März 30, 2009

Zuletzt gesehen: TITANIC

James Camerons Erzählkino, mehr Liebesfilm und schein- objektive Bebilderung eines großen tragischen Unglücks, denn historische Rekonstruktion. Das klassische individuelle Liebesmelodram ist die eigentliche Attraktion, nicht die Wiederherstellung von illusorischen Kinobildern, die in der Tradition von Klassikern wie "Gone with the Wind" stehen. Und ein Film, der sowohl über die Rahmen- als auch Binnenhandlung ein für Camerons bisheriges Gender- Verständnis ungewöhnliches Frauenbild vermittelt – "Titanic" ist, bis zuletzt, von einem weiblichen Blick bestimmt. Er ist wunderbar sentimental, er scheut nie den Weg des ausladenden Gefühlskitsches, und er stellt – anders als Camerons bisherige Regiearbeiten – das Technokratische der Geschichte nie aus, in den Vordergrund oder überhaupt je vor sein entzückend ersponnenes Liebesdrama, das mit der Katastrophe als Rückgrat das rhetorische Einmaleins eines Megamelodrams bildet. Insbesondere der Epilog, bei dem das Staunen über die eigene Struktur, die Bilder verschiedener zeitlicher und räumlicher Zusammenhänge letztlich zu einer – banalen? – Romantik der Wiedervereinigung zweier auf ewig Liebender überleitet, ist von einer vereinnahmenden emotionalen Größe durchdrungen – schöner kann ein solches Kino kaum sein.


90%

Kommentare:

  1. Der Epilog hat mir auch immer sehr gefallen.

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  2. Ich kann den Film nicht gut heißen, da er Cameron dazu verleitete Dokumentarfilmer zu werden.^^

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  3. Das stimmt allerdings. :lol:

    (wobei es wohl eher die 11 Oscars waren, die dem guten James damals zu Kopf gestiegen sein müssen)

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  4. Nein, jetzt mal im Ernst. Ich halte Cameron für einen der größten Regisseure, da er in jedem seiner Filme den menschlichen Aspekt über den technokratischen Aspekt stellt. Von Terminator bis eben Titanic stehen immer die Figuren, die Menschen von denen er erzählt im Vordergrund. Das ist etwas was mir im Blockbusterkino der letzten Jahre nicht nur ein wenig abgeht. Das Gefühl für die jeweils richtige Dosis der Sensationen.

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  5. Finde das Gespür für Technik und das Gespür für menschliche Figuren in Filmen wie ALIENS, THE ABYSS oder TRUE LIES leicht unausgewogen, aber vielleicht kann man sich darauf einigen, dass Cameron stets eine sehr teleologische Betrachtungsweise in seine Filme einbringt.

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  6. Na zumindest wurde nach True Lies mehr über Jamie Lee gesprochen als über den Senkrechtstarter.;)

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  7. Was auch mehr für eine großartige Schauspielerin denn tiefsinnig geschriebene Rolle sprechen könnte. :)

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  8. Ich glaube, wir sind in letzter Zeit etwas sentimental, erst My Girl und jetzt Titanic was wird folgen eventuell Ghost :-))))

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  9. Hach stimmt, den könnte ich auch mal wieder sehen. :D

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  10. Kurios, den hatte ich am Wochenende auch mal wieder gesehen, der Saturn-Aktion sei Dank. ;)

    Stimme mit dir selbstverständlich überein. Hatte den gar nicht mehr so wunderbar in Erinnerung. :)

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  11. Mr. Hankey30/3/09 23:50

    Ja, ich gehöre auch zu denen, die damals bei "Titanic" geweint haben! Na, wer kann das noch von sich behaupten???? ;)

    Was auch mehr für eine großartige Schauspielerin denn tiefsinnig geschriebene Rolle sprechen könnte. :)

    Die ja in kürze endlich wieder auf die Leinwand zurückkehrt, sich aber mit "Beverly Hills Chihuahua" dafür wirklich etwas ausgesucht hat, dass weeeeitttt unter ihrem Niveau ist. Traurig, traurig! ;(

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  12. In der Tat. Aber auch das kann ihr nichts ausmachen, sie ist und bleibt unwiderstehlich. Muss man eben immer und immer wieder die Wanda in den Player legen.

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  13. psychopaul31/3/09 10:45

    sehr schön, Titanic ist großartig, hab auch geweint, Cameron, wir lieben dich!

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  14. Habe nicht geweint, aber wenn Kloß im Hals und dreimaliger Kinobesuch ausreichen, um bei eurer Pyjamaparty mitzumachen, dann haltet mir ein Kissen frei.

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  15. Habe den Film damals mit meinem polnischen Austausch-Schüler gesehen, der unter uns gesagt, total auf Droge war...
    So kam es dann auch das er mir, just in dem Moment als die Opening-Credit anliefen, offenbarte das er sich vor einer halben Stunde einen LSD-Trip "eingeklinkt" hatte...
    Nach circa 10 Minuten fing der Knabe höllisch zu lachen an. Eine Gekichere und Gelächter welches dem Wahnsinn ziemlich nahe war...
    Natürlich wurden wir sofort von den zahlreich anwesenden autonomen Girlie-Gruppen ins Hass-Visier genommen!
    Ich versuchte den Burschen vergeblich davon zu überzeugen das es eventuell besser wäre mit dem Gelächter aufzuhören, als auch schon die ersten scharfkantigen Popcornstückchen angeschossen kamen...was dann folgte war eine Hölle aus Maiskernbombardement, Gekreische, Beschimpfungen und einem ultrafiesen Gekichere...
    Was soll ich sagen?
    Der frivole Pole zog sein Programm die komplette Dauer des Filmes durch, war sozusagen unsinkbar, der König seiner eigenen kleinen Welt!
    Das ganze gipfelte schließlich in einem total psychotischen Crescendo welches urplötzlich verstarb als Leo die Türklinke loslässt und in der Finsternis des Meeres verschwindet...
    Das brachte meinen osteuropäischen Begleiter anscheinend auch wieder auf den "Meeresboden" der Tatsachen...und für mich verhakte sich der Anker des Films auf ewig unlösbar in meinem Unterbewusstsein...Auf jeden Fall ein über alles erhabener Klassiker den der Cameron da vom Bord seiner Synapsen geworfen hat...
    LG Bartel

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  16. Wieder mal ein unbezahlbarer Kommentar von dir. :)

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