Nur wenige Horrorfilme wurden 2013 überhaupt im Kino ausgewertet, die meisten von ihnen waren mäßig interessant. Würde sich mit "You're Next" auf den letzten Metern nicht eine Ehrenrettung ankündigen, müsste alle Genrehoffnung im Videoregal versiegen.
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November 06, 2013
März 28, 2011
Zuletzt gesehen: TRIGGER MAN
Ebenso simpler wie effektiver Backwood-Thriller, in dem eine Gruppe von Jägern unvermittelt zu Gejagten wird. Gefilmt wie ein Privatvideo aus dem Camcorder, inszeniert Ti West "Trigger Man" als Überlebenstrip in hautnahen Bildern mit schmucklosen Einstellungen und hektischen Zooms. Die Handlungsarmut und der überwiegende Verzicht auf Dialoge gestalten insbesondere die anfänglichen Jagdszenen enorm unspektakulär, wobei West das Jagen nicht nur überdeutlich als das kennzeichnet, was es ist (nämlich wenig aufregend), sondern auch nicht ausgedienten Naturaufnahmen und anderen Ablenkungen erliegt. Stattdessen generiert er eine kompakte innere Spannung, die er auch in der temporeicheren zweiten Hälfte aufrechterhalten kann. Vergleichen mit nahe liegenden formalen und geistigen Vorbildern wie "Deliverance" geht der Film entschieden aus dem Weg, hier muss niemand erst in den Arsch gefickt werden, um die Evolutionsleiter herunterzupurzeln. West krempelt vielmehr noch abermals Genremechanismen um, erzählt behutsam, fast anti-narrativ und dennoch mit hoher Konzentration, unterstützt von einem stimmig-schiefen Soundtrack seines Stammkomponisten Jeff Grace. So etwas ist freilich schwer an den Mann zu bringen, weshalb die Vermarktung von "Trigger Man" als reißerische Hinterwäldler-Action komplett falsche Erwartungen schürt.70%
März 25, 2011
Zuletzt gesehen: THE ROOST
Experimenteller Horrorfilm, bei dem Regisseur Ti West unterschiedliche Genretopoi kombiniert und mit einer sichtbaren Vorliebe für altmodischen Grusel neu anordnet. Die Vermengung von Tierhorror-, Slasher- und Zombiefilm gerinnt dabei zum nahezu dialogfreien Stimmungsbild, das sich ganz seiner unheimlichen Spielräume, bizarren visuellen Einfälle und dissonanten Klanguntermalung verschreibt. West gelingen einige wunderschön obskure, nahezu genuine Bilder, die er ähnlich faszinierend kadriert und montiert wie in "The House of the Devil", den er vier Jahre später inszenierte. Zwar ist "The Roost" durchaus eine interessante Übung, aber nicht selten wirkt der Film unbeholfen, klischeehaft filmstudentisch und auch ein wenig prätentiös, beispielsweise wenn er die Handlung unterbricht und zurückspult (Haneke-Style). Solcherlei Albernheiten hat West doch eigentlich gar nicht nötig.50%
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Februar 13, 2011
Berlinale 2011: SILVER BULLETS
Regisseur Joe Swanberg gilt als einer der populärsten und vor allem fleißigsten Repräsentanten der US-amerikanischen Mumblecore-Bewegung, die sich mit unabhängigen Low- und teils auch No-Budget-Produktionen wie "LOL" oder "Beeswax" in den letzten Jahren zur interessantesten Erscheinungsform des jüngeren Independent-Films entfaltete. Mittlerweile häufen sich auch kommerziellere Varianten, zuletzt mit "Greenberg" oder "Cyrus", deren zwangloser Geist durch die Gesetze des US-Mainstreams jedoch tendenziell aufgehoben wurde. Inhaltlich fokussieren die Filme in der Regel um sich selbst kreisende persönliche (Liebes)Beziehungen zwischen Mittzwanzigern, die sich in endlosen Nuscheldialogen mit Alltagsproblemen herumschlagen, formal geben Laiendarsteller, Improvisationen und gemeinsam entwickelte Drehbücher den Mumblecore-Filmen ihre Gestaltungsform.Im mit Minimalbudget und Digicam gedrehtem "Silver Bullets" ist das nicht anders. Swanberg inszeniert eine sich gegenseitig bedingende Liebes- und Schaffenskrise, durch die das Leben der Figuren aus den Fugen gerät. Ein junger Filmemacher (gespielt von Swanberg selbst) ist zutiefst verunsichert, weil seine Freundin (Kate Lyn Sheil) die Hauptrolle im Horrorfilm eines aufstrebenden Regisseurs (Ti West, "The House of the Devil"!) ergattern konnte und besetzt dafür im Gegenzug deren beste Freundin in seinem eigenen Film. Aus dieser mit nicht wenigen Beziehungsbanalitäten angereicherten Prämisse spinnt Swanberg eine psychotische Mann-Frau-Schau zwischen Selbstzweifel und Liebeskummer, die auch noch mit diversen selbstreflexiven Film-im-Film-Bezügen zurechtkommen muss.
Das ist in einigen Momenten unglaublich schön, in anderen wiederum unglaublich doof. Der anachronistische Musikeinsatz, das zunächst unklare Wechselverhältnis zwischen Film und Realität, Swanbergs schonungsloses autobiographisches Selbstverhandeln – das macht "Silver Bullets" prinzipiell zu einem durchaus interessanten Film. Doch das allmähliche Verharren in typischen Paarungsklischees, heterosexuellen Meriten und filmstudentischem Popanz – ein Regisseur spielt einen Regisseur, ein anderer Regisseur spielt einen anderen Regisseur, und im Zentrum der emotionalen Macht steht wieder einmal die schauspielernde Frau, das unbekannte Wesen – vernebelt die vielen starken Ansätze des Films. Am Ende fühlt man sich ein wenig unangenehm berührt, so viele mit sich selbst beschäftigte Egoprobleme eines 29jährigen Regisseurs ertragen zu müssen.
50% - erschienen bei den: 5 Filmfreunden & Reihe Sieben
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