Februar 13, 2011

Berlinale 2011: SILVER BULLETS

Regisseur Joe Swanberg gilt als einer der populärsten und vor allem fleißigsten Repräsentanten der US-amerikanischen Mumblecore-Bewegung, die sich mit unabhängigen Low- und teils auch No-Budget-Produktionen wie "LOL" oder "Beeswax" in den letzten Jahren zur interessantesten Erscheinungsform des jüngeren Independent-Films entfaltete. Mittlerweile häufen sich auch kommerziellere Varianten, zuletzt mit "Greenberg" oder "Cyrus", deren zwangloser Geist durch die Gesetze des US-Mainstreams jedoch tendenziell aufgehoben wurde. Inhaltlich fokussieren die Filme in der Regel um sich selbst kreisende persönliche (Liebes)Beziehungen zwischen Mittzwanzigern, die sich in endlosen Nuscheldialogen mit Alltagsproblemen herumschlagen, formal geben Laiendarsteller, Improvisationen und gemeinsam entwickelte Drehbücher den Mumblecore-Filmen ihre Gestaltungsform.

Im mit Minimalbudget und Digicam gedrehtem "Silver Bullets" ist das nicht anders. Swanberg inszeniert eine sich gegenseitig bedingende Liebes- und Schaffenskrise, durch die das Leben der Figuren aus den Fugen gerät. Ein junger Filmemacher (gespielt von Swanberg selbst) ist zutiefst verunsichert, weil seine Freundin (Kate Lyn Sheil) die Hauptrolle im Horrorfilm eines aufstrebenden Regisseurs (Ti West, "The House of the Devil"!) ergattern konnte und besetzt dafür im Gegenzug deren beste Freundin in seinem eigenen Film. Aus dieser mit nicht wenigen Beziehungsbanalitäten angereicherten Prämisse spinnt Swanberg eine psychotische Mann-Frau-Schau zwischen Selbstzweifel und Liebeskummer, die auch noch mit diversen selbstreflexiven Film-im-Film-Bezügen zurechtkommen muss.

Das ist in einigen Momenten unglaublich schön, in anderen wiederum unglaublich doof. Der anachronistische Musikeinsatz, das zunächst unklare Wechselverhältnis zwischen Film und Realität, Swanbergs schonungsloses autobiographisches Selbstverhandeln – das macht "Silver Bullets" prinzipiell zu einem durchaus interessanten Film. Doch das allmähliche Verharren in typischen Paarungsklischees, heterosexuellen Meriten und filmstudentischem Popanz – ein Regisseur spielt einen Regisseur, ein anderer Regisseur spielt einen anderen Regisseur, und im Zentrum der emotionalen Macht steht wieder einmal die schauspielernde Frau, das unbekannte Wesen – vernebelt die vielen starken Ansätze des Films. Am Ende fühlt man sich ein wenig unangenehm berührt, so viele mit sich selbst beschäftigte Egoprobleme eines 29jährigen Regisseurs ertragen zu müssen.


50% - erschienen bei den: 5 Filmfreunden & Reihe Sieben

Kommentare:

  1. Nach Kissing on the mouth schaue ich kein Film mehr von Joe Swanberg.

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  2. Dann mal eine Frage von mir, gibt es einen Film von Swanberg den du uneingeschränkt empfehlen kannst?

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  3. Nein.

    Obwohl die erste Hälfte von SILVER BULLETS in mir schon einen Platz unter den drei besten Filmen des Jahres erahnen ließ, aber dann wurde es ziemlich dürftig, bis zur schrecklichen Schlusseinstellung.

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  4. Dann habe ich doch nichts falsch gemacht und nach seinem Debüt aufgehört ihn zu verfolgen bzw. weitere Film anzusehen :-)

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  5. Aber er ist sehr nett. Ich habe es mir natürlich nicht nehmen lassen, ihn nach meinem neuen Stern am Regiehimmel Ti West zu befragen. :D

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  6. Und was hat er aus dem Nähkästchen geplaudert?

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  7. Nichts besonderes. Er sagte, sie seien gute Freunde und war glaube ich etwas erstaunt, dass man von West hierzulande Notiz genommen hat. Diese ganze Mumblecore-Truppe scheint ziemlich miteinander verwoben zu sein. Hätte Greta Gerwig in SILVER BULLETS mitgespielt, stünde da oben irgendwas zwischen 90 und 100%. :D

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  8. Dann weiß ich ja jetzt das du den Film FREUNDSCHAFT PLUS für ein Meisterwerk häldt *lol* ;-))))

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  9. Eine Nebenrolle der bezaubernden Gerwig kann leider keine Hauptrolle der ätzenden Portman entschädigen. Insofern: Kein Interesse. :)

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  10. "Ätzende Portman" ... ob das Greta hier auch dachte: http://www.imdb.de/media/rm2379187456/nm1950086

    ;)

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