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November 30, 2016

Die unberechenbaren Eigenproduktionen von Netflix

Netflix will im kommenden Jahr die Hälfte seines Angebotes mit selbst produzierten Filmen und Serien bestreiten. An einem unverkennbaren Profil dieser kostspieligen Inhalte scheint der Streaming-Dienst aber nicht interessiert. Und das hat System.

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November 06, 2014

DVD/BD: THE SACRAMENT

Verstanden sich "The House of the Devil" und "The Innkeepers", die beiden vorherigen, auch hierzulande in Fankreisen viel beachteten Produktionen des US-amerikanischen Independentfilmemachers Ti West, noch als stilbewusste Repliken auf ein Horrorkino, das vor allem dem eigenen Neoklassizismus formschön zur Geltung verhalf, erweist sich "The Sacrament" als eine Art ästhetischer Ruhestörer. [...]

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März 17, 2014

Zuletzt gesehen: DEAD AND LONELY (2009)

Fünfteilige IFC-Webminiserie über ein Online-Date zweier einsamer Twentysomethings in L.A., geschrieben, inszeniert und produziert von Ti West. In dessen Werk spielt Dead and Lonely natürlich nur eine untergeordnete Rolle, ist aber insofern interessant, als keine andere seiner Regiearbeiten (nicht einmal Trigger Man und auch nicht sein Beitrag zur ersten VHS-Kompilation) derart primäre Mumblecore-Erkennungszeichen bemüht. Betrachtet man Wests 25minütiges künstlerisches Intermezzo als entsprechende Hommage, verweist sie einerseits auf die Verzahnung seines genreverpflichteten Kinos mit den Produktionsverhältnissen der Mumblecore-"Schule" (Urgesteine Joe Swanberg und David Lowery werden hier unter "Production Crew" gelistet, Justin Rice spielt eine der zwei Hauptrollen), bekräftigt aber über die Wahl des Sujets auch Wests Unabhängigkeit von ebendieser: in Dead and Lonely ist eine Blutsaugerin (Paige Stark) darum bemüht, ihre Fangzähne beim romantischen Zusammenkommen wie einen Makel zu verstecken – bevor sie das fehlende Spiegelbild nutzt, um doch kräftig zuzubeißen. In der ungewöhnlichen Kombination von klassischem Vampirtopos und Mumblecore-Befindlichkeiten (Hipstergepräge, Brabbeldialoge, "Ästhetik des zufälligen Bildes") gelingt es Ti West selbst noch im Rahmen einer überschaubaren Zwischenarbeit wie dieser, sich als eigenwilliger Auteur zu behaupten.

November 06, 2013

You're Next - Der beste Horrorfilm des Jahres?

Nur wenige Horrorfilme wurden 2013 überhaupt im Kino ausgewertet, die meisten von ihnen waren mäßig interessant. Würde sich mit "You're Next" auf den letzten Metern nicht eine Ehrenrettung ankündigen, müsste alle Genrehoffnung im Videoregal versiegen. 

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Oktober 28, 2011

PornFilmFestival 2011: BLACKMAIL BOYS

Knapp zwei Jahre nach ihrem Debütfilm "Wrecked" melden sich die Shumanski-Brüder mit einem weiteren Coming-of-Age-Drama zurück. Die Mischung aus queerer Romanze und Thriller trifft zunächst ein paar hübsche Töne, ehe sich balladeske Stimmung und reinster Schwachsinn die Klinke in die Hand geben. "Blackmail Boys" versteht es geradezu verblüffend, eine an und für sich interessante Geschichte – Boyfriend A stiftet seinen als Stricher arbeitenden Boyfriend B an, dessen prominenten Freier mit einem Sexvideo zu erpressen – auf die konsequent uninteressanteste Art zu erzählen. Am Umstand, dass ebenjener Freier ein fundamentalistischer Christ ist, der in Büchern und Radioshows gegen Schwule wettert, zeigt der Film nur in Hinblick auf seine Titelprämisse Interesse. Am Ende verheizen die Shumanskis ihre Figuren auf beispiellose Art, während sich der in ganz nettem DV-Ambiente präsentierte Schmu mit gleich dreifachem Voice-Over auf der Bild- und Tonebene direkt ins eigene Aus kleistert. Einziger Lichtblick: Das blankziehende Mumblecore-Aushängeschild Joe Swanberg in der Rolle einer unangenehmen Schrankschwuchtel, die sich als Autor von Büchern wie "Accept Jesus’ Friend Request" selbst verleugnet. Zu schade, dass der Film nichts mit ihm anzufangen weiß.


30%

Februar 13, 2011

Berlinale 2011: ART HISTORY

Das Beziehungsstück "Art History" wird im Berlinale-Forum nicht ohne Grund im Double-Feature mit "Silver Bullets" gezeigt. Hier wie dort steht Regisseur Joe Swanberg auch als Darsteller im Mittelpunkt seiner eigenen Arbeit und verhandelt die persönliche Schaffenskrise, indem er das Filmemachen selbst problematisiert und an individuelle private Befindlichkeiten knüpft. Im Mittelpunkt steht eine Mini-Filmcrew, die an einem Wochenende in einem kleinen Häuschen verschiedene Sexszenen dreht. Als der Regisseur (Swanberg) zu bemerken glaubt, dass sich zwischen seinen beiden Protagonisten mehr als nur professionelle Erotik abspielt, beginnt er auszuticken und das Projekt zu sabotieren.

Das ganze erstreckt sich in laaangen statischen Einstellungen über 70 Minuten, mit konsequenter Schmucklosigkeit bei Photographie, Szenenbild und Beleuchtung, wie ein wortkarges menschliches Stillleben. Swanberg bezeichnet den Film insofern als Nachfolger von "Silver Bullets", als er dort (s)eine künstlerische Krise thematisiere, von der er sich mit "Art History" wiederum zu erholen versuche. Leider kämpft sich der dezent unangenehme Unterton des Vorgängers somit auch zum Paukenschlag hoch. Die sperrige Ich-Bezogenheit des Films lässt das Publikum vollkommen außen vor – reihenweise flüchtete es bei der Berlinale-Vorführung – und geriert sich außerdem in manierierten Sexchiffren: Den sprichwörtlichen Aufhänger des Films bildet doch tatsächlich die neue Standhaftigkeit des männlichen Protagonisten, die die Selbstzweifel des Regisseurs überhaupt erst heraufzubeschwören scheint. Da muss man sich dann schon mal fragen, ob Swanberg seine Filme eigentlich nur vom Schwanz her gedacht hat.


20% - erschienen bei den: 5 Filmfreunden

Berlinale 2011: SILVER BULLETS

Regisseur Joe Swanberg gilt als einer der populärsten und vor allem fleißigsten Repräsentanten der US-amerikanischen Mumblecore-Bewegung, die sich mit unabhängigen Low- und teils auch No-Budget-Produktionen wie "LOL" oder "Beeswax" in den letzten Jahren zur interessantesten Erscheinungsform des jüngeren Independent-Films entfaltete. Mittlerweile häufen sich auch kommerziellere Varianten, zuletzt mit "Greenberg" oder "Cyrus", deren zwangloser Geist durch die Gesetze des US-Mainstreams jedoch tendenziell aufgehoben wurde. Inhaltlich fokussieren die Filme in der Regel um sich selbst kreisende persönliche (Liebes)Beziehungen zwischen Mittzwanzigern, die sich in endlosen Nuscheldialogen mit Alltagsproblemen herumschlagen, formal geben Laiendarsteller, Improvisationen und gemeinsam entwickelte Drehbücher den Mumblecore-Filmen ihre Gestaltungsform.

Im mit Minimalbudget und Digicam gedrehtem "Silver Bullets" ist das nicht anders. Swanberg inszeniert eine sich gegenseitig bedingende Liebes- und Schaffenskrise, durch die das Leben der Figuren aus den Fugen gerät. Ein junger Filmemacher (gespielt von Swanberg selbst) ist zutiefst verunsichert, weil seine Freundin (Kate Lyn Sheil) die Hauptrolle im Horrorfilm eines aufstrebenden Regisseurs (Ti West, "The House of the Devil"!) ergattern konnte und besetzt dafür im Gegenzug deren beste Freundin in seinem eigenen Film. Aus dieser mit nicht wenigen Beziehungsbanalitäten angereicherten Prämisse spinnt Swanberg eine psychotische Mann-Frau-Schau zwischen Selbstzweifel und Liebeskummer, die auch noch mit diversen selbstreflexiven Film-im-Film-Bezügen zurechtkommen muss.

Das ist in einigen Momenten unglaublich schön, in anderen wiederum unglaublich doof. Der anachronistische Musikeinsatz, das zunächst unklare Wechselverhältnis zwischen Film und Realität, Swanbergs schonungsloses autobiographisches Selbstverhandeln – das macht "Silver Bullets" prinzipiell zu einem durchaus interessanten Film. Doch das allmähliche Verharren in typischen Paarungsklischees, heterosexuellen Meriten und filmstudentischem Popanz – ein Regisseur spielt einen Regisseur, ein anderer Regisseur spielt einen anderen Regisseur, und im Zentrum der emotionalen Macht steht wieder einmal die schauspielernde Frau, das unbekannte Wesen – vernebelt die vielen starken Ansätze des Films. Am Ende fühlt man sich ein wenig unangenehm berührt, so viele mit sich selbst beschäftigte Egoprobleme eines 29jährigen Regisseurs ertragen zu müssen.


50% - erschienen bei den: 5 Filmfreunden & Reihe Sieben