Dezember 28, 2006

Retro: CHRISTMAS IN JULY (1940)

Der Büroangestellte Jimmy MacDonald (Dick Powell) hat nicht viel Glück im Leben – sein Job ist eintönig, sein Gehalt nicht der Rede wert und die Rechnungen allesamt unbezahlt. Doch der Maxford House Coffee Slogan Contest mit einem Höchstpreis von 25 000 US-Dollar könnte die Chance sein, sich von allen Schulden zu befreien. Jimmy glaubt fest an die Gewinnchancen seines Vorschlags, „If you can't sleep at night, it isn't the coffee - it's the bunk!“. Doch nicht nur seine Freundin Betty (Ellen Drew) hält den Slogan für etwas sinnfrei, auch die Arbeitskollegen amüsieren sich über die Naivität Jimmys und spielen ihm einen folgenschweren Streich. Sie fälschen die Gewinnbescheinigung und lösen damit eine unvorhersehbare Aktionskette aus.

Das ist ein ganz und gar typischer Stoff für eine Preston Sturges-Komödie, die Geschichte vom Gewinn und raschen Verlust, vom Geben und Nehmen und Auf- wie Abstieg erfährt durch die Variation eines Mittelstandsarbeiters – für gewöhnlich sind es entweder die ganz armen oder aber die sehr reichen Bürger, von denen der Maestro berichtet –, der sein Glück mit den Bedürftigen dieser Welt teilt, dahingehend eine andere Note, als Jimmy MacDonald sich seiner Prinzipien stets treu bleibt. Er durchlebt eine zweifellos turbulente Zeit, doch ohne die standardisierten Läuterungen ist er zuletzt noch immer der naive, etwas treudoofe Mann von nebenan, der sein plötzliches Glück wohl ebenso wenig begreift wie sein eigentliches Unglück.

"Christmas in July" – das unrechtmäßige Geld des vermeintlichen Gewinns wird für zahlreiche Geschenke verprasst, sodass es den Protagonisten vorkommt, als sei Weihnachten auf den Sommer vorgezogen – ist nach "The Great McGinty" der zweite Film, den Sturges geschrieben und inszeniert hat. Die halsbrecherische Dynamik dieser Satire durchläuft gerade einmal eine volle Stunde Laufzeit und ist fabulöses Exempel für Timing und pointierten Situationswitz des Regisseurs. Mit etwas unüblicher, aber nie strapaziös exerzierter Sentimentalität lässt er gewohnt illustre Figuren, die allesamt von den immer gleichen, liebevoll schrulligen Gesichtern verkörpert werden, abermals den zum Scheitern verurteilten Weg des amerikanischen Traums durchlaufen.

Erstaunlich zum einen, dass Sturges sich trotz beständigen Sujets nie wiederholt (seine Verlierertypen sind mehr als nur bloße Schablonen, die nach Bedarf neu ausgelegt werden), es vor allem aber immer wieder vorzüglich versteht, die entsprechend verzwickten Geschichten befriedigend aufzulösen, ohne Witz und Schärfe an moralische Glasierungen opfern zu müssen. Sein Märchen vom leichtgläubigen Gewinner, der die Wohlhabenden entkleidet und die Bedürftigen beschenkt, entpuppt sich natürlich als durchaus möglich – Bürokratie und Korruption sei Dank, wird aus dem Scherz vorschnell Realität. Und wenn Sturges den Malapropismus schließlich soweit übersteigert, dass MacDonald als der tatsächliche Gewinner des Wettbewerbs hervorgeht, kennt sein flachsender Humor keine Grenzen mehr. „If you can't sleep at night, it isn't the coffee - it's the bunk!“ – sinnlos, unfassbar und absurd? Aber ja doch!


70%

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