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Juli 08, 2016

Zum 65. Geburtstag von Anjelica Huston

Ein klassischer Star war sie nie, ihre eigenwillige Schönheit entzieht sich dem gängigen Hollywoodfrauenbild – ohne Anjelica Huston wäre das Kino der vergangenen 30 Jahre bedeutend ärmer. Diese fünf Rollen haben ihre Karriere definiert.

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Oktober 02, 2010

Zuletzt gesehen: IN THIS OUR LIFE

Meisterhaftes Familienmelodram, das sich, typisch für John Hustons vielseitiges Können, nicht mit klaren Genre- begrifflichkeiten fassen lässt. "In This Our Life" liest sich wie ein feministisches Aufbegehren gegen die gesellschaftlichen Zwänge einer Frau in den kriegsgebeutelten 40er Jahren, gespiegelt in der gleichzeitigen Rassentrennung der USA. Stanley (kein Zufall, dass die Protagonistinnen hier männliche Vornamen tragen) steht im Mittelpunkt der Handlung, sie ist gelangweilt von den einengenden normativen Erwartungen an sie und möchte etwas aus ihrem Leben machen, möchte mit ihrem Rollenverständnis brechen – und das notfalls mit Gewalt. Wen könnte man besser besetzen in so einer Geschichte als Bette Davis. Sie ist grandios. Sie ist göttlich. Und in Kombination mit Olivia de Havilland so garstig wie später nur noch an der Seite ihrer geliebten Erzrivalin Joan. Der Film, von Huston auf den Punkt inszeniert, funktioniert in gewisser Weise als ideelles Prequel zu Robert Aldrichs "Hush Hush, Sweet Charlotte", in dem sich Bette und Olivia in vergleichbaren Rollen über 20 Jahre später noch einmal "duellierten".


80%

September 28, 2010

Zuletzt gesehen: KEY LARGO

Nach "The Treasure of the Sierra Madre", der die Natur mit weiträumigen Außenaufnahmen als eigenen Charakter besetzte, verlegt John Huston den Handlungsraum seines nächsten Filmes ins Innere eines Küstenhotels, in dem eine Gruppe von Menschen durch einen Hurrikan von der Außenwelt abgeschieden ist. Unter ihnen befindet sich eine Handvoll Gangster, die um jeden Preis ungescholten von der Insel zu entkommen versuchen. "Key Largo" ist ein behutsames Kammerspiel, das Huston als verdichteten Thriller auf engem Raum und damit formales Gegenstück zu seinem vorherigen Film in Szene setzt. Dabei fehlt es dem Drehbuch zuweilen an Schliff, besonders hinsichtlich der nur teilweise gewitzten Dialoge, und auch an Konzentration, nicht seine eigentlichen Hauptdarsteller aus den Augen zu verlieren. Ein 'echter' Bogart/Bacall-Film ist "Key Largo" indes leider nicht, Romantik zwischen beiden wird bestenfalls angedeutet. Tatsächlich tritt das größte Hollywoodtraumpaar der 40er Jahre zeitweise sogar in den Hintergrund und wird abwechselnd von Edward G. Robinson als Gangsterboss und Claire Trevor als dessen Exfrau an die Wand gespielt. Dennoch ist "Key Largo" ein außerordentlich sehenswerter Hostage-Thriller, dessen kleinere Schwächen spätestens das geschickt inszenierte Finale ausbügelt. Anmerkung am Rande: Der Film wird meines Erachtens, ähnlich wie "The Big Sleep", eher zu Unrecht unter Film Noir subsumiert.


70%

Zuletzt gesehen: TREASURE OF THE SIERRA MADRE

Nach seiner Zeit als Leutnant im Zweiten Weltkrieg kehrte Tausendsassa John Huston nach Hollywood zurück, um für Jack Warner das Abenteuerepos "The Treasure of the Sierra Madre" nach dem Roman des mysteriösen Autors B. Traven zu inszenieren. Mittlerweile ein fester Kanontitel auf jeder Liste der wichtigsten amerikanischen Filme, ist Hustons Schatzsucherdrama noch immer Unterhaltungskino im besten Sinne, dessen Epigonen und Nachzügler beinahe unzählbar sind. Der Film besticht in erster Linie durch seine zahlreichen Aufnahmen an Originalschauplätzen und wenigen Rückpro's, nicht allzu üblich im Studiokino der 40er Jahre, durch die makellose Regie und Max Steiners berühmten Score, aber im Besonderen durch Humphrey Bogarts mutige und grandiose Darstellung eines nahezu ungreifbaren Charakters zwischen Genie und Wahnsinn. Er macht Fred C. Dobbs zu einer der großen originären Figuren der Filmgeschichte, die – unter anderem – zuletzt P.T. Andersons "There Will Be Blood" zu einer Quasi-Variation des Stoffes um Macht und Gier inspirierte.


80%