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Juni 27, 2019

Gehobener Grusel – Über ein Horrorkino, das sich selbst verachtet

Als Erhebung des Genres wird momentan ein Trend gefeiert, der Horrorfilme vor ihren Affekten schützt. Die dafür aufgemachten Kategorien offenbaren ein tristes Verständnis von Kino im Allgemeinen und Horror im Besonderen.

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Oktober 26, 2018

HORROCTOBER: Jump-Scares, eine Plage

Den Unterschied zwischen Grusel und Schockeffekt scheinen viele Horrorfilmemacher nicht mehr zu kennen. Ihr inflationärer Einsatz von Jump-Scares ist eines der plastischen Beispiele für den inneren Bedeutungsverlust des Genres.

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Dezember 21, 2017

Filmjahr 2017 – Das Kino im Zeichen des Horrors

Mit Filmen wie "Es" und "Get Out" feierte das Horrorkino 2017 eines der erfolgreichsten Jahre seiner Geschichte. Keinem Genre hält das Publikum länger die Treue, kein anderes ist in Hollywood so zuverlässig profitabel. Gibt es da einen Haken?

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November 06, 2014

DVD/BD: THE SACRAMENT

Verstanden sich "The House of the Devil" und "The Innkeepers", die beiden vorherigen, auch hierzulande in Fankreisen viel beachteten Produktionen des US-amerikanischen Independentfilmemachers Ti West, noch als stilbewusste Repliken auf ein Horrorkino, das vor allem dem eigenen Neoklassizismus formschön zur Geltung verhalf, erweist sich "The Sacrament" als eine Art ästhetischer Ruhestörer. [...]

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März 17, 2014

Zuletzt gesehen: DEAD AND LONELY (2009)

Fünfteilige IFC-Webminiserie über ein Online-Date zweier einsamer Twentysomethings in L.A., geschrieben, inszeniert und produziert von Ti West. In dessen Werk spielt Dead and Lonely natürlich nur eine untergeordnete Rolle, ist aber insofern interessant, als keine andere seiner Regiearbeiten (nicht einmal Trigger Man und auch nicht sein Beitrag zur ersten VHS-Kompilation) derart primäre Mumblecore-Erkennungszeichen bemüht. Betrachtet man Wests 25minütiges künstlerisches Intermezzo als entsprechende Hommage, verweist sie einerseits auf die Verzahnung seines genreverpflichteten Kinos mit den Produktionsverhältnissen der Mumblecore-"Schule" (Urgesteine Joe Swanberg und David Lowery werden hier unter "Production Crew" gelistet, Justin Rice spielt eine der zwei Hauptrollen), bekräftigt aber über die Wahl des Sujets auch Wests Unabhängigkeit von ebendieser: in Dead and Lonely ist eine Blutsaugerin (Paige Stark) darum bemüht, ihre Fangzähne beim romantischen Zusammenkommen wie einen Makel zu verstecken – bevor sie das fehlende Spiegelbild nutzt, um doch kräftig zuzubeißen. In der ungewöhnlichen Kombination von klassischem Vampirtopos und Mumblecore-Befindlichkeiten (Hipstergepräge, Brabbeldialoge, "Ästhetik des zufälligen Bildes") gelingt es Ti West selbst noch im Rahmen einer überschaubaren Zwischenarbeit wie dieser, sich als eigenwilliger Auteur zu behaupten.

November 06, 2013

You're Next - Der beste Horrorfilm des Jahres?

Nur wenige Horrorfilme wurden 2013 überhaupt im Kino ausgewertet, die meisten von ihnen waren mäßig interessant. Würde sich mit "You're Next" auf den letzten Metern nicht eine Ehrenrettung ankündigen, müsste alle Genrehoffnung im Videoregal versiegen. 

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Juni 10, 2013

DVD/BD: THE ABCS OF DEATH [22 WAYS TO DIE]

Das üblicherweise auf circa eine Handvoll Episoden beschränkte Konzept von Anthologiefilmen erweitert "The ABCs of Death" im großen Stil. Ganze 27 Regisseure aus 15 Ländern steuerten einen Horrorbeitrag zur alphabetisch geordneten Kurzfilmsammlung rund um den Exitus und seine vielfältigen Ausprägungen bei. Blutrünstige Quickies von A bis Z sind das Ergebnis. [...]

November 05, 2012

DVD/BD: THE INNKEEPERS

Noch gilt der 32-jährige US-Amerikaner Ti West als Geheimtipp, doch bald schon dürften seine Filme auch ein breites Publikum in Erstaunen versetzen. Nach dem überragenden "The House of the Devil" präsentiert er mit der Grusel-Hommage "The Innkeepers" sein zweites Meisterwerk in Folge. Hierzulande bereits auf dem Fantasy Filmfest 2011 bejubelt, erscheint der Film Mitte Januar endlich auf DVD und Blu-ray – wenn auch leider ohne vorhergehende Kinoauswertung. [...]

März 11, 2012

Spuk im Yankee Pedlar?

Der Geist von Madeline O'Malley soll im Yankee Pedlar umgehen. Hotelverwalter Luke aus Torrington (Connecticut) hat eine Website eröffnet, um die paranormalen Phänomene zu dokumentieren. Anklicken auf eigene Gefahr:

März 28, 2011

Zuletzt gesehen: TRIGGER MAN

Ebenso simpler wie effektiver Backwood-Thriller, in dem eine Gruppe von Jägern unvermittelt zu Gejagten wird. Gefilmt wie ein Privatvideo aus dem Camcorder, inszeniert Ti West "Trigger Man" als Überlebenstrip in hautnahen Bildern mit schmucklosen Einstellungen und hektischen Zooms. Die Handlungsarmut und der überwiegende Verzicht auf Dialoge gestalten insbesondere die anfänglichen Jagdszenen enorm unspektakulär, wobei West das Jagen nicht nur überdeutlich als das kennzeichnet, was es ist (nämlich wenig aufregend), sondern auch nicht ausgedienten Naturaufnahmen und anderen Ablenkungen erliegt. Stattdessen generiert er eine kompakte innere Spannung, die er auch in der temporeicheren zweiten Hälfte aufrechterhalten kann. Vergleichen mit nahe liegenden formalen und geistigen Vorbildern wie "Deliverance" geht der Film entschieden aus dem Weg, hier muss niemand erst in den Arsch gefickt werden, um die Evolutionsleiter herunterzupurzeln. West krempelt vielmehr noch abermals Genremechanismen um, erzählt behutsam, fast anti-narrativ und dennoch mit hoher Konzentration, unterstützt von einem stimmig-schiefen Soundtrack seines Stammkomponisten Jeff Grace. So etwas ist freilich schwer an den Mann zu bringen, weshalb die Vermarktung von "Trigger Man" als reißerische Hinterwäldler-Action komplett falsche Erwartungen schürt.


70%

März 25, 2011

Zuletzt gesehen: THE ROOST

Experimenteller Horrorfilm, bei dem Regisseur Ti West unterschiedliche Genretopoi kombiniert und mit einer sichtbaren Vorliebe für altmodischen Grusel neu anordnet. Die Vermengung von Tierhorror-, Slasher- und Zombiefilm gerinnt dabei zum nahezu dialogfreien Stimmungsbild, das sich ganz seiner unheimlichen Spielräume, bizarren visuellen Einfälle und dissonanten Klanguntermalung verschreibt. West gelingen einige wunderschön obskure, nahezu genuine Bilder, die er ähnlich faszinierend kadriert und montiert wie in "The House of the Devil", den er vier Jahre später inszenierte. Zwar ist "The Roost" durchaus eine interessante Übung, aber nicht selten wirkt der Film unbeholfen, klischeehaft filmstudentisch und auch ein wenig prätentiös, beispielsweise wenn er die Handlung unterbricht und zurückspult (Haneke-Style). Solcherlei Albernheiten hat West doch eigentlich gar nicht nötig.


50%

März 19, 2011

Ti Wests THE INNKEEPERS - Zwei erste Poster!



Großartig! Ultrakunst! Maximale Vorfreude!


März 14, 2010

Zuletzt gesehen: CABIN FEVER 2 - SPRING FEVER

Unmittelbare Fortsetzung des vergnüglichen Eli-Roth-Films über ein Haut zersetzendes Virus, das ahnungslose Teenager befällt. Regisseur Ti West verarbeitet eine Menge erkennbares Potenzial zu einer Hommage an den 80er-Jahre B-Horrorfilm in der Tradition von "The Night of the Creeps", bei der insbesondere der Einsatz stilechter Musik und weite Teile des Setups sein Können durchschimmern lassen. Leider verliert der Film spätestens nach der ersten Hälfte den Fokus und schwankt im Tonfall zwischen augenzwinkerndem Horror, übertriebenem Troma-Splatter und pubertärer College-Comedy, die ihre Figuren in einem Moment ernst nimmt, nur um sie im nächsten an sinnfreie Gags zu verkaufen. Die indifferente Inszenierung ist dabei spürbar auf zahlreiche Umschnitte zurückzuführen, die dem Film eine so ganz sicher nicht beabsichtigte Inkonsistenz geben und spätestens im grauenhaft getimten Epilog völlig ins Leere führen. Letztlich ein Kraut-und-Rüben-Film, von dem sich West wohl schweren Herzens, aber völlig zu Recht distanziert.


45%

März 11, 2010

DVD: THE HOUSE OF THE DEVIL

Ja, endlich! Da ist er, der eine Horrorfilm, den das Genre alle paar Jahre zur Ehrenrettung benötigt. Der sich den Trends und Strömungen des zeitgenössischen Horrorkinos verweigert, um entweder gänzlich neue ästhetische, kulturelle oder soziale Bereiche für sich einzunehmen (was schwierig, wenn nicht unmöglich ist), oder um klassische Topoi der Horrorfilmgeschichte mit eindeutigen Referenzvorbildern aufzuarbeiten, zu bedienen und damit zu reproduzieren. Da es aber, erst recht nach Wes Cravens "Scream", schwierig scheint, das Genre nicht mit ständigen Erweiterungen hin zu Ironie, Unernst und Überlegenheit zu überdehnen, statt es auf seine unmittelbaren, bitterbösen, schaurigen Basics reduzieren zu wollen, haben sich die postmodernen Horrorfilme in einen Wettbewerb der Überbietungsstrategien begeben: Alles ist letztlich irgendwie Retro, und Retro bedeutet, so viel Wissen wie möglich auszustellen – je mehr das Zitat dem Verweis begegnet, desto cleverer das Spiel mit Genremechanismen. Reiner, ernst gemeinter Horror ist der Versicherung gewichen, alles gesehen und verstanden zu haben.

Ti West hat mit "The House of the Devil" auch einiges verstanden, aber dennoch einen der ganz wenigen Retro-Horrorfilme geschaffen, die sich in ihrer Old-School-Präsentation nicht so gefallen, dass sie diese ständig ausstellen, kommentieren und damit hinfällig werden lassen müssen, sondern ganz und gar ernsthaft als Produkt einer vergangenen Zeit wahrgenommen werden können. Und das heißt gerade nicht, dass dieser Film nun ein Fremdkörperdasein fristen müsse, weil er wie einer dieser schäbigen Sleaze-Heuler anno 1976 daherkommt. Vielmehr belegt West, dass es diese Spielart des Horrorfilms noch immer und vielleicht sogar erst recht jetzt geben kann, ohne die Verrenkungen der Ironie und des Bewusstseins, als Film an andere Filme anknüpfen zu müssen. Und vielleicht hat der junge Regisseur die Handlung deshalb in die 80er verlegt, obwohl er stilistisch die Bilder der 70er rekonstruiert, weil er sich einer eindeutigen Verortung entziehen und seinen "House of the Devil" eben doch als altmodischen und dennoch höchst gegenwärtigen – vom Genrediskurs emanzipierten – Film verstanden wissen möchte.

Die Geschichte einer Studentin, die dringend Geld benötigt und deshalb einen Babysitter-Job in einem abgelegenen Landhaus annimmt, wird ruhig, behutsam und sorgfältig gegen den zu erwartenden Schrecken ausgespielt. Etwas Teuflisches geht offenbar in diesem großen dunklen Haus vor sich, und lange Zeit bleibt unklar, mit wem oder was die junge Protagonistin schließlich konfrontiert wird, ehe sich die aufgebaute Spannung in einem verstörend bizarren wie gleichfalls konsequent simplen Finale entlädt. Dieses verlässt sich genauso wenig auf Überraschungen wie die unscheinbaren ersten zwei Drittel, denn Wests Konzept eines klaren Grusel- und Spannungskinos setzt auf gradlinigen Horror, dessen Beginn, Verlauf und Auflösung sich nicht widersprechen. Geradezu paradox erfrischend wirkt da seine zielsichere und punktgenaue Inszenierung: Mit einer klassischen Teasing-Strategie, die Schocks und Wendungen ankündigt, diese aber lediglich an die Erwartungshaltung zu knüpfen und nicht auszuspielen bereit ist. Daraus generiert der Film zuweilen echten unerträglichen Grusel, der durch den Verzicht auf Effekteinlagen über der Bild- und Tonebene unberührt bleibt. Umso unvermittelter, effektiver und ökonomischer erscheint deshalb der grandiose Schlussakt.

Dass West sich glücklicherweise gar nicht erst auf ein Verweisspiel einlässt, motiviert den Zuschauer noch mehr, sich an die Vorbilder zu erinnern. "When A Stranger Calls" fällt einem ein, "Race With The Devil" zweifellos, vielleicht auch "Phantasm". Es ist der Geist dieser Filme, der auch Wests komplett in Eigenregie (written, produced, edited and directed by) inszeniertes Schauerstück zu beseelen scheint. Die Vorbereitung und Vermittlung des Schreckens hingegen lässt zwei konkrete Vorbilder erkennen: Wie Jessica Harper in "Suspiria" wird die schüchterne, fragile Brünette hier zur Protagonistin okkulter Treiben, wie Mia Farrow in "Rosemary's Baby" zum Opfer einer teuflischen Verschwörung. Die suggestiven Schnitte und bedeutungsschwangeren Kameraeinstellungen beherrscht West schon wie einst der junge Polanski. Ohne Schnickschnack. Ohne Augenzwinkern. Das wird ein großer Filmemacher.


90% - (komplette Version) erschienen bei: DAS MANIFEST