und Cruise genannt, vor allem da letzterer nach einer offensichtlichen Kurskorrektur wieder Co-Stars zu dulden scheint, sich also mit einer Nebenrolle begnügt, die ihm das ermöglicht, was er ohnehin am Besten kann: Das Arschloch spielen. Die Kurzweiligkeit und innere Dynamik des Films erleichtern zudem den Gedankentransport – als Statement, das auch gehört werden möchte, macht "Lions for Lambs" eine überzeugende Figur. Interessanterweise geht er über sein allgemeines Plädoyer, in der heutigen Generation ein Bewusstsein der Teilhabe zu schaffen, nicht hinaus – der Film bleibt bewusst unkonkret darin, wie genau sich das Interesse am politischen und damit immer auch gesellschaftlichen Prozess äußert. Indem er von zwei Soldaten erzählt, die bei einer geheimen Strategie (in deren Kern es darum geht, nach den Misserfolgen im Irak "wenigstens" einen Sieg in Afghanistan erringen zu können) verletzt werden und sich schließlich den Talibanmitgliedern ausgesetzt sehen, zeigt Redford sogar, dass nicht gleich jede Überführung von theoretischem Bewusstsein in praktische Beteiligung richtig sein muss: Beide Soldaten nämlich waren Schüler seiner Figur, bevor sie dem Ratschlag ihres Dozenten, für bestimmte Ideale aktiv einzutreten, mit einem Kriegseinsatz nachkamen, was wiederum auch nicht im Interesse des Professors war.
Dass sich "Lions for Lambs" darüber hinaus etwas zu viel vornimmt, ist angesichts seiner glaubwürdigen moralischen Ambition verzeihlich. Ganz gelingt Redford der Rundumschlag tatsächlich nicht, bezieht er in seinen diskursiven Appell doch auch Fragen nach der Verantwortung der Medien mit ein. Zwar funktioniert Streeps Figur im Kontext einer größeren Auseinandersetzung mit der Verantwortung nicht derer, die – so heißt es im Film – den Brand legen, sondern ihn schließlich löschen müssen, ganz konkret also neben Jugendlichen als die Hoffnungs- und Entscheidungsträger von morgen auch Journalisten, die sich instrumentalisieren lassen. Der Konflikt, den Streep hier austrägt, inwieweit sie als Profitierende eines Exklusivinterviews mit dem Präsidentschaftskandidaten eigentlich Opfer von Propaganda würde, lenkt allerdings ein wenig ab vom eigentlichen Mittelpunkt des Films – gleich wenn das nur für das enorme Potential von "Lions for Lambs" spricht. Vermutlich wird darüber hinaus nicht nur der dezent lehrerhafte Vortragscharakter des Films kritischen Zuschauern zu schaffen machen, sondern auch seine fragliche These, dass es nicht um die eigentlichen verantwortlichen Machträger gehen sollte, sondern all jene, die ihre Verantwortung im Kleinen nicht wahrnehmen – womit den Kriegsführern eine latente Passivität zugeschrieben und Teile der Schuld einem Kollektiv übertragen werden. Das jedoch wäre schon viel weiter gedacht, als es der Film womöglich selbst möchte – genau wie damit wiederum bereits sein eigentliches Anliegen greifen würde.
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