Oktober 31, 2013
Zuletzt gesehen: SILENT NIGHT, BLOODY NIGHT [aka. NIGHT OF THE DARK FULL MOON aka. DEATH HOUSE aka. BLUTNACHT - DAS HAUS DES TODES] (1974)
Oktober 30, 2013
TV: Komasaufen - Themenfernsehen & Zeigefingerrhetorik
Laut Destatis nimmt der übermäßige Alkoholkonsum unter Jugendlichen seit Jahren drastisch zu. Für den Fernsehfilm "Komasaufen" scheint dies allerdings noch lange kein Grund, das Thema annähernd komplex zu verhandeln. Bauerntheater im Kolportagestil. [...]
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Oktober 28, 2013
DVD/BD: THE LORDS OF SALEM
Er habe ein kleineres, intimeres Projekt verwirklichen wollen, ließ Rob Zombie nach seinen beiden Neuinterpretationen des "Halloween"-Filmmythos verlauten. Im Gegensatz zur Zusammenarbeit mit den Weinstein-Brüdern wurde ihm für "The Lords of Salem" schließlich erstmals volle künstlerische Freiheit garantiert. Das eigenwillige Hexenhorrormärchen ist sein kostengünstigster und gleichzeitig persönlichster Film, Rob Zombie ungepanscht und unverstellt. [...]
Oktober 25, 2013
Zuletzt gesehen: STRIP SEARCH [DAS VERHÖR] (2004)
Dass Sidney Lumets brisantes Fernsehkammerspiel über "außerordentliche Maßnahmen" zur Terrorbekämpfung im unmittelbaren 9/11-Klima 2004 eine Kontroverse entfache, verwundert kaum. Dass aber die sonst so diskursfreudige TV-Institution HBO genau diese vorschnell selbst abwickelte, indem sie Strip Search von, so heißt es, ursprünglich 120 auf 56 (!) Minuten zurechtstutzte, ohne Ankündigung im Spätprogramm versendete und erst nach Zuschauerprotesten ein einziges Mal wiederholte, verwundert wiederum sehr. In der hierzulande verfügbaren, immerhin 85minütigen Fassung nun lässt sich zumindest nicht so recht nachvollziehen, was eine derartige Zensur zu provozieren vermochte. Zwar kann Lumets Film über zwei in Wort und Bild weitgehend identische, rechtsstaatswidrige Verhörsituationen, die eine indes beim chinesischen, die andere beim US-amerikanischen Geheimdienst, freilich als offensiv empfunden werden, weil er die Terrorbekämpfung des vermeintlich demokratischen mit der des sozialistischen Staates gleichsetzt. Jedoch ist der didaktische Ansatz des Films, trotz seiner konkreten historisch-politischen Einordnung, viel zu artifiziell, um nicht zumindest lediglich als linksliberales Gedankenspiel bedenkenlos zur Ausstrahlung freigegeben werden zu können. Die Vernehmungen jedenfalls, von denen Sidney Lumet während seiner langen Karriere ja nicht wenige inszenierte, sind großartig verdichtet, engagiert gespielt und in der (gewiss grobschlächtigen) Gegenüberstellung auch bemerkenswert trocken. Ein gutes Stück weit ist dies, vor allem hinsichtlich des Schlussbildes von Glenn Close, vielleicht der Film, den Kathyrin Bigelow mit Zero Dark Thirty drehen wollte, um dann intellektuell an ihm zu scheitern.
Oktober 24, 2013
Kino: JACKASS PRESENTS BAD GRANDPA
Wieder einmal schlüpft Johnny Knoxville zum Entsetzen ahnungsloser Passanten in das Alters-Make-up des 86-jährigen Lustmolchs Irving Zisman und lässt Seele wie Hodensack baumeln. Mit "Bad Grandpa" folgt der glorreichen "Jackass"-Trilogie ein vierter Kinofilm um den kindlich-anarchistischen Jungstrupp von MTV – ohne eingespielte Stammbelegschaft zwar, aber doch weitgehend im Geiste jener lustvollen Destruktivität, die sowohl TV- als auch Filmserie zu einem hemmungslosen Vergnügen machte. [...]
Oktober 22, 2013
Zuletzt gesehen: THE MORNING AFTER (1986)
Gut zu wissen, dass Sidney Lumet auch Edeltrash zu meistern verstand. Obgleich dieser High-Profile-Thriller, in dem sich alles ganz buchstäblich um den Cocktail für eine Leiche dreht, nach etwa einem Drittel zum Liebesmelodram gedeiht (fließende Genregrenzen, ein Traum!), ist der beachtliche Ernst dieser Hitchcockschen Plotprämisse mit neonfarbenem Eighties-Überzug schon sehr beachtlich. Während Paul Chihara auf der Tonspur wahlweise Sopransaxofon und Herrmann-Zitate dirigiert (kurios-interessanter Score allemal), üben sich die Mordverdächtige Jane Fonda und der mysteriöse Fremde Jeff Bridges in einem mehr als eigenwilligen Schlagabtausch rätselhafter Screwball-Dialoge (der einzige offizielle Drehbuch-Credit des kurzzeitigen Filmproduzenten James Cresson). Das alles ist wunderbar anzuschauen, enorm unterhaltsam, immer ein bisschen kaputt. Fondas Performance als alkoholkranker, runtergewirtschafteter Star von anno dazumal (garstigster Moment: "They were grooming me to be the next Vera Miles.") kann eigentlich nur als Geschenk an ihre schwulen Fans verstanden werden (oder eben Hollywood-Metatext), die der Film überdies auch mit seinen Nebenrollen – Raul Julia als heterosexueller Friseur?!; Kathy Bates in einem einminütigen Cameo?! – ausreichend verwöhnt. In gewisser Hinsicht ist "The Morning After" die sanfte Sidney-Lumet-Version eines notgeilen Brian-De-Palma-Films, und das ist natürlich als Kompliment zu verstehen.
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Oktober 21, 2013
Zuletzt gesehen: Q&A [TÖDLICHE FRAGEN] (1990)
Ein weiterer, vergleichsweise weniger bekannter Polizeifilm von Sidney Lumet, dessen Spätwerk nicht nur wahre Wunder birgt, sondern der eigenen Meisterschaft mit einer ganz selbstverständlich anmutenden Ruhe und Präzision freien Lauf lässt. "Q&A" ist Crime Plotting im besten Sinne, erzählt aber (anders als dies auch immer wieder schnarchnasige Polizeifilme jüngeren Datums tun) nicht von Loyalität, Korruption und anderem langweiligen Männersentiment, sondern fast beiläufig von institutionalisiertem Rassismus, offenkundiger Homophobie, subkulturellen Milieus und (natürlich, Lumet halt) auch ganz besonders von familiären Fesseln. Einmal mehr thront Timothy Hutton über allem, besonders über einem leider im Method Acting verlorenen Nick Nolte, der als Rumpel-Bulle mit Hampelmaxenschauspiel zeitweise den Hans Albers gibt. Vom Meisterwerk trennt diesen klug geschriebenen, souverän inszenierten Film letztlich nur der grausige Soundtrack, manch Drehbucheinfall aus Seitenraschelhausen sowie ein unerwartet genreverpflichtetes Finish, das aber wiederum von einer niederschmetternden Schlussszene rückvergütet wird.
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