Posts mit dem Label Ribisi werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ribisi werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Juni 20, 2010

Noch mal gesehen: AVATAR

Als ich "Avatar" das erste Mal gesehen habe, war ich zwar milde beeindruckt von den visuellen Fertigkeiten des Films, ansonsten hat mich Camerons Technikspektakel aber kalt gelassen. Dem entsprechenden Unmut hatte ich an dieser Stelle vor etwa einem halben Jahr Luft gemacht.

Leider verschließt mir 3D oft den Zugang zum Film. Statt Publikumsdistanz zu überwinden und mich als Zuschauer stärker in die Fantasie einzubeziehen, schafft 3D bei mir zumeist einen gegenteiligen Effekt. Ich verliere den Bezug zu den Bildern, das Interesse und die Konzentration, und ich werde irgendwann müde und entnervt vom Sinnesrausch. Vielleicht hat mir "Avatar" deshalb im klassischen 2D, ganz ohne Gimmicks und Gedöns, nun erheblich besser gefallen. Zwar bleiben größtenteils die Kritikpunkte der Erstsichtung, doch wirkt Camerons Vision nun wesentlich stimmiger. Die banal-simple Geschichte erschien mir jetzt geradezu sympathisch in ihrer unbekümmerten Naivität, und ich war bereit ihr zu folgen. Es ist, als würde Cameron sie zum ersten Mal erzählen. Die vorhersehbare Plotentwicklung, mit allen Archetypen und Klischees, ich habe sie beinahe gebraucht, um die phänomenale Ästhetik dieses Films besser verarbeiten zu können. Irgendwie ist das doch groß, was Cameron hier erschaffen hat. Irgendwie ist das doch ein guter Film. Und irgendwie mag ich ihn.

Dezember 17, 2009

Kino: AVATAR

Der größte, der teuerste, der aufregendste Film nach dem Mega-Spektakel, das selbst schon als der größte, teuerste und aufregendste Film aller Zeiten galt. Zum König der Welt hat sich James Cameron auf seinem Oscarsiegeszug vor 12 Jahren selbst gekürt und dann von der großen Leinwand verabschiedet, um nicht am finanziellen und zu Teilen auch künstlerischen Maßstab seines Riesenhits vom sinkenden Schiff gemessen werden zu können. Die 3D-Technik nun lockte den Regisseur mit attraktiven Fluchtmöglichkeiten in neue Räume aus dem Schaffensexil: in der Tiefe des Bildes findet Cameron offenbar den Mut, sich endlich wieder einem Publikum zu stellen. Das neue alte Gimmick des Kinos wirkt Distanz zersetzender denn je, und "Avatar" ist schwer, zumindest aber anders zu beurteilen in seiner digitalen Ästhetik und Dreidimensionalität – er läuft nicht Gefahr, in Konkurrenz mit "Titanic" treten zu müssen. Gewiss nicht.

Cameron entwirft, mit aller Sensibilität, Melancholie und Beherztheit, eine filmische Natur, in der man feinste Blüten, wunderbar fluoreszierende Blätter und schönste Flugtiere bestaunen kann! Dass der Mann, der einst noch für ein Kino aus Schwermetall ("Terminator"), aus kybernetischen Kräften ("Terminator II") und wuchtigem Militärgeschütz ("Aliens") stand, mit geradezu sinnlicher Akribie digitale Naturbilder erschafft, die nicht selten die Grenzen zum Kitsch überschreiten, das verwundert nach dem Gefühlsklopper "Titanic" erst einmal nicht. Eher schon irritiert, dass Cameron in "Avatar" gänzlich vom Kampf der friedlichen Ökologie gegen gewaltsame Maschinen erzählt, und dabei gar noch Umweltbotschaften auf den Weg gibt: Das harmonische Waldvölkchen der Na'vi nämlich muss sich gegen böswillige Militärs mit imposanten Waffen zur Wehr setzen, um ihre Flora und Fauna zu schützen. Cameron erweist sich dabei als geradezu grüner Ideologe, der mit den Na’vi tanzt. Die blauen Wesen haben gelbe Zähne und schicke Flesh Tunnels, erweisen sich trotz ihrer bedrohlichen Erscheinung jedoch als esoterische Sensibelchen, die in sektengleichen Massenzeremonien einer gigantischen, wurzelartigen Lichtquelle zu Fuße liegen – mein Freund, der Baum. Klanglich verhält sich der Film zu diesem in violetten und rosafarbenen Tönen getünchten Bilderreigen ("The Abyss") mit einer hübsch gejaulten Ethno-Beschallung durch James Horner, der immer wieder den gleichen schönen simplen Soundtrack recyceln darf. Selten war seine Musik von einer so banalen, wenig tragfähigen und verkennbaren Qualität – für die Ohren zumindest hat "Avatar" nicht viel Neues zu bieten.

Was aber eigentlich hat dieser Film überhaupt (Neues) zu bieten, wo er doch irgendwie als so etwas wie die sinnästhetische Revolution des Kinos angekündigt und vermarktet wurde? Diese Frage mag Grund sein, warum man nach knapp drei Stunden aus dem Kinosaal torkelt und mehr über die 3D-Brillenabdrücke auf der Nase, als das eben Gesehene nachdenken möchte. Denn "Avatar" ist letztlich ein Film der Widersprüche: Die visuellen Effekte suchen ihresgleichen, die Motion-Capture-Animation war noch nie so überzeugend, die künstlichen digitalen Naturbilder noch nie so real. Das hat man so tatsächlich noch nie gesehen, und doch überrascht Cameron an keiner Stelle seines Films. Die Gut-Gegen-Böse-Geschichte ist mindestens so alt wie die Technik neu sein mag, die Dramaturgie so dünnflächig wie die visuellen Attraktionen im Überfluss. Das alles Innovative dieses Films letztlich dem Computer entstammt oder zumindest auf ihn zurückzuführen ist, während Handlung und Figuren archetypischer und langweiliger nicht sein könnten, macht "Avatar" bestenfalls zu einer CGI-Öko-Fabel im Ethno-Takt. Oder auch ganz schlicht zum bisher dürftigsten Film von James Cameron – so beeindruckend und so egal.

Juli 07, 2009

Zuletzt gesehen: ½ PUBLIC ENEMIES

Von Hollywoods klassischen Gangsterfilmen inspirierte und offenkundig auch mächtig beeindruckte Ausstattungs- und Klischeerekonstruktion in HD-Ästhetik. Die Vorzüge des Formates haben sich mir immer noch nicht erschlossen, dem Heimvideolook konnte ich in der widersprüchlichen Kombi- nation mit klassischen Genrekino-Elementen auch kein akademisches "interessant" abgewinnen, nicht zuletzt deshalb, weil die Bilder oftmals durch eine anstrengende Bewegungsunschärfe entstellt sind. Das eigentliche Problem von "Public Enemies" ist jedoch, dass es der langweiligste Markige-Kerle-Dünnschiss der Kinosaison und die völlig ideenfreie, lustlose und mit den üblichen ausgestellten Michael-Mann-Techniksperenzien versehene Adaption eines durchaus interessanten Kriminalfalls ist. Sehr erhellend immerhin der Moment, in dem Johnny Depp und Christian Bale aufeinander treffen, da sich hier wunderbar anschaulich belegt, wer von beiden ein Schauspieler – und wer nur ein angestrengt dreinschauendes, seltsamerweise ständig flüs- terndes und nervtötend mit der Stirn runzelndes Hollywoodmysterium ist. Nach dem letzten "Terminator" ist das nun hoffentlich endgültig der Abschuss für den meistüberschätzten Schauspieler der letzten Jahre. Ach, noch was zum Film: Nach der Hälfe war der Wille noch immer nicht gebrochen. Und da sich das ermüdende, stereotype und repetitive Männerkino Michael Manns selten auch inszenatorisch so schwachbrüstig präsentierte – wobei die ruckelnden Kamerazooms und der bewusst Bildlücken generierende Schnitt mindestens bei den Regie- und Filmstudenten wieder feuchte Hosen garantieren dürfte – habe ich angesichts meiner dahinschwindenden Lebenszeit nach der Hälfte die Flucht ergriffen.

April 10, 2009

News: PUBLIC ENEMIES - Trailer #2


Der zweite Trailer. Schlägt einen anderen Ton an als der erste, gefällt mir aber immer noch gar nicht. Der DV-Look hat mich schon in "Miami Vice" abgetörnt, bei dem Mann im Spiel mit Schärferegulierung und Farbsättigung bereits weitaus uninspirierter zugange war als in "Collateral". Die Musik im Trailer nervt auch.

März 04, 2009

News: PUBLIC ENEMIES - Trailer


Der neue Michael Mann. Mit Johnny Depp, Christian Bale, Billy Crudup, Stephen Dorff, Marion Cotillard, Giovanni Ribisi und der großartigen Lili Taylor. Deutscher Kinostart: 06.08.09. But: Me don't like this. Scheiß-DV-Optik. Scheiß-Musik.


April 14, 2007

Kino: PERFECT STRANGER

Was ist das momentan nur für ein seltsamer Trend? Vor kurzem noch beförderte Joel Schumacher den schwer unterforderten Jim Carrey auf die Suche nach der eigenen Identität in seinem Vexierspiel "The Number 23", nun geht bereits der nächste Retro-Thriller an den Start. "Perfect Stranger" - oder leger: "Verführung einer Fremden" - kommt daher wie einer dieser unangenehm lasziven Erotikkrimis anno 1990, in denen für gewöhnlich irgendeine heißkalte Frau, die meistens Sharon Stone hieß oder dieser zumindest ähnelte, einen lüsternen Ermittler in Fesseln legte. Die finale Überraschung interessierte da in der Regel schon niemanden mehr - je klarer die exquisiten Einblicke in die Intimsphären der Hauptdarsteller, desto schwammiger der Rest.

Da die Stone ihre Reproduktionsprüfung mit Ganzkörper- Update bereits letztes Jahr in "Basic Instinct 2" absolvierte, sind nun endlich auch die Männer an der Reihe. Bruce Willis nämlich hat das Genre um ein mindestens genauso schuldiges Vergnügen bereichert: "Color of Night". Dort entpuppte sich die schöne Verführerin schlussendlich als kurioser Zwitter, was der Zuschauer aber ohnehin kaum noch wahrzunehmen schien - das entblößte Gemächt des Herrn Willis bescherte da schon den wesentlich nachhaltigeren Eindruck. "Perfect Stranger" ist hingegen zweifellos der Film mit den weniger spektakulären Schauwerten (ein prätentiöser Küchen-Quickie bleibt die Ausnahme), seine Auflösung ist dafür allerdings umso hanebüchener.

Halle Berry spielt Rowena Price, eine rasende Reporterin. Die ist derzeit aber gar nicht gut zu sprechen, hat ihr Chef doch gerade erst eine große Titelstory abgeblasen. Frustriert trifft sie zufällig ihre alte Freundin Grace (Nicki Aycox), die ihr von der Bekanntschaft mit dem Werbechef Harrison Hill (Bruce Willis) berichtet. Am nächsten Morgen allerdings liegt diese plötzlich auf dem Pathologietisch - Diagnose: Mord! Price und ihr verdächtig charmanter Kollege Miles (beständig zwischen liebenswert und nervtötend: Giovanni Ribisi) untersuchen den Fall auf eigene Faust. Per Internetchat treten beide in Kontakt zu Hill, den sie als verführerischen Übeltäter vermuten. Schließlich gelingt es Price sogar unter falschem Namen in dessen Agentur eingestellt zu werden. Doch man ahnt es schon - da hat die gerissene Schönheit ihre Rechnung ohne die raffinierten Kniffe des wohl längsten Drehbuchs des Jahres gemacht.

"Perfect Stranger" ist das Ergebnis folgenden Rezepts: Man nehme zunächst einen smart dreinschauenden Bruce Willis, auf den die Kamera immer dann besonders elegant schwenkt, wenn er gerade lässig den Raum betreten oder einen abgehalfterten Witz über die Lippen gebracht hat, stelle ihm eine sexy ins Licht gerückte Halle Berry als modische Profilerin zur Seite und packe dann noch zwei große Hände voller illustrer Filmklischees der 90er dazu. Am Ende schwimmen da freilich allerlei unappetitliche Zutaten nebeneinander - und der Geschmack reicht gerade so von fad bis nüchtern. Nein, James Foley ("The Corruptor") ist wahrlich kein Meisterkoch, da hätte es bei der Zubereitung einfach manch eigener Würze bedurft.

Doch trotz der grausigen Dialoge und ihrer noch viel, viel grausigeren Darsteller reicht es selbst für ein verwegenes, unfreiwilliges Schmunzeln kaum mehr aus. Und so quält man sich durch diese 110 Minuten uninspirierten Zelluloids, wartend auf den einen obligatorischen Moment, der das bis dato gesehene mit hektischer Erklärungswut ad absurdum führen wird, bis dann endlich auch das letzte Klischee über die Leinwand flimmern darf: Es ist - Überraschung! - ein Schlusstwist wie aus den alten guten Erotikthriller-Tagen…


10%
- erschienen bei: DAS MANIFEST